William Hunt von 1833

Diskutiere William Hunt von 1833 im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo zusammen, heute habe ich meinen Banksafe umgeräumt und bin dabei auf eine Taschenuhr gestossen, die ich vor ca. 15 Jahren auf einer...
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Hallo zusammen,

heute habe ich meinen Banksafe umgeräumt und bin dabei auf eine Taschenuhr gestossen, die ich vor ca. 15 Jahren auf einer Auktion gekauft habe, einfach weil sie mir gut gefiel. Damals, wie heute geht meine Ahnung von Taschenuhren gegen Null, weshalb ich hoffe, von Euch etwas mehr erfahren zu können. Aber, ich denke, es wird das Beste sein, ich erzähle Euch erstmal, was ich weiss. Die Uhr wurde beschrieben als:

W. Hunt, offene Herrentaschenuhr, GG 750/000, London 1833, erwähnt im Briten S. 494 v. 1832 bis 1835, Emailbl., kl.Sek.,gebl. Breg.-Stahlzeiger, Geh.-Boden ber., Sinnspruch im Zentrum m. grav. Löwendarstellung erkennb., Goldcuv. m. Herkunftsgrav., Fert.-Nr. 133, Enlisch Lever, Lepine-Aufb., Räder einzeln gebr., fliegendes Federhaus, Malteserstellung teilw. entn., 3-schenkl.Goldunruh, Flachspirale D 47mm, Gewicht mit Werk ca. 85 gr. EZ 2

Der Sinnspruch lautet " Quod Potui Perfect", was ich mal ziemlich frei mit "Ich habe getan, was ich kann" übersetzt habe. Die Lateiner unter Euch wissen es sicher besser.

Was mich nun interessiert ist: War W. Hunt ein Uhrmacher oder ein Händler? Wenn es ein Uhrmacher war, wo kann man mehr erfahren? Was bedeutet die Löwendarstellung mit den zwei Kreuzen? Was bedeutet die Beschreibung des Werkes? Ist das gute Qualität? Was mag diese Uhr heute wert sein?

Ich habe sie heute mal mit dem kleinen Schlüssel aufgezogen und sie marschiert einwandfrei. So, nun sollen die Bilder sprechen:
 

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Manur

Manur

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Hallo,
hier können Sie vielen Marken finden, ein gute Archiv für Spindeltaschenuhren, aber leider die Name "William Hunt" steht nicht drin. Das heißt nicht die Liste offiziel und geschlossen ist
Antique Pocket Watches - Archive
Das Werk ist typisch für 19 Jahrhundert, ich meine nicht so schön mit Gravur. Für Wert, keine Ahnung.
Aber ein schönes Stück trotesdem.
Viele Grüße,
Manur
 
M

moskau

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Hallo!

Das ist eine wirklich ungewöhnlich schöne und interessante Engländerin!

Diese Klobenwerke (hier ein Lepine Kaliber Typ I) sind zwar recht selten in englischen Uhren anzutreffen (z.B. bei vielen Duplex Kalibern von McCabe), dann aber in meist hochwertiger Ausführugen im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, wie hier.
Für ein Rohwerk aus England (in Prescot wurden angeblich auch solche hergestellt).könnte die Ausführung mit Zeigerstellung von der Ziffernblattseite und die typisch britische Spitzzahnhemmung) sprechen. Zumindest die Hemmungpartie wird wohl in England hergestellt worden sein.

William Hunt/ London (es spricht viel dafür, dass es sich eher um einen Händler als einen Uhrmacher handelt) wird mit 1832 auch im 'Watchmakers and Clockmakers of the World' von Brian Loomes erwähnt.

Das Motto 'Quod Potui Perfeci' auf dem Familienwappen, das die Rückseite ziert, war auch das der schottischen Familie Dundas, zu der auch der schreitende Löwe passen könnte (allerdings fand ich ihn lediglich ohne das Kreuz abgebildet).
Das wäre eine recht bedeutende Provenienz, wenn sie ein Heraldiker bestätigen würde.( Die Dundas sind uralter schottischer Adel, dessen Anfang bis mindestens ins 13./14. Jahrhundert reicht und unter anderen den Titel des Viscount Mellville führt).

Der qualitative Charakter der Uhr würde dem nicht widersprechen – sie war und ist ein ausserordentlich elegantes, schönes Stück in übrigens wunderbarer Erhaltung (bedauerlicherweise ist es mir ncht möglich, einen konkreten Wert anzugeben).

Meinen herzlichen Glückwunsch zu diesem bemerkenswerten Exemplar!

Harald
p.s.: Der fehlende Teil der Malteserstellung auf dem einseitig gelagertem (fliegenden) Federhaus ist eine weit verbreitete Erscheinung – man kann ihn notfalls erstzen lassen. Die Stellung begrenzt lediglich die Federkraft auf den mittleren und somit lineareren Teil. Das ist gut für die Gangstabilität der Uhr, aber nicht zwingend notwendig für ihre grundsätzliche Funktion.
 
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Hallo Harald, vielen, vielen Dank für diese ausserordentlich umfangreiche und erhellende Darstellung. Jetzt werde ich mich mal auf die Spuren des schottischen Adels begeben. Die Uhr läuft jetzt seit 24h mit ca. 30 sec. im Minus.
 
M

moskau

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Hallo!

Die Uhr läuft jetzt seit 24h mit ca. 30 sec. im Minus.
Na bitte! Diese Gangleistung bestätigt den wirklich hochwertigen Charakter der beinahe 180 Jahre alten Uhr auf das Trefflichste!
Sehr viel würdevoller kann man sich die Zeit, die man kaum hat, wohl nicht anzeigen lassen!

Nochmals, ein grossartiges Stück!

Harald

Nachtrag:
Das Ding auf der Rückseite ist mit Sicherheit das Wappen und Motto einer Familie. Ob es nun tatsächlich einem Zweig der Dundas (of Mellvile Castle) zuzuordnen ist, ist schon weit weniger sicher (insbesondere weil der Löwe in der Form nicht aufzufinden ist.
Wenn auch der Name Dundas mit dem Motto "'Quod Potui Perfeci' - nicht '...perfect' erstaunlich signifikant auftaucht, heisst das im Prinzip noch nichts.
Letzte Sicherheit kann eigentlich (wie schon erwähnt) nur ein Heraldiker mit wahrscheinlich nötiger Spezialisierung auf England bringen.
Findet man es heraus, und die Provenienz stellt sich als bedeutend heraus, kann das den Wert der ohnehin schon überdurchschnittlich interessanten Uhr u. U. für manche beträchtlich steigern.
Wie gesagt ... kann(!) - muss aber nciht.
H.
 
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Spindel

Spindel

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Schönes Tickerchen,Gratulation von mir.
Das einzige was mich stört sind die Breguet Zeiger bei einer Uhr von der Insel.
Gruß Roland
 
M

moskau

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Das einzige was mich stört sind die Breguet Zeiger bei einer Uhr von der Insel.
...die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit original und darüberhinaus auch noch exzeptionell fein gearbeitet sind ..

Dafür spricht zum einen, dass Breguetzeiger in England sehr wohl bis mindestens in die Mitte des 19.Jhdts(!) verwendet wurden (wenn auch sehr viel seltener als Spades oder Fleur de Lys) - ich hab z.B. eine Spindel von Attwell aus 1818 mit recht massiven sicher originalen goldenen Breguets und eine sehr flache, elegante E.J.Dent aus 1841(!) mit feinsten Breguetzeigern, die zwefellos original sind.
Auch der schon oben erwähnte James McCabe sowie Barwise und Pennington haben u.a. auch zu Breguetzeigern gegriffen (sozusagen geradezu eine Liste der britischen Prominenz).
Umgekehrt haben die Franzosen und Schweizer nicht selten 'Poires anglaises' - also die an sich typisch englischen - verwendet

Und zum anderen wären alle anderen Zeigerformen an dieser Uhr kaum so stilsicher und passend (die sich ja sowohl in ihrer Bauhöhe als auch Gesamtgestaltung, bis hin zum Werk eher an einem kontinentalen Uhrenverständnis dieser Zeit anlehnt).

Nein, nein...die passen schon zu Blatt und Uhr - sogar ausgezeichnet.
Findet
Harald
 
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