Wieviel Originalität darf´s denn sein?

Diskutiere Wieviel Originalität darf´s denn sein? im Vintage Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Zuallererst möchte ich zu dieser Überschrift eine kurze Anekdote erzählen: bei einem meiner Uhrmacher hat es sich ereignet, dass dessen Vater...
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wasabi

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Zuallererst möchte ich zu dieser Überschrift eine kurze Anekdote erzählen:
bei einem meiner Uhrmacher hat es sich ereignet, dass dessen Vater, der damalige Inhaber des Ladens, noch alte Junghans und ähnlich schöne Marken im Schaufenster hatte. Jedoch nichts aktuelles, sondern schöne Schätzchen aus den 50er und 60er Jahren. Diese blieben bis vor kürzerer Zeit immer dort, keine Umdekoration oder sonstwas. Entsprechend waren auch die Lederbänder vergammelt, die Zifferblätter durch die ständige UV-Strahlung nicht patiniert, sondern angelaufen und über die Mechanik braucht man kein Wort mehr zu verlieren. Bis ein Sammler kam und praktisch jeden Preis zahlte, der verlangt wurde. Auf den Hinweis des Uhrmachers, dass diese Uhren entsprechender Revidierung bedürften, kam lediglich ein bitterböser Blick und das entgeisterte Bemerken zurück, wie man auf die Idee käme, diese Uhren tragen zu wollen.

Diese Uhren waren mit Sicherheit so original, wie es wohl nur ging, also Reizwort NOS.

Ich für meinen Teil bin gerne bereit, für weitgehende Originalität einen Aufpreis zu zahlen. Das hängt aber (wohl schon selbstverständlich) mit der Marke zusammen (wobei es aber oft genug auch Fehleinschätzungen gibt), dem konkreten Modell und eben Erhaltungszustand ab. Das gilt aber nur soweit, wenn ich die Uhr wieder verkaufen wollte und von einem Wertzuwachs ausgehe (aber das ist meistens so spekulativ, dass es schon wieder Unfug ist) und ich sie zu einem Schnäppchenpreis bekommen habe. Jedoch habe ich dann aber Bammel, diese Uhr zu tragen, weil ich ständig Angst habe, auch nur die kleinste Schramme dran zu machen. Die Uhr "gehört" mir dann praktisch nicht, wenn ich so damit umgehe. Und warum sollte ich mir so eine Uhr kaufen, wenn ich sie ohnehin wieder verkaufen würde? Macht für mich keinen Sinn.

Soweit es sich aber um eine Uhr handelt, die mir so gut gefällt, dass ich gerne da weiteres Geld zu investieren, dass sie auf viele Jahrzehnte hin mein treuer Begleiter bleibt, ist mir eine signierte Krone, originale Zeiger beim Kauf eigentlich egal, solange die Funktionalität nicht darunter leidet. Beispielsweise liebe ich die Uhr meines Großvaters, eine Junghans aus den 60ern mit Handaufzug, aber verfluche sie für die winzige Aufzugskrone. Entsprechend werde ich mich wohl daran begeben, eine noch zum Gehäuse passende größere Krone zu besorgen (auch mein Großvater begeisterte sich schon nicht für das winzige Krönchen). Ist Originalität damit schon absolut nicht mehr gegeben? Ich meine "nein". Wenn es eben keine signierte Krone mehr gibt - und im Vintage-Bereich ist das in vielen Fällen auch mit anderen Ersatzteilen der Fall -, ist es eben so und dann muss eben eine andere drauf. Klar ist, dass ich bei einem Verkauf automatisch einen Abschlag hinnehmen muss.
Aber für mich ist es kein Fall, dass als no-go zu sehen, die Uhr soll zuverlässig laufen, dass ist deren Zweck.
Auch beim Kauf kann man trotz Originalität einem totalen Bastelwastel aufsitzen: eine Rado Brienzer, die ich unbedingt haben wollte, weil so schön rar, war überall signiert, ein kleines Bild vom Werk hatte ich vor dem Kauf auch, aber was war? Die Incabloc-Sicherung war an einer Stelle erst gar nicht vorhanden und das ZB an das Werk GEKLEBT worden. Laufen tut das Ding auch nicht.
Soviel zur Originalität und Funktionalität. Ergo kein Kriterium.

Wie tickt Ihr da? ;-) Originalität, am besten NOS, zum Kauf oder reicht auch fachmännisch unterhalten, wenngleich auch nicht immer mit originalen Teilen? Welche Rolle spielt die Marke in dem Falle?
 
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Käfer

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Das, was Du im dritten Abschnitt beschreibst, nenne ich NOS Falle. Da ich mir alle meine Uhrenkäufe damit schönrede, die Uhren auch zu tragen (was ich auch tue, wenn die Tragezeit der einzelen Uhr sich meistens schon sehr im Rahmen hält). Also habe ich ein anderes Verhältnis zur Uhr - sie sollte eigentlich laufen. Natürlich achte ich darauf, dass Kronen etc. stimmen, aber ich habe auch Uhren in meinen Beständen, bei denen merkt man, dass eben der Versuch unternommen worden ist, diese am Laufen zu halten. Und je nach Weltgegend war dies halt nicht immer so möglich, wie sich das viele Vintagesammler heute so vorstellen. Und solche Sachen gehären dann zur Geschichte einer Vintageuhr und sind mir eigentlich nicht unangenehm. NOS (was auch immer das letztlich bedeutet) Uhren sind für mich auch immer ein wenig steril. Fazit. Originalität ist schön, aber nicht um jeden Preis.
 

lennox

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Es ist ein Glücksfall eine 40 Jahre alte Uhr mit Umverpackung und Papieren im ungetragennen Zustand zu Bekommen.Habe ich nicht, aber wenn würde ich sie auch nicht tragen . Anders ist es wenn die Uhren bei mir alt geworden sind , die habe ich immer tageweise getragen.
Gruß
lennox
 

Käfer

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Ich hab so Zeugs, trag die Uhr und der Rest liegt irgenwo rum. Wichtig ist mir die Uhr, das Zugemüse interessiert mich nur sehr sekundär. Weder Uhren noch gar Zugemüse sind für mich Fetische - sondern letztlich Gebrauchsgüter - und entsprechend behandle ich sie auch. Ich finde das Getue - gerade bei gewissen Marken - um die Komplettpakte als lächerlich (dies um so mehr wenn man bedenkt, dass man heute all dies auch "aftermarket" (schöner Euphemismus für Fakes) kriegt und und zwar alles.
 
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wasabi

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Jep, die NOS-Falle ist wohl das Endstadium des Wahnsinns der Originalität. Aber ich kann mich davon leider auch nicht freisprechen, denn gucken werde ich bei diesem Wort wohl immer, denn wer träumt nicht von dem unentdeckten Schätzchen, welches so aussieht, als sei es noch nie über eine Ladentheke gegangen?
Aber ich denke auch, dass der Fetischismus mit dem Ansehen der Marke steigt. Ich selber habe es bei einer meiner Omegas schon bemerkt, dass ich doch sehr gerne eine Original-Krone gehabt hätte, automatisch nicht mehr bereit war, einen bestimmten Betrag für die Uhr auszugeben und schnellstmöglich mich um eine originale bemüht hatte.
Im Ergebnis blöd, denn diese ist so schmal, dass man die Uhr kaum stellen kann (wenigstens ist es eine Automatik, dass ich sie nicht aufziehen muss).
Könnte man in dem Falle als "Zugemüse" (muss ich mir merken, den Begriff ;-) )sehen.
Mal sehen, was es noch für "Glaubensrichtungen" gibt... ;-)
 

zeityeti

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Bei mir ist der "Sündenfall" zum ersten mal vor ein paar Wochen eingetreten, daß ich einen "Lagerfund, ungetragen" gekauft habe. Eigentlich mache ich um sowas einen weiten Bogen, da es meistens nur die Preise versaut. In dem Fall ging es schief, weil seltsamerweise kein NOS-Versessener mitgeboten hat. Kurz darauf wurde ein ganz ähnliches Modell in deutlich gebrauchtem Zustand für mehr als das Doppelte verkauft.:shock:

Um es kurz zu machen: Ich halte von dem ganzen NOS-Gedöns eigentlich garnichts. Erstens sind Uhren nun mal Gebrauchsgegenstände und sollten nicht als Museumsstücke zweckentfremdet werden. Außerdem wird in dem Bereich betrogen, daß sich die Balken biegen. Drittens ist NOS-Kaufen was für reiche Feiglinge (OK, darf wegen Unsachlichkeit gestrichen werden;-)). Ich lasse es stehen. Gruss Käfer :D

Ein bischen anders sehe ich das mit einem vermeintlichen Originalzustand. Den sollte man auch nicht unbedingt zum Fetisch machen aber zumindest bei bestimmten Uhren hat das schon seine Berechtigung. Wenn es nur um ein Gerät zum Zeitablesen ginge, wäre es natürlich egal, wenn man ein bestimmtes Modell aber als bedeutendes Stück der Uhrengeschichte ansieht, wird der Originalzustand wichtig. Man kann sich allerdings trefflich darüber streiten, was ein Originalzustand überhaupt sein soll. Mein Lieblingsbeispiel ist die provokante Frage, ob auch das 50 Jahre alte, verharzte Uhrenöl drin bleiben muß, damit die Uhr noch "original" ist.

Wenn ich eine Uhr restauriere, versuche ich immer, den ursprünglichen Zustand so weit wie möglich zu erhalten oder wiederherzustellen. Allerdings ist es auch immer das Ziel, am Ende wieder eine einwandfrei funktionierende Uhr zu haben. Ich würde keine Uhr ohne Krone rumliegen lassen, nur weil ich keine Originalkrone zur Hand habe und ich würde auch keine 100 € für eine Krone ausgeben, nur damit sie original ist. Aber wenn ich die Möglichkeit habe, für einen vertretbaren Preis Originalkronen zu bekommen, dann würde ich das schon machen, zumindest bei gut erhaltenen Stücken.
 
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wasabi

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Ich glaube, dass der von mir oben beschriebene Käufer mit den alten Junghans mit Sicherheit so ein hardliner ist, der das alte Öl drin lässt. Ich frage mich nur, was er dann von so einem Museumsstück hat? Wertsteigerung bei Vintages ist ja so eine große Frage.
Der Ausspruch, dass NOS für reiche Feiglinge ist, fand ich schon gut :-) Habe mich dabei aber gefragt, ob evtl. die Vorstellung dahintersteckt, dass man eine quasi neue Uhr kauft und ihr im Laufe ihres Uhrenlebens den eigenen Stempel aufdrückt, also die Geschichte, die man bei Vintages sonst zwar mitkauft, aber (außer bei Erbstücken) nie kennt. Außerdem kenne ich Leute, die Vintages vom Stil her lieben und mit aktuellen Uhren nichts anfangen können, aber sich davor ekeln (sic!) eine gebrauchte Uhr anzuziehen.
NOS und desinfiziert:lol:
 

El Loco

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Na, vor dem Tragen sollte eine gebrauchte Uhr schon gereinigt werden, oder nicht?
Erbstücke sind ja eine ganz eigene Sache, da kann auch die allerpopligste/billigste Uhr einen überaus hohen sentimentalen Wert haben.
Bei anderen Stücken, z.B. Uhren mit Widmungen kann man doch den Gedanken und der Fantasie freien Lauf lassen. (Manch einer tut das ja auch in der Beschreibung bei Ebby-Auktionen! :D )
Originalität ist schon erstrebenswert, aber nicht um jeden Preis, das Wichtigste ist in meinen Augen die Funktionalität. Ich glaube, Uhrtier hat den schönen Spruch in der Signatur (so ungefähr) "Fisch muss schwimmen, Vogel muss fliegen, Uhr muss laufen!" und hat damit meiner Meinung nach vollkommen recht. Und manchmal ist die Lösung des Problems bei einer Uhr auch eher originell als original, das kann auch in bestimmten Fällen seinen Reiz haben.
NOS ist schön, wenn man es günstig bekommt, Wartung/Ölwechsel sind aber dennoch fällig. Ob ich sie tragen würde? Vermutlich ab und zu. ;-)

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es grüßt
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wasabi

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Klar, eine gebrauchte Uhr gehört vor dem Tragen gereinigt, aber was ich mir damals anhörte, war schon eher in der Richtung, dass überhaupt die Tatsache "gebraucht" schon Ekel verursacht.
Bisher ist die Tendenz hier in Sachen Originalität ja eher: kann, muss aber nicht, insbesondere, wenn die Funktionalität an sich erhalten bleibt. Absolut nachvollziehbar, wenn man von der Uhr als Alltagsgegenstand ausgeht.
Aber wo sind die hardliner, denen die Originalität über alles geht? Gehe ich recht mit meiner beschriebenen Annahme, dass es darum geht, einer wohl scheinbar ungetragenen Uhr ihre eigene Geschichte zu verpassen? Oder ist es noch was anderes, was noch nicht zur Sprache kam? Traut Euch, wird doch wohl nicht nur diesen Standpunkt geben... ;-)
 

Marinemaster

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Aber wo sind die hardliner, denen die Originalität über alles geht? Gehe ich recht mit meiner beschriebenen Annahme, dass es darum geht, einer wohl scheinbar ungetragenen Uhr ihre eigene Geschichte zu verpassen? Oder ist es noch was anderes, was noch nicht zur Sprache kam? Traut Euch, wird doch wohl nicht nur diesen Standpunkt geben... ;-)
Hmmm, ich bin kein Sammler aus der Vintage-Ecke aber bekennender Nostalgiker und ja, Originalität geht mir über alles.
Und ich gebe auch zu den Traum zu haben, vielleicht irgendwann man an eine ungetragene Certina DS zu geraten.
Kompletter Blödsinn und Phantasterei, ich weiß. Aber was ist das Leben ohne Tagträume? ;-)
Allerdings würde ich jede Uhr, die ich besitze auch tragen wollen. Sie sind in der Tat Gebrauchsgegenstände. Manch ein wahrer Sammler sieht das evtl. anders?! Von daher ist das mit der 'eigenen Geschichte zu verpassen' schon korrekt! :super:
Mein Standpunkt ist der, dass jede Uhr aus der jeweiligen Epoche den bestmöglichen Originalzustand verdient hat, der machbar ist. Und weil das so schwierig ist, hab ich eigentlich nur neue Uhren!
Von Bastelmöhren, die einen prominenten Namen haben halte ich mich fern. Manche können mit schlecht restaurierten Zifferblättern leben, auch wenn sie einen Kartoffeldruckflair aus dem Waldorf-Kindergarten haben.
NOS ist ein Begriff, der Unbedarfte vor allem in der Bucht zum Kauf verführt. Leider merken erst viele zu spät, dass die Uhren zwar original sind, bloß aus gefühlten 150 verschiedenen Uhren der jeweiligen Marke zusammengefrickelt. Das Schnäppchen wird somit zum Eigentor!
 

Doerthe

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NOS heißt für mich, ich freue mich, daß ich eine Uhr in einem sehr guten Zustand erhalte. Nur sie bleibt dann nicht NOS, denn ich werde sie tragen.

Auch ein gewisse Patina stört mich nicht, das gehört häufig zu einer Vintage.

Wenn aber eine Uhr zu arg mitgenommen aussieht und ich sie unbedingt haben und auch tragen möchte, scheue ich mich nicht, sie incl. Zifferblatt restaurieren zu lassen. Daher stört es mich grundsätzlich auch nicht, wenn ich eine fachmännisch restaurierte Uhr kaufe, ich möchte es nur vorher wissen. Diese Uhren sind bei mir aber eher selten.

Ich freue mich immer über eine Vintage, bei der alle Teile noch original sind. Da die Krone im Laufe der Jahre häufig einem hohen Verschleiß unterworfen ist, stört es mich weniger, wenn sie ausgewechselt wurde und dann vielleicht nicht mehr mit dem Markenzeichen versehen ist.
Dennoch achte ich darauf und bei fehlender Originalkrone muß es sich preislich bemerkbar machen. Es kann auch bei bestimmten Uhren in der höheren Preisklasse ein Ausschlußkriterium sein.

Was bei mir meistens gewechselt wird, sind die Lederbänder, es sei denn, auch sie sind NOS oder neuwertig und gefallen mir.
Aber eine Vintage, die aus verschiedenen Teilen zusammengebaut wurde, würde ich mir wissentlich nicht zulegen.

Ich bin also absolut kein hardliner und erfreue mich auch an der Geschichte, die eine alte Uhr zu erzählen vermag.
 

purpur73

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NOS ist für mich immer so ein I-Tüpfelchen in der Sammlung,welche ich sehr gern kaufe,sofern es noch welche gibt.Wer da nicht scharf drauf ist,der sagt wohl hier eher nicht die Warheit.
 

Käfer

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Lieber purpur

Wieso musst Du immer mit Provokationen und Unterstelllungen arbeiten? Du weisst schlicht nicht, was andere antreibt und was andere für Prioritäten setzen. Entsprechend schadete es nicht, wenn Du Dich solchen wenig qualifizierten Äusserungen künftig enthalten würdest!

Wie schon gesagt, für mich ist NOS nichts, was mich besonders reizt. Wenn ich es kaufe, dann nicht WEGEN, sondern TROTZ "NOS". Und wenn Du mir jetzt unterstellen willst, ich sagte nicht die Wahrheit, dann wäre dies als Provokaiton um der Provokation willen zu werten, die von Dir weder belegt werden kann, noch von mir hier im Vintagebereich des Forums weiterhin gelesen werden will.
 
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wasabi

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Jaja, immer wieder: der Reiz des NOS ;-). Gut, ich habe mich ja schon geoutet, dass ich da nicht unanfällig bin. Das ist so, als hätte man unversehens eine Zeitkapsel (ein schönes Wortspiel, oder ;-) ) erhalten und ist dazu ausersehen, die darin befindliche Uhr tragen zu dürfen, so, als sei man in einen Laden in den z.B. 50er Jahren gegangen.
Insbesondere im Hinblick darauf, ob man diese Epoche selbst miterlebt hat und wenn, ob man sich gerade die feineren Ührchen dann auch leisten konnte ist wohl nochmal ein besonderer Reiz gegeben (wobei ich mir die Frage stelle, ob dadurch die edleren Marken "banalisiert" werden, wenn sich ein größerer Kundenstamm die damals so teuere Uhr plötzlich leisten kann und der Hersteller nunmehr für die aktuellen Uhren die Preise nach oben "korrigiert". Aber das wäre schon einen neuen thread wert...).
Ich denke, dass es bei der Originalität wohl am ehesten auch um den ästhetischen Aspekt geht. Technisch ist, soweit ich das mal behaupte, fehlende Originalität Bastelwastel, also dass alles was nicht in das Gehäuse passt, passend gemacht wird und eben die Funktion nicht mehr gewährleistet ist.
Wo aber auch ich auf ästhetischer Seite die Krise kriege, dass sind bonbonfarbene ZB, die so nie existierten (andererseits scheint es dafür sogar einen Kundenkreis zu geben, denn sonst hätte man diesen Unfug wohl schon aufgegeben). Aber ich glaube, sowas mag hier wohl auch keiner...

Offenbar ist die Uhr kein einfacher Gegenstand zur Zeitfeststellung, sondern (Erbstücke ohnehin schon) doch mehr mit Emotionen behaftet, wenn man der Erste sein will, der sie trägt.
Ich versuche mir gerade vorzustellen, dass ich einen Toaster aus den 50ern aus NOS kriege und als erster benutze...:hmm:
 

purpur73

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@käfer.
Es ging nicht darum jemand zu provoziern.Ich bin einfach nur der Meinung,dass jeder Vintagesammler froh ist,wenn er eine richtige NOS bekommen kann.Ist ja wohl bei allem,egal ob Uhren oder Briefmarken ect.so,das um so besser der Zustand ist,desto grösser der Wert für den Sammler. Ist meine Meinung.Sorry.....
 

Aeternitas

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Eine frühere Freundin hat mir mal eine Tasse geschenkt "I love you with all your imperfections"

Da ist was dran.

Ehrlich gesagt ziehe ich auch nur Uhren an, die schon Spuren haben, da ich jungfräuliche nur ungern mit einem kleinen Makel versehe.

Am liebsten hätte ich alle doppelt...und würde die Geschundenen dann tragen...
 
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wasabi

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Das mit den Doppel-Anschaffungen hatte ich auch schon einmal überlegt, wäre aber zu teuer geworden ;-)
Im Hinblick auf dieses Erlebnis des NOS hatte ich einmal in Bezug auf alte Autos von einem Fall gelesen, dass ein Autohändler in den 60ern in Konkurs ging, die Masse jedoch (insbesondere die Autos) wohl nie verwertet worden sei. Etwa im vorletzten Jahr hat man die Bestände aus den Verkaufsräumen wohl wiederentdeckt und zum Verkauf freigegeben, welche innerhalb weniger Tage dann auch weg waren. Ich glaube, dass jeder der ein älteres Fahrzeug fährt, sich wohl vorstellen kann was das für ein Gefühl ist in einem ladenneuen Fahrzeug zu sitzen, was man schon immer begehrt hatte. Natürlich nur, wenn einem die Marke zusagt.
Gerade wegen der Marken will ich mal die Daumenschrauben anlegen: sollte die Originalitätsvorliebe mit der Wertigkeit der Marken direkt zusammenhängen? Zumindest mir geht es so, da meine Omegas nach Möglichkeit so original (wenn auch mit Gebrauchsspuren) wie möglich sein sollten, auch wenn ich sie nicht verkaufen werde.
Oder zeigt ein nicht originales Teil, egal welcher Marke, dass sich jemand - evtl. sogar ohne Fachkenntnisse - daran vergangen hat?
 
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Käfer

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Nicht original (was auch immer das dann im konkreten Einzelfall auch bedeuten mag) kann- aber muss nicht - bedeuten, dass gebastelt und ohne Fachkenntnis gewerkelt wurde. Wie auch schon erwähnt war es halt nicht immer und vor allem nicht überall möglich, immer das gemarkte Originalersatzteil zu besorgen. Da hat man dann halt z.B. eine passende aber ungemarkte Krone verwendet. Nicht vergessen solle man, dass die heute bei Sammlern so beliebten (Tool) Watches früher vielfach auch wirkliche Arbeitsuhren waren. In den 60igern wäre es wohl niemandem in den sinn gekommen zu fragen, ob er eine Rolex Taucheruhr nass machen darf und ob es die Uhr aushält, wenn man mit ihr Gold spielt (nicht mit der Uhr als Ballersatz, sondern am Arm). Uhren hat dies mitzumachen und haben es auch mitgemacht. Allerdings nicht immer ganz ohne spuren davon zu tragen.

Nochmal zu NOS ein paar Worte:

1enicar500hl5.jpg



Diese Guide habe ich als NOS Uhr erworben (was sie wohl auch war) und zwischenzeitlich auch getragen. Dies bereitet mir keinerlei Sorgen und allfällige Tragespuren sind mir eigentlich egal. D.h, nun nicht, dass ich mit diesen Vintageuhren im guten Zustand hemmungslos umgehe, das nicht, aber ich trage sie, denn nur so werden sie meiner Meinung nach ihrem Zweck gerecht. Übrigens war die Uhr in NOS günstiger, als so manche völlig abgerockte Guide über den Tresen geht.

Aber besser gefällt mir eigentlich so was:

0enicar62aufmetallws4.jpg



Diese sehr frühe Guide wurde getragen und man sieht das durchaus an der einen oder anderen
Spur. Allerdings wurde wohl sehr pfleglich mit ihr umgegangen und der Uhr wurde nicht das letzte abverlangt. Irgendwie gefällt mir das weit besser, als NOS. Immerhin hat die Uhr etwas mitgemacht (auch wenn ich das leider nicht nachvollziehen kann), trotzdem, die erzählt Geschichte, wie auch sonstige Antiquitäten, bei denen ich auch nicht jede Minute der Vergangenheit nachvollziehen kann.



Und ich bezweifle mal stark, dass der Originalitätswahn mit der Wertigkeit der Marken zusammenhängt. Rolexe aus den 60iger waren durchaus vergleichbar mit anderen Marken (sind sie ja auch heute noch) und keineswegs den anderen Marken in Wertigkeit überlegen. Plakativ kann dies belegt werden, an der Überhypeuhr von Rolex aus den 60igern, der Daytona PN. Es hatte schon gründe, warum die Uhr damals wie Blei bei den Konzis liegen blieb: Gehäuse untere Mittelmass. Jedes Super Compressor Gehäuse mit Bajonettverschluss von Enicar schlägt das PN Gehäuse qualitativ um längen und das Werk war in beiden Uhren eh das Gleiche. Nur wird heute bei den Rolexen der Originalitätswahn zelebriert, Enicar aber sind immer noch so was wie ein Geheimtipp unter Sammlern (naja, so geheim auch nicht mehr ,-) ). Das bedeutet nun aber nicht, dass die Rolex von damals heute plötzlich wertiger wären, als z.B. die Enicars.

Wie ich es auch drehe und wende, alte Uhren in gutem Zustand sind was begehrenswertes, NOS aber dünkt mich eine Art „Marketinglegende“ für die letztlich vielfach sehr, sehr viel Geld verlangt wird, ohne dass ich einen wirklichen Gegenwert dafür kriege – so sehe ich das.
 

Marinemaster

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Ich versuche mir gerade vorzustellen, dass ich einen Toaster aus den 50ern aus NOS kriege und als erster benutze...:hmm:
Warum nicht? :lol:

Käfer sieht das ganz pragmatisch: Man hatte keine passende Krone, da hat man halt eine andere genommen!
Eigentlich ist das zu 100% die beste Einstellung, denn was hätte man denn machen sollen?!
Andere finden sich mit Schrammen ab, die vom Vorbesitzer erzählen - auch korrekt!

Vor einigen Wochen war ich in einem Autohaus, in dem ein alter brauner Ford Capri stand, der äußerlich wie neu aussah. Im Innenraum konnte man erkennen, dass der Wagen ein bewegtes Leben hatte.
Ich hätte ihn am liebsten vom Fleck weg gekauft. Er war aber (Gott sei Dank) unverkäuflich.
Komischerweise bin ich nicht auf die Idee gekommen, mal nachzufragen, ob sie den noch in rot und in NOS da haben. Wohl, weil es mir bei Autos und anderen Gebrauchsgegenständen wurscht ist!
Bei Uhren leider nicht, warum weiß ich nicht! Und genau da kommt man an einen Punkt, an dem man sich manchmal fragt, ist es noch ein Hobby oder schon Stress? ;-)
Und in dieser Beziehung bin ich das genaue Gegenteil von Al. Eine NOS würde ich tragen, mich über Schrammen ärgern - aber diese Schrammen erzählen dann meine eigene Geschichte!

Versteht das hier jemand? Nicht? Ich auch nicht so wirklich - und deshalb halte ich mich auch zu 99% raus aus dem Vintagebereich! :D
 

zeityeti

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Doerthe hat zu NOS einen ziemlich guten Punkt gemacht: Man hat etwas mehr Sicherheit, eine Uhr in gutem Zustand und mit allen Teilen zu erhalten - allerdings nur, wenn man nicht beschissen wurde. Meine oben schon erwähnte Roamer Rockshell, die ich hier vor kurzem vorgestellt habe, hatte allerdings Kratzer von unsachgemäßer Lagerung. Soviel dazu.

Die Frage des Originalzustands finde ich fast interessanter als den NOS hype. Ich habe gerade, nach mehreren Wochen, eine 50er-Jahre Berger wieder flott bekommen, bei der das Durowe 1032 gründlich ruiniert war. Das ging nur, weil ich in einem gerade ersteigerten Konvolut alter Werke zum Ausschlachten ein passendes Durowe 1035 gefunden habe, aus dem ich Unruh und Anker fleddern konnte. Wohlgemerkt, die Teile sind wirklich baugleich, wie es für Werkfamilien typisch ist. Ist damit die Originalität schon hinüber? Ich denke nein, würde aber gerne Euere Meinung dazu hören.

Meine Meinung sollte ich natürlich auch begründen: Für mich ist eine Uhr (zumindest in der Regel) kein Unikat. In der Schweiz wurden und werden Millionen Uhren jedes Jahr gefertigt, davon nur wenige in echten Manufakturen. Viele der Teile werden von spezialisierten Herstellern produziert und dann von vielen anderen Herstellern weiterverarbeitet, z.B. Incabloc, Nivarox etc. Wenn ich also eine fehlende oder beschädigte Schraube, Feder oder sonstwas ersetze, stelle ich nur den funktionierenden Originalzustand wieder her. Es ist halt nicht wie bei einem Rembrandt, bei dem ein zerstörter Pinselstrich einfach nicht wieder gut gemacht werden kann.
 
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