Uhrenbestimmung Zwei TUs vom Flohmarkt

Diskutiere Zwei TUs vom Flohmarkt im Taschenuhren Forum im Bereich Taschenuhren; Hallo liebe Taschenuhr-Freunde, Ich heiße Ingo, wohne in Berlin und bin neu hier. Ich liebe Taschenuhren, seit ich 14 bin (bin mittlerweile 50)...
#1
monozelle

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Hallo liebe Taschenuhr-Freunde,

Ich heiße Ingo, wohne in Berlin und bin neu hier. Ich liebe Taschenuhren, seit ich 14 bin (bin mittlerweile 50), ich habe seitdem nie mehr Armbanduhr getragen. Ich kenne mich allerdings, so muss ich zu meiner Schande gestehen, kaum aus.
Heute entdeckte ich auf dem Flohmarkt in Berlin diese beiden Exemplare. Ein wenig ramponiert, aber nach einem kleinen Schubs erwachten sie zum Leben, haben seit etwa 6 Stunden einen kräftigen Herzschlag und zeigen mir seitdem die Uhrzeit recht genau an. Die Kronen drehen sich weich. Die beiden haben ihre Narben, aber so wie sie in dieser staubigen Kiste lagen unter lauter Armbanduhren, schmutzig und einsam, eroberten sie mein Herz.
Die Verkäuferin wusste nichts über die Uhren, sie stammen aus irgendeinem Nachlass. Ich musste sie einfach erwerben.
Beide Gehäuse haben einen Durchmesser von 50 mm.

Könnt ihr mir weiterhelfen und mir etwas zu diesen beiden Exemplaren sagen? Schrott, eher okay, oder Glücksgriff? Wer ist der Hersteller, wie alt sind die ungefähr? Kann man die als Alltagsuhr tragen oder sind sie zu empfindlich? Wie beurteilt ihr den Zustand?
Das Werk der Savonnette zeigt einen Hahn und das Wort "Trade Mark". Die Zeiger lassen sich nicht durch Herausziehen der Krone, sondern durch einen kleinen ausklappbaren Hebel seitlich neben dem Zifferblatt einstellen. Musste ich auch erst rausfinden, kannte ich vorher nicht.
Die zweite Uhr ohne Sprungdeckel zeigt nur den Schriftzug "Pfalz" auf dem Zifferblatt. Das Metall hat einen rosa Schimmer, welches Material ist das?

Hier TU Nummer eins:

IMG_8383.jpg IMG_8384.jpg IMG_8385.jpg IMG_8386.jpg IMG_8387.jpg IMG_8388.jpg IMG_8390.jpg IMG_8392.jpg

Und hier Nummer Zwei:

IMG_8376.jpg
IMG_8377.jpg
IMG_8382.jpg
IMG_8379.jpg IMG_8380.jpg

Besten Dank für euer Feedback! :)
Viele Grüße aus Berlin!

Ingo
 
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#2
Ruebennase

Ruebennase

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Alles gut würde ich sagen. Dein Spürsinn durch jahrlanges Tragen von TU's funktioniert. Bei der Ersten hat mich das Innenleben positiv überrascht wenn man den Dreck mal gewissentlich übersieht. Ein solides Ankerwerk vor 1900 mit Kronenaufzug im silbernen Gehäuse. Ein Logo scheint auch auf dem Werk zu sein. Ist es der Hahn? Verflixr schwer auf dem Foto aus zu machen. Schau mal selber: Mikrolisk - The horological trade mark index einfach Hahn ein geben oder was immer auf dem Werk zu sehen ist und vergleichen. Überraschender WEise keine Silberpunzen. Das würde für einen Zeitraum vor1882 sprechen ..pühh..hochmodern seiner Zeit und sicherlich nicht viel älter.
Die zweite "Pfalz" ist junger und ich einem Silbergehäuse mit Rotvergoldung am Rand. Das nennt sich dann Galonne Gehäuse und war lange populär. Baujahr tippe ich grob um 1920. Das Werk ist französisch oder schweizerisch. Da wissen die Experten sicherlich mehr. Das Lager vom Kleinbodenrad ist wohl einmal repariert worden, aber das hat doch Charakter so eine treffliche Altreparatur.

Reinigen und los geht die Freude mit den Beiden
Rübe
 
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#3
monozelle

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Hallo Rübe! :)

Vielen Dank für die schnelle und kompetente Antwort, das ist ja super. Juhuu! :D

Nach mittlerweile etwa 19 Stunden Laufzeit ticken beide immer noch stabil! Die "Pfalz" zeigt die Uhrzeit immer noch auf die Minute genau, die Aeby & Landry (ja, es ist ein Hahn mit "Trade Mark" drunter, und danke für den Link!) geht etwa zwei Minuten vor. Das Werk der "Pfalz" scheint ein bißchen lose im Gehäuse zu sitzen, sie klappert etwas.

Ich werde mal ein Silberputztuch besorgen und schauen, ob man die beiden wieder ein bißchen schick bekommt.

Falls noch jemand etwas über die "Pfalz" sagen kann, würde mich das interessieren. Ich habe irgendwie keinen Hersteller diesen Namens finden können. Und ich habe gestern abend noch lange hier gestöbert... ist ja unglaublich, was ihr hier teilweise für Schätze habt. Ich habe in den letzten 12 Stunden mehr über Taschenuhren gelernt als in den letzten 30 Jahren... :D

Danke nochmal! Ist ein klasse Forum! :super:

(Edit)
Hier der Hahn bei der Savonnette:

48A92722-6FE5-4F27-A0EB-18B2A18E966B.jpeg
 
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#4
Bullius

Bullius

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Schöne Uhren, doch bitte lasse Sie reinigen, wen Du Sie öfter laufen lassen möchtest.
Die Werke sind verschmutzt und das tut dem Ganzen nicht gut.
Ärgerst Dich schwarz wen die Zapfen sich abreiben und es keinen Ersatz giebt.
Auch wen das ganze jetzt noch läuft heißt das nicht das es so bleibt.
 
#5
monozelle

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Danke, Bullius. Werde ich auf jeden Fall tun.
 
#6
Ruebennase

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Hmmm ..genau das Werk finde ich nicht . Das Lipmann hier geht aber eindeutig in die richtige Richtung und mit Brüche anstatt Platine abgedecktes Gesperr ist auch zu finden: bidfun-db Archiv: Uhrwerke: Lip 19'''H5.9 . Aus dem Bauch heraus bin ich bei den Franzosen, aber weiß nicht ob ich daneben liege. Leider habe ich für die Franzosen keine guten Werkssucher. Krabbelt da irgendwo eine winzige Krabbe in Form einer Punze rum ???

Ach mit reinigen meinte ich auch das Werk :-). Wenn das Silber nicht zu stark angelaufen ist, dann reinigt sich es fast von alleine in der Hosentasche die dann allerdings sich einsaut :-)

Grüße Rübe
 
#7
monozelle

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Hallo Rübe!

Danke für deine Mühen! Ja, sieht ähnlich aus!
Vielleicht befindet sich auf der Zifferblattseite des Werks ein Hinweis (oder eine Krabbe), aber ich bin eindeutig noch zu sehr Grünschnabel, um mich an eine solche Demontage heranzuwagen. :shock:

Bei uhrenpaul.de hab ich ein Foto gefunden, das dem "Pfalz"-Werk auch ähnlich sieht, und zwar bei einer Paul Garnier:

Paul Garnier

Hier der direkte Vergleich:

GarniervsPfalz.jpg

Was meinst du? Abgesehen vom unteren Teil um die Unruh herum (leider keine Ahnung, wie man das Teil nennt) doch auch recht ähnlich, oder?
 
#8
monozelle

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Auch die Richtung - Alex Hüning. Quelle: uhrenpaul.de

Alex Hüning

Der direkte Vergleich:

HueningvsPfalz.jpg
 
#9
Ruebennase

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Ohhhh..ja da hast Du zum Vergleich ein paar extrem hochwertige Werke Dir ausgesucht. Schön wäre es, aber die Beiden habe ich nicht in Verdacht :-)- Allerdings ist das Rohwerk/Basiswerk zu der Paul Ganier vielleicht identisch. Da wären wir wieder bei den Franzosen. Ich bin nicht gut darin Werke zu vergleichen aber die Positionen Räder (winkel) und Unruhe könnten überein stimmen. Vielleicht versuchst Du mal den Vergleich oder spielst mit Fotoshop rum und legst sie transparent über einander. Ich kann so eztwas nicht und habe auch eine Programme mit denen das geht. Brückenformen selber sagen nicht viel aus. Ich frag Paul mal ob er das Rohwerk inzwischen zuordnen konnte.
Das war es dann aber mit den Gemeinsamkeiten. Vergleiche mal die Unruhreife, die Gesamtausführung auch der Stahlteile, dann hätten wir noch ein Deckstein auf dem Ankerrad und diese sogenannte Schwanenhalsregulage als Hilfe für die Feinstjustierung. Die Hünning hat das nicht aber ist ohne Frage feiner verarbeitet und der Blick auf die Unruhe, Anker und Ankerrad ein Träumchen.

GRüße Rübe
 
#10
monozelle

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Moin Rübe!
Danke für die Info! Man wird ja wohl noch träumen dürfen. :D
Mittlerweile denke ich bei den beiden Flohmarkt-Uhren - naja, ein Griff ins Klo wars zum Glück anscheinend nicht, aber auch kein Sensationsfund. Das Geld, das ich dafür bezahlt habe, war okay, aber auch kein Superschnäppchen. Ich bin aber sehr happy damit.

Ich habe Photoshop (ich arbeite sehr viel damit) und könnte das mal übereinander montieren. Mal schauen, wie ich dazu komme.
Vielleicht wurde diese "Pfalz" ja auch zusammengebastelt... vielleicht ist das Zifferblatt ja ausgetauscht worden. Mich würde total interessieren, was die Unterschiede zwischen der Qualität der Werke sind, wie man das beurteilt und woran man achtet. Total spannend! Aber ich will euch auch nicht auf die Nerven gehen. Vielleicht bin ich ja eines Tages so weit, dass ich eine solche Uhr selbst reinigen kann. ;-)
 
#11
Ruebennase

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Ich bin mir ziemlich sicher, das die "Pfalz" so orginal ist. Quasie alle Kleineren und auch oft die größeren Hersteller haben nicht mit den Materialien angefangen sondern mit soganannten Blanc's /Ebouche also Halbzeug das zu der Zeit in verschiedenen "Ausbaustufen" erhältlich war.DA waren dann Räderwerkspositionen schon vorgegeben und der Rest wurde gefertigt. Ein blanc hatte niemals eine Hemmungspartie und selten eine Unruhe. Selbstverständlich gab es auch zu der Zeit schon reine Einschaler, so wie Du heutzutage das ETA 2428-2 in unterschiedlichen Qualitätsstufen bei vielen, auch Edelherstellern, findest. Mal modifiziert und mal orginal. Der Begriff Manufaktur war nicht geprägt auch wenn es natürlich innovative Kompletthersteller gab. Diese haben allerdings auch oftmas für kleine spezielle Produktlinien Fremdwerke verwendet. Von "zusammengebastelt" würde ich da nicht reden denn Sie entspricht mit hoher Sicherheit dem Auslieferungszustand. ES gibt viele zurecht teure Werke oft auf Le Coultre Basis von den feinsten Uhrmachern da lecke ich mir alle 10 Finger nach :-). Sehr wagemutig das als "gebastelt" zu bezeichnen.
WEnn Du mal ein Fehlkauf machst dann fang an zu schrauben und lerne Reinigen. Dabei bekommst Du das Gefühl für die Qualitätsunterschiede denn Passgenauigkeit ist ein wichtiges Kriterium.

Grüße Rübe
 
#13
Ruebennase

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Alles gut ..ich wollte es auch nur so plastisch beschreiben das Dir klar wird, dass Du auf dem falschen Dampfer bist. Man muß erst einmal ein Gespür dafür entwickeln was damals ab ging und wie etwas zu bewerten ist. Das moderne Marketing hat da ganz neueWerte geschaffen.
In jedem Fall teile ich deine Einschätzung über die Uhren. Das die sind wirklich guter solider Standart und das recht frühe Ankerwerk mit Kronenaufzug ein tucken drüber, wenn Du die Zeitleiste berücksichtigst. Ich verrate lieber nichts über meine ersten Einkäufe :-).

WEiter machen, lernen und Feude haben
Rübe
 
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