ZentRa-Tavannes – besondere Uhren einer kurzlebigen Marke

Diskutiere ZentRa-Tavannes – besondere Uhren einer kurzlebigen Marke im Vintage Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Als Nebenlinie sammle ich ja auch Uhren von Tavannes. Und auch für bestimmte Modelle von ZentRa kann ich mich erwärmen. Da trifft es sich doch...
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Als Nebenlinie sammle ich ja auch Uhren von Tavannes. Und auch für bestimmte Modelle von ZentRa kann ich mich erwärmen. Da trifft es sich doch gut, wenn man beide Nebenlinien miteinander kombinieren kann. Nämlich in Form einer ZentRa-Tavannes.

ZentRa-Tavannes_Still_01_1024x768.jpg

In so einer ZentRa-Tavannes steckt mehr, als man glauben sollte, denn hier hat ZentRa nicht einfach nur eine zweite Marke auf das Zifferblatt aufgebracht, um auf ein besonderes Werk hinzuweisen, so wie man das beispielsweise von der ZentRa ajustor kennt. Nein, denn es gab eine Firma Zentra-Tavannes SA (bzw. AG), bei der es sich um ein Joint Venture zwischen der Tavannes Watch Co. und der Markenuhr G.m.b.H. (ZentRa) handelte.

Die Fa. Zentra-Tavannes S.A. wurde am 19. Mai 1930 in das Handelsregister des Amtsbezirks Moutier/Kanton Bern eingetragen. Dem Verwaltungsrat gehörten seitens der Fa. Tavannes die Herren Isaac, Georges und Théodore Schwob an; die Markenuhr GmbH (ZentRa) war vertreten durch die Herren Albert Kratz und Hans Gerl.

SHAB_Gründung_Zentra-Tavannes.jpg

Weniger nüchtern als der Handelsregister-Auszug berichtete die „Die Uhrmacher-Woche“ im Jahre 1930, S. 111 über die Gründung der Zentra-Tavannes AG. Dieser Bericht ist äußerst aufschlussreich:

Uhrmacher-Woche_1930_S111_Zentra-Tavannes_1024x696.jpg

Soweit mir bekannt, wurden Erzeugnisse der Fa. Zenta-Tavannes ausschließlich in Deutschland über die Verkaufsstellen der ZentRa vertrieben, wobei ich annehme, dass ein aktiver Vertrieb nur bis Mitte der 30er Jahre erfolgte, denn in irgendwelchen Anzeigen oder Katalogen von ZentRa ab ca. 1935 habe ich bislang noch keinen Hinweis auf Zentra-Tavannes entdecken können. Die im o. g. Artikel zum Ausdruck gebrachte Sorge

“Die Stellung der ZentRa gegenüber der deutschen Uhrenindustrie ist durch diese schweizerisch-amerikanische Verbindung wesentlich gestärkt. Die möglichen Auswirkungen sind heute noch nicht übersehbar, hoffentlich wenden sie sich nicht einmal gegen die deutsche Uhrenindustrie (…)“

mag unbegründet gewesen sein, könnte aber auch dafür gesorgt haben, dass die ab 1933 in Deutschland herrschenden und auf Autarkie bedachten Machthaber dafür sorgten, dem Wirken des Gemeinschaftsunternehmens in Deutschland ein Ende zu bereiten.

Immerhin kann ich das tatsächliche Ende der Fa. Zentra-Tavannes genau datieren: am 16. 12. 1946 wurde auf einer außerordentlichen Versammlung die Auflösung der Firma verkündet, so dass sie am 24. 12. 1946 aus dem Handelsregister gelöscht wurde. Kein schönes Weihnachtsgeschenk!

SHAB_Zentra-tavannes_Auflösung.jpg

Interessant ist, wie mit den gemeinsamen Marken verfahren wurde. In der Schweiz liefen zwei Marken auf die Fa. Zentra-Tavannes SA, während entsprechende Marken in Deutschland für die Markenuhr G.m.b.H eingetragen waren:

CH72700_72701_ZentRa-Tavannes.jpg

DWZ426993_Markenuhr-GmbH_ZentRa-Tavannes_1024x670.jpg

DWZ432529_Markenuhr-GmbH_Uhrenfabrik-Zentra-Tavannes_1024x604.jpg

DWZ429586_Markenuhr-Gmbh_ZentRa-Tavannes-Die-formschöne-Präzisionsuhr_02_694x768.jpg

Hierbei ist bemerkenswert, dass die beiden ersten deutschen Marken am 14. Februar 1930 angemeldet wurden, also rund drei Monate vor Gründung der Zentra-Tavannes AG.

Zumindest in den frühen 30ern wurden Uhren der Zentra-Tavannes AG kräftig von ZentRa beworben, wobei regelmäßig die ZentRa-Marke parallel zur Marke der Zentra-Tavannes gezeigt wurde, wie hier in einer leider undatierten Werbeanzeige:

ZentRa-Tavannes-Annonce_1024x698.jpg

Interessant dabei sind auch die Preise:

ZentRa-Uhren 14K Gold 42,- bis 170,- RM

ZentRa-Uhren, andere Metalle, ab 18,-

ZentRa-Tavannes 14K Gold 110.- bis 360,-

ZentRa-Tavannes, andere Metalle, ab 49,-

Eine Zentra-Tavannes war also um das rund Zwei- bis Dreifache teurer als eine ZentRa.


Nun zum Eigentlichen: die neue Uhr. Ich lass‘ einfach mal ein paar Bilder sprechen:

ZentRa-Tavannes_01_1024x768.jpg

ZentRa-Tavannes_02_1024x768.jpg

ZentRa-Tavannes_05_1024x767.jpg

ZentRa-Tavannes_06_1024x768.jpg

ZentRa-Tavannes_08_1024x768.jpg

Gehäuse-Maße: 22,5 mm x 33 mm (ohne Krone bzw. ohne Bandanstöße), Bandanstöße: 17,5 mm, was dem gängigen amerikanischen Maß 11/16“ entspricht. Meine Erklärung dafür: Tavannes war (wie viele anderen Schweizer Uhrenhersteller auch) stark auf den US-Markt fokussiert und hat Uhrengehäuse entsprechend amerikanischer Usancen ausgestaltet. Ich nehme an, dass Tavannes hier ein Gehäuse verwendet hat, das auch für den US-Markt bestimmte Tavannes-Uhren verwendet wurde. Für diese Annahme spricht m. E. auch die im Artikel der Uhrmacher-Woche angesprochene Zusammenarbeit von Tavannes mit (letztendlich) Jaques Kreisler in den USA.

Das Werk weist eine ZentRa-Tavannes Kaliberbezeichnung 104 auf; es handelt sich um ein Cyma Kaliber 826, zu dem ich nirgendwo irgendwelche Informationen finden konnte. Von daher die Maße: Durchmesser 20,94 mm = 9.25 Linien. Mit „826“ bin ich mir nicht ganz sicher, die erste Ziffer könnte auch eine 6 oder gar 9 sein.

ZentRa-Tavannes_14_1024x768.jpg

ZentRa-Tavannes_16_1024x768.jpg


Es wird auffallen, dass der Sekundenzeiger fehlt. Er war da, als die Uhr verkauft wurde. Er war da, als die Uhr eintraf. Dann hatte ich – obwohl unter extremen Zeitdruck – die tolle Idee, das Werk herauszunehmen und mal schnell zu fotografieren. Dabei ist mir das Werk vom Halter heruntergefallen. Entgegen sonstiger Gewohnheiten hatte ich keinen Schaumstoff drunter gelegt (Zeitdruck), also schlug das Werk hart auf. Ich hab dann nicht merkt, dass der Zeiger wohl abgefallen ist. Gefunden habe ich ihn nicht. Weg! :wand: Naja, der Uhrmacher wird hoffentlich Ersatz haben.

ZentRa-Tavannes_12_1024x768.jpg

Im Scharniergehäuse befinden sich Silber- und Feingehaltsstempel: deutscher Reichssilberstempel Halbmond/Kaiserkrone und die bis Ende Juni 1934 verwendete Schweizer Bärenmarke (groß und klein) für Silber ab einem Feingehalt von 875er Silber (der Feingehalt des Gehäuses der Uhr beträgt tatsächlich 0,935, was auch als Sterling-Silber bekannt ist). Eine Herstellermarke fehlt allerdings – obwohl eine solche in Artikel 52 der Vollziehungsverordnung zum Schweizer „Bundesgesetzes vom 23. Dezember 1880 betreffend Kontrolirung und Garantie des Feingehalts der Gold- und Silberwaren“ (in der Fassung vom 15. 11. 1892) mit Bezug auf eine deutsche Verordnung von 1886 ausdrücklich vorgeschrieben war. Oder ist die „87“ eine „Verantwortlichkeitsmarke“, wie man das vom 1934er Gesetz zu Golduhren kennt? Weiß das zufällig jemand?

ZentRa-Tavannes_10_1024x767.jpg

ZentRa-Tavannes_11_1024x768.jpg

Übrigens ist das gleichzeitige Vorhandensein des deutschen Silberstempels und der Schweizer Silberpunzen nichts Ungewöhnliches. Das deutsche „Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren“ gestattet es jedem (auch ausländischem) Hersteller, den deutschen Silberstempel zu schlagen – vorausgesetzt natürlich, der obligatorisch zu stempelnde Feingehalt entspricht den Tatsachen.

Nunja, es ist meine erste Armbanduhr mit Silbergehäuse. Für mich ist sie daher etwas Besonderes – seinerzeit aber sowas aber wohl üblich. Und preislich bestand zwischen Uhren mit Silber- bzw. Plaquégehäusen kein Unterschied, wie eine Annonce der Schweizer Uhrenfabrik „Myr“ nahelegt:

MYR_Silber-vs_Double.jpg

Ein kleiner Wermutstropfen (neben dem fehlenden Sekundenzeiger): das Gehäuse ist (wohl) rhodiniert. Das lässt das Silber zwar nicht anlaufen, aber die Beschichtung hat über die Jahrzehnte doch etwas gelitten. Das fällt mit normalem Auge nicht auf, aber auf Fotos dann schon. Hm, ob ich die Beschichtung erneuern lasse? Ich weiß nicht recht.



Würde mich freuen, wenn Ihr Eure ZentRa-Tavannes zeigen würdet!
 
Faisaval

Faisaval

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Hallo Martin,
wieder einmal eine hervorragend recherchierte Vorstellung einer ganz besonderen Marken-Gemeinschaft. Sehr interessant und kurzweilig verfasst und mit tollen Bildern garniert! Vielen Dank dafür!:klatsch:
 
Badener

Badener

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Vielen Dank für die tolle Recherche und die interessanten Hintergrundinfos. Ich hatte bisher noch nie von Zentra-Tavannes gehört.
Die beste Näherung, die ich für dein Werk finden konnte, ist ein Tavannes 836 mit 8 3/4''' aus der Classficication Horlogère von 1936:

Tavannes_836.jpg
Bis auf den abgetrennten Ankerradkloben scheint dein Werk identisch mit dem 836 zu sein.

Gruß

Badener
 
Pirandello

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Und wieder hab ich etwas von Dir gelernt. :-) Herzlichen Dank! :-)

Und Deine Uhr? Unglaublich schön. Trifft mit diesem grandiosen Gehäuse, dem wunderbar gealterten Blatt und den herrlichen Zeigern bei mir voll ins Schwarze. :super:
 
eretmodus

eretmodus

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Danke für die Informationen.
Hier ein Quickshot meiner beiden, die momentan noch in der Ecke liegen, da ich noch keine passenden Stahlbänder für die festen Stege bekommen habe.
DSC_0840.JPG
Wünsche dir weiterhin viel Freude mit deiner Schönheit und bin schon gespannt was hier in Zukunft zu sehen ist.
 
DRGM

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@Badener: herzlichen Dank für Deine Mühe, nach dem Werk zu suchen! Ich gebe Dir (natürlich) Recht: das Kaliber 836 kommt dem verbauten Werk sehr nahe. Schön auch zu erfahren, dass ich Dir mit ZentRa-Tavannes was Neues bieten konnte.

@eretmodus: Danke für das Zeigen Deiner ZentRa-Tavannes! Wäre toll, wenn Du die (trotz fehlender Stahlbänder) im Detail zeigen würdest – insbesondere die im Bild linke Uhr macht einen vielversprechenden Eindruck. Da würde man doch gerne mehr von sehen!

@Mickey: Naja, Cyma und Tavannes gehörten zu einer Firma, nämlich zu Firma Schwob Frères. Mit der Unterscheidung zwischen Cyma und Tavannes hat man es da auch nicht immer so genau genommen. Da sah bei ZentRa-Tavannes naturgemäß etwas anders aus. Übrigens eine sehr schöne Tavannes, die Dir Dein Großbvater hinterlassen hat.

@Faisaval, Goldstadtjung, Pirandello: herzlichen Dank für Euer Lob! Sowas hört man doch immer gern!
 
MaJoLa

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Hallo Martin,

jetzt hätte ich ja beinahe was verpasst.

Eine vorzügliche Vorstellung einer ganz besonderen Uhr.
Da hast Du wirklich was großartiges an Land gezogen und ebenso großartig sind die von Dir zusammengetragenen Informationen darüber.

Ich weiß, das Ralf (Bullius) auch noch eine wundervolle ZT beherbergt.
Sollte ich es schaffen, meine mal zurückzuholen, wirst Du es als erster erfahren.

Vielen Dank für Deine Arbeit. Es hat mir viel Spaß gemacht, hier zu stöbern.
 
MaJoLa

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Dann hol ich diesen, viel zu kurzen Thread, mal wieder aus der Versenkung.

Ich habe es geschafft und meine Tavannes gestern, im Tausch einer anderen Uhr, zurückgeholt. Vor einigen Jahren musste sie für meine eckige (Horrmann) Mimo gehen. Nu ist sie wieder bei mir.

Aufgrund der einfachen und schlichten Sekundenscala, hatte meine Schätzung bei 1936/37 gelegen. Zuvor war dieser Stil eigentlich nicht üblich und die Sekunden präsentierten sich doch etwas aufwendiger:
37196716lp.jpg


37196717vn.jpg


37196718mw.jpg


Auf der Suche nach etwas ganz anderem zur ZT, stoße ich dann in meinem kleinen Archiv auf die folgende Anzeige. Eigenartigerweise ist mir diese Uhr vorher nie so aufgefallen. Ärgerlich ist, daß das Gehäuse nicht klar erkennbar ist. Meine Uhr passt aber auffallend genau auf die in der Anzeige, wenn ich sie auf den Bildschirm lege. Nur die Hörnchen scheinen bei mir n Tick länger:





37196719fo.jpg


Hier die Anzeige komplett. Tatsächlich 1936:

37196731cu.png


Wäre natürlich interessant gewesen, ob der Gehäusehersteller identisch ist.

Das Kaliber ist mit dem aus Deiner Uhr identisch, Martin.
 
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MaJoLa

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Ich hol den Thread mal mit einer speziellen Frage nach oben:

Martin, hast Du durch Deine Unterlagen Kenntnis darüber, wann und in welcher Form bei Zentra der entsprechende Schriftzug bzw. nur das Z Verwendung fand?
 
DRGM

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Ach….. immer schau’n die Leute nur auf’s Zifferblatt…. wie sich ZentRa schon im November 1928 bewußt war:

Simplicissimus_12Nov1928_ZentRa.jpg

:D

Ernsthaft: nee, leider keine Ahnung. Ich weiß nur dass das Logo „Z in Raute“ im Mai 1930 zum Warenzeichen angemeldet wurde. Von wann bis wann das verwendet wurde: keine Ahnung.
 
MaJoLa

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Offenbar wurde beides parallel verwendet, wobei das Z wohl deutlich seltener auftaucht.

Danke Dir, Martin, für die Info und die schöne Anzeige.
 
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Wie oben bereits ausgeführt, endete das Joint Venture zwischen Tavannes und Cyma am 16. 12. 1946. Ab da war die Fa. ZentRa-Tavannes SA Geschichte. Allerdings wurden die Beziehungen zwischen Tavannes und ZentRa in den 50ern kurzzeitig wieder aufgenommen, nämlich in Form von Uhren mit der Doppelmarke ZentRa-Cyma

ZentRa-Cyma_01_1600.jpg

Nun, was hat Cyma mit Tavannes zu tun? Valentin (Faisaval) hat hier:

Eine CYMA mit Tag, Datum und Monat

nicht nur eine schöne Uhrenvorstellung, sondern auch und vor allem einen guten Abriss der Geschichte der Fa. Tavannes/Cyma geliefert. Demnach nannte sich das Unternehmen ab ca. 1945 wie ihre Hauptmarke Cyma Watch Co SA und die Marke Tavannes auf dem ZB wurde durch Cyma (nach und nach) ersetzt. Also ist eine Cyma nichts anderes als eine Tavannes, da sie aus demselben Hause stammt.



Meine ZentRa-Cyma ist zwar nicht so schick wie meine ZentRa-Tavannes, ist aber dennoch recht ansehnlich. Finde ich jedenfalls.

ZentRa-Cyma_03_1600.jpg

Hinten jetzt weniger - es kommt auf dem Foto nicht gut raus, aber rückseitig ist die Uhr das typische Opfer einen Nylon-Durchzugbandes:

ZentRa-Cyma_04a_1600.jpg

Macht aber nichts, denn der Deckel wäre rückseitig ohnehin völlig blank, d. h. ohne Beschriftung. Dafür gibt es innen im Deckel umso mehr zu entdecken:

ZentRa-Cyma_06_1600.jpg

Verbaut ist ein Cyma 459 mit Cymaflex-Stoßsicherung:

ZentRa-Cyma_10_1600.jpg

Manche ZentRa-Cyma kommen aber auch mit kleiner Sekunde und einem Cyma 458 daher.

Wann genau und wie lange die ZentRa-Cyma im Angebot war? Das weiß ich leider nicht. Lange scheinen sie nicht im Handel gewesen zu sein, denn man sieht sie doch recht selten.
 
Timebandit113

Timebandit113

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ZentRa Tavannes um die 1930/35 mit einem Werk 103 zu dem ich leider keine weitere Infos finde

Bandanstoß 14 mm
Gehäuse mit Klappmechanismus aus 900er Silber gefertigt
Anstoß zu Anstoß 36 mm, Breit ist sie 23 mm

Auf den beiden ersten Bildern der Anlieferungszustand.
Aber Silber läßt sich ja klasse polieren, das Originalarmband ist leider völlig zerschlißen und ich musste ein einfaches Klebearmband anbringen, nur dieses gab es entsprechend meinem Armgelenk passend. Das Uhrwerk läuft recht gut, ca. 1 min. Vorlauf am Tag !

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DSC04844.JPG
 
Badener

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Das Werk dürfte ein Cyma/Tavannes 3 Ref. 063 sein (das 067 hat andere Brücken):
Cyma_3_063.jpg
Das Bild stammt aus der Classification Horlogère von 1936.
 
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Hallo Wolfgang,

Danke für das Zeigen Deiner ZentRa-Tavannes!

Wenn ich das richtig sehe, dann steht unter der Unruh „REF. 069“. Dann wäre es ein Cyma Kaliber 069. Das ist bei Ranfft zwar nicht aufgeführt, aber es gab jedenfalls - es wird u. a. hier aufgeführt:

https://watchguy.co.uk/cgi-bin/mainsprings
 
strazzi1965

strazzi1965

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Ergänzend zu den hier schon gemachten Angaben in Sachen Cyma - Tavannes möchte ich noch anmerken, dass das Unternehmen zeitweise weltweit größter Uhrenhersteller war und durchgängig Wert auf höchste Qualität gelegt hat. So kann man in der Fachliteratur lesen, dass bspw. im Jahr 1949 94% aller in Le Locle bei der offiziellen Prüfstelle eingereichten Armbanduhren besonders gute Gangwerte aufwiesen, also chronometer-tauglich waren. Die Aufgabenteilung innerhalb des Unternehmens war so geregelt, dass Cyma Markenrechte hielt und den Vertrieb durchführte, während Tavannes für Entwicklung und Produktion zuständig war, und auch dort hat man sich durch modernste Verfahren hervorgetan. Innovativ waren z.B. die Kaliber 586 (Vorkriegskaliber Handaufzug), die Hammerautomatik Kaliber 420 und 425 und die Autorotor Kaliber 480, 485. Cyma-Tavannes war auch einer der wenigen Hersteller, der einen eigenen Armbandwecker entwickelt hat, der dann unter zwei Bezeichnungen vertrieben wurde. Last but not least gehörten zu dem Konglomerat noch weitere Uhrenmarken wie z.B. New Haven (USA), die in Wirklichkeit reinrassige Tavannes-Uhren waren, aber auf dem amerikanischen Markt Anteile sichern sollten.

Für den Vintage-Sammler ist Cyma-Tavannes und das ganze Drumherum (somit auch Zentra-Tavannes und Zentra-Cyma) ein sehr lohnenswertes, aber auch extrem schwieriges Sammelgebiet. Obwohl der Hersteller ehemals in großen Stückzahlen gefertigt hat, sind für zahlreiche Kaliber heutzutage kaum noch Ersatzteile erhältlich und auch Spenderwerke selten zu finden. Mein Uhrmacher plagt sich derzeit seit nahezu einem halben Jahr mit zwei fast hoffnungslosen Fällen, und selbst bei Grossisten in Kanada und Anbietern in Spanien (wo Cyma-Tavannes große Marktanteile hatte), ist es äußerst problematisch. Die Literaturlage ist ebenfalls schwierig. Wer hier nicht über Engelkemper- oder Jacob-Werkspiegel verfügt oder auch die o.g. Vorkriegspublikationen besitzt, wird sich aufgrund der Vielzahl der Kaliber schwertun. Diese Marken sind außerdem hoffnungslos unterbewertet, was dann wiederum wenig Interesse bedeutet und somit wenig Fachliteratur. Der Kreis schließt sich - leider.

Gruß
strazzi1965
 
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