Zu neuem Leben erweckt: IWC Die Fliegeruhr UTC Ref. 3251 Cal. IWC 30710

Diskutiere Zu neuem Leben erweckt: IWC Die Fliegeruhr UTC Ref. 3251 Cal. IWC 30710 im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Im Jahr 2002 konnte ich nicht widerstehen, mir diese Uhr zu kaufen. Benötigte ich doch aus beruflichen Gründen eine zuverlässige Uhr mit 2...
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Im Jahr 2002 konnte ich nicht widerstehen, mir diese Uhr zu kaufen. Benötigte ich doch aus beruflichen Gründen eine zuverlässige Uhr mit 2. Zeitzone.
2010 führte mich eine Reise nach Schaffhausen direkt zur IWC, wo sie überholt wurde. Dabei wurden auch viele Verschleißteile und das ZB sowie die Zeiger ausgetauscht.

Wie das bei Sammlern so ist, landete sie alsbald gut verpackt in einer Schublade. Denn in der Zwischenzeit fanden andere Uhren mit 2. Zeitzonenanzeige den Weg an mein Handgelenk.
Da ich meine Uhren seit ca. 4 Jahren selbst revidiere, entschied ich mich vor kurzem, auch diese IWC zu überholen. Seit 2013 trug ich sie sehr wenig, daher dürfte sich auch der Verschleiß in Grenzen gehalten haben.

1.jpg

Unter dem makellosen ZB verbirgt sich der Datumring und die Scheibe für die 24-Std.-Anzeige.
Diese funktioniert wie ein entsprechender Zeiger und muss beim Zusammenbau genau justiert aufgelegt werden, damit um genau 0Uhr sowohl diese Scheibe, als auch die Zeiger exakt mittig stehen.
Die 24-Std.-Scheibe wird vom ZB gehalten. Nach dem Abnehmen erscheint das verstellbare Stundenrad, welches sich unabhängig vom laufenden Werk stundenweise weiter- oder zurück schalten läßt.

2019-03-15 14.16.12.jpg

Das Stundenrad besteht aus 2 Stundenrädern, das untere wird über das Minuten- und Wechselrad vom Werk angetrieben, während das obere vom unteren via arretierter Rasten mitgenommen wird.
Dabei greift es auch in das Datumschaltrad, wobei das Datum dann jeweils der Ortszeit entsprechend eingestellt wird, auch zurück.
Der Datumring läuft in einer Schiene, welche von den beiden mit Perlage versehenen Abdeckplättchen gebildet wird. Der Datumring wird von der Malteserkreuzschaltung angetrieben.
9 (2).jpg

Einfach und doch genial. Das zweigeteilte Stundenrad ermöglicht das unabhängige Verstellen des Stundenzeigers bei laufendem Werk.

2019-03-15 14.16.42.jpg


Dabei muss peinlich auf die genaue Position der Zähne geachtet werden, denn durch diese wird das Datum nicht nur weiter geschaltet, sondern auch mittig im Datumfenster gehalten. Falls diese Räder nicht genau entsprechend der Zeichnung stehen, hängt das Datum schief im Fenster.
2019-03-15 14.17.10.jpg
Das ZB-seitig aufgesetzte Datum-Modul ließe sich für eine evtl. Reparatur des Werkes komplett mit Datumring abnehmen.
2019-03-15 14.16.42 (2).jpg

Grafik UTC IWC (2).jpg


Eine Datumraste gibt es nicht. Die vorhandene auf der Werkseite ist ohne Funktion. Das Schalten des Datums geht also nicht springend vonstatten, sondern es schiebt sich langsam innerhalb ca. 20 Min. eine Position weiter. Die ursprünglich serienmäßige Datumschaltung übernimmt hier den Antrieb der 24-Std.-Anzeige.
2019-03-15 14.17.38.jpg

Die Platine wurde ZB-seitig von der IWC entsprechend der zusätzlichen Funktionen leicht modifiziert. U. a. Befindet sich in der Nähe der Stellwelle eine kleine Feder, welche den Schalthebel für den Korrektor für das schaltbare Stundenrad leicht andrückt und so die Bedienung erleichtert und für einwandfreies Funktionieren sorgt.

Das ETA 2892A2 hat serienmäßig 21 Lagersteine, bei diesem von der IWC als Kaliber 30710 bezeichnetem Werk gibt es 2 zusätzliche. Ein Stein befindet ich noch bei einem Reduktionsrad der Automatik, ein weiterer Steinring sorgt für Reibungsminderung des Datum/Zeitkorrektorrädchens.
11.jpg

18.jpg


Grafik UTC IWC.jpg
Basiswerk IWC UTC.jpg

Die im Netz verfügbaren Öl- und Montagepläne zeigen die Unterschiede im Vergleich zum Standard ETA-2892A2.
Alles hier nicht gezeigte wird entsprechend des Standard-Kalibers montiert und geölt.

Werkseitig gibt es zum Serienwerk kaum Unterschiede. Außer der sehr schönen Dekoration, den perfekten Schraubenköpfen, einem etwas höherem Rotorgewicht und einer absolut exakten Paßgenauigkeit aller Teile.
Die vergoldete Glucydur-Unruh und die Unruhfeder sind genau aufeinander abgestimmt und stammen aus eigenem Hause.
Auch die Gangräder sind im Vergleich zu den Serien-2892A2 erschreckend sauber gearbeitet.
20190326_085940.jpg

Die Modifizierungen seitens der IWC berechtigen zu Recht zu einer eigenen Werksbezeichnung.
Eigentlich schade das man so ein schönes Werk unter einem massiven Stahlboden versteckt.
Aber sonst wäre der Magnetschutz nicht gegeben. Denn unter dem eigentlichen Schraubboden befindet sich noch eine Abdeckung aus Weicheisen, aus dem auch der dicke, massive Werkhaltering hergestellt ist.
Das Zifferblatt ist übrigens auch aus Weicheisen gefertigt und nicht aus Messing!

20190326_142135.jpg

Mit der Amplitude läßt´s sich leben. Kurz nach der Fertigstellung, frisch geölt. In der Zwischenzeit haben sich die Amplituden sogar noch etwas erhöht.
Am Arm getragen läuft sie z.Z. mit ca. +2 Sek./Tag.

20190326_090137.jpg

Schade, daß wird leider versteckt. Im Falle eines Sichtbodens hätte ich sogar noch die Schraubenköpfe nachträglich poliert und gebläut.
Aber das entspräche nicht dem nüchtern-technischem Auftritt der IWC.

20190326_100949.jpg

Ich werde sie von nun an sicher wieder öfter anlegen und mich daran erinnern, wo ich diese praktische und zuverlässige Uhr schon überall getragen haben. De facto auf jedem Erdteil.
Außer der Antarktis. Aber das kann man ja noch ändern.
 
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watchhans

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P.S. die Zeitwaage habe ich vor vielen Jahren direkt in China gekauft. Darum auch nur die chinesische Aufschrift.
Das Modell gibt´s heute noch.
 
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Sehr interessanter Einblick, vielen Dank!
Danke!:prost:
Na ja, so ganz unfallfrei ging mir die Arbeit ausgerechnet bei dieser nicht unbedingt günstigen Uhr nicht vonstatten:-o
Beim Öffnen der oberen Stoßsicherungsfeder und vorsichtigem Hochheben (schon tausend Mal gemacht; unfallfrei!) hob sie sich zur Seite ab und verließ den Incabloc gen Werktisch:shock:
Warum ich diesmal die Feder nicht mit einer Pinzette oder Putzholz gesichert habe, weiß der Teufel:hammer:
Da ich weiß, daß man eine Incabloc-Feder auch ohne herauspressen des Blockes einsetzen kann, dies aber nicht zu den leichtesten Übungen gehört, machte ich mich also ans Werk; und schon, schwups...weg war sie:shock:

Gut, daß ich mir einen Fundus an passenden ETA-Stoßsicherungsfedern zugelegt habe und ich schnell eine passende für ein 2892 fand;-)
Aber das Einsetzen!:schock::|:-(
Leztendlich bugsierte ich sie an einem Stück Rodico hängend über die Öffnung, und plötzlich rutschte sie mit ihrem weniger als Fliegengewicht fast von selbst hinein!:super:
Für Anfänger definitiv nicht zu empfehlen:hmm:

Die restliche Arbeit war völlig problemlos und unfallfrei:klatsch:
 
minutenrad

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Danke!:prost:
Na ja, so ganz unfallfrei ging mir die Arbeit ausgerechnet bei dieser nicht unbedingt günstigen Uhr nicht vonstatten:-o
Beim Öffnen der oberen Stoßsicherungsfeder und vorsichtigem Hochheben (schon tausend Mal gemacht; unfallfrei!) hob sie sich zur Seite ab und verließ den Incabloc gen Werktisch:shock:
Warum ich diesmal die Feder nicht mit einer Pinzette oder Putzholz gesichert habe, weiß der Teufel:hammer:
Da ich weiß, daß man eine Incabloc-Feder auch ohne herauspressen des Blockes einsetzen kann, dies aber nicht zu den leichtesten Übungen gehört, machte ich mich also ans Werk; und schon, schwups...weg war sie:shock:

Gut, daß ich mir einen Fundus an passenden ETA-Stoßsicherungsfedern zugelegt habe und ich schnell eine passende für ein 2892 fand;-)
Aber das Einsetzen!:schock::|:-(
Leztendlich bugsierte ich sie an einem Stück Rodico hängend über die Öffnung, und plötzlich rutschte sie mit ihrem weniger als Fliegengewicht fast von selbst hinein!:super:
Für Anfänger definitiv nicht zu empfehlen:hmm:

Die restliche Arbeit war völlig problemlos und unfallfrei:klatsch:
Ein wirklich tolles Werk und eine gute Arbeit, die du da gemacht hast.

In meiner Junghans sitzt das gleiche Werk, welches ich demnächst mal revidieren möchte ( habe die Uhr seit 2013).
Dazu habe ich mal eine Frage, wie hast du den Rotor gelöst bekommen? Hast du spezielles Werkzeug dafür? Ich würde nur ungern an dem Ring mit dem Schraubendreher herumfriemeln um ihn zu lösen um damit dann schöne akkurate Dellen zu verursachen.
Besten Dank schon mal und Gruß, Holger
 
watchhans

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Der Rotor wird mit 3 kleinen Schrauben von hinten befestigt.
Dazu wird zuerst die gesamte Automatikeinheit ausgebaut. Vorsicht!
Dabei liegt der Stopphebel frei. Der wird als zweites ausgebaut.
Näheres lt. Explosionszeichnung zum Download:
boley GmbH

Viel Erfolg!
 
minutenrad

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Der Rotor wird mit 3 kleinen Schrauben von hinten befestigt.
Dazu wird zuerst die gesamte Automatikeinheit ausgebaut. Vorsicht!
Dabei liegt der Stopphebel frei. Der wird als zweites ausgebaut.
Näheres lt. Explosionszeichnung zum Download:
boley GmbH

Viel Erfolg!
Ah, super, Danke für die Aufklärung und Grüße aus Bremen, Holger
 
watchhans

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Ah, super, Danke für die Aufklärung und Grüße aus Bremen, Holger
Da nich für!
Handelt es sich dabei um ein ETA 2892A2 oder, wie von Junghans auch verwendet, um ein Soprod A10?
Beide ähneln sich werksseitig etwas, sind aber sonst grundverschieden.
 
minutenrad

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Da nich für!
Handelt es sich dabei um ein ETA 2892A2 oder, wie von Junghans auch verwendet, um ein Soprod A10?
Beide ähneln sich werksseitig etwas, sind aber sonst grundverschieden.
Ja, es ist das Eta-Werk, steht sogar in der Bedienungsanleitung, wenn ich michbrecht entsinne.
 
Thema:

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