Zenith 271 Uhrwerk von Borduhr - Revisionsbericht, Material- und Teilesuche

Diskutiere Zenith 271 Uhrwerk von Borduhr - Revisionsbericht, Material- und Teilesuche im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo. Ende letzter Woche war ich beruflich Stuttgart und dachte mir, ich gehe Samstag vormittag mal auf den Flohmarkt am Karlsplatz. Dort ist...
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Hallo.

Ende letzter Woche war ich beruflich Stuttgart und dachte mir, ich gehe Samstag vormittag mal auf den Flohmarkt am Karlsplatz. Dort ist mir eins sehr interessantes Uhrwerk zugelaufen, das ich überhaupt nicht einordnen konnte. Aufgrund meiner Zenith Affinität und des vertretbaren Preises habe ich es käuflich erworben. Das Werk lief in allen Lagen, aber mehr schlecht als recht und hatte statt einer Gangreserve von acht Tagen eher eine von acht Minuten. Aber alle Funtionen waren im Ansatz ok und somit die Chance, es ohne unauftreibliche Ersatzeile wieder in Gang zu bekommen mehr als gegeben. ;-)

Zifferblatt und Gehäuse sind leider nicht vorhanden, aber auf der Zifferblattseite ist ein graviertes, schwarz ausgelegtes "Hilfszifferblatt".

Leider habe ich es wohl doch nicht im urspünglichen Zustand fotografiert, die ersten zwei Bilder muss ich also schuldig bleiben. Hier ist schon eine Platine abgeschraubt:

IMG_2791.jpg

Es handelt sich um ein Zenith 271, das für Borduhren von Flugzeugen eingesetzt wurde. Zwei Federhäuser, acht Tage Gangreserve, sehr präzise mit bimetallischer Schraubenunruh, Breguetspirale und Ankerhemmung. Leider finde ich im Web so gut wie keine Information dazu. Wer etwas hat, bitte eingescannt und her damit.

Heute habe ich eszerlegt. Es war verölt, schmutzig, Flusen zwischen den Rädern und um die Wellen... Aber sonst gar nicht schlecht.

IMG_2792.jpg

IMG_2797.jpg

Das Aufziehgefühl war komisch. Es ging bis zu einem gewissen Punkt und dann ein Knacks (aber nicht so wie ein durchknackendes Rad, sondern eher wie in der Feder) und weiter bis zum nächsten Knacks - endlos. Beim Zerlegen wurde klar warum. Federbruch. Und der Rest einer Schraube in einem der beiden Federhäuser. ABER beide Federn stützen sich nicht irgendwie am Federhaus ab, sondern liegen nur lose drin. So wie bei einem Automatikfederhaus, aber ohne Gleitzaum. Kann hierzu jemand was qualifiziertes sagen? So eine Kontruktion ist mir bisher nicht bekannt (aber ich bin ja Laie 8-)). Die innere Federhauswand ist auch ohne Haken, Senkungen oder irgenein Konstuktionsmerkmal an dem sich eine Feder abstützen oder einhängen könnte. Und das gleich zwei mal!

IMG_2796.jpg

Die eine Feder ist abgebrochen, die andere sieht so aus als wäre alles dran, aber sie hat ein Loch und um sie rum war ein abgerochenes Federstück. Man könnte vermuten, das war ein angenieteter Federzaum bzw. Endhaken, aber wo sind dann Niete und zugehöriges Loch im Bruchstück? Vielleicht hat sich schon mal ein Uhrmacher daran versucht, original kann es so nicht gewesen sein.

IMG_2829.jpg

IMG_2833.jpg

Die Federn müssen jedenfalls neu. Natürlich habe ich das Maß nicht in meinem Fundus. Breite 4,5mm, Stärke 0,2mm, Federhausdurchmesser 16,5mm. Wer etwas passendes hat, bitte per PN melden!

Hier mal der ganze Bausatz im Bild:

IMG_2813.jpg

Nun das Ganze in die Waschmaschine. Vorspülung in heißer Spülibrühe. Ich will mir meine Reinigungsflüssigkeit nicht mit losem Schmodder so sehr versauen, darum erst dieser "Vorwaschgang". Da kommt schon einiges runter:

IMG_2815.jpg

IMG_2819.jpg

Dann in die Waschmaschine. Ich verwende Elma 1:9. Im Rotationsverfahren ist das Ergebnis eher mittelprächtig und braucht viel Nacharbeit.

IMG_2818.jpg

Darum kommen die Teile nach einer Zwischenspülung in Wasser danach nochmal in 1:9 im Ultraschall. Jetzt kommt richtig der Dreck runter! Und danach fallen einem dann auch die Stoßsicherungen entgegen, das geht auch in die feinsten Ritzen.

IMG_2824.jpg

Dann wieder Wasser, na klar trockenschleudern, dann Suprol und noch mal trockenschleudern. Suprol hinterlässt bei mir Schlieren, darum mache ich dann noch ein Benzinbad. Das trocknet dann auch sehr schnell.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

IMG_2825.jpg

Jetzt bin ich leider mit diesem Projekt erst mal wieder am Ende. Bevor ich keine neuen Federn und das Rätsel um deren Befestigung im Federhaus gelöst habe geht es nicht weiter. Wer also etwas beitragen kann in Form zweier Zugfedern, Literatur oder Wissen ist hiermit herzlich gebeten, mich hier zu unterstützen!

Und wenn natürlich noch wer ein leeres Borduhrengehäuse der amerikanischen Luftwaffe aus den 30er Jahren rumliegen hat... *träum*

Danke im Voraus und Gruß
Norbert
 
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Wristwatch

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Hallole Norbert,

leider kann ich dir mit einem Gehäuse nicht helfen...aber ich wünsch dir viel Erfolg bei der Suche.
Sehr interessanter Thread und ein toller Einblick in deine offensichtlich vorhandenen nicht unerheblichen handwerklichen Fertigkeiten!

Grüßle

Ralf
 
alte Uhr

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Hallo Norbert,
dieses Kaliber erinnert mich sehr stark an eine Waltham Tischuhr die ich mal zu Revi auf dem
Tisch hatte. Ebenso zwei Federhäuser - auf ein Beisatzrad wirkend und Bimetall Unruhreif.
allerdings war die Konstruktion der Federhäuser völlig anders. Sie waren zweigeteilt mit einer
Verzahnung an der Außenseite, so konnte man die unterschiede der Federn beim Zusammen-
bau ausgleichen.
Wenn ich mir Deine Federhäuser so ansehe müsste das Federende T-förmig ausgeführt sein.
da ist ein Schlitz im Ferderhausboden, und am Deckel eine Aussparung. Hier müsste man eine
Querfeder an das Federende annieten. Gleich wie die Triebfeder der Audemars die ich hier schon gezeigt habe. Ich bin sicher wenn Du neue Federn mit Endloch verwendest, kannst Du die Querfeder ganz leicht aus den alten Federn herstellen und später vernieten.

Viel Spaß noch bei der Revi
Helmuth
 
mini

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Bin immer wieder erstaunt, wie dieses Forum aufgestellt ist: in der Breite der Uhrentypen, in der Tiefe der Kompetenz, in der Offenheit der Beiträge... :super:

Ich kann Dir leider nicht helfen, Norbert, freue mich aber sehr über eine Fortsetzung dieses Fadens.

Gruss
Mathias
 
malikka

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Hallo . Sehr schöner Bericht . +bezüglich der Federn wirst du ganz sicher bei den Russischen Uhren fündig , das gibt es dort sehr viel , in verschiedenen Uhren wurden diese Federenden dort verwendet . oben und unten in den Schlitzen eingehakt . Einfach mal messen und hier hier einstellen , dann schaue ich mal für dich ,ob ich was in meinen Lagerkisten bei den Poljot, Slavas, Raketas und Co was passendes in den Größen finde .
 
nobrett

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...ein toller Einblick in deine offensichtlich vorhandenen nicht unerheblichen handwerklichen Fertigkeiten!
*lach* Handwerkliche Fähigkeiten zeigen sich erst wenn die Uhr wieder läuft und den Zeitwaagen- und Gangreservetest erfolgreich absolviert. Angefangene und halbfertige Projekte zählen nicht. ;-)


Hallo . Sehr schöner Bericht . +bezüglich der Federn wirst du ganz sicher bei den Russischen Uhren fündig , das gibt es dort sehr viel , in verschiedenen Uhren wurden diese Federenden dort verwendet . oben und unten in den Schlitzen eingehakt . Einfach mal messen und hier hier einstellen , dann schaue ich mal für dich ,ob ich was in meinen Lagerkisten bei den Poljot, Slavas, Raketas und Co was passendes in den Größen finde .
Das wäre großartig wenn Du was findest. Zenith ist ja von den Russen nachgebaut worden, das könnte also gut sein, dass es da auch irgendwo diese Konstruktion gibt.

Die Feder ist 4,5mm hoch, hat eine Klingendicke von 0,2mm und wohnt in einem 16,5mm Federhaus.

Wenn ich mir Deine Federhäuser so ansehe müsste das Federende T-förmig ausgeführt sein.
da ist ein Schlitz im Ferderhausboden, und am Deckel eine Aussparung. Hier müsste man eine
Querfeder an das Federende annieten. Gleich wie die Triebfeder der Audemars die ich hier schon gezeigt habe. Ich bin sicher wenn Du neue Federn mit Endloch verwendest, kannst Du die Querfeder ganz leicht aus den alten Federn herstellen und später vernieten.
Ganz leicht. Naja. Ich bin nicht sicher ob ich das hinkriege, ohne durch die Vernietung den nächsten Federbruch zu programmieren. Im Jendritzki/Stern wird für Zenith (ausserdem Omega und Elgin) eine Konstruktion mit Stützzaum beschrieben und abgebildet, um die es sich hier handeln könnte. Und dabei steht noch "Es gibt fertige Federzäume dieser Art, falls keine Fertigfeder greifbar ist". Gut, so ein fertiger Federzaum ist auch nicht greifbar. :-(

Aber es wäre ja auch zu einfach, wenn es einfach wäre. ;-)

Gruß
Norbert
 
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chr-h

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Hallo Nobrett,

die Federhäuser sind beide am Boden mit einem Schlitz versehen. Die Deckel haben den üblichen rechteckigen Ausschnitte zum Öffnen. Die Federhäuser müssen so zusammengesetzt werden, dass der Schlitz im Boden und die Öffnungen in den Deckeln fluchten. In diesem Bereich waren die Zugfedern mit einem angenieteten oder eingehangenen Zaum beweglich befestigt. Dieser Zaum hat den Sinn, den einseitigen Durck auf den Federkern zu nehmen, das Federende kann durch den beweglichen Zaum bweim Aufziehen Stück für Stück zur Federhausmitte wandern. Federn mit fertigem Zaum gibt es wohl im Handel nicht mehr, man muss sich eine abändern. Erst mals Federhaus ausmessen. Innendurchmesser, Höhe insgesamt abzüglich derStärken von Boden und Deckel minus 2 - 3/100 und dann besten nach Maß eine alte blaue Zugfeder aus Stahl. Das Ende mit dem Hacken oder dem Loch wegbrechen und rotglühend vorsichtig nach außen umbiegen. Dort wird später der Zaum an der Feder eingehängt. Das umgebogene Stück muss ausreichend lang sein, damit sich der Zaum nicht selbständig aushängen kann. Das umgebogene Ende nicht zu fest zusammendrücken, der Zaum sollte sich bewegen können. Den Zaum musst Du aus einer alten blauen Stahlzugfeder, die eine größere Höhe hat ausfeilen. Die Länge des Zaumstückes sollte m. E. dem halben Federhausdurchmesser entsprechen. Am äußeren REnde hat der Zaum zwei Fähnchen, die in die Öffnungen des Federhauses eingehangen werde. Gin mir mal dire Federhausmaße durch, vielleicht hab ich was passendes für Dich.
 
nobrett

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Hallo.

Interessante Methode die Du da beschreibst. Leichter umzusetzen als annieten eines Stützzaums, ich glaube so werde ich das versuchen.

Die Maße hatte ich oben schon etwas versteckt im Text drinstehen.
Feder: Breite 4,5mm, Stärke 0,2mm,
Federhaus: Durchmesser 16,5mm, Höhe aussen 5,6mm

Wäre toll, wenn Du was passendes findest und ich mir die Anfertigung ersparen kann.

Gruß
Norbert
 
malikka

malikka

R.I.P.
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Ja und das sieht dann genau so aus .- Na - Federn schon fertig ? ich habe heute beim Aufzugwelle suchen zufällig in einer ganz unüblichen Kiste 2 dieser Zedern gefunden - leider sind die nur 2,8 hoch ,aber 0,25 Klingenstärke . Schade .
 

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Nein, es fehlt mir noch an Rohmaterial und ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass hier noch jemand um die Ecke kommt, der mir schreibt dass er noch zwei neue passende Federn rumliegen hat, die er für nen Zehner abgeben würde. *träum*

Ich habe auch noch keinen >=5,5mm breiten Federrrest aufgetan, aus dem ich mir die Stützzäume fertigen kann. 8-)

4,5 mm breite Federn für 16,5mm kleine Federhäuser sind offenbar nicht trivial aufzutreiben, zumindest habe ich noch nichts passendes gefunden. Bei den Cousins gibt es ein ähnliches Maß. Evtl. werde ich es aber auch mit den alten Federn mit neuen Enden versuchen bevor ich Geld ausgebe. Ich habe auch noch keine Idee was ich mit dem Werk anstellen soll wenn es wieder tickt...

Gruß
Norbert
 
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