Zenith Elite Dual Time – Revision leichter als gedacht

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#1
watchhans

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Vor 18 Jahren kaufte ich diese Zenith Elite Dual Time und war mächtig stolz, damit meine erste Uhr mit einem waschechten Manufakturkaliber zu besitzen.
War das doch im Jahr 2000 nicht besonders weit verbreitet. Zumindest im erschwinglichen Bereich.
Denn mit ca. 2000,- DM zwar auch schon üppig, aber im Vergleich z.B. zu Rolex immer noch erschwinglich.

Ich trug sie sehr oft und gab sie in 10 Jahren 2mal zur Revision. Davon einmal direkt zu Zenith nach Le Locle.

Jetzt, nach weiteren 8 Jahren, entschied ich mich, diese Arbeit selbst zu erledigen, da ich mein Uhren-Hobby in Richtung Uhrmacher intensiv erweitert und mir eine kleine Werkstatt eingerichtet habe. Schon zahlreiche meiner Sammlerstücke überholte ich erfolgreich selbst. Darunter auch schon einige Komplikationen.

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So dürfte auch die Zenith kein Problem darstellen, vor allem aufgrund der im Internet verfügbaren Explosionszeichnung mit einem Ölplan und Montagereihenfolge.

20180522_092153.jpg
Unter dem ZB verbirgt sich eine Abdeckplatte, unter der sich der Mechanismus für die Schaltung der 2. Zeitzone verbirgt.

20180522_093459.jpg

Nach dem Abnehmen zeigen sich die Hebel und Federn für diese Funktion. Beim Aufsetzen lassen sich diese durch die Löcher in der Abdeckplatte leicht wieder einfädeln.

20180522_092538.jpg

Das Stunden- und 24-Std.-Rad, sowie das Rad für die schrittweise Verstellung des 24-Std.-Rades.

20180522_093852.jpg

20180522_095533.jpg

Nach dem Abnehmen der Stundenräder zeigen sich die Datumraste-, das -schaltrad und das Datum-Korrektorrad. Bei diesem Kaliber läßt sich das Datum sowohl vor- als auch zurückschalten.
Ein Vorteil: außer der Feder für das Datumschaltrad gibt es keine flugfreudigen Federchen.

20180522_095417 (3).jpg

Bei genauem Hinsehen und starker Vergrößerung kann man erkennen, daß der Schraubenkopf für das Datum-Zwischenschaltrad auf der linken Seite leicht eingerissen ist.
Dies musste wohl beim Einschrauben während der letzten Revision passiert sein.
Diese Schraube habe ich durch eine neue ersetzt.

20180522_124257.jpg

Die geringe Bauhöhe wird dadurch erreicht, weil die Gangräder und die Räder für den automatischen Aufzug nebeneinander angeordnet sind. Das Kronrad sitzt auf der Halterung für den Sekundenstopp, das Sperrad ist auf den Federkern genietet, läßt sich aber zum Öffnen des Federhauses abnehmen und mithilfe einer Triebnietmaschine wieder aufsetzen.
Hier ist das 2. Wechselrad bereits entfernt.

10.jpg

Die Feder ist ca. 400 mm lang und bietet über 50 Std. Gangreserve.

media (4).jpg

Das Räderwerk mit kleiner Sekunde auf 9 Uhr. Gut zu sehen auch die Feder für den Sekundenstopp mit ihrer gabelartigen Form.

2018-11-05 14.52.54.jpg

Leider wird das von Zenith schön dekorierte Werk unter einem massiven Druckboden versteckt.
Trotzdem entschied ich mich, die Schraubenköpfe zu polieren und blau anzulassen. Ich bemerkte aber, daß sich der verwendete Stahl dieser Schrauben nur schwer thermisch bläuen ließ.
Auch die Boden- sowie Glasdichtungen habe ich durch neue ersetzt.

20181105_143209.jpg

Ein typisches Uhrendesign der späten 90er Jahre. Laut Auskunft von Zenith wurde diese 1997 hergestellt.
Zu dem Zeitpunkt verwendete Zenith noch den stilisierten Stern als Markenzeichen.

Fazit: ein gut zu überholendes Werk, welches keine großen Schwierigkeiten bereitete. Auch der Mechanismus für die 2. Zeitzone ist recht einfach konzipiert.
So ist sie wieder fit für die nächsten 5 – 8 Jahre.
Beruflich benötigte ich in der Vergangenheit die Anzeige einer 2. Zeitzone. Jetzt, im Vorruhestand, bin ich darauf nicht mehr angewiesen. Trotzdem werde ich sie wieder des öfteren tragen.
Wie sagte doch ein Schweizer Hersteller: Uhren sind Emotionen.
 

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#3
watchhans

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...vielen Dank für den schönen Bericht!
Gern geschehen!
Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen Hobby-Uhrmacher, der dieses Kaliber schon immer einmal überholen wollte und dem ich mit den Fotos "unter der Haube" weiterhelfen konnte. Auch der ein oder andere Besitzer und Träger interessiert sich vielleicht für den Blick in die technischen Details.
Ursprünglich gehört dieser Beitrag unter die Rubrik Revisionen. Dafür habe ich aber nicht genügend Privilegien.
 
#4
clausuhr

clausuhr

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Respekt, hätte ich mich nicht getraut!
Offensichtlich gelungene DIY-Revision, die einiges an Geld erspart.
Ich habe kürzlich für lose Welle und Dichtigkeitsprüfung meiner Kontiki GMT knapp 200.- bezahlt.
Viel Spaß noch mit dem Youngtimer,

Gruß

Claus
 
#5
Baumeister

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Sehr schön!
Finde ich super, dass Du dich da ran gewagt hast. Eine gemeinsam überstandene Revision verbindet. Das macht die Uhr sicherlich noch einmal mehr zu "Deiner"

P.S: und natürlich vielen Dank für den Einblick in dieses seltene Werk
 
#6
watchhans

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Respekt, hätte ich mich nicht getraut!
Offensichtlich gelungene DIY-Revision, die einiges an Geld erspart.
Ich habe kürzlich für lose Welle und Dichtigkeitsprüfung meiner Kontiki GMT knapp 200.- bezahlt.
Viel Spaß noch mit dem Youngtimer,

Gruß

Claus
Vielen Dank!
Die Revision ist sehr gut gelungen. Die Gangwerte sind geradezu traumhaft mit Amplituden von 270 - 305 Grad, nur sehr geringem Abfallfehler und einem Gang von ca. +4 Sek./Tag.
Das sind die Werte kurz nach der Überholung. Diese werden sich noch leicht verändern, da sich die Öle noch etwas mehr verteilen werden und die gereinigte und neu gefettete Aufzugsfeder sich noch ein paar Mal komplett aufziehen und entspannen wird.
Nach 14 Tagen wird die Uhr nachreguliert. Da sind dann durchaus Werte nach Grand Seiko-Standard drin (höher als Chronometernorm).
Das liegt aber auch an den von Zenith nach strengen Vorgaben gefertigten Teilen und den regelmäßigen, vorherigen Revisionen.
Da ist der Verschleiß äußerst gering.

P.S. ungefähr 600 Euronen gespart, da ich auch keine Ersatzteile benötigte. Denn die sind exorbitant. Zenith weiß schon, warum.
 
#7
watchhans

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Nachtrag: mittlerweile läuft sie konstant mit +5 Sek./Tag und hat eine Gangreserve von knapp 58 Stunden, bei Amplituden zwischen 275 - 305 Grad.
Damit dürfte sie innerhalb der von Zenith vorgegebenen Werte nach einer Überholung liegen:klatsch:
Ich muß mir jetzt einfach mal arrogant:roll: auf die Schulter klopfen:super:, aber irgendwas muß ich richtig gemacht haben:hmm:
 
#9
watchhans

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Mein Respekt ist dir gewiss. Hut ab. War bist/warst du hauptberuflich?
Vielen Dank!:prost:
Also hauptberuflich hatte ich mit Uhrmacherei oder Feinmechanik überhaupt nix zu tun.:hmm:
Aber schon immer hat mich der Mikrokosmos der Mechanik fasziniert, die Teile konnten nie klein genug sein:lol:
Also fing ich an, schon während meiner Berufszeit als Hobby, intensiv über Uhrentechnik zu lernen, technische Zusammenhänge, Materialkunde, und, und, und....
Seit meinem Vorruhestand 2015 tauchte ich dann richtig in die Materie ein, besuchte zahlreiche Seminare und baute mir peu á peu eine kleine Werkstattecke aus. Dabei merkte ich, daß allein gutes Werkzeug schon teurer sein kann:shock:, als manche Uhr.
Denn damit steht und fällt alles;-) So ein Zenith 682 oder jedes andere, etwas komplexere Kleinkaliber ist nix für den Küchentisch "mal ebenso zwischendurch":lol:
Was mich auch noch motiviert sind die mittlerweile teilweise exorbitanten Revisionspreise namhafter Hersteller. Und bei einer Sammlung von u. a. Zenith, IWC und JCL, kann ich ein Vermögen sparen. Denn auch dort in den Werkstätten wird nur mit Wasser gekocht.
Ich will mich aber keineswegs auf deren Niveau erheben. Dazu fehlt mir nicht nur noch eine große Portion Erfahrung, sondern auch die technische Ausstattung.
Aber für ein 682 oder ein IWC 37526 (ETA 2892A2 mit UTC-Aufbau) reicht es bei mir allemal.

Wichtigste Voraussetzung ist eiserne Disziplin, Hang zum Perfektionismus und Liebe zum Detail, gepaart mit übermäßig viel Geduld und Fingerspitzengefühl.
 
#11
watchhans

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Nachschlag: sie läuft nach wie vor prima. Die Amplituden schwanken zwischen 280 - 312 Grad bei 0 - 0,1ms Abfallfehler, getragen +2 Sek./Tag und auf dem Display meiner Zeitwaage eine traumhaft schnurgerade Linie.
Das liegt natürlich auch an der hohen Präzision von Zenith während der Fertigung.

Als nächstes kommt meine 2. Uhr mit Zeitzonenanzeige, eine IWC Fliegeruhr TZC mit dem Basiskaliber ETA 2892A2 an die Reihe.
Gut das es auch für dieses, von der IWC als Cal. 37526 bezeichnetes Werk detaillierte Ölpläne und Servicehinweise gibt. Dies betrifft vor allem den Mechanismus für die 2. Zeitzone, welche auf dem Basiswerk auf einer dünnen Platine komplett montiert ist. Nicht nur die Hauptplatine wurde von der IWC stark modifiziert, auch im Basiswerk finden sich einige leichte Veränderungen.
Grafik UTC IWC.jpg
Ich werde diese Revision hier natürlich auch vorstellen und mehrere Fotos dazu hochladen.
Vielleicht kann ich damit dem einen oder anderen Amateur helfen, wenn man weiß, was einem unter dem ZB erwartet.
Denn auch die Servicepreise der IWC sind mittlerweile gesalzen. Sicher werden dort alle Verschleißteile ersetzt, ob nun dringend notwendig oder nicht. Und die muss man auch bezahlen.
Da ich diese Uhr recht selten getragen habe und sie vor 10 Jahren direkt in Schaffhausen revidiert wurde, wird auch kaum Verschleiß vorhanden sein.
 
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