Wippenchronometer von Moritz Grossmann

Diskutiere Wippenchronometer von Moritz Grossmann im Taschenuhren Forum im Bereich Uhrentypen; Vor einiger Zeit verirrte sich dieses Werk zu mir. Es war ursprünglich mal in einem TU Gehäuse. Später wurde der Aufzug so umgebaut, dass es...

FritzP

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Vor einiger Zeit verirrte sich dieses Werk zu mir. Es war ursprünglich mal in einem TU Gehäuse. Später wurde der Aufzug so umgebaut, dass es aktuell in einem Tischgehäuse seinen Dienst verrichten könnte, wenn es in Ordnung wäre. Leider wurde da aber mal von einem Pfuscher eine vollkommen falsche Spirale ersetzt. Dies galt es nun zu korrigieren.

7019 Grossmann 001a.jpg
Denn diese Spirale ist zu klein, zu schwach und lässt die Unruhe nur etwa halb so schnell schwingen als erforderlich. D.h. in einer Stunde bleibt die Uhr eine halbe zurück.
7019 Grossmann 004a.jpg
Hinzu kommt die aufgebogene Rolle und die sinnlose Endkurve.
7019 Grossmann 006b.jpg
Es begann die Suche nach einer Ersatzspirale. Nicht einfach weil die Masse der Unruhe im Vergleich zu üblichen Unruhen in 18''' TU deutlich, 1,7x größer war und die Spirale folglich viel stärker sein musste. Vorzugsweise eine gebläute Stahlspirale aus altem Bestand, sowie sie zur Zeit der Entstehung dieses Uhrwerks um 1880 üblich waren. Im eigenen Bestand fand sich keine passende so dass die Suche europaweit ausgedehnt werden mußte. Nach zahlreichen Absagen und Proben deren Versendung nur die Post bereichert haben, war hier endlich eine vielversprechende Spirale dabei.
7019 Grossmann 034a.jpg
Ein interessantes Detail bei dieser Uhr sind die kunstvoll ausgeführten Aufnahmen des Impuls- und Auslösesteins.
7019 Grossmann 016a.jpg
Aber auch die Wippe kann sich sehen lassen.
7019 Grossmann 022a.jpg
Hier die Hemmung im eingebauten Zustand.
7019 Grossmann 025a.jpg
Und nun kann des Werk wieder seinen Dienst tun.
7019 Grossmann 030a.jpg
 

monozelle

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Fantastisch! Danke, Fritz! 😃👍👍👍
Mich hätte noch der Vorgang des Einstiftens der Spirale in die Rolle interessiert. Es gibt in meinem Schultz natürlich eine Abhandlung darüber, aber mich interessiert natürlich auch immer, wie die unterschiedlichen Herangehensweisen in der heutigen Praxis sind.
 

Schraubendreher

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Hallo Fritz,

danke für den Bericht und Respekt, dass Du dieses alten Schatz wieder zum Leben erweckt hast. Hast Du die verzogene Spiralrolle der falschen Spirale neu angestiftet oder eine neue angefertigt?
Wie Du die Spirale zugearbeitet hast, interessiert mich auch. Die Rohspiralen sind ja noch ohne Endkurve. Ich habe noch nie eine flache Spirale zu einer Breguetspirale umgebogen. Wie sind da Deine Erfahrungen?

Beeindruckt:
der Schraubendreher
 

FritzP

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Natürlich wurde eine neue Rolle verstiftet.
Die Endkurve wurde nach Gerstenberger gelegt. Dabei wird das Verhältnis von Abstand zwischen Rückerstifte und Zentrum zum Durchmesser der Spirale berechnet. Dieses ergibt die Nummer entsprechend der verschiedenen Endkurven.
Im vorliegenden Fall Nummer 60.
Gerstenberger 80.jpg
 

Unruhgeist

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....andere Liga. Kann ich nicht mitreden. Aber Hochachtung vor der Arbeit und dem Ergebnis!

Grüße,
Unruhgeist
 
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