Wie reguliere ich ein mechanisches Hermle Uhrwerk (Typ W 0340-20)?

Diskutiere Wie reguliere ich ein mechanisches Hermle Uhrwerk (Typ W 0340-20)? im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Guten Morgen Community, ich habe mich in diesem Forum angemeldet, weil ich vor zwei Tagen auf einer Art Flohmarkt/Gebrauchtwarenhandel eine...

Antje

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Guten Morgen Community,

ich habe mich in diesem Forum angemeldet, weil ich vor zwei Tagen auf einer Art Flohmarkt/Gebrauchtwarenhandel eine Standuhr gekauft habe.
Es handelt sich vermutlich um eine Auftragsarbeit eines Schreiners (Standuhr Sockel und Uhrengehäuse aus massiv Eiche) mit einem wahrscheinlich
handgemalten Zifferblatt und einem eingebauten mechanischen Uhrwerk W 0340-020 aus dem Jahr 1973 aus dem Hause Hermle.

Leider ist der Minutenzeiger abgebrochen und der Uhrenschlüssel fehlte, ich habe die Uhr vor Ort mit einem geborgten Schlüssel aufgezogen, und sie
lief sofort los. Da ich schon immer eine mechanische Uhr haben wollte, habe ich sie mitgenommen.

Inzwischen habe ich einen eigenen Uhrenschlüssel, den Zeiger habe ich noch nicht ersetzt, weil die Rändelmutter anscheinend festgerostet ist und
ich mich noch nicht mit einem Rostlöser (WD-40) da rangetraut habe.

Es hat mich ein paar Stunden gekostet, die Uhr einzustellen, weil sie beim Vorwärtsdrehen gerne mal die volle Stunde verschluckt und dann bei der
Position Viertel dann zur vollen Stunde schlägt. Dies habe ich dann damit umgangen, dass ich sie jeweils über die Position volle Stunde und viertel
habe selbst laufen lassen und nur über die Positionen halb und dreiviertel von Hand geschoben habe. Danach hatte ich sie sowohl von der Zeit als
auch vom Gong/Stundenschlag synchron.

Jetzt zum eigentlichen Problem. Es scheint, die Uhr geht etwas nach. Ich habe sie gestern abend auf ein paar Sekunden genau auf die Position halb
10 eingestellt, d.h. der Gong ertönte punkt 22.30h, und jetzt (8.30h) gongt sie erst 8:31h, d.h. auf 11 Stunden läuft sie eine Minute nach.

Meine Frage: Wie kann ich (kann ich als Laie überhaupt?) die Ganggeschwindigkeit korrigieren? Bei einer Pendeluhr wäre dies ja einfach, aber bei
einer Uhr, die man nur mittels Schlüssel aufzieht?

Freue mich auf eurer Antworten.
Antje
 
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Rainer Nienaber

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Mach doch mal ein Foto der Uhr bzw. des Werkes. Hat die Uhr ein Pendel, eine Unruh oder was?
Irgendein Gangregler muss ja da sein, an dem auch reguliert werden kann.
 

Antje

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Leider habe ich es trotz Anleitung nicht geschafft, hier ein Foto hochzuladen (ich finde das entsprechende Menü nicht).


Daher ein Link über Flickr, ich hoffe, das ist okay, ansonsten bitte löschen: http://www.flickr.com/photos/[email protected]/8660240470/in/photostream

Ich hoffe, man kann als Laie die Ganggeschwindigkeit regulieren, und vielleicht auch die Geschwindigkeit des Gongs, habe festgestellt, dass der Dreiviertel-Westminstergong fast eine ganze Minute (!) braucht, bis er durch ist.....
 
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Thallius

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Hallo Antje,

das Regulieren dieses Werkes ist ein wenig heikel. Auf der schwingenden Unruh ist auf dem Reif ein verschiebbares Blech. Da dieser Hebel sich meist nur mit etwas kraftaufwand verschieben läst, die Unruh selber aber auf einem sehr dünnen draht aufgehängt ist, hast du bei dieser Aktion ganz schnell diesen Draht verbogen oder sogar zerrissen und dann wird es sehr teuer eine komplett neue Unruh zu besorgen.
Wenn Du es also riskieren willst, dann mach am besten nochmal ein Foto von einer aufsicht auf die Unruh und ich zeige Dir dann den Hebel. Aber sag nachher nicht ich hätte Dich nicht gewarnt :-)
Eventuell ist ein Uhrmacher hier die bessere Lösung. So teuer kann das Einregulieren alleine auch nicht sein.

Gruß

Claus
 

Thallius

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Hallo Antje,

Bitte mach das Foto von oben und nicht von unten. Dann sieht man es besser. Und schick es mir direkt an

juwelier at boennhoff punkt de.

Ich kann das Flickerbild nicht runterladen um den Hebel darauf zu markieren.

Gruß

Claus
 

Watchdoktor

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Wenn das werk(von 1973??) verdreckt/verharzt ist, hilft Regulieren hier gar nichts.Wenn der Stundenschlag fast 1 Minute braucht,bzw.sehr langsam abläuft, zeigt das ja, dass das werk zunächst mal ne revi braucht.
ansonsten wird das eine endlose geschichte.
 

Antje

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Ich fürchte, dass das nicht ganz falsch ist. Nachdem ich ein Foto im Makromodus geschossen habe, sehe ich erst mal den ganzen Dreck auf den Wellen. Wie es weiter drin aussieht, kann ich nicht sagen. Fakt ist, die Standuhr ist sicherlich von tausend Händen angegrabbelt worden, und ob die alle sauber und behutsam waren, wage ich zu bezweifeln. Als wir sie jedenfalls gekauft haben, war der Uhrenkasten hinten offen, die Verschlußklappe lag auf dem Boden daneben. Nun ja.

Was dürfte denn in etwa eine Säuberungsaktion beim Fachmann kosten?

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Gerade habe ich mal angefragt, was eine Revision (also Zerlegen, Reinigung und Ersatz von verschlissenen Teilen kosten würde). Die Antwort: So ein Uhrwerk mit Westminster ist sehr aufwendig, das kostet mindestens 420 Euro, und da weiß ich nicht, ob sich das überhaupt lohnt.

Ich bin gerade sprachlos.
 

Watchdoktor

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nicht nur du....

lass dir doch mal von dem "Mr.420 plus:D" einen Preis für ein neues werk geben,das alte aus 1973 ist fertig,das repariert man nicht.
Gruss
WD
(ach so, und wenn er meint, es gibt kein neues werk, dann lege einfach auf oder verlass fluchtartig die räume.)
 

Thallius

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Vielleicht mal wieder gar kein Uhrmacher sondern einer der alles weggibt. Dann kannst du aus Prinzip das doppelte rechnen. Der Uhrmachen nimmt 210 (Was ich für realistisch halte) und der Juwelier haut nochmal das gleiche drauf.

Gruß

Claus
 

Antje

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Für dieses Geld kann ich mich auch selbst hinsetzen, nur leider habe ich keine Ahnung davon und ich fürchte, spätestens das Reinigungsbad würde ein Problem, oder reicht eine Schüssel mit Spiritus zum Einweichen und Lösen von Schmutzpartikeln jeglicher Art aus? Kann man die "üblichen" Verschleißteile als Privatperson kaufen/bestellen?
Ich meine, für einen halben Tausender (hallo?!) kann ich es auch riskieren, es zu vermurksen, wenn WD ja schon meint, dass man das Uhrwerk eh vergessen kann.

Wie realistisch ist es, dass ich als Laie das selbst in die Hand nehme?
Folgende Voraussetzungen bringe ich mit (*g*):

- viel Zeit, viel Ruhe.
- feinmotorisches Geschick
- Hobbygoldschmiedeausrüstung (allerdings KEIN Ultraschallgerät, ich beize mit Alaun)
- jede Menge Herzblut
 

Watchdoktor

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nun, auseinander bringst du es bestimmt....
vergiss eine reparatur,alleine 3 federhäuser(die meistens ausgelaufen sind)kosten zusammen mal schnell nen hunni.
die Uhr hat ihren -eventuellen-wert nicht aufgrund des Werkes aus 1973, dazu sollte es um etliche jahre älter sein-also, wenn der Kasten gut aussieht,investiere in ein neues werk und du hast freude dran.
Gruss
WD
 

Antje

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So, es hat mich Überwindung gekostet, aber ich hab das mechanische Uhrwerk ausgebaut und ein Quarzuhrwerk anstelle dessen eingebaut.

*seufz*

Immerhin sind die Zeiger, die ich noch rumliegen hatte, aus Messing.

quarzwerk | Flickr - Photo Sharing!

Irgendwann wird sie vielleicht wieder ein mechanisches Uhrwerk bekommen, der Aufziehschlüssel jedenfalls hängt hinter der Vorderfront.

Werde ihr demnächst ein schönes Zifferblatt verpassen, hochwertiges Sperrholz und Acrylfarben liegen schon da :)
 

uri3047

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Hallo Antje ! ich habe eben mal bei e-Bay reingeschaut das bietet jemand ein Hermle-Uhrwerk an, mit Schwebeunruh so wie Dein Werk mit Westminster,sieht gut aus und der preis ist auch ok.....:super:

gruß uri
 

Antje

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Hallo,

hab ich gesehen (das, das noch 7 Tage läuft, vermute ich), aber ich hab Angst, danebenzugreifen, man steckt nicht drin, und ich als Laie sowieso nicht. Aber danke für den Tip.

Jetzt, wo ich den Kopf etwas frei kriege, möchte ich mir das ausgebaute Uhrwerk doch genauer anschauen. Was ich bis jetzt, noch vor dem Zerlegen, gesehen habe ist, dass z.B. die Federhäuser außen (das mittlere sehe ich so ja nicht) zumindest nicht ausgeleiert auf der Welle sitzen, allerdings hab ich da gerade eine schmierige dunkle Masse entfernt, die wohl mal dazu gedacht war, den Gang zu erleichtern. Jetzt weiß ich schlagartig, was mit Verharzen gemeint ist.

Ich würde gerne wissen, welches Federhaus für welche Funktion verantwortlich ist. Also wenn man von vorne draufschaut (wo die Vierkante zum Aufziehen sind), gibt es eins links, eins in der Mitte und eins rechts. Weiß jemand, welches für welche Funktion ist? Ich würde gerne zuerst nach dem schauen, was für den WM Gong zuständig ist.
 

uri3047

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Hallo Antje,das war ja nur ein Vorschlag....! also die Federhäuser...rechts Westminster...mitte Gehwerk...links Stundenschlag...!alles klar ? solltest Du an auseinanderbauen denk müssen alle Federn enspannt werden (vorsicht,vorsicht) aber vielleicht siehst Du ob die Hebelei (rechts) ok ist oder klemmt,manchmal hilft schon etwas Öl ! noch weiter Fragen ??? dann los !

gruß uri
 

Antje

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Danke! Ich will ja nur mal schauen, ob man vielleicht etwas Dreck entfernen kann, wer weiß, vielleicht hilft's.
Wenn rechts der WM sitzt, dann war das schon mal die, wo diese klebrige schwarz-bräunliche Masse dran war.
Hab schon mal gehört, dass man die Federn entspannen muß, wegen Verletzungsgefahr. Nur, wie macht man das?
 
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