Zwei Mal 6746 Km. über Atlantik - Meine ZENITH Uhr im Ami Kleid.

Diskutiere Zwei Mal 6746 Km. über Atlantik - Meine ZENITH Uhr im Ami Kleid. im Taschenuhren Forum im Bereich Uhrentypen; Hallo in die Runde! Hier möchte ich euch zeigen eine gewöhnliche Zenith Uhr. Laut unsere ZENITH Fachfrau Ruebenase, stammt das Werk aus dem Jahr...

ANTARES1958

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Hallo in die Runde!
Hier möchte ich euch zeigen eine gewöhnliche Zenith Uhr. Laut unsere ZENITH Fachfrau Ruebenase, stammt das Werk aus dem Jahr 1926-27. Die Werke würden nach Amerika exportiert und dort in Ami Gehäusen eingeschalt.
Normales , 15 Steiniger Werk mit Mikro Regulage. Zwanziger Jahre... da waren die RR Standarts schon festgelegt - mindestens 17 Steine, Mikro Regulage , Adjusted in 5 Position's und entsprechend die Zeiger und das Zifferblatt. Als RR ist die schöne nicht zu betrachten, aber für mich allemal interessant. Hier paar Bilder dazu:
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ANTARES1958

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Mir ist es bewusst, das ich das Glas mit dem 2000 - 3000 Schleifpapier Nassschleifen muss, das mach ich irgendwann 🤔😜. Meine Frage ist, wieso hat man die Rohe Werke exportiert, wenn die nicht RR tauglich waren🤔? Das Werk passt exakt in das Gehäuse, alles harmoniert. Die Uhr läuft hängend seit 15 Stunden und hält die Zeit perfekt! Ich meine, für die Europäische Verhältnisse - eine perfekte Eisenbahnuhr, oder?
 

Ruebennase

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Hallo Roman,
warum sollte man nicht sehr gute Standardwerke nach Amerika liefern, wenn es hierfür Kunden gab? Der amerikanische Markt war groß und hungrig. Uhren wurden kaum exportiert trotz einer großen industriellen Produktion vom einfachen bis zum RR Werk.
Zenith selber hat glaube ich, erst in den 1920'ern angefangen dort zu liefern. Der Gründer George Favre Jacot versuchte um 1870 dort hin zu exportieren, aber fasste nicht so richtig Fuß. Zenith Uhren um 1900 findet man auf dem amerikanischen Kontinent eher vereinzelt im Süden. Auf Grund der Steuergesetze wurden den amerikanischen Standart entsprechend Werke in den S Größen und mit negativ Aufzug geliefert. Hier orientierte man sich an den englischen Dennison Gehäusegrößen. Die Patente für Zenithwerke mit dem Aufzug stammen aus der Zeit kurz vor 1910. Ich mag diese drüben eingeschaltet Uhren, da Sie durch die Gehäuse ein anderes Antlitz bekommen als die komplett in der Schweiz produzierten Produkte. Bei Deiner Uhr wurde offensichtlich ein Eisenbahner Gehäuse verwendet, wie auch die Aussparung vorne unter dem Glasring zeigt.

Grüße und viel Spass mit der Schönen
Rübe
 
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ANTARES1958

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Vielen Dank Rübe! Deswegen habe ich mir die Uhr geholt. Irgendwie ist da RR Feeling...
 
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Unruhgeist

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Wirklich nennenswert ging seitens Zenith die Belieferung des US-Marktes wohl tatsächlich erst in den 1920'ern los. Schließlich hatten die Amis schon viele Jahre früher eine industrielle Uhrenproduktion aufgebaut als die Schweizer. GFJ hat sich ja auch von den Berichterstattungen der Weltausstellung 1876 in Philadelphia inspirieren lassen, eine Uhrenfabrik nach amerikanischem Vorbild aufzubauen. So etwas gab es bis dahin in der ganzen Schweiz nicht. Dennoch gelang es ihm nicht, den US-Markt wirklich zu erobern. Ist auch kein Wunder, schließlich trat er dort gegen etablierte Firmen wie Hamilton, Dueber, Ball, Howard usw. an, die technisch alle mindestens in der gleichen Liga spielten, und auch einige Ligen darüber. Gegen solche Uhrwerke brauchte er mit seinen Billodes-Treckern gar nicht erst antreten.
Erste nennenswerte US-Aufträge kamen wohl um 1917 bei Zenith an. Das waren die Uhren für die Signal Corps und die Corps of Engineers. Das lag aber vermutlich nicht daran, dass die Amerikaner solche Uhren nicht bauen konnten oder Zenith signifikant besser war, sondern daran, dass sehr viele Uhren sehr kurzfristig gebraucht wurden. Und praktischerweise hielt sich die amerikanische Kundschaft sowieso gerade in der Nachbarschaft auf, nämlich in Frankreich. Es tobte der Erste Weltkrieg und die in Frankreich stationierten US-Armeen waren geographisch nun mal näher an Le Locle dran als an Lancaster / Pennsylvania. Außerdem lag auch nicht der Atlantik zwischen Hersteller und Endabnehmer. Last but not least war Zenith ohnehin in die Produktion von Kriegsgütern, Munition etc. für die Alliierten eingebunden. Was lag also näher, neben der Munition auch ein paar Uhren vom gleichen Hersteller zu ordern?
Und natürlich nahmen nach Ende des WK I die US-Truppen die Uhren mit zurück nach Amerika. Natürlich bezieht sich das nicht nur auf Zenith Uhren, sondern auch auf die anderer Hersteller wie z.B. Longines, Omega, Cyma usw., die auch die US-Truppen belieferten. In den Folgejahren nach dem WK I ist ja auch bei einigen Herstellern eine "Amerikanisierung" ihrer Werke zu beobachten. Plötzlich wurden sie vernickelt oder rhodiniert, irgendwelche Zierschliffe wurden auf die Werke aufgebracht, und allerlei englischsprachige Bezeichnungen tauchten plötzlich in den Uhrwerken auf. Das waren die Werke, die direkt für den Export auf den US-Markt bestimmt waren. Und das sie sehr häufig als lose Werke versendet wurden liegt daran, dass es in Amerika üblich war, dass der Kunde sich ein Werk aussuchte und dazu ein Gehäuse das ihm gefiel. Der dortige Uhrmacher schalte das Werk dann ein und verkaufte dem Kunden die komplette Uhr. Darum finden sich ja auch so viele Uhrwerke schweizerischen Ursprungs in amerikanischen Gehäusen. Das sind keine Bastel-Wastel, sondern Uhren, die so an den Endkunden verkauft wurden. Später kamen dann noch die Private Labels auf, bei denen mehr oder auch weniger namhafte US-Juweliere Schweizer Werke mit ihrem Namen auf dem Zifferblatt in ihre eigenen Gehäuse einschalten. Zuweilen steht der Name des Juweliers sogar im Uhrwerk auf einer der Brücken. Die Werke aus der Schweiz hatten wohl den Vorteil günstiger zu sein als die amerikanischen.

Und um eine solche Uhr scheint es sich bei deiner zu handeln: Der damalige Endkunde hatte wohl auch ein Faible für RR Watches und entschied sich, das Zenith-Werk in ein RR Case einschalen zu lassen.

Der Gründer George Favre Jacot versuchte um 1870 dort hin zu exportieren
Nee, das hat er frühestens 1880'ern versucht. 1870 träumte GFJ noch von einer Uhrenfabrik.

Grüße,
Unruhgeist
 

ANTARES1958

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Vielen Dank Geist und Rübe für die alle ausführliche Informationen 👍👍👍
 

Seiko1980

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Hallo,

eine sehr schöne TU. Die Feder für den Sperrkegel habe ich so noch nicht gesehen. Normalerweise drückt die von oben den Sperrkegel gegen das Sperrrad. Bei deiner Uhr scheint sie irgendwie unter dem Sperrkegel ihre Kraft zu entfalten...sehr interessant.

Grüße Philip
 

Seiko1980

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Verstehe! Anstatt das die Feder innen direkt den Sperrkegel gegen das Sperrrad drückt, wird die Kraft von außen am hinteren Teil (vor der Schraube/Drehgelenk) indirekt aufgebracht. Es wird praktisch ein Drehmoment um die Drehachse des Sperrkegel aufgebracht. Der Vorteil ist, dass man dadurch platzsparender bauen kann. Der Nachteil ist wohl durch die nicht direkte Krafteinleitung wird die Drehachse (Absatz der Schraube) stärker belastet und erfährt einen stärkeren Verschleiß. Außerdem wird der Kraftanteil der in den Sperrzahn des Kegels fließt wohl kleiner sein als bei der direkten Variante. Hier mal eine Skizze was ich meine:
 

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Unruhgeist

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Vom Grundprinzip soweit korrekt.
Nur mit weiteren Details: Die Platine hat einen kleinen Tubus mit Innengewinde. Die Sperrklinke hat ein Langloch, welches um den Tubus liegt. Der Tubus verhindert beim Aufzug alle quer auf die Schraube wirkenden Kräfte. Das Langloch dient dazu, dass die Sperrklinke beim Aufziehen ein Stück nach vorne gleitet, bevor der jeweilige Zahn des Sperrrades die Klinke nach oben bewegt. Hätte die Sperrklinke nur ein Rundloch, wäre der Winkel wohl zu steil um die Klinke anzuheben. Das ganze System würde blockieren, oder zumindest einem erhöhten Verschleiß unterliegen.
Die Schraube hat also nur den Zweck, durch ihren großen Kopf die Sperrklinke in Position zu halten. Sonstige Kräfte wirken auf die Schraube nicht ein.

Hier mal eine Aufnahme des Systems:
1619880134647.png
 
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ANTARES1958

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Sehr, sehr interessant eure Diskussion 👍, danke!
 

Seiko1980

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Danke für die Antwort! Das macht eine Menge Sinn mit dem Tubus um die wirkende Querkraft aufzunehmen und das Langloch um die "Verkeilung" zw. den Sperrzähnen lösen zu können. Es ist schon sehr interessant welche Ideen und Lösungansätze die alten Meister und Ingenieure für das Gesperr hatten. Es kommt mir so vor, dass speziell bei dieser Baugruppe viel ausprobiert wurde. Es ist halt auch eine sehr stark beanspruchte Baugruppe der Uhr.
 

Unruhgeist

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Ja, da gab es schon abenteuerliche Konstruktionen beim Gesperr. Mir gefallen die kleinen runden Gesperre am besten, in denen alles in einem Bauteil untergebracht ist.
Hier das ursprüngliche Patent von Olaf Ohlson, der sein Patent an Waltham abgetreten hat (Abb. 1-3) und darunter eine der Varianten von Zenith (Abb. 4+5). Es gab noch mindestens eine weitere Zenith-Version mit "runder Sperrklinke" (wie ich sie immer nenne), da habe ich aber gerade die Abbildung nicht zur Hand.

1619882929348.png
 
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ANTARES1958

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Ganz genau, habe ich früher auch nicht gesehen. Bin kein Fachmann 🙈. Danke euch für alle die Erklärungen.
 

monozelle

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Sehr schick! Ich mag die Bügel im RR-Style nicht so sehr, aber der Rest gefällt mir super gut! 😃👍
 
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