Zünderuhren für Flak

Diskutiere Zünderuhren für Flak im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo erst mal an alle Uhrenspezialisten und Kenner der Materie Ich muß anfangs gleich gestehen, daß Uhren nicht gerade ein besonderes...
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Maehler

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Hallo erst mal an alle Uhrenspezialisten und Kenner der Materie

Ich muß anfangs gleich gestehen, daß Uhren nicht gerade ein besonderes Wissensgebiet von mir sind. Im Gegenteil, ich hoffe ihr könnt mir bei einem speziellen Thema helfen.

Mein Schwerpunktinteresse gilt dem Luftschutz in der Technik, Organisation, Gesetzesentwicklung, Abhandlung und Verwaltung, so wie Luftschutzbauten aller Art. Das ist ein recht großes Themenfeld und beinhaltet u.a. das Feuerlöschwesen, die unabhängige Löschwasserversorgung, Bergungs - und Rettungsarbeiten, geht nahtlos über in bergbauliche Gegebenheiten, Verletztenversorgung u.vieles mehr.

Ein Teil des Luftschutzes ist der aktive Luftschutz, heißt i.d.R. Flak (Flugabwehrkanone). Diese Geschütze wurden mit Flakgranaten betrieben, die durch verstellbare Zeitpunkte gezündet wurden. Die Zünder besitzen eine sogenannte Flakuhr (eigentlich Flakgranatenuhr).

Bis auf eine einzige Zeichnung eines Uhrwerkes einer 8,8 cm Flakgranate habe ich bisher keine weiteren Erkenntnisse, weder über deren Konstruktionen und Produktionsstandorte noch über die verschiedenen Arten und Modelle.
Und deshalb hoffe ich hier die Hilfestellung bekommen zu können um das Thema weiter zu erhellen.
der Link führt zu der mir bekannten Zündderuhr
http://www.bochumer-bunker.de/html/flak_.html

Mit freundlichen Grüßen und Glückauf
Wilfried
 
JochensUhrentick

JochensUhrentick

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Hallo Wilfried,

das Thema ist ja schon sehr speziell und sicher interessant. Da es hier um Militäruhren geht, wäre Herr Konrad Knirim (www.knirim.de) zu empfehlen. Er ist ein sehr guter Experte für Militäruhren beider Weltkriege. Wenn Du Herrn Knirim persönlich kontaktierst und Dein Anliegen gut erläuterst; denke ich, wird er Infos zukommen lassen...

"Uhrige" Grüße aus Berlin!

JochensUhrentick
 
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Maehler

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@ Jochen - vielen Dank für den Tip. Der erste Kontakt ist aufgenommen. Wie ich telefonisch bereits erfahren konnte, produzierten einige Uhrenhersteller solche Flakuhren. Daß die Montage auch in eigentlich unvermuteten Firmen erfolgte, wie z.B. in Hüttenwerken, ist für mich besonders Interessant. Eine intensivere Recherche zu diesem Thema fand, nach meinem ersten Gespräch mit Herrn Knirim, vermutlich noch nicht statt.
Falls hier also ein Forumsmitglied durch Zufall auf solche Spezialuhren stoßen sollte, bitte ich an einen kleinen gemeinnützigen Verein zu denken, der die technische und soziale Geschichte erhellen und aufzeigen will.

Da fällt mir passend noch eine Frage ein. Und zwar wurde im Rahmen des Luftschutzes das Feuerlöschwesen genormt. So wurden noch heute gültige Normen geschaffen, wie z.B. Schlauchkupplungen, Hydranten, Steckleitern usw.
Gab es sowas auch für die Uhrenproduktionen vor 1945 ? Im Internet kann man zwar etwas darüber finden, aber die aufgeführten Normen sind alle aus der Nachkriegszeit
Mit freundlichen Grüßen und Glückauf
Wilfried
 
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Franziskuss

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Dannviel Spaß mit der Suche und auf eine gute Forschung gibbet noch das hier: :prost:
 
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Buteo

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Sprenggranaten mit Zeitzünder hatten nur die 8,8 und 10,5 cm Flak. Die kleineren 2 cm und 3,7 cm arbeiteten ausschließlich mit Kontaktzündern.

Hersteller dieser Zeitzünder (z.B. Zeitzünder S30 Fg für Sprenggranate L / 4,5) war meist die Firma Thiel, eine Krupp-Tochter. Ein paar wenige machte auch Junghans.

Die Werke sind eher simpel. Im ganzen sieht so ein Zeitzünder ausgebaut wie ein Eisenzylinder aus, oben kann man z.T. die Zündzeit einstellen.
Eingebaut ist es der Kopf der Sprenggranate, sieht wie der Sprengsatz von mehrteiligen PAK-Granaten aus. Bei diesen einteiligen Flak-Sprenggranaten ist es aber der hohle Kopf mit dem Zeitzündemechanismus. Die Ladung ist mit der Treibladung im Rohr.

Öffnet man den Zylinder findet man unten die Sicherungsplättchen, dann kommt der Zündmechanismus (Zündstückhebel, Zündstück, Zündnadel, Auslöser) darüber kommt dann das simple Uhrwerk mit Unruhe, dann das Fliehgewicht und der Einfallhebel. Dann der Auslöser der Sprengkapsel (Mitnehmerarm samt Einstellscheibe, Hammerfeder, Hammerfederstift, verbunden mit einem Mitnehmerstift).

Einsatz: Die Sprenggranate wurde mit der Zünderstellmaschine an der Flak eingestellt = Die Flughöhe des gegenerischen Flugverbandes berechnet, die Zeitzünder der Granaten danach eingestellt.

Der Zeitzündermechanismus wurde beim Abschuss der Granate (Flak-Granaten waren einteilig) aktiviert, nach Ablauf des Zeitzünders explodierte der eigentliche Sprengsatz von 9 kg und es gab einen kreisförmigen Schrapnell-Regen ...

Bei Bodenzielen wurde der mechanismus so gestellt, dass die Granate über dem Gegner zerrissen ist.

Das System war relativ unzuverlässig. Ca. 15% der zivilen Opfer des Bombenkrieges in Deutschland wurden von den eigenen Flak-Waffen getötet (weil die Schrapnelle auch runter sind ...) aber nicht wenige davon auch, weil die Granaten nicht gezündet haben und die 9 kg ungezündet runter gekommen sind - und dann explodiert sind.

Diese Zündmechanismen sind übrigens nicht selten, sind des öfteren auf Military-Börsen usw. zu finden. Natürlich ohne Ladung.
 
Trainmaster C

Trainmaster C

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Interessant, ich dachte immer, die Granaten würden durch Luftdruckmembrane gezündet.

Mein Opa schrieb:
Da wirste alt wie ne Kuh und lernst immer noch dazu.
 
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Buteo

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Vor 65 Jahren war eher Low-Tech angesagt ... wäre bei dem Konflikt-Ausmaß wahrscheinlich auch heute noch so.

Eine komplette 8,8-Batterie verschoss bei einem Angriff knappe 200 Granaten in der Minute ...
Nehmen wir einen Großangriff und 10 Batterien ... und eine Angriffsdauer von 10 Minuten - waren 20.000 Granaten in der Luft ...
 
JochensUhrentick

JochensUhrentick

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@Buteo,

Deinen Beitrag finde ich sehr interessant.... :wink:

"Uhrige" Grüße aus Berlin!

JochensUhrentick
 
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Maehler

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@ Buteo - stimmt - du kennst dich gut aus.

Noch ein paar Zahlen - wenn schon denn schon

Die Trefferquote, heißt Abschüsse oder Fluguntauglich machen, lag Anfang des Krieges bei ca. 7000 - 8000 Schuß / Abschuß
mit der verbesserten Technik (Radar, Peilung, Horchgeräten. Kommandogeräten und Rechenmaschinen) lag die Abschußquote bei um die 3000 Schuß / Abschuß

Flakgranaten wurden in Massenproduktion gefertigt, um den Bedarf überhaupt decken zu können. Hier reden wir nicht von tausenden sondern von zig Millionen Granaten - und dementsprechend auch von vielen Millionen Zünderuhren
 
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uhrenkel

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Hallo Wilfried,

Du hast ja schon eine ganze Reihe interessanter Antworten bekommen. Zu ergänzen ist, dass die Uhrenindustrie vollständig in die Zünderfertigung im Krieg integriert war und nicht nur einzelne Betriebe.

Wesentliche Entwickler der Zünder waren, es wurde schon genannt, Junghans und Thiel. Deren Belegschaft stieg im Krieg durch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auch auf das Doppelte gegenüber vor dem Krieg an. Zudem haben beide auch in anderen Städten Betriebe unter neutralem Namen aufgebaut (z.B. Junghans in Hamburg die "MESSAP" mit 1000 Beschäftigten)
Ferner muss man wissen, dass sowohl Thiel, wie auch Junghans die Zünder unter ihrer Regie auch in anderen Betrieben z.B. in Pforzheim haben fertigen lassen.
Hanhart hat z.B. Torpedolaufzünder für Torpedos gebaut- die Konstruktion dürfte recht ähnlich gewesen sein. Auch Schwenninger Uhrenfirmen haben FLAK-Teile gefertigt.

D.h. es kommen für die Fertigung der Flak-Zünderuhren nicht 1 oder 2 Betriebe in Betracht, sondern zig-Betriebe haben die Teile gebaut, sonst hätte man ja auch nicht die Millionenzahlen erreicht, die verschossen worden sind.

uhrenkel
 
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Maehler

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@ Uhrenkel - kennst du vielleicht auch weitere Uhrenhersteller und deren Produktionsstandorte ?
Wie sieht es aus mit vergebenen Aufträgen an Fremdfirmen / Subunternehmer ?

Da ich mich mit Uhren überhaupt nicht auskenne, aber weiß, daß die Flakuhren Millisekundengenau auslösen mußten, kann ich mir gut vorstellen, daß es sich bei diesen Uhrwerken um hochpräzise Geräte handeln muß. Dies ist m.E. nur möglich mit kleinsten Toleranzen und Herstellung an unterschiedlichen Orten, bei konstanter, gleicher Temperatur.

Eines muß ich noch loswerden (eigentlich sogar mehr).
a) meine Hoffnung hier fachliche Informationen zu bekommen wurde weit übertroffen
b) Ihr seid wirkliche Fachleute für Uhren
c) das Thema ist ausbaufähig und wie ich feststellen konnte, auch im Forum nicht ganz uninteressant, trotz alter und militanter Technik

Viele Grüße und vielen Dank aus Bochum
Wilfried
 
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Buteo

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Diese Sprenggranatenzünder stellte fast ausschließlich die Gebr. Thiel in Ruhla und Seebach her. Waffenamt-Code hhj (Seebach) bzw. drh (Ruhla)
Man konnte die Produktionen nicht auslagern, weil die Zünder direkt an den Krupp Granatenkopf und dem Zündmechanismus angepasst werden musste. Ein einzelne Uhrwerkherstellung oder einzelne Zünderherstellung war bei den L 4,5 in Massenherstellung nicht möglich.

Um Millisekunden ging es übrigens nicht, eine große Streuung der Munition war gewollt, man wollte das Zielgebiet mit Schrapnellen möglichst flächig abdecken. Die Fla-Kanonen wurden i.d.R. auch recht grob eingestellt. Z.B. Zünder generell 30 Sekunden, dann wurde das Zielgebiet von den Batterien flächig abgedeckt: Schuss, ein paar Grad verstellt bis der Helfer die Halbautomatik mit der nächsten Granate geladen hat - Schuss ... ... es ging bei dieser Art Verteidigung nicht um Präzision sondern nur um Quantität.

Lediglich spezielle Zünder wurden von Junghans hergestellt. Die ZS 30 wurden hauptsächlich in Seebach hergestellt (fast alle haben das Kürzel hhj) die ZS 60 Hauptsächlich in Ruhla selbst (drh).
 
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uhrenkel

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Hallo Wilfried,

ich habe über die Rüstungsindustrie kein Flächen-Wissen, sondern kenne nur einige Details.

So ist mir zum Beispiel bekannt, dass die Nazis die Wirtschaft mit sogenannten "Wehrwirtschaftsführern" organisiert haben. Betriebe mussten im Krieg auf Rüstungsfertigung umstellen, oder wurden geschlossen. Wer keine eigene kriegswichtige Fertigung hatte, konnte sich Arbei zuteilen lassen, die auf dem vorhandenen Maaschinenpark möglich war.

Wehrwirtschaftsführer, das waren Persönlichkeiten (Industrielle), die eine spezielle Verantwortung über einen bestimten Rüstungsbereich übernahmen und in den verschiedenen Rüstungsbetrieben auch Kontrollfunktionen übernahmen. In der Uhrenindustrie sind mir zwei Namen bekant: Hellmut Junghans war Wehrwirtschaftsührer für die Zünderfertigung (allerdings weiß ich nicht genau, für welche Zündersorte.) Auch Reinhold Thiel war vermutlich Wehrwirtschaftsführer; die Firma Gebr. Thiel war sogar "Nationalsozialistischer Musterbetrieb"

Dr. Herbert Kienzle war Wehrwirtschaftsführer- Kienzle unterhielt in Fischingen bei Horb schon vor dem Krieg ein reines Rüstungswerk, das nach dem Krieg an Heckler&Koch verkauft wurde. Was im Krieg bei Kienzle in Schwenningen gefertigt wurde, ist mir nicht genau bekannt

Auch Ferdinand Porsche war Wehrwirtschaftsführer- ich weiß aber nicht wofür.

Alle diese "Wehrwirtschaftsführer" wollten nach dem Krieg über diese Geschichte nicht mehr so richtig sprechen, deshalb sind nicht sehr viele Details bekannt....

Ein Betrieb in Schwenningen, der auf jeden Fall FLAK-Teile hergestellt hat, war z.B. Jundes.

uhrenkel
 
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Buteo

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Junghans - Waffenamt-Code cja - stellte vor allem Zünder für Minen und Handgranaten her.
Junghans (inzwischen bei Diehl) ist übrigens nach wie vor Zünderhersteller. Fast sämtliche Granaten, Raketen, Minen der Bundeswehr und vieler Nato-Staaten sind mit Junghans-Zündern versehen.

Kienzle stellte Zünder für Handgranaten und Artilleriegranaten her (Kürzel von Kienzle: anj)

OT: Der alte Professor Porsche leitete das KDF-Werk und sein Konstruktionsbüro Porsche (das heutige ´System Porsche´). Aus seiner Feder und ´seiner´ Fabrik stammen der Kübelwagen Typ 82, der Schwimmwagen Typ 166 sowie etliche Sonderfahrzeuge wie das Sdkfz 155/1 ...
Seine Panzer-Konstruktionen konnten allerdings nicht Punkten, obwohl Hitler sehr begeistert von seinem Landsmann war.
Typ 100 (Leopard), Typ 101 (Tiger) und Typ 205 (Maus) schafften höchstens Kleinauflagen (Tiger wurde die Hentschel-Variante genommen, die Porsche-Tiger wurden zu Ferdinand bzw. Elefant).

Mehr Glück hatte System Porsche dann mit der Bundeswehr: Biber, Wiesel, Leopard I, Leopard II sind Porsche-Entwicklungen.


Wehrwirtschaftsführer war lediglich eine Bezeichnung für einen Leiter/Besitzer/Manager eines Rüstungsbetriebes. Sagte nichts über den Rang, die Wichtigkeit innerhalb des NS-Staates aus. Dafür gab es SS- und NS-Ehrenränge ... Prof. Dr. Porsche war z.B. SS-Oberführer ehrenhalber ...
 
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uhrenkel

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Hallo Buteo

ganz unbedeutend war der Titel "Wehrwirtschaftsführer" innerhalb der Wirtschaft so wie ich das sehe, nicht. Junghans war natürlich gleichzeitig irgendeine SS-Größe, von Helmut Junghans wurden aber viele kleinere Uhrenhersteller, die (vermutlich Junghans-) Zünder herstellten kontrolliert und mussten ihre Messwerkzeuge bei Junghans eichen lassen. Auch Thiel hat Zünderteile in Pforzheim fertigen lassen und dürfte damit diese Betriebe auch überprüft und kontrolliert haben.

Buteo, was wurde in Fischingen gefertigt?

uhrenkel
 
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Buteo

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uhrenkel schrieb:
ganz unbedeutend war der Titel "Wehrwirtschaftsführer" innerhalb der Wirtschaft so wie ich das sehe, nicht.
Es beschrieb lediglich die Stellung/Funktion, Wehrwirtschaftsführer = Manager/Leiter/Besitzer einer kriegswichtigen Produktionsstätte.

Es war kein Rang wie Leutnant, Gruppenführer etc. pp.


uhrenkel schrieb:
die (vermutlich Junghans-) Zünder herstellten kontrolliert und mussten ihre Messwerkzeuge bei Junghans eichen lassen.
Nebenproduktion war bei den Zündern recht selten, mit Ausnahme von Spezialzündern. Die Sachen wurden in Großmengen hergestellt.

uhrenkel schrieb:
Auch Thiel hat Zünderteile in Pforzheim fertigen lassen und dürfte damit diese Betriebe auch überprüft und kontrolliert haben.
Das wäre mir neu, in Pforzheim weiß ich nur Kuttrof, die stellten Feinmechanik für Flugzeuge her. Irgendwelche Quellen?


uhrenkel schrieb:
Buteo, was wurde in Fischingen gefertigt?
Keine Ahnung, von Großbetrieben weiß ich da nichts und habe auch keine Unterlagen, wenn Fischingen am Neckar gemeint ist, könnte es evtl. etwas mit Mauser zu tun haben - Oberndorf ist nicht weit.
Müsste dann aber eine sehr kleine Produktion gewesen sein, d.h. keine Waffenamt-Nummer.
 
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Maehler

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@ Buteo - das würde ja bedeuten, daß in den verlagerten Produktionsstätten der Granatenproduktionen lediglich die Uhren und / oder Zünder eingebaut wurden.

Ich glaub ich muß in Anbetracht eurer vielfältigen, und für mich neuen Kenntnisse hier einige neue Ansätze machen in Bezug auf die Flakgranatenherstellung

Beim Bochumer Verein für Gußstahlproduktion gab es eine Geschossfabrik. Lt. Berichte und Zeitzeugen mußten die dort eingesetzten Dreher ihre feinmechanischen Drehmaschinen bei Alarm von der Transmissionswelle nehmen, unter den Arm klemmen und mit in den Luftschutzstollen nehmen. Dabei handelte es sich um sehr kleine Maschinen mit einem Gewicht um die 15 - 20 Kg mit Revolverkopf. Diese Kleinstteile passten übrigens in keiner Weise in die Produktpalette des Bochumer Vereins und diese wurden auch nur in der Zeit von 1942 bis Kriegsende gefertigt. Kann es sein daß hier zumindest Teile der Uhren hergestellt wurden ? Die Zünder selbst wurden Kistenweise auf den damaligen Großpaletten angeliefert.
8,8, 10,5 , 12,8 und 15 cm Flakgranaten wurden vom BV als Fertigprodukt ausgeliefert
 
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Buteo

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Wie ich jetzt schon das 3. mal schreibe ... die Zeitzünder für Flak-Granaten wurden praktisch ausschließlich bei Thiel in Ruhla bzw. Ruhla-Seebach komplett gefertigt:




die haben alle hhj bzw. drh-Markierungen. Auch die Uhrwerke.

Komplett, inkl. Hohlkopf




Und was war die 15 cm-Flak?

Die größte eingesetzte Flak war die zweiteilige 12,8 cm. Als Flakzwilling auf den Flak-Türmen in Berlin bzw. Wien und ca. 550 Stück auf Eisenbahnwaggons.

Die Hauptlast nahmen die ungenügende 10,5 cm, die nur produziert wurde, weil man nicht genügend 8,8 herbekam.

Und vor allem die 8,8 als Flak 18, 36/37 und die überragende 41/42

Für Tieffliegerbekämpfung die 20 mm und 37 mm.

Erwähnenswert die ungenügenden, nur in Kleinststückzahl gebauten 3 cm und 5 cm-Flak. In niedrigsten Stückzahlen.

Falls das Gerät 50 gemeint ist ... da gabs nur einen Prototypen - wegen Untauglichkeit eingestampft.
 
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Maehler

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@ Buteo - ich danke dir für deine große Hilfe, ebenso wie Herrn Knirim. Du bist nicht nur ein Uhrenkenner, sondern hast mich auch überrascht indem du dich mit der geschichtlichen technischen Entwicklung befasst. Beim googeln nach der Firma Thiel hab ich auch so einiges gefunden und dabei ist mir aufgefallen, daß über den Betrieb so direkt nicht wirklich viel zu finden ist, vor allem nicht über mein Thema Luftschutz und Luftschutzbauten (Bunker , Stollen, Deckungsgräben. Luftschutzräume) , Feuerlöschwesen (die hatten vielleicht eine Betriebsfeuerwehr). Zudem würde ich gerne mehr darüber wissen, wie z.B. wie ein normaler Uhrenhersteller auf Flakuhren kommt. Die Uhren mussten auch entwickelt werden. So eine Konstruktion zaubert man ja nicht aus dem Hut. Und letztendlich würde ich die gesammelten Kenntnisse gern in unserer Homepage einpflegen und mit Bildern erläutern. Kann ich die von dir gezeigten Aufnahmen verwenden und wenn nicht, wo sind deine Aufnahmen gemacht worden? Kannst du mir ein Archiv empfehlen mit Material über die Gebr. Thiele und ihre Zünderfertigung?
So, nun kann ich nur hoffen, hier die Forumsmitglieder mit meinen seltsamen Anliegen nicht genervt zu haben. Ich bleibe bei dem Thema dran und wenn ich auch etwas erhellendes beitragen kann informieren
Mit freundlichen Grüßen und Glückauf
Wilfried Maehler
Studienkreis Bochumer Bunker e.V.

P.S. ich habe hier nun schon einiges gelesen und so langsam verstehe ich die Faszination der Zeit (Uhren). Wenn das so weiter geht ...
 
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Buteo

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Maehler schrieb:
Beim googeln nach der Firma Thiel hab ich auch so einiges gefunden ...
und dabei ist mir aufgefallen, daß über den Betrieb so direkt nicht wirklich viel zu finden ist ...
...
Kannst du mir ein Archiv empfehlen mit Material über die Gebr. Thiele und ihre Zünderfertigung?
...
Der Bereich Ruhla wurde bis zuletzt von der 10. Waffen-SS-Panzer-Division verteidigt und war zugleich Rückzugsgebiet von Teilen der Armee Schörner. Russische und amerikanische Tiefflieger, sowie zurückziehende Wehrmachtstruppen verursachten ziemlich viel Chaos in diesem Gebiet.
Das Gebiet/die Firma wurde im Mai 1945 dann von den Amerikanern besetzt ... recht kurz, dann wurde an die Russen übergeben.
Die Amerikaner nahmen in der Zwischenzeit gerne mit was noch zu finden war. Auch Dokumente, weil es recht schnell gehen musste wurde da recht grob eingesammelt und das ´unwichtige´ dann danach vernichtet oder in ´unbedeutende´ Archive abgelegt.
Den Rest nahmen dann die Russen mit und handelten ähnlich.

Was dann noch übrig war wurde russische Produktionsstätte auf besetzten Gebiet und schlussendlich der DDR übergeben.

Das bedeutet, der Betrieb war nach 1948 praktisch nicht mehr vorhanden. Die Überbleibsel kamen in die VEB.

Außerdem besinnen sich erst jetzt schön langsam die Betriebe ihrer NS-Vergangenheit und beginnen diese aufzuarbeiten... die Überreste und Folgefirmen von Thiel gehören allerdings (noch) nicht dazu. Um eine grobe Übersicht zu bekommen, wie große Firmen in der NS-Zeit agierten, empfehle ich z.B. "Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit bei BMW", vom Oldenbourg Wissenschaftsverlag, ISBN 978-3-486-57792-1
Das hat zwar gar nichts mit Thiel und Flakgranat-Zündern zu tun, gibt aber einen Überblick wie die großen Firmen Produktionen auslagerten, wie sie produzierten. Oft wird verbreitet dass jede Hinterhof-Werkstatt mitproduzierte - dem war nicht so. Die Produktionen waren hochgradig organisiert, durchdacht, schlank gehalten - da gab es um einiges weniger gewurschtel als bei heutigen DAX-Firmen.

Damit bekommt man Einsichten wie die deutsche Kriegsmacht eine dermaßen gigantische Armee ausrüsten und unterhalten konnte und wie sie dermaßen flexibel zerstörte Produktionslinien wieder aufbauten bzw. ausgewichen sind.

Außerdem sollte man sich bei solchen Recherchen nicht auf Google verlassen, zuviele Mutmaßungen, zuviele falsche Behauptungen. Fundiertes Wissen braucht da eine lange Recherche. Einfach mal bei Bundesämtern (Wiederaufbau, Ruhla, Thiel-Überbleibsel, bei den alliierten Archiven, allgemeine Bundesarchive) nachfragen wo Teile der Unterlagen stecken und dann nachfragen ob man sie einsehen darf oder zumindest ein grobe Abfassungen der Inhalte existiert und man diese bekommt.

Wenn es primär nur um die Zünder geht - direkt bei Sammler dieser Zünder anfragen, die verfügen meist um das Wissen darum (allerdings hier bereits selektieren, abwägen, vergleichen - bereits viel Halbwissen, Mutmaßungen dabei).



Maehler schrieb:
wie z.B. wie ein normaler Uhrenhersteller auf Flakuhren kommt. Die Uhren mussten auch entwickelt werden.
Uhren und Zünder sind Feinmechanik, mit solchen Maschinen und ausgebildeten Leuten kann man sowohl als auch herstellen.

D.h. ein Uhrmacher, der weiß wie ein Zünder aufgebaut ist, kann solchen auch herstellen bzw. auch andersrum.

Kleinere Uhrmacher-Betriebe stellten viele spezielle Sachen her. Die großen Betriebe die Massenware. Nicht nur diese Flakzünder, auch normale Zünder ... für Panzergranaten, Schiffsgranaten, Artilleriegranaten, Zeitzünder für Pioniere, Zünder für Minen, Bomben, Handgranaten. Zünder für Raketen, Giftgas-Granaten (davon hatte Deutschland jede Menge - zum Glück kaum eingesetzt ...), Zünder für Flamm-Behälter und ähnliche Flamm-Kampfstoffe, Zünder für Sprengladungsträger, Mörser-Granaten mit Zeitzünder, Zünder für Sprühgeräte ... Zünder für Panzerschreck und Panzerfaust ...
... sehr viel bei den "Uhren-, Maschinen- und Rüstungsbetrieb"(en) in und um Ruhla ... Thiel und Schlothauer.
Zu der Zeit war es nicht schlimm sowas zu produzieren, eher im Gegenteil.
Den heutige Makel von H&K, EADS, MTU etc. hatten die nicht. Man war stolz darauf Kampfmittel bzw. Zubehör dafür herzustellen und zu entwickeln.

Maehler schrieb:
So eine Konstruktion zaubert man ja nicht aus dem Hut..
Zeitzünder sind kein Hexenwerk, eine eher simple Konstruktion. Bei Mörser- und Artillerie-Granaten und als Pioniermittel schon viele Konflikte zuvor verwendet, auch mit Uhrwerk.
Problem der Flakgranaten bzw. deren Zünder war auch nicht das Uhrwerk sondern die beiden Zünder - besonders der erste, der beim Abschuss aktiviert wurde. Der war sehr sicher ausgelegt, damit er auf keinen Fall vor Abschuss aktiviert werden konnte. Ab und an versagte diese Aktivierung total und die Granate kam komplett runter ...

Maehler schrieb:
Kann ich die von dir gezeigten Aufnahmen verwenden und wenn nicht, wo sind deine Aufnahmen gemacht worden?
Die Bilder gehören mir leider nicht.

Aber für Eure Flak-Aufzählung habe ich folgendes - Ihr habt nämlich zuviele Sondertypen, Einzelanfertigungen etc. drinn, die nie im aktiven Einsatz waren:

Flugabwehrgeschütze Deutschland 1933-1945

Standard:

20 mm Flak 30
Kaliber 20 mm, Rohrlänge 2.300 mm, Gefechtsgewicht 483 kg, größte Erhöhung 90 Grad, Schwenkbereich 360 Grad, Mündungsgeschwindigkeit 899 m/Sek. (Sprenggranaten) bzw. 830 m/Sek. (Bodenziele, panzerbrechende Munition), Geschossgewicht 0,12 kg. Größte horizontale Reichweite 2.700 m, Feuergeschwindigkeit 120/280 Schuss/min.

20 mm Flak 38
Wie Flak 30, außer Gefechtsgewicht 406 kg, Feuergeschwindigkeit 220/480 Schuss/min

20 mm Flakvierling 38
Wie Flak 30, außer Gefechtsgewicht 1.514 kg, größte Erhöhung 100 Grad, Feuergeschwindigkeit 800/1.800 Schuss/min

3,7 cm Flak 18/36/37
Kaliber 3,7 cm, Rohrlänge 3.626 mm, Gefechtsgewicht 1.757 kg (1.544 kg Flak 36/37), größte Erhöhung 85 Grad, Schwenkbereich 360 Grad, Mündungsgeschwindigkeit 820 m/Sek. (Sprenggranaten) bzw. 770 m/Sek. (Bodenziele, panzerbrechende Munition), Geschossgewicht 0,556 kg. Größte vertikale Reichweite 4.800 m, größte horizontale Reichweite 6.500 m, Feuergeschwindigkeit Flak 18, 80 Schuss/min. Flak 36/37, 120 Schuss/min.

3,7 cm Flak 43
Wie Flak 18/36/37, außer Rohrlänge 3.300 mm, Gefechtsgewicht 1.247 kg, größte Erhöhung 90 Grad, tatsächliche Feuergeschwindigkeit 180 Schuss/min.

8,8 cm Flak 18/36/37
Kaliber 8,8 cm, Rohrlänge 4.930 mm, Gefechtsgewicht 4.985 kg, größte Erhöhung 85 Grad, Schwenkbereich 360 Grad, Mündungsgeschwindigkeit 820 m/Sek. (Sprenggranaten) bzw. 795 m/Sek. (Bodenziele, panzerbrechende Munition), Geschossgewicht 9,4 kg ohne Treibladung. Größte vertikale Reichweite 9.900 m, Wirkungshöhe 8.000 m, größte horizontale Reichweite 14.800 m, Feuergeschwindigkeit 15 Schuss/min.

8,8 cm Flak 41 (/42)
Wie Flak 18/36/37, außer Rohrlänge 6.548 mm, Gefechtsgewicht 7.800 kg, größte Erhöhung 90 Grad, Mündungsgeschwindigkeit 1.000 m/Sek. (Sprenggranaten), Größte vertikale Reichweite 15.000 m, Wirkungshöhe 9.600 m, größte horizontale Reichweite 19.700 m, Feuergeschwindigkeit 20 Schuss/min.

10,5 cm Flak 38/39
Kaliber 10,5 cm, Rohrlänge 6.648 mm, Gefechtsgewicht 10.224 kg, größte Erhöhung 85 Grad, Schwenkbereich 360 Grad, Mündungsgeschwindigkeit 881 m/Sek. (Sprenggranaten), Geschossgewicht 10,4 kg ohne Treibladung. Größte vertikale Reichweite 11.400 m, Wirkungshöhe 9.400 m, größte horizontale Reichweite 16.000 m, Feuergeschwindigkeit 12 Schuss/min.




Durch Kriegsverlauf oder Unzulänglichkeit nur in geringen Stückzahlen produzierte Flak-Waffen:

3,0 cm Flak 103
Kaliber 3,0 cm, Rohrlänge 1.338 mm, Gefechtsgewicht 618 kg, größte Erhöhung 80 Grad, Schwenkbereich 360 Grad, Mündungsgeschwindigkeit 899 m/Sek. (Sprenggranaten), Geschossgewicht 0,15 kg. Größte vertikale Reichweite 4.700 m, größte horizontale Reichweite 5.700 m, Feuergeschwindigkeit 400 Schuss/min.

* Produktionsschwierigkeiten, Indienststellung Herbst 1944.


5,0 cm Flak 41
Kaliber 5,0 cm, Rohrlänge 4.686 mm, Gefechtsgewicht 3.100 kg, größte Erhöhung 90 Grad, Schwenkbereich 360 Grad, Mündungsgeschwindigkeit 840 m/Sek. (Sprenggranaten), Geschossgewicht 2,2 kg. Größte vertikale Reichweite 9.000 m, Wirkungshöhe 5.600 m, größte horizontale Reichweite 12.400 m, Feuergeschwindigkeit 130 Schuss/min.

* Schwierig zu richten, instabil.


12,8 cm Flak 40
Kaliber 12,8 cm, Rohrlänge 7.835 mm, Gefechtsgewicht 27.000 kg, größte Erhöhung 88 Grad, Schwenkbereich 360 Grad, Mündungsgeschwindigkeit 880 m/Sek. (Sprenggranaten), Geschossgewicht 26,0 kg ohne Treibladung. Größte vertikale Reichweite 14.800 m, Wirkungshöhe 10.700 m, Feuergeschwindigkeit 10 Schuss/min.

* schwerfällig, Rohr und Lafette müssen getrennt transportiert werden. Zumeist fest installiert bzw. auf Eisenbahnwaggons montiert.
 
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