Zenith-Borduhr von Johs Hartmann

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bonanza

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Allgemeines

Mein neuester Zugang an Schweizer Borduhren ist wieder mal eine Zenith. Sie war wohl eine Autouhr und ist auf dem ZB mit „Johs Hartmann, Berlin N.W. 7“ gestempelt. Das heißt Johannes Hartmann, Berlin Nord-West, Postbezirk 7. Er soll bis 1872 dort sein Uhrengeschäft als Hoflieferant betrieben haben. Da die Uhr erst in den 1930er gebaut wurde, ist sie wohl von seinen Nachfolgern weiterhin unter seinem Namen vertrieben worden. Sie ist jetzt meine vierte Zenith-Borduhr.
Bei der ersten Zenith mit dem Aufdruck „ED“ auf dem ZB (was immer das auch heißen mag) hatte die Ersatzteilbeschaffung etwas gedauert. Ich konnte jedoch eine zweite Zenith, ein Ausschlachtuhrwerk, auftreiben (siehe auch mein Beitrag „Zenith Bord-Stationsuhr“ hier im Forum). Danach kam die dritte Zenith mit dem Aufdruck „EFAP“ auf dem ZB (Eigenheer Fabrique Appareil de Precisionade) und jetzt meine vierte Zenith mit dem Aufdruck Joh[SUP]s[/SUP] Hartmann auf dem ZB (siehe oben), dieses mal wieder eine in weiß.

Reparaturen
Bord-Uhren aus den 30er Jahren sind häufig defekt und es gibt kaum noch Ersatzteile auf dem Markt. Entsprechend niedrigpreisig waren sie auch. Wohl dem, der dann noch Ersatzteile auf Lager hat. Aus den insgesamt vier defekten Borduhren konnte ich dank der Ersatzteileuhr immerhin wieder drei lauffähige Uhren gewinnen. Das ist eine Ausbeute von 75 % und ich finde das ist ein guter Wert. Normalerweise ist man schon froh, wenn man aus zwei defekten Uhren wieder eine zum Laufen bringen kann. Ich habe sie meiner Sammlung hinzugefügt.

13 Vergleich.jpg

Aus der Ersatzteileuhr, der Zenith Nr. 2, wanderten folgende Teile in die
Zenith Nr. 1 das Minutenrad (war stark eingelaufen).
Zenith Nr. 3 das Beisatzrad (hatte sich von der Welle mit dem Trieb gelöst),
das Minutenrohr (war in Längsrichtung gebrochen!),​
das Sekundenrad (der Zapfen für den Sekundenzeiger war abgebrochen),​
die Zugfeder (war am inneren Ende gebrochen),​
die Lünette mit Glas (das Glas war wohl schon ein Ersatzglas und abgesplittert) und​
der äußere Gehäusetopf mit Flansch (war vom Vorbesitzer abgesägt).​
Zenith Nr. 4 die Unruhe komplett mit Anker und Ankerrad (hat gefehlt),
der innere Gehäusetopf mit Ritzel (das Ritzel zum Aufzug war abgefallen) und​
diverse Schrauben (für Uhrwerk und ZB).​

14a defekte Teile.jpg

Zusätzlich war bei dieser Uhr noch die Zugfeder am äußeren Ende gebrochen. Da hierfür kein Ersatzteil mehr vorhanden war, ging ich an die Reparatur der Feder. Zum Abstützen im Federhaus war die Feder nicht gebogen, sondern der Haken war punktgeschweißt. Ich habe das Ende mit meinem Sturmfeuerzeug ausgeglüht, damit es wieder weich wird und einen Haken gebogen. Immer ein Stückchen biegen und dann wieder glühen. Es funktioniert einwandfrei. Hoffentlich hält es.

12 Perlschliff & def.Federn.jpg

Der Rest des Ersatzteileuhrwerkes gibt jetzt außer den Werksplatten und dem ZB nicht mehr viel her. Die Gang-reserveanzeige war bei den drei vorherigen Uhren defekt. Bei dieser Uhr ist sie noch i. O. Zwischen Uhrwerk und Gehäuse besteht bei dieser Uhr sogar Nummerngleichheit Meine drei von mir wieder komplettierten Uhren waren jeweils anschließend zwecks Baden und Ölwechsel beim Uhrmacher und laufen wieder ganz hervorragend. Die Werksplatten und Kloben der Uhrwerke sind alle komplett vergoldet und mit einem dem Perlschliff ähnlichen Muster dekoriert. Leider ist das bei zusammengebauter Uhr nicht mehr sichtbar.

14b defekte Teile.jpg

Gehäusebau
Das Gehäuse entsteht wieder mal aus thailändischem Holz. Sein Name ist „Mai pradu“ und bedeutet übersetzt Narraholz. Das Gehäuse ist wieder von der einfacheren Art. Das Holz ist sehr porös und somit leicht, aber nicht gut zu bearbeiten. Am besten sind eben immer noch die harten Hölzer.

0a Zenith-Geh.-Zeichn.jpg

0b Gehäusebau.jpg

Es grüßt aus dem Spessart der Wolf
 
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Pommes

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Wieso brauchst Du überhaupt so viele Bord-Uhren?




























Ist nur Spaß. Aber ich weiß bescheid.:-)
 
bonanza

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Hallo Pommes,

das mache ich nur um Dich zu ärgern, wegen der Namensschildchen.;-)

Gruß vom Wolf
 
Smaug

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Hallo Bonanza
Wie immer, gute Arbeit. :super:
Gruß
 
redsubmariner

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Cool, von Borduhren verstehe ich mal Bahnhof, aber finde es klasse, sowas zu lesen und zu sehen.
 
Nippon-Fan

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Hallo Wolf!

Also wenn ich das alles richtig interpretiere, dann arbeitest du alte Borduhren/Autouhren wieder auf, um daraus eine Tischuhr zu formen. Die gefallen mir übrigens sehr gut. Die stelle ich mir sehr dekorativ in der Wohnung vor. Wirkt auf mich zeitlos.

Muss ich mir unter diesen Borduhren eine etwas groß geratene Taschenuhr vorstellen? Also ich meine aus technischer Sicht? Haben die eine schweizer Ankerhemmung, eine Rosskopf- oder sonstige Stiftankerhemmung?

Schönen Gruß!
Markus
 
bonanza

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Guten Morgen Markus,

also ich sammle Stations- und Borduhren. Stationsuhren haben bereits solche Gehäuse und für Borduhren baue ich diese Gehäuse nach. So alte Uhren sind natürlich häufig defekt. Einfache Reparaturen mache ich selbst wie Du oben sehen kannst. Alles andere kommt zum Uhrmacher.

Die häufig angebotenen Blech- oder Plastikaufsteller gefallen mir nicht. Beruflich hatte ich weder etwas mit Uhren noch mit Holz zu tun. Diesbezüglich besitze ich nur Standardwissen und Fertigkeiten. Ebenso ist meine Ausrüstung auf unterem Heimwerkerniveau anzusiedeln. Siehe auch meine diversen anderen Beiträge hier im Unterforum "Sonstige Uhren".

Die Größe dieser Uhren variiert zwischen großer Taschenuhr und Wecker. Allerdings sind diese Uhren in der Regel qualitativ hochwertiger.

Meine Kenntnisse in der Uhrentechnik sind relativ bescheiden, sodass ich Dir die Fragen nach den Hemmungen leider nicht beantworten kann.

MfG
Wolf
 
P

Pommes

Gast
Muss ich mir unter diesen Borduhren eine etwas groß geratene Taschenuhr vorstellen? Also ich meine aus technischer Sicht? Haben die eine schweizer Ankerhemmung, eine Rosskopf- oder sonstige Stiftankerhemmung?

Schönen Gruß!
Markus
Hallo Markus,
Ich beziehe mich mal auf die russischen Borduhren mit den zwei Hilfsziffernblättern welche noch sehr häufig angeboten werden, um Deine Frage zu beantworten.
Diese Uhren wurden als Cockpitinstrumente für die Luftfahrt gebaut. Jedes Flugzeug musste, und muß auch heute noch eine mechanische, vom Bordnetz unabhängige Uhr besitzen (wozu auch immer?). Von daher kannst Du Dir vorstellen, daß die Qualität nicht schlecht sein kann.
Ganz im Gegenteil, diese Uhren haben:
Unruhe mit Breguetspirale
Feineinstellung
schweizer Ankerhemmung
viele Steine im Getriebe:-)
Doppelfederhaus mit Malteserkreuzgetriebe
Stoppeinrichtung für Stunde und Minute (oben)
davon unabhängige Stoppeinrichtung für Minute und Sekunde (unten, Sekunde aus der Mitte)
Anzeige Stunde und Minute (Mitte).

Der Durchmesser des Ziffernblattes beträgt 74 Millimeter.
Das Ziffernblatt kann durch UV-Beleuchtung zum Leuchten angeregt werden.

Optisch aufbereitet wurde das Werk aber nie, weil es sowieso niemand, außer der Bordmechaniker/Uhrmacher, zu Gesicht bekam. Da viele Pfeiler und Stifte mit den Platinen vernietet sind, ist das auch im Nachhinein nahezu unmöglich. Immerhin sind die Schraubenköpfe poliert und scharfkantig.

Diese Uhren gibt es noch häufig im ungebrauchten Zustand weit unter Wert. (meine Meinung)

Bei Fragen, einfach fragen.
Gruß, C.
 
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Nippon-Fan

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Ah super! Danke euch beiden für die Aufklärung. Diese Art von Uhr hatte ich bislang noch gar nicht auf dem Radar.

Umso schöner finde ich die Idee von Wolf daraus eine Tischuhr zu bauen, mit, wie ich nun weiß :super:, hochwertigem Werk.
 
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