ZENITH - Die Staubdeckel und die Medaillen

Diskutiere ZENITH - Die Staubdeckel und die Medaillen im Redaktionelle Beiträge Forum im Bereich Uhren-Forum; Moin moin, heute möchte ich mal etwas zu einem Thema schreiben, dessen Ergebnis ich zwar schon ein paar Jahre kenne, der ein oder andere...
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Unruhgeist

Unruhgeist

Themenstarter
Dabei seit
17.06.2012
Beiträge
880
1592667413011.png





1592667482430.png




Moin moin,
heute möchte ich mal etwas zu einem Thema schreiben, dessen Ergebnis ich zwar schon ein paar Jahre kenne, der ein oder andere vielleicht auch, aber aufgearbeitet wurde es meines Wissens bisher nicht. Es geht auch gar nicht um Uhren, sondern um einen Teil des Gehäuses von Taschenuhren. Genauer gesagt um den Staubdeckel. Und da natürlich nicht um irgendwelche Staubdeckel, sondern ausschließlich um die der Firma Zenith. Und weil ich mir von der hier anerkannten Forenexpertin für Zenith anschließend keine Detailfehler um die Ohren hauen lassen wollte, habe ich die Expertin eben gefragt, ob sie bei diesem Artikel Pate stehen würde. Wollte sie. In der Folge kam es zu einigen Diskussionen und Wissensduellen, aber letztlich sind wir dann auf einen Nenner gekommen. Die Bilder sind daher eine Mischung ihrer und meiner Uhren sowie von befreundeten Sammlern, die das ein oder andere Objekt für Fotozwecke zur Verfügung gestellt haben. Ganz am Ende des Artikels gibt es wieder einen Link zu einem Diskussionsfaden, wo weiteres Wissen und Informationen geteilt, bzw. weiterführende Fragen gestellt werden können. Denn weder Ruebennase oder ich, noch die anderen Sammler kennen alle Staubdeckelvarianten und Details zur Firma Zenith. Und vielleicht taucht ja doch noch ein unbekanntes Deckelexemplar auf.



Aber fangen wir an:

Auffällig sind ja oftmals die eingestanzten Medaillen, die mal mehr, mal weniger auftauchen. Zuweilen auch gar nicht. Weshalb manchmal gar keine Medaillen eingestanzt wurden konnte ich bis jetzt nur teilweise entschlüsseln. Manchmal handelt es sich dabei um Uhren mit Zenithwerken, die aber kundenspezifisch produziert wurden. So gibt es beispielsweise Uhren, die im Werk mit „AES“ in einem Oval gepunzt sind. Dies bezieht sich auf das Essener Kaufhaus Adolf Eick und Söhne, die diese Uhren bei Zenith in Auftrag gaben. Weil es sich aber um ein Kaufhaus handelte und Zenith den Fachhändlern und Uhrmachern keine zusätzliche Konkurrenz bescheren und die Reputation des eigenen Namens nicht beschädigen wollte, sind in diesen Uhren keine Zenith-spezifischen Punzen oder Namen zu finden, die auf Zenith eingetragen waren. Ähnlich verhält es sich mit Werken, die in Uhren der Union Horlogère verbaut wurden. Auch dort sind keine Hinweise auf Zenith zu erkennen.
Aber auch in Zenith-Uhren selbst wurden manchmal die Staubdeckel unberührt belassen, bis auf den kleinen Schriftzug „Grand Prix Paris 1900“, der dann an der Kante des Staubdeckels zu finden ist. Vermutlich wurde darauf verzichtet, um dem Käufer die Gelegenheit zu geben eine Widmung oder seinen Namen eingravieren zu lassen. Andernfalls hätte der Kunde vielleicht keine Zenith gekauft, sondern eine andere Uhr, die ihm diese Möglichkeit geboten hätte.
Aber es soll ja nicht um die leeren Staubdeckel gehen, sondern um die werkseitig gefüllten. Und dort finden sich immer wieder Medaillen. Mal mehr, mal weniger. In der Spitze finden sich bis zu 8 Motive in einer Art Kranz auf dem Deckel eingestanzt. Diese Uhren sind allerdings nicht so häufig zu finden wie die mit 6 Motiven - es sind aber auch keine Seltenheiten. Außerdem bilden das siebte und achte Motiv einen bisher ungeklärten Sonderfall, weil diese Motive zumindest auf Zenith Uhren gar nicht auftauchen dürften. Aber dazu später mehr.
Im Regelfall sind es 6 Motive. Manch ein Sammler (häufiger aber marktschreierische Verkäufer) gehen davon aus, dass die Firma die Anzahl der Medaillen als Preise gewonnen hat. Dies ist zwar richtig, es sind jedoch nicht 2, 4, 6 oder gar 8 Medaillen, sondern jeweils die Hälfte, da die Medaillen von der Vorder- und Rückseite gezeigt werden. Daher sind es auch immer wieder die gleichen Medaillen die abgebildet werden. Wenn man diese mit Uhren anderen Herstellern hochwertiger Uhren vergleicht, findet man manchmal die gleichen Motive auf den Staubdeckeln. Das ist nicht ungewöhnlich, sondern besagt, dass die Medaillen tatsächlich Siegerehrungen waren. Hinzu kommt auch, dass im Regelfall zusätzliche Vermerke auf dem Staubdeckel zu finden sind, wann und wo diese Preise gewonnen wurden. Zur damaligen Zeit zwischen etwa 1880 bis 1910 war neben den Platzierungen bei Chronometer-Wettbewerben so eine Siegermedaille einer wichtigen Ausstellung quasi der „Oscar der Uhrenindustrie“ und zeugte von einem renommierten Hersteller.
Das ist auch der Grund, weshalb von weniger renommierten Herstellen manchmal irgendwelche Phantasiemedaillen in die Deckel gestanzt wurden. Diese Uhren kann man aber leicht erkennen, weil die Konturen dieser Medaillen meistens sehr unscharf sind und (wenn überhaupt) nur wenig aussagekräftige Texte dazu graviert bzw. gestanzt wurden.
Allerdings besagt ein tatsächlich verliehener Preis auch nicht, dass der Hersteller zwangsläufig für ein kompliziertes oder hochgenaues Uhrwerk ausgezeichnet wurde. Denn es gab verschiedene Kategorien, die mir aber nicht bekannt sind. Den Grand Prix 1900 gewann Zenith jedenfalls nicht wegen eines exquisiten Uhrwerks, sondern wurde im Wesentlichen für den Gesamtauftritt und die besondere, künstlerische Gestaltung von Taschenuhren, z.B. die Mucha-Uhren, geehrt. Unter anderem auch wegen eines profanen Gockels auf der Rückseite einer Taschenuhrserie. Der profane Gockel ist natürlich die deutsche Perspektive. Aus französischer Sicht, und dort wurde der Grand Prix gewonnen, ist das natürlich der gallische Hahn und eines der Staatssymbole Frankreichs. Aus Sicht eines Uhrensammlers wirkt der Hahn aber schon irgendwie profan, geht man doch intuitiv davon aus, dass der Preis aufgrund herausragender Qualität des Uhrwerks verliehen wurde.

Die Reise der Zenith Medaillen beginnt jedoch nicht mit dem Grand Prix 1900, sondern mit dem Grand Prix 1889. Diesen hat Zenith zwar nicht mit dem Grand Prix gewonnen, allein schon aus dem Grund, weil die Firma zu dem Zeitpunkt noch „Georges Favre-Jacot“ bzw. Billodes hieß, dennoch wurde der Firma ein Preis zuteil: In der Gruppe III, Klasse 26 (Uhrmacherei) gewann die Firma Georges Favre-Jacot die Silbermedaille.
Dies geschah in Paris, im Rahmen der zehnten Weltausstellung, die anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der französischen Revolution in Paris veranstaltet wurde. Anlässlich dieser Weltausstellung wurde auch der Eiffelturm erbaut, der damals das höchste Bauwerk der Welt war.
Und wie damals üblich in der Hochphase der Medaillen, wurden auch zur Weltausstellung diverse Medaillen geprägt. Auf der Rückseite war ein freies Feld, in das der Name des Preisträgers, der Firma oder der Institution eingesetzt wurde.
Für das Publikum, gab es Kopien solcher Medaillen aus Bronze in deren Namensfeldern die Namen von Firmen standen, die auch an der Ausstellung teilgenommen haben. Ob es sich bei den Firmen ebenfalls um Preisträger handelte, habe ich nicht recherchiert. Und trotz jahrelanger Suche habe ich nie eine solche Bronzemedaille mit dem Namen „Georges Favre-Jacot“ oder „Billodes“ gesehen. Auch wie die Produktion dieser Medaillen finanziert wurden ist mir nicht bekannt. Sie waren aber bestimmt nicht billig, denn auch diese Kopien sind äußerst hochwertig verarbeitet. Deshalb ist es kaum vorstellbar, dass sie kostenlos abgegeben wurden.



Sehen wir uns nun einen Standardstaubdeckel und dessen Medaillen an:
1592667734863.png

Dies ist vermutlich die häufigste Version eines Zenith Staubdeckels. Drei Medaillen, zwei Hinweise zu den Verleihungen „Grand Prix Paris 1900“ und „Medaille d’Or Genève 1896“. Außerdem die Beschreibung eines Standarduhrwerkes, das uns aber in diesem Fall nicht weiter interessiert.



1592667896293.png


Sehen wir uns die Medaille unten rechts etwas näher an. In etwas vergrößerter Form, etwa so wie mit einer Lupe, sieht sie so aus:
1592667947536.png
Man erkennt auf der linken Seite einen Posaunenengel und auf der anderen Seite eine Figur, die einer anderen Figur etwas auf den Kopf zu setzen scheint. Das Drumherum ist schwer definierbar.

Sehen wir uns jetzt so eine Medaille an:
1592668049464.png

Hier lässt sich schon einiges mehr erkennen. Es ist tatsächlich ein Posaunenengel, der sitzend auf einem Eichenast mit seinem linken Arm die Statue der französischen Marianne umarmt. Direkt links neben dem Eichenstamm erkennt man die Finger der linken Hand, die einen Lorbeerkranz halten.
Den Stern darüber assoziiere ich mit dem guten Stern, der dem Land der Liberté, Égalité, Fraternité leuchtet. Dass dieser fünfzackig ist und dem Zenith Stern zum Verwechseln ähnlich sieht, ist natürlich purer Zufall. Zenith gab es damals noch nicht.
Wer E. Renault war, weiß ich nicht. Der Autohersteller war es jedenfalls nicht. Der wurde erst zehn Jahre später gegründet und die Gründer (Gebrüder Renault) hießen Louis, Fernand und Marcel.


Kommen wir zu der anderen Seite:
1592668139695.png

Hier setzt eine Frau (Marianne?) einem auf einem Amboss sitzenden Schmied einen Lorbeerkranz auf das Haupt. Auf der Schärpe unter ihrem linken Ellenbogen steht das Wort „Pax“ (Friede). Wir erinnern uns: 100 Jahre Französische Revolution!
Neben den Werkzeugen der schönen Künste, Farbpalette mit Pinseln auf einem Steinsockel und Steinmetzklüpfel rechts außen auf der Medaille und einer Öllampe(?) zwischen den beiden Personen ist der Rest in der oberen Hälfte der Medaille schwer erkennbar.
Der untere Teil zeigt den gerade erbauten Eiffelturm und das heute noch in dieser Form existierende Ausstellungsgelände Champ de Mars.
Unterhalb des linken Schienenbeines des Mannes lässt sich ein Teil eines großen Zahnrades erkennen, das wohl den Maschinenbaukünsten zuzuordnen ist.

Entworfen wurde die Medaille von Louis Bottée (1852 – 1940)
Gewidmet hat er die Medaille dem französischen Chemiker, Meteorologen und Luftschiffer Gaston Tissandier, der auch ein Buch über die Funktion und Verwendbarkeit des Eiffelturms schrieb.
Die Medaille hat einen Durchmesser von 63,2 mm, misst an ihrer dicksten Stelle 4,75 mm und hat ein Gewicht von 105,7 Gramm.

Das Paris 1889 auf dem Staubdeckel nicht erwähnt ist, hat nicht viel zu bedeuten. Bei älteren Uhren ist auch diese Weltausstellung namentlich erwähnt. Eine Logik oder Chronologie bei der Gestaltung der Staubdeckel konnte ich, mal abgesehen von den Verleihungsjahren, nie erkennen. Bedingt durch die verschiedensten Versionen von Zenith, Billodes oder Georges Favre-Jacot Staubdeckeln wurde so manche Uhr nur wegen der Seltenheit des Staubdeckels gekauft.



1592668373139.png


Die zweite Medaille gewann die Firma im Jahre 1896 auf der zweiten Schweizerischen Landesausstellung 1896 in Genf.

Auf dem Standardstaubdeckel findet sich diese Medaille auf der linken Seite und sieht in der Vergrößerung so aus:
1592668435228.png

Auf der linken Seite ist eine Figur dargestellt, die auf einer Art Thron sitzt und den Zweig eines Baumes in der Hand hält. Die Gegenstände rechts und links des Throns sind nicht identifizierbar.
Die andere Seite zeigt im Hintergrund ein Gebäude, davor eine quer liegende Tafel und darunter das Astwerk eines Baumes.

Und so sieht die Medaille im Original aus:
1592668777574.png

Verliehen wurde sie vom Zentralkomitee der Schweizerischen Nationalausstellung. In diesem Fall an die Gesellschaft „Capital de Garantie“
Und tatsächlich sitzt auf der Vorderseite die Helvetia auf einem Thron, einen Lorbeerzweig in ihrer rechten Hand haltend. Darunter die Worte „Post tenebras lux“ (Nach dem Dunkel folgt das Licht), der Leitspruch der kirchlichen Reformation, der auch heute noch gelegentlich im Genfer Stadtwappen auftaucht, das sich jetzt auch eindeutig links neben dem Thron erkennen lässt. Uns Uhrensammlern ist dieses Wappen natürlich eher als „Genfer Siegel“ vertraut.
Auf der rechten Seite sehen wir das schweizerische Kreuz auf einem Schild, was vermutlich auf die Wehrhaftigkeit des Landes hindeuten soll. Rechts und links des Wortes „Lux“ sind noch zwei Pflanzen zu sehen, wovon die linke ein Edelweiß ist. Die rechte Pflanze kann ich nicht identifizieren.

1592668995800.png


Die Rückseite zeigt den Palast der schönen Künste auf dem Ausstellungsgelände in Genf und darunter noch einige Lorbeerblätter.
Beide Seiten der Medaille weisen eine dermaßen atemberaubende Plastizität auf, dass man die Uhrmacherlupe gar nicht aus dem Auge nehmen will. Die Details sind dermaßen gut ausgearbeitet, dreidimensional und so filigran, teilweise mit einer Art „Hinterschnitt“ an den Blättern, dass man sich nicht vorstellen kann, dass diese Medaille geprägt wurde. Vielleicht wurde sie gegossen und anschließend sogar von Hand nachbearbeitet.(?) Ein von oben auf die Fläche schlagender Prägestempel kann nach meinem Verständnis keinen Hinterschnitt erzeugen und diesen dann unbeschädigt belassen, wenn der Stempel wieder hochgefahren wird. Vielleicht ist ja unter den Lesern auch ein Numismatiker, der sich genauer auskennt mit der Herstellung solcher Medaillen?
Um die räumliche Tiefenwirkung noch weiter zu erhöhen, wurde die Medaille mit einer Patina überzogen, die die Konturen und tief liegenden Bereiche dunkler erscheinen lässt. Diese Technik mit künstlicher Patina wurde auch bei manchen Taschenuhren mit Reliefdeckel angewendet. Deshalb an dieser Stelle mal ein Tipp an die Sammler von Taschenuhren, denen im Laufe der Jahre schon Poliertücher zwischen den Fingern gewachsen sind: Schaut euch eure Taschenuhren genau an, bevor ihr zum Poliertuch greift! Schlimmstenfalls zerstört ihr die Originalität der Fabrikherstellung!

Auf beiden Seiten der Münze sind jeweils 2 Namen zu lesen:
Guiseppe Chiattone
Georges Hantz
Hugues Bovy
A.Meyer

Sicherlich waren alle vier an der Erschaffung der Medaille beteiligt. Wer aber nun für den Entwurf zuständig war und wer für die Anfertigung, lässt sich nicht mehr genau klären. Bei Chiattone und Meyer steht „inv.“ hinter den Namen, was mich vermuten lässt, dass die für die Entwürfe zuständig waren, bei Hantz steht „Graveur“ dahinter was eindeutig ist und bei Bovy steht „SC.“ hinter dem Namen, was ich nicht zuordnen kann.
Die Medaille hat einen Durchmesser von 61,7 mm. In der Dicke misst sie an der dicksten Stelle, dem Knie der Helvetia, 6,0 mm, an der dicksten Stelle der Kante bei etwa 11 bis 1 Uhr 4,6 mm und an der dünnsten Stelle bei etwa 4 bis 5 Uhr 3,1 mm. Da nirgendwo Abrieb zu sehen ist und alle Darstellungen erstklassig erhalten sind, gehe ich davon aus, dass das die Originalmaße sind. Anhand der Maße bekommt man vielleicht auch so eine Vorstellung der räumlichen Tiefenwirkung die diese Medaille hat.
Das Gewicht beträgt 102,8 Gramm.



1592669503365.png


Jetzt kommen wir zu der Preisverleihung, die dem Anschein nach wohl der größte Stolz des Georges Favre-Jacot war – der Verleihung des Grand Prix 1900 in Paris.

1592669567165.png
Hier lässt sich auf der linken Seite schon in der Lupenvergrößerung die Marianne erkennen. Rechts neben dem Kinn ein Gebäude und darunter eine Brücke.
Die Rückseite ziert ein Engel, der anscheinend einen Menschen auf dem Rücken trägt der wiederum etwas in der linken Hand hält. Links unter dem Engel wieder ein Gebäude, mittig an der unteren Kante das Namensfeld umgeben von etwas Undefinierbarem.


Schauen wir auf das Original:
1592669657092.png

Wie erwartet Marianne, hinter ihrem Kopf eine Eiche deren unterer Ast sich zu einem Zweig verjüngt und sich wie ein Kranz um ihre rechte Kopfseite legt.
Bei den Brücken handelt es sich vermutlich um Brücken über die Seine, die Gebäude konnte ich beim besten WIllen nicht zuordnen.

Rückseite:
1592669890923.png

Auch wie vermutet, ein Engel der einen Mann auf seinem Rücken trägt. In der linken Hand trägt dieser eine Fackel. Es handelt sich dabei um das olympische Feuer, denn 1900 fanden zeitgleich zur Weltausstellung die Sommerspiele statt, deren meiste Wettkämpfe auch auf dem Gelände der Weltausstellung ausgetragen wurden.
Im unteren Bereich der Medaille ist der Große Palast zu sehen, der an der (heutigen) Avenue Winston Churchill steht.

1592670026284.png


Und hier ist auch die Rückseite einer Taschenuhr, für deren Motiv Zenith den Grand Prix gewann:
1592670124078.png

Sie ist leider etwas abgenutzt, aber es kaum möglich eine gut bis sehr gut erhaltene Uhr mit diesem Motiv zu bekommen. Die meisten davon scheinen ohnehin noch in Frankreich zu sein und dort werden sie wohl auch bleiben. Wenn eine solche Uhr mal in einer Versteigerung auftaucht, liegt sie jedenfalls meistens in Frankreich und erreicht, gemessen an ihrer Technik, oft irrwitzige Preise. Mangelnden Nationalstolz kann man den Franzosen jedenfalls nicht nachsagen. Auf den Bändern, die sich in Höhe des Hahnenkopfes quer über den Deckel ziehen und deren Schriftzug nur mehr zu erahnen ist als wirklich abzulesen, stand „Vive, vive la France“.

1592670259966.png

Die „Mucha-Uhren“, die Teil der Bewertung waren. Laut Deutscher Uhrmacher Zeitung vom 1. Februar 1901 symbolisieren sie die Monate April, August und September. Demnach waren zu dem Zeitpunkt erst drei der vier Uhren fertig. Es fehlt der Winter. Und dann sind es auch keine „Monatsuhren“ wie in dem Artikel beschrieben, sondern die Vier Jahreszeiten, die Alphonse Mucha gemalt hat. Jacot sicherte sich die Exklusivrechte an den Motiven.

Die Medaille wurde von Jules-Clément Chaplain (1839 – 1909) kreiert.
Sie ist aus Bronze, hat einen Durchmesser von 63,8 mm bei einer Maximaldicke von 5,6 mm, einer
Minimaldicke von 3,4 mm und einem Gewicht von 102,5 Gramm.

Abschließend zu dieser Medaille ein Bild der Originalschachtel
1592670358537.png





...weiter geht es in Teil II
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Unruhgeist

Unruhgeist

Themenstarter
Dabei seit
17.06.2012
Beiträge
880
3123947

Hier kommt jetzt das Mysterium, dass es meiner Meinung nach gar nicht auf Zenith-Uhren geben dürfte. Die Medaille der Weltausstellung 1906 in Mailand. Sehen wir zuerst auf den Staubdeckel
einer solchen Taschenuhr:

3123948

Zu finden sind die drei bereits beschriebenen Motive, an zweiter Stelle von oben findet sich die Medaille von 1906.

In der Lupenvergrößerung sieht sie so aus:
3123949
Leider lag mir diese Medaille nicht im Original vor, weshalb ich für die genaue Darstellung auf ein Bild aus dem Netz zurückgreifen musste.

3123953
Zu sehen ist eine Frau, die einen Mann mit einem Hammer in den Händen auf die Stirn küsst. Links daneben der Schriftzug „Labor scientiae auxilio gloriam consequitur“ was so viel bedeutet wie
„Harte Arbeit mit der Hilfe der Wissenschaft führt zum / erlangt Ruhm“ oder auch „Die Wissenschaft ehrt / küsst die Arbeiterschaft“ Bei der Übersetzung gehen die Meinungen der Befragten etwas
auseinander.

3123960

Die Rückseite zeigt den Haupteingang zum Ausstellungsgelände mit einem stilisierten Olivenbaum davor.

Nun die Antwort auf die Frage, weshalb diese Medaille nicht so recht ins Bild passt: Zenith war 1906 zwar auf dieser Weltausstellung vertreten, aber nicht als Wettbewerber, sondern als Mitglied der Jury. Daher konnte diese Medaille gar nicht aufgrund einer Platzierung in den vorderen Rängen an Zenith verliehen werden. Deshalb finde ich es irreführend, dass diese Medaille auf Zenith
Staubdeckeln verewigt wurde. Bei meinen Recherchen im Netz habe ich eine weitere Medaille von der Schweizerischen Nationalausstellung 1896 gefunden, in deren Namensfeld das Wort „JURY“
eingesetzt wurde. Wer dort damals zur Jury zählte ist mir nicht bekannt. Aber wenn diese Praxis, der Jury Medaillen zu überlassen, auch in Mailand angewendet wurde, hat Zenith natürlich eine Medaille bekommen. In dem Druckwerk „Auf ein Wort mit Sokrates“ von 1915, welches von Zenith selbst herausgegeben wurde, ist in der Liste der Ausstellungen und Auszeichnungen für das Jahr 1906 diese Bemerkung eingetragen: „Weltausstellung Mailand: Mitglied des Preisgerichtes. Ausser Preisbewerbung“



Zu guter Letzt ein Staubdeckel einer Rheingold-Uhr. Der Name „Rheingold“ wurde im August 1897 auf Jacot registriert und war vermutlich für den deutschen Markt reserviert. Zu dem Zeitpunkt hatte er die ersten zwei Preise gewonnen, die beide auf dem Staubdeckel zu finden sind. Zusätzlich finden sich zwei weitere Phantasieprägungen, die nochmals kleiner sind als die ohnehin schon winzigen Medaillen. Umso erstaunlicher ist die erstklassige Qualität der Prägungen, die das Ablesen von Worten und Jahreszahlen zulässt. Sogar der Schriftzug „Post tenebras Lux“ ist lesbar. Und das bei einem Durchmesser der Medaillen von 6,2 mm! Im Zentrum der Medaille rechts außen kann man die Initialen GFJ erkennen. Er hat sich also doch verewigt, ohne dass es für den Kunden auffällig gewesen wäre.
Die Uhr wurde bestellt von dem Juwelier J. B. Fridrich, München.

3123971

3123972

3123973

Der Markenname „Zenith“ wurde bereits im März des gleichen Jahres eingetragen. Dennoch wurden weiterhin auch andere Markennamen verwendet. Dies hatte, wie eingangs schon erwähnt, strategische und wohl auch gelegentlich rechtliche Hintergründe. Im Laufe der Jahre aber wurde die Verwendung anderer Namen immer weniger, bis der heutige Name sie alle verdrängt hat.







 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Thema:

ZENITH - Die Staubdeckel und die Medaillen

ZENITH - Die Staubdeckel und die Medaillen - Ähnliche Themen

  • Diskussionsfaden zum redaktionellen Beitrag ZENITH - Die Staubdeckel und die Medaillen

    Diskussionsfaden zum redaktionellen Beitrag ZENITH - Die Staubdeckel und die Medaillen: Dies ist der Diskussionsfaden zu dem redaktionellen Artikel "ZENITH - Die Staubdeckel und die Medaillen" Hier können weitere Informationen oder...
  • [Erledigt] Zenith Handaufzug 18K 0,750 Gold 35mm

    [Erledigt] Zenith Handaufzug 18K 0,750 Gold 35mm: Hallo, ich möchte meine Sammlung auf einige wenige Stücke reduzieren. Zum Verkauf kommt diese Zenith mit Handaufzug und Datum in 18K 0,750 Gold...
  • [Erledigt] Zenith Elite Captain - Central Second - Ref. 03.2020.670/01.C498 - Full-Set - Revision 02/2020

    [Erledigt] Zenith Elite Captain - Central Second - Ref. 03.2020.670/01.C498 - Full-Set - Revision 02/2020: Tja...die Geister der Vergangenheit... Ich sollte sie einfach ruhen lassen... Die wunderschöne Zenith Elite Captain Central Second ist ein solcher...
  • [Verkauf] Zenith El Primero Chronomaster Chronograph 20.0233.410 Full Set mit Rechnung, Rev. Belege, Preisliste

    [Verkauf] Zenith El Primero Chronomaster Chronograph 20.0233.410 Full Set mit Rechnung, Rev. Belege, Preisliste: Liebe UF-Freunde, vermutlich in diesem Full-Set so ziemlich einmalig, zumindest extrem selten: Zenith El Primero Chronomaster 20.0233.410 mit...
  • Ähnliche Themen
  • Diskussionsfaden zum redaktionellen Beitrag ZENITH - Die Staubdeckel und die Medaillen

    Diskussionsfaden zum redaktionellen Beitrag ZENITH - Die Staubdeckel und die Medaillen: Dies ist der Diskussionsfaden zu dem redaktionellen Artikel "ZENITH - Die Staubdeckel und die Medaillen" Hier können weitere Informationen oder...
  • [Erledigt] Zenith Handaufzug 18K 0,750 Gold 35mm

    [Erledigt] Zenith Handaufzug 18K 0,750 Gold 35mm: Hallo, ich möchte meine Sammlung auf einige wenige Stücke reduzieren. Zum Verkauf kommt diese Zenith mit Handaufzug und Datum in 18K 0,750 Gold...
  • [Erledigt] Zenith Elite Captain - Central Second - Ref. 03.2020.670/01.C498 - Full-Set - Revision 02/2020

    [Erledigt] Zenith Elite Captain - Central Second - Ref. 03.2020.670/01.C498 - Full-Set - Revision 02/2020: Tja...die Geister der Vergangenheit... Ich sollte sie einfach ruhen lassen... Die wunderschöne Zenith Elite Captain Central Second ist ein solcher...
  • [Verkauf] Zenith El Primero Chronomaster Chronograph 20.0233.410 Full Set mit Rechnung, Rev. Belege, Preisliste

    [Verkauf] Zenith El Primero Chronomaster Chronograph 20.0233.410 Full Set mit Rechnung, Rev. Belege, Preisliste: Liebe UF-Freunde, vermutlich in diesem Full-Set so ziemlich einmalig, zumindest extrem selten: Zenith El Primero Chronomaster 20.0233.410 mit...
  • Oben