Uhrenbestimmung Wieder mal mit der Bitte um eure Einschätzung: Taschenuhr

Diskutiere Wieder mal mit der Bitte um eure Einschätzung: Taschenuhr im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo zusammen, nachdem mich nun auch ein wenig der Taschenuhrvirus gepackt hat, habe ich den Vorsatz gefasst, zumindest eine mit...
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Jesaiah

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Hallo zusammen,

nachdem mich nun auch ein wenig der Taschenuhrvirus gepackt hat, habe ich den Vorsatz gefasst, zumindest eine mit Schlüsselaufzug und eine mit Spindelhemmung zu erwerben.

Das mit dem Schlüsselaufzug ist schon mal gelungen, allerdings mit einem "No-Name-Werk", soweit ich das als Laie sehe. Anbei ein paar Fotos, vielleicht kann der eine oder andere von euch mehr erkennen...?

Ich füge noch hinzu:
Innenseite Aussendeckel eine Seriennummer 51849, offenbar von Hand eingeschlagen (unregelmäßig) und ein Stempel EE (an der Scharnierseite), sowie zahlreiche händisch eingekratzte Servicenummern
Aussenseite Werkdeckel Aufschrift L. Samuel, Holzminden, Cylindre, 8 Rubis in Schreibschrift (siehe Foto).
Innenseits Werkdeckel ebenfalls nochmals die Nummer 51849 sowie einige eingekratzte Servicenummern
Am Werk selbst nur ein einziger erkennbarer Stempel links von der "Krone", G.T in einem Oval, soweit ich das erkennen kann.
Zifferblatt ein brunzordinäres Motiv, dessen Foto ich hier nicht reinstellen mag (ein Pärchen beim tete-a-tete vor einem Gemälde oder Spiegel, in dem ein älterer Mann mit Erektion abgebildet ist) ... flach, bunt, mit arabischen Ziffern, recht verschnörkelt.

Meinungsäusserungen werden gern entgegengenommen ... danke!
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S

Schnupperfuss

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Hallo
Nach der Werkspunze müsste es sich um ein Werk von Gideon Thommen handeln.

Gruß Harald
 
J

Jesaiah

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Danke!
Laut Mikrolisk - wo diese Punze zu finden ist - wurde sie 1880 registriert, Fabriques d'Horlogerie Thommen SA / Revue SA / Revue-Thommen SA.
Allerdings irritiert mich das etwas, weil an sich zu diesem Zeitpunkt doch keine Werke mit Schlüssel mehr gebaut wurden (dachte ich jedenfalls...) ?

Jedenfalls scheint das ein erster Anhaltspunkt zu sein. Vielen Dank!
 
MikeHH

MikeHH

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Hallo Jesaiah

Auch in der Zeit wurden noch Werke mit Schlüsselaufzug verbaut. Da du Mikrolisk schon kennst, kannst du auch ein paar Infos über das Kaliber nachschlagen. Es handelt sich hierbei um ein sehr oft verwendetes Lepine V, das es später dann auch mit Kronenaufzug gab.

Hier mal ein Link zu den Lepine Versionen von Mikrolisk
Mikrolisk - The horological trade mark index

Mike
 
andi2

andi2

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Hallo @Jesaiah,
bei allen Uhren, wo man eine Wort- oder Bildmarke findet, lohnt sich die Recherche bei Mikrolisk. Wenn es dort nicht verzeichnet ist, dann wird es gewöhnlich schwierig mit der Identifikation. Gedeon Thommen, später "Revue Thommen", ist eine renommierte Marke. Am Werk wäre der Hersteller ohne Punze nicht zu erkennen. Quasi alle Werke aus der Schweiz sahen bis ans Ende des 19. Jahrhunderts fast gleich aus. Man typisiert die Werke deshalb und redet von "Lepine I" bis "Lepine VI", am Anfang waren die Brücken fächerartig angeordnet, später - wie bei deiner- parallel. Ich glaube, dieses würde man als Lepine V einstufen. Ich finde diese Brückenwerke immer interessant, weil das Räderwerk und das Federhaus sichtbar sind. Wenn man die Funktion eines Uhrwerks zeigen will, sind solche Werke ideal.

Schlüsseltaschenuhren waren bis zur Jahrhundertwende noch sehr verbreitet. Für den konservativen britischen Markt wurden Schlüsseluhren sogar noch bis ca. 1930 gebaut...

Beim Zifferblatt hat sich wohl dieser anonyme neuzeitliche "Uhrenveredler" ausgetobt, der seine "Kunstwerke" regelmässig auf Ebay feilbietet. Frag mal @Ruebennase nach dem Mann...
https://uhrforum.de/sehr-erotische-taschenuhr-in-der-e-bucht-t216800
Diese bekommen aber normalerweise noch einen kleinen Automaten aufs Zifferblatt, d.h. die edle Gurke wackelt, was immerhin eine anspruchsvolle Bastelarbeit ist.
Ich würde an deiner Stelle versuchen, das Zifferblatt zu wechseln. Das Originalblatt dürfte römische Zahlen gehabt haben. Notfalls kann man wohl das bemalte Blatt ganz vom Dekor befreien und dann eine Folie mit neuem Dekor anbringen (vielleicht kann man das jetzige einfach am Rand abziehen?)

Gruss Andi

Beim Kauf einer Spindeluhr würde ich zuerst ein paar Kenner und Sammler befragen, die sich damit auskennen...
 
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Jesaiah

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Perfekt, danke für die hilfreichen Antworten! Werde das Zifferblatt zu tauschen oder abzuziehen versuchen; ich vermute selbst, dass das nur foliert ist. Muss nur noch herausfinden, wie ich das zerstörungsfrei demontieren kann.

Und DANKE für den Hinweis mit der Spindeluhr, werde ich tun - aber das ist im Moment aus budgetären Gründen ohnehin Zukunftsmusik ...
 
andi2

andi2

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Hallo Jesaiah,
wahrscheinlich gibt es unter dem Dekor nichts, was noch schützenswert wäre.
Man nimmt zuerst die Zeiger ab. Das geht auch mit einer Pinzette, aber es gibt auch Zeigerheber zu kaufen (hand(s) remover / removing tool). Das Zifferblatt hat hier zwei Füsse und die sind von hinten frei sichtbar, in deinem Bild bei Position 12 und 6. Daneben ist eine sogenannte Madenschraube in die Platine geschraubt, die den Zifferblattfuss hält. Nach etwa einer Halbdrehung der Schrauben sind die Füsse frei und man kann das Blatt vorn abnehmen (vorsichtig mit einer Messerklinge rundherum etwas anheben, dabei nicht hebeln, sonst springt das Emaille, wenn da welches ist).
Ein allfälliges Tauschzifferblatt bräuchte nicht nur etwa den gleichen Durchmesser, sondern die Zifferblattfüsse in gleicher Position und gleichem Abstand, ausserdem muss der Abstand zwischen zentraler Welle und Sekundenradwelle (bzw. die Löcher im Blatt) den gleichen Abstand haben,
Gruss Andi
 
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holli

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Hallo Jesaiah,
zeig doch bitte ein Bild vom Zifferblatt,dann kann man besser beurteilen wie das runter geht.
bei den roten aufgebrachten Zahlen ( 13 -24 ) geht das normalerweise ganz einfach , Zifferblatt in lauwarmes Wasser mit etwas Spülmittel einweichen und nach spätestens 30 Minuten ist das erledigt.;-)
 
Chrims

Chrims

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Allerdings irritiert mich das etwas, weil an sich zu diesem Zeitpunkt doch keine Werke mit Schlüssel mehr gebaut wurden (dachte ich jedenfalls...) ?
Nur zur Info (hat nix mit der Uhr zu tun): Ich hab mich in letzter Zeit mit solchen Werken befasst und traue mir zu sagen, dass bis zur Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929 Werke mit Schlüssel-Aufzug in der Schweiz (Büren) für den konservativen englischen Markt gebaut wurden. 1930/31 wurden die letzten noch lagernden Werke eingeschalt, dann war endgültig Schluss ...

vlg, Christian
 
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Hallo Christian.
ohne es genau zu wissen, hätte ich auch 1930 gesagt. Ich habe in einem anderen Forum ein Foto eines englischen Verkaufsprospeks von 1930 oder ein zwei Jahre davor / danach gesehen mit einer Zylinder-Schlüsseltaschenuhr von Japy Freres (Beaucourt, Frankreich).
 
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Jesaiah

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@holli, Bild hochladen:

ungern irgendwie ... nicht von wegen "erotisches Motiv", damit hab ich kein Problem, aber weil es wirklich SCHLECHT ist ... aber na gut, bitte sehr:

IMG_2357[1].jpg
IMG_2356[1].jpg

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Update: Laufen tut sie brav; einmal aufziehen 26 Stunden - und das mit nur 1 Minute Abweichung.
 
andi2

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Unverkennbar die Hand des "Meisters", dessen Werke immer mal wieder bei Ebay sind. Der Ständer in dem Bild wackelt wohl und das Zifferblatt ist dort durchbrochen? Der kleine Automat (falls da) ist wohl vom Anker angetrieben? Obwohl solche Erotikuhren ja prinzipiell ziemlich geschmacklos sind, ob alt, oder neu gemacht wie hier, würde ich doch folgendes zugestehen:
Eine Automaten-Uhr muss man erst mal bauen, das hat schon eiene gewissen technischenWitz und Anspruch. Genau solche Arbeiten dürfte es früher auch schon gegeben haben.

Es gab ja auch weniger anrüchige Sujets dafür. Nach dem gleichen Prinzip baute Thiel seine berühmten Handwerker-Automaten oder im ersten Weltkrieg eine Uhr, wo ein deutscher Soldat einen Britischen in den Hintern tritt und dem Spruch "Jeder Tritt ein Britt" (auch anrüchig). Dollar-Watches und andere Stiftankeruhren gab es mit Fussballszenen, wo das bewegliche Teil das Bein eines Spielers ist, der gegen den Ball tritt, der Ball ist dann eine rotierende Scheibe anstelle des Sekundenzeigers...

Ausserdem würde ich sagen, dass das nicht schlecht gemalt ist - man kann das Zifferblatt nicht als verhunzt bezeichnen. Auf eine gewisse Art hat es sogar Stil.
Und ausserdem dürfte der Automat (eventuell sogar das Thema) eine gewisse Wertsteigerung darstellen. Das originale Zifferblatt ist sowieso verloren. Ich würde also dafür plädieren, es so zu lassen.
Gruss Andi

PS: Quatsch, einen Anker gibt es ja nicht bei der Zylinderuhr! Erklär mal den Automaten! Wie ist er angetrieben und was tut er (hin und her wackeln oder rotieren)?
 
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Jesaiah

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Hallo Christian.
ohne es genau zu wissen, hätte ich auch 1930 gesagt. Ich habe in einem anderen Forum ein Foto eines englischen Verkaufsprospeks von 1930 oder ein zwei Jahre davor / danach gesehen mit einer Zylinder-Schlüsseltaschenuhr von Japy Freres (Beaucourt, Frankreich).
Dann wäre es nur noch interessant, wann L. Samuel in Holzminden tätig war ... hat jemand eine Idee dazu? Tante G. offenbart hier nichts ....

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Erklär mal den Automaten! Wie ist er angetrieben und was tut er (hin und her wackeln oder rotieren)?
Automat? Was für ein Automat? </sarcasm>

Das Ding ist einfach nur bemalt; das einzige, was sich bewegt, sind die Zeiger (immerhin recht präzise, s.o.)
 
J

Jesaiah

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Ja, das hatte ich gefunden ... hat aber sachlich nur einen geringen Wert, weil es nur aussagt, dass der Gute 1883 (?) tätig war, aber nicht von wann bis wann ... und nur das würde den Zeitraum eingrenzen, in dem er das Thommen-Werk in eine seiner Uhren eingebaut haben könnte.

Danke trotzdem!
 
Chrims

Chrims

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Es sagt aber eindeutig aus, dass er nur ein Versand-Händler war und wohl kaum das Werk in die Uhr eingebaut hat ... ;-)
 
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Jesaiah

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Ah ja, richtig. Das stimmt. Nun ja, wer das Werk eingebaut hat, wird kaum mehr eruierbar sein ... bis auf den winzigen Stempel EE (mit Serifen) an der Scharnierseite des Deckels gibt es nichts, was ein Hinweis sein könnte, und dazu hab ich nichts gefunden. Ist wohl zu vage.

Danke!
 
andi2

andi2

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Wenn kein Automat auf dem Blatt ist, kann das Porno-Zeug natürlich verschwinden... Dann hat es keinen Witz...
 
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Jesaiah

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Es ist vollbracht ... das unter der Folie befindliche Originalzifferblatt hat einen "ausgebesserten" Schaden, aber ist immer noch besser als das Machwerk vorher. War übrigens mit warmem Wasser ganz leicht abzulösen.

Kennt jemand hier drin einen Zifferblattmaler? :o)

zifferblatt.jpg
 
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