ZentRa Stahlit - ein seltenes Modell

Diskutiere ZentRa Stahlit - ein seltenes Modell im Vintage Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Dass ZentRas wahre Wundertüten sind, hatte ich ja schon des Öfteren erwähnt - man weiß halt nie, was drinsteckt. So eine Wundertüte habe ich...
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Dass ZentRas wahre Wundertüten sind, hatte ich ja schon des Öfteren erwähnt - man weiß halt nie, was drinsteckt. So eine Wundertüte habe ich kürzlich aus der Bucht gefischt, wobei man „Wundertüte“ hier wörtlich nehmen musss, denn die Fotos des Verkäufers waren von einer derart berauschenden (sic!) Qualität, dass man gerade noch erkennen konnte, dass da drei Uhren verkauft wurden - viel mehr allerdings auch nicht. Das die ZentRa betreffende Foto war nicht ganz so schlecht wie das Auktionsbild von Jörgs (ducjb) ZentRa Sola

Zentra Sola mit unbekanntem Werk

aber auch nicht viel besser (nebenbei: ich hätte nicht übel Lust, mal einen Beitrag „Rate die Uhr“ ins Leben zu rufen, wo man anhand grottiger Verkäufer-Bilder eine bestimmte Uhr raten soll - nur schützt das Urheberrecht auch schlechte Fotos, also muss es bei der Idee bleiben).

Auf dem die ZentRa betreffenden Foto war immerhin zu erkennen, dass da unterhalb von ZentRa noch was anderes stand - mehr aber auch nicht. Es hätte „Granit“ sein können - denn die gab es auch in rechteckig:

Welche Vintage-Uhr tragt Ihr heute? -Teil 4-

Nun ja - nach ein paar Tagen kam die Wundertüte mit den Uhren an - meine Spekulation bzgl. Granit ging nicht auf:

ZentRa-Stahlit_Still_05_1600.jpg

Eine Stahlit also. Ich war baff, denn von Stahlit hatte ich noch nie etwas gehört. Also „Zwerg Allwissend“ bemüht - und es geschah etwas ganz Seltenes:

google-Screenshot_ZentRa-Stahlit.jpg

Ein einziger Treffer! Und dieser betrag eine längst abgelaufene Auktion betreffend zweier Zifferblätter „ZentRa Stahlit“.

Google war also keine Hilfe.

Immerhin ist bei mikrolisk die Marke Stahlit gelistet. Und diese wurde am 24. 12. 1935 von einer Fa. E. Dohrmann in Bremen für die Waren „Uhren-Stahlgehäuse“ zum Warenzeichen angemeldet:

DWZ483664_Dohrmann_Stahlit_1366.jpg

Die Firma Dohrmann ist keine ganz unbekannte, denn Dohrmann gehörte zu den „Vier“ (Anzeige aus „Westdeutsche Uhrmacher-Woche“ vom 2. Januar 1943):

Die-Vier_Uhrmacherzeitung_1943.jpg

Diese vier Uhrengrosshändler (neben Dohrmann noch Filius/Berlin, Gerl Schipper/ Köln und Stüwen & Spann/Ulm) machten das Rückgrat der ZentRa aus, denn die Uhreneinkäufe der ZentRa wurden von diesen vier Firmen getätigt. Dohrmann kommt in gewissem Sinne eine Sonderstellung zu, da diese Firma am 6. November 1941 die bekannte ZentRa-Marke „Z in Raute“ als Warenzeichen anmeldete - zeitgleich mit Gerl & Schipper übrigens, die jene Marke ebenfalls als Warenzeichen anmeldete - warum auch immer.

Leider habe ich weder das 1941er, noch das 1942er Warenzeichenblatt - kann aber immerhin die originale Marke der Markenuhr GmbH von 1930 zeigen:

DWZ423910_MArkenuhr_Z-in-Raute_854.jpg

Wo wir schon bei der Z-Marke sind: an anderer Stelle wurde schon mal gefragt, wann und in welcher Form bei Zentra das Z Verwendung fand. Das konnte ich seinerzeit leider nicht beantworten. Nun, ich habe einen ZentRa-Prospekt (von ca. 1935/36), welcher ein erhellendes Angebot enthält:

ZentRa-Katalog_30er_Marke-Z_vs_ZentRa_1366.jpg

Demnach wurde die „Marke Z“ für etwas einfachere Uhren verwendet, während die „Marke ZentRa“ den etwas höherwertigen Uhren vorbehalten blieb.

Doch zurück zur Stahlit. Ich denke, dass Dohrmann die Uhr beschafft und mit ihrer Marke Stahlit versehen ließ.

Und so sieht die Stahlit dann im Detail aus:


ZentRa-Stahlit_01_1600.jpg

ZentRa-Stahlit_02_1600.jpg

ZentRa-Stahlit_04_1600.jpg

Was aus den Bildern leider nicht sooo toll rauskommt ist der Spiegelrahmen um die Ziffern. Rückseitig die Erklärung für die Marke Stahlit:

ZentRa-Stahlit_05_1600.jpg

ZentRa-Stahlit_06_1600.jpg

Das Gehäuse besteht also aus rostfreiem Edelstahl und stammt von Richard Pfisterer, Pforzheim.

Der Deckel innen mit hübscher Zirkopolitur, ansonsten aber ohne Stempelungen:

ZentRa-Stahlit_07_1600.jpg

Das Werk ist mit „ZentRa 270“ gestempelt - es handelt sich um ein PUW 8¾ x 12, PUW 8¾ x 12 neu, oder um ein PUW 500 (welches genau weiß ich leider nicht):

ZentRa-Stahlit_10_1600.jpg

Das übrigens ganz ordentlich läuft, auch wenn der Verkäufer die Uhr als nicht funktionsfähig und defekt beschrieben hatte.

Die Uhr habe ich mal in eine m. E. zeitlich passende Schachtel gelegt, welche ich schon vorher hatte:

ZentRa-Stahlit_in-Box_02_1600.jpg

ZentRa-Stahlit_in-Box_01_1600.jpg

Wobei: „zeitlich passend“ ist so eine Sache. Ich bin mir hier etwas unsicher. Auf der einen Seite: Werk ohne Stoßsicherung, die 1935 angemeldete Marke und ein Gehäuse mit festen Bandanstößen:

ZentRa-Stahlit_08_1600.jpg

Diese Merkmale sprechen eher für die 30er, evtl. 40er. Auf der anderen Seite gibt es auch ein Merkmal der 50er: Pfisterer als Hersteller. Diese Firma meldete ihre Marke RP erst im Oktober 1951 an:


DWZ633101_RP.jpg

Und da gibt es noch eine typische Uhr der 50er Jahre, nämlich eine „Eref“, deren Gehäuserückseite mit der gleichen Stempelkombination (RP in Raute und rundem Edelstahl/Rostfrei-Stempel) versehen ist:

Uhrenbestimmung - Dezente Anker 15 Rubis

Also doch wohl eher 50er?


Wenn jeman eine Stahlit zeigen könnte (was mich aufgrund des google-Ergebnisses wundern würde): immer gern!
 
Faisaval

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Hallo Martin,
Leider kann ich mit keiner ZentRa Stahlit dienen, aber Dir wieder zu dieser fundierten Präsentation eines mir bis dato unbekannten Modells aus dem Hause ZentRa gratulieren. 👍Vielen Dank für die erhellende Vorstellung. 😊
 
MaJoLa

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Hallo Martin,

erhellende Einblicke zur Marke Zentra hast Du geliefert. Klasse und vielen Dank dafür.

Zu Stahlit hab ich ja auch nur das gefunden, was bei Mikrolisk stand. Beantwortet hast Du die Frage, warum das Z mit Dohrmann in Verbindung gebracht wird. Nun weiß man endlich mal, wer quasi bei Zentra das Zepter in der Hand hatte.

Das Deine Stahlit, die sich übrigens absolut sehen lassen kann, aus den 50ern sein könnte, halte ich nicht für unwahrscheinlich. Das ist wieder die Sache mit dem Verbrauch von Altmaterial aus der Zeit vor 1945.
Im Grunde wurde ja viele Uhren nach dem Krieg lediglich zusammengebaut. Die Teile selbst waren einige Jahre älter.

Die Sache mit dem Z auf dem Zifferblatt, macht Sinn. Ich meine, diese Uhren sind viel seltener anzutreffen als ZenTra. Ich selbst habe auch nur eine Z. Kal 102 Bifora mit "nur" 7 Steinen. Diese Uhr ist auch im Bifora Katalog für USA abgebildet. 7 Steine war hinsichtlich der Zölle wohl bedeutend günstiger.

Unangenehme Überraschungen hinsichtlich der Qualität, wird man bei Zentra sicher nicht erleben, was z.Bsp. bei Anker schon ganz anders aussehen kann.

Auf alle Fälle wieder klasse recherchiert und kurzweilig vorgestellt. Die Schachtel rundet das Ganze dann noch gekonnt ab. Mir hat es wieder Spaß gemacht :super: :klatsch:
 
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Hallo Valentin, hallo Markus,

Danke für Eure freundlichen Worte!

Dass Ihr nicht mit einer weiteren Stahlit aufwarten könnt ist zwar schade, aber erstens war das ja auch nicht zu erwarten und zweitens kann ich mir bis zum Auftauchen einer weiteren Stahlit einbilden, der Eigentümer der weltweit einzigen Stahlit zu sein. :D Wobei ich wirklich hoffe, dass sich das ändert.
 
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Kleines Update: eingangs hatte ich ja erwähnt, dass ich bis zum Eintreffen der Uhr darauf spekuliert hatte, dass es eine Granit sein könnte. Nun, bzgl. der Marke „Granit“ hatte ich unlängst mal Mikrolisk bemüht (hätte ich längst einmal machen sollen) und siehe da: die Marke wurde im Dezember 1936 angemeldet und gehörte der Firma Stüwen & Spann/Ulm, welche zu den vier vereinigten Uhrengrossisten, welche den Einkauf bei ZentRa regelten.

DWZ493642_Stüwen-Spann_Granit_854.jpg

ZentRa Granit findet man zwar nicht häufig, aber gelegentlich dann doch mal. Finde ich doch recht aufschlussreich, dass diese Untermarke von ZentRa auch einem der vier Grossisten gehörte.
 
MaJoLa

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Interessant, Martin.

Ich kenne Granit nur in Verbindung mit Zentra. Der Anzeige zufolge, müsste es ja demnach Uhren NUR mit Granit gegeben haben. Ich war bislang davon ausgegangen, daß Granit ein Zusatz für Zentra Stahluhren war. Obwohl meine Stahl-Zentra diese Bezeichnung ja auch nicht trägt. Also etwa wie "Tresor" oder "Panzer".

Ich vermute, daß vielleicht im Falle von Zentra, Stüwen den Namen Granit für Stahluhren bereitstellte.

Du kennst die Zentra-Granit/B von Didi. Ich frage mich, was an der Uhr von Stüwen sein könnte. Werk und Blatt ist ja mit Sicherheit Bidlingmaier. Dann bliebe nur das Gehäuse, was ja denn aus Stahl sein müsste.

Zeigt her eure Bifora Uhren...
 
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Hallo Markus,

Du schätzt das Markenrecht ein wenig falsch ein. Wenn eine Marke „solo“ eingetragen ist, bedeutet das nicht, dass sie auch solo verwendet werden muss - sie kann durchaus mit einer anderen Marke zusammen genutzt werden - so wie im Fall der ZentRa Granit (oder eben auch der ZentRa Stahlit). Übrigens ist das keine Anzeige, sondern die amtliche Veröffentlichung der Warenzeicheneintragung im Warenzeichenblatt, dem amtlichen Veröffentlichungsorgan des (Reichs-)Patentamtes. Quasi der Bundesanzeiger auf Patentamtsebene.

Nicht jede Granit hat ein Edelstahlgehäuse - bei dieser ist nur der Boden aus Edelstahl:

Die schöne Unbekannte - Zentra Granit

Und bei dieser ist jedenfalls das Gehäuse ebenfalls nur verchromt:

Herrenuhr Zentra, Granit, 1930er Jahre, Stahlgehäuse, Handaufzug, Uhr läuft, Metallzifferblatt mi

Schätze, dass mit „Granit“ nur zum Ausdruck gebracht werden sollte, dass die Uhr besonders robust ist, was ja für viele Granit im „Tresor-Look“ ja wohl auch zutreffend ist. Bei „Stahlit“ sieht das dann ein wenig anders aus, da hier tatsächlich die Erwartung, dass das Gehäuse aus Stahl besteht, erfüllt werden musste. Ich hab‘ jedenfalls noch keine ZentRa Stahlit gesehen, deren Gehäuse nicht aus Edelstahl bestehen würde. :D

Was Didis „B-Uhr“ anbelangt: auch hier verlangt das Markenrecht keineswegs, dass ein Gegenstand vom Markeninhaber gefertigt sein muss. Bidlingmaier hat hier größtenteils auf seine Marke(n) verzichtet und die Uhr im Auftrag von ZentRa - und gegebenenfalls Stüwen & Spann - gefertigt und an diese geliefert. Alles völlig im Rahmen.
 
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Kleines Update: durch eine Recherche zu einem ganz anderen Thema bin ich auf eine Annonce von Dohrmann in „Die Uhrmacherkunst“ von 1940 gestoßen:

Uhrmacherkunst_1940_S40_Dohrmann-Stahlit.jpg

Demnach hat Dohrmann selbst die Marke Stahlit (zumindest 1940) für Ansatzbänder verwendet - obwohl die Marke ja explizit für die Waren „Uhren-Stahlgehäuse“ geschützt war. Ich kann mir keinen Reim drauf machen - aber es ist ja, wie es ist….
 
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