Zenith Schiedsrichteruhr

Diskutiere Zenith Schiedsrichteruhr im Taschenuhren Forum im Bereich Uhrentypen; Moin Gemeinde, ich weiß gar nicht, ob ich in dieser Rubrik schon mal einen Faden eröffnet habe. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. Also...
Unruhgeist

Unruhgeist

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Moin Gemeinde,

ich weiß gar nicht, ob ich in dieser Rubrik schon mal einen Faden eröffnet habe. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern.
Also traue ich mich mal auf das unbekannte Terrain.


„Mitgebracht“ habe ich eine Taschenuhr von Zenith, bei der man auf den ersten Blick meinen könnte, das Zifferblatt habe eine Fehlstelle oder einen „Fehldruck“.

Ist aber nicht so. Denn diese Uhr zeigt nicht die Uhrzeit an, sondern die abgelaufene Zeit seit ihrem Start. Und angezeigt werden maximal 45 Minuten – die Halbzeit eines Fußballspiels.
Die Handhabung ist denkbar einfach: Vor Halbzeitbeginn wird die Uhr ganz klassisch durch Ziehen der Krone und einstellen des Zeigers genullt. Sodann wird bei Spielbeginn der Schieber bei 11 Uhr in Richtung 12 geschoben und die Zeitmessung wird gestartet.
Für Spielunterbrechungen (Fouls, Verletzungen etc.) wird der Schieber in Richtung 11 Uhr zurück geschoben und die Uhr wird gestoppt. Abermaliges Schieben in Richtung 12 Uhr lässt sie wieder anlaufen.
Da das Werk eine Schraubenunruh hat, ist es kein Stift, der beim Stoppen seitlich gegen die Unruh gedrückt wird, sondern eine kleine Metallzunge, die sich von oben seitlich gegen die Schraubenköpfe der Unruh schiebt und diese dadurch anhält. Im Grunde eine ganz einfache Lösung, die sich mit jedem „standardisierten“ Taschenuhrwerk bewerkstelligen ließe. Stundenzeiger weglassen, Zifferblatt entsprechend den Bedürfnissen entwerfen, kleiner Stoppmechanismus für die Unruh – fertig ist so eine Schiedsrichteruhr.

Aber Zenith wäre ja nicht Zenith, wenn die nicht wieder etwas Extravagantes gebastelt hätten: Es ist kein einfaches, umgebautes Serientaschenuhrwerk, sondern ein „nacktes“ Chronographenwerk von Le Phare. Kaliber 114 VCC bin ich der Meinung. Die obere ¾ Platine ist identisch mit dem Chronographenwerk, nur eben ohne die ganzen Aufbauten wie Schaltrad, Mitnehmerrädchen, Hebelchen und Federn. Hier zeigt sich also eine fast jungfräuliche ¾ Platine ohne Bohrungen und verwirrende Aufbauten.

Zeitlich kann ich es nicht wirklich einordnen, aber ich tippe auf 1910 – 20?? Wenn jemand genaueres zum Produktionszeitpunkt weiß, bitte korrigieren! Ich bin absolut kein Chronographenspezialist!


1.jpg2.jpg



3.jpg
Die blaue "Zunge" im unteren Bildbereich ist die Stoppeinrichtung



Vgl. Zenith Le Phare.jpg

Hier auch der Vergleich zwischen den Werken:

  • Position Aufzug- und Sperrrad identisch
  • Sperrklinke, Sperrklinkenfeder und Sperrklinkenausfräsung in Position und Form identisch
  • Platinenschrauben an identischen Positionen
  • Kantenverlauf der Platine im Bereich der Stanzung identisch
  • Positionen Ankerrad, Sekundenrad, Kleinbodenrad identisch
  • Ausfräsung der Grundplatine im Unruhbereich und Form des Ankerklobens identisch
  • Position der Werkhalteschraube identisch

  • Form des Unruhklobens abweichend
  • Spiralklötzchenverschraubung abweichend (Original Le Phare bei Schiedsrichteruhr, dreickig beim Chrono)


Fazit: 7 Übereinstimmungen zu 100%, eine Abweichung (Unruhkloben), eine Variante (Spiralklötzchenverschraubung)

Kein Zweifel – das ist Le Phare.


So, mehr gibt es dazu nicht zu sagen glaube ich. Ergänzungen, Korrekturen etc. sind natürlich erwünscht!



Das war mal eine Vorstellung einer etwas anderen Taschenuhr.

Gruß,
Unruhgeist
 
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Gast36883

Gast
Ich würde die Uhr auf frühestens 1920 und spätestens 1950 schätzen, am Wahrscheinlichsten 1930-40. Wirklich ausführlich begründen kann ich die Schätzung nicht, ist so ein Bauchgefühl aus dem Gesamtbild Uhrwerk, Zifferblatt mit Schrifttypen und Gehäuse heraus. Interessantes Ührchen, danke für die nette Vorstellung :super:

LG, Frank
 
Ruebennase

Ruebennase

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Zumindest das 114 VCC Chronographenwerk wurde bereits vor 1910 und dann recht lange gebaut. Auch das Schalten einer Stopuhr über den Seitenschienber ist durchaus eine ältere Technik. Sie ist typischer Weise dort zu finden, wo additiv gemessen wurde z.B. zur Arbeitszeiterfassung oder auch bei dem Mark II Militärstoppuhren der Briten vor dem ersten Weltkrieg wo jedoch es jedoch zusätzlich ein "Flyback" gab der über drücken der Krone erfolgte.
Ich habe überhaupt kein Gefühl für das Alter dieses urigen Minutenzeigers mit Sekundenstoppfunktion :-). Da Zenith von 1915-1922 quasie Besitzer von Le Phare war, tippe ich auch auf diesen Zeitraum für diese "Nieschenuhr". Man hat sicherlich auf das vorhandene Lager zurück gegriffen. Eventuell bräuchte man jetzt einen Fußballfreak mit Sinn für die Historie der Sportart.

GRüße Rübe
 
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Unruhgeist

Unruhgeist

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Erstmal danke für die Rückmeldungen :-)

Das Problem mit der Altersbestimmung ist auch der Spiralklötzchenverschraubung geschuldet. Es ist ja die originale, verdeckte Le Phare Verschraubung, nicht die typische, dreieckige Zenith Verschraubung. In den Jahren, als Le Phare zu Zenith gehörte, wurde ja überall das dreieckige Klötzchen eingebaut. Orientiert habe ich mich mit meiner Schätzung auch an dem Schieber, den ich von den frühen Stoppuhren kenne, den aber auch andere Firmen so oder so ähnlich gebaut haben.
Franks Einschätzung mit den Schrifttypen ist natürlich auch ein Argument. So ganz passt das tatsächlich nicht in die Zeit um oder vor 1920.
Klassische Patt-Situation bezüglich der Altersbestimmung. Vielleicht findet ja noch jemand ein Argument für oder gegen die eine oder andere Theorie.

Gruß,
Unruhgeist
 
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