Wie kommen neue Uhren auf den Trödel?

Diskutiere Wie kommen neue Uhren auf den Trödel? im Uhrencafé Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo, seit Jahren taucht auf den Trödelmärkten in meiner Umgebung immer wieder ein "Händler" auf und verkauft neue Uhren. Hauptsächlich...

Dummy59

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Hallo,

seit Jahren taucht auf den Trödelmärkten in meiner Umgebung immer wieder ein "Händler" auf und verkauft neue Uhren. Hauptsächlich vertreten sind hier die Marken Fossil, Zentra, Elysee. Aber auch noch die Modelabels wie Mustang, Esprit usw. Die Uhren sind meiner Meinung nach echt und werden so mit 50 % Rabatt und mehr verkauft. Wo kommen die her? Kauft der gute Mann die ab Werk aus Überproduktionen? Oder können die schlicht geklaut sein? Oder doch fakes?

Hierzu noch eine kleine, aber für mich doch recht erstaunliche Geschichte:
Vor ca. 4 Jahren kaufte meine Frau genau bei diesem "Händler" eine Elysee Uhr. Sieht grausig aus (Hoffentlich liest meine Frau das nicht!). Halt chinesische Lochuhr, Automatic, Mondphase, Datum, Glasboden für 30,-- €. Wer' s mag. Für den Preis sicher o.k. Der Trödler packte die Uhr in eine kleine Platiktüte, gab eine Garantiekarte und seine Telefonnummer dazu. Er sei für Garantiefälle jederzeit zu erreichen. Lt. Vorwahl kam er irgendwo aus der Eifel. Ich dachte mir, na ja, so lange die Uhr läuft ist alles gut. Ansonsten war's das wohl.

Es kam, wie es kommen musste. Die Uhr blieb nach ca. 2 Wochen stehen. Meine Frau meinte nur, ich habe doch zwei Jahre Garantie und eine Telefonnummer. Da rufe ich an. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, da ich nicht im Traum an die Garantieversprechen des Trödlers geglaubt habe. Aber es kam anders. Meine Frau rief also an. Der gute Mann meldete sich freundlich und gab uns eine Adresse in Düsseldorf (ist wohl ein Elysee Teilelager oder so). Dort schickten wir die Uhr hin (ich hab' gedacht, die sehen wir nie wieder). Aber nach ungefähr 10 Tagen kam sie (oder eine neue Uhr?) zurück und läuft jetzt seit 4 Jahren ohne Probleme. Meine Frau liebt diese Uhr und trägt sie wirklich täglich unter allen Bedingungen.

Aber zurück zu meiner Eingangsfrage. Kann ich denn eine Uhr von Elysee Zentra, Fossil oder ähnliche auf einem Trödelmarkt günstig kaufen und habe dann auch noch 2 Jahre Garantie?

Viele Grüße

Dummy59
 
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Oelfinger

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Um etwas zu verkaufen braucht man kein Geschäftslokal. Also kann der Flohmarkthändler (Gewerbe vorausgesetzt) die Uhren offiziell beim Hersteller/Grosshändler kaufen und für einen guten Preis wieder verkaufen.

Grüsse,

Günter
 

BSBV

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Es gibt Flohmärkte wo solche Händler (Halbprofis) nicht erlaubt sind. Andere Märkte sehen das anders. Zurück zu den Uhren. Es gibt sogenannte Werksverkäufe, dort werden Rest-& Lagerbestände verkauft. Je nach Abnahme der Menge gibt es %te. Gute Kontakte ist eine Vorraussetzung.
 

Hands

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Also ein Nachbar von mir ist Goldschmied und der verkauft auch Uhren am Flohmarkt. Vielleicht ist der oben erwähnte Händler auch in diese Richtung einzuordnen.
 

G-shocked

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Aber zurück zu meiner Eingangsfrage. Kann ich denn eine Uhr von Elysee Zentra, Fossil oder ähnliche auf einem Trödelmarkt günstig kaufen und habe dann auch noch 2 Jahre Garantie?

Hallo,

du scheinst die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung des Händlers und die freiwillige(!) Herstellergarantie in einen Topf zu werfen.
Dies machen viele von uns "Verbrauchern", da es uns ja zunächst einmal egal erscheint, wer sich um die Reparatur/den Ersatz eines defekten Artikels zu kümmern hat.

Treten dabei alllerdings Probleme auf, dann wird es evtl. wichtig, den Sachverhalt etwas genauer zu kennen:

Die gesetzliche Gewährleistung des Händlers trifft auf alle Artikel zu, die von einem Händler (egal ob Ladengeschäft, Internet/Katalog- Versandhandel oder ambulanter Händler) an einen Verbraucher/Endkunden verkauft wurden. Der Händler muss für einen Zeitraum von 24 Monaten gewährleisten, dass die verkaufte Ware bei der Übergabe frei von Mängeln war. Stellen sich also innerhalb dieser zwei Jahre Mängel heraus, ist er ggü. dem Kunden verpflichtet, diese zu beseitigen/beseitigen zu lassen, dem Kunden ein gleichwertiges Ersatzprodukt zu überlassen, bzw. den Kauf zu wandeln, d.h. die defekte Ware zurückzunehmen und dem Kunden den Kaufpreis zu erstatten (ggfs. abzüglich eines Betrages, der die Nutzung des Kunden bis zum Erkennen des Mangels kompensieren soll).
Es gibt jedoch einen grundsätzlichen Pferdefuß dabei: In den ersten 6 dieser 24 Monate müsste der Händler dem Kunden, der ein Produkt reklamiert, beweisen, dass der Defekt/Mangel vom Kunden verursacht wurde, um sich seiner Gewährleistungspflicht zu entledigen. In den folgenden 18 Monaten der Gewährleistungsfrist ist die Beweislast umgekehrt, d.h. der Kunde müsste dem Händler beweisen, dass der gerügte Mangel schon beim Kauf angelegt war. Diesen Beweis zu führen, ist ziemlich aufwendig und teuer (ausser vllt. bei z.B. über das Internet bekanntgewordenen Serienfehlern), deswegen werden wohl die meisten Verbraucher im Streitfall davor zurückschrecken.
Der Ansprechpartner für Gewährleistungsfälle ist immer der Händler, nie der Hersteller direkt!
Geht der Händler pleite, ist auch die Gewährleistung futsch.

Die Garantie ist eine freiwillige Leistung des Herstellers. Er kann bestimmen, wem er sie gibt (bei Uhren manchmal z.B. nur Kunden die direkt bei einem "Konzi" gekauft haben), welche Mängel sie umfasst und wie lange sie gilt (oft zw. einem Jahr und drei Jahren).
Der Ansprechpartner für Garantiefälle ist immer der Hersteller. Einige Hersteller bestehen in ihren Garantiebedingungen jedoch auf eine Abwicklung ausschliesslich über ihre "Vertragshändler" (z.B. wohl Seiko Deutschland).
Geht der Hersteller pleite, ist es mit der Garantie Essig!

Da der Markthändler Deiner Frau mit der Uhr zusammen auch eine Garantiekarte gegeben hat, und Ihr die Uhr nicht zu ihm sondern wohl an den Hersteller/Importeur geschickt habt, nehme ich an, dass es sich hier um eine Garantieleistung gehandelt hat.
Der Händler hat hier wohl nur den Kontakt vermittelt.

Einige Händler versuchen, sich zunächst einmal um ihre Gewährleistungspflicht herumzudrücken und sich Arbeit zu ersparen, indem sie dem reklamierenden Kunden sagen: "Sie müssen das vorgestern bei mir gekaufte kaputte Produkt an den Hersteller einschicken, steht doch auch so in Ihrer Garantieurkunde!"

Die Tatsache, dass es in der "Servicewüste" mittlerweile viele Kunden so machen, da dieser Weg meistens auch schneller geht, sagt noch lange nicht aus, dass der Kunde dies muss!

Mehr Informationen zur Gewährleistung gibt es hier (rechts unter Verbraucherrecht/Gewährleistung).


Zusammenfassend: Anspruch auf Gewährleistung hast Du auch bei "fliegenden Händlern".
Dass Euch Euer Handler zumindest weitergeholfen hat und dass er Euch eine Uhr mit Garantiekarte verkauft hat und der Hersteller seine Garantie auch erfüllt hat (also wohl kein Plagiat:-)), spricht für die Seriosität dieses Händlers.

Daraus jedoch generell zu schliessen: "Naja, falls der Markthändler für Reklamationen einmal nicht (mehr) zu erreichen ist, halte ich mich halt direkt an den Hersteller, der wird ja wohl Garantie geben..." halte ich allerdings für etwas gewagt.;-)

gruss,

Peter
 

Oelfinger

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Der Ansprechpartner für Gewährleistungsfälle ist immer der Händler, nie der Hersteller direkt!
Geht der Händler pleite, ist auch die Gewährleistung futsch.

Gewährleistung: gesetzlicher Anspruch auf Nachbesserung, Wandlung oder Austausch der beschädigten Sache.

Ansprechpartner nach dem Produkthaftungsgesetz: Händler, der das mit dem Hersteller regelt.

Garantie: freiwillige Leistung des Herstellers über den Gewährleistungsanspruch hinaus.

Wenn ein Händler pleite geht kann ich bei jedem anderen Händler, der das Produkt führt, meine Ansprüche geltend machen.

Sonst wäre ja z. B. im Falle eines Autoikaufs und evtl. darauffolgender Pleite des Händlers der Kunde seine Ansprüche los.

Grüsse,

Günter
 

Dummy59

Themenstarter
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Hallo,

danke an alle für die Antworten.

Aber ich dachte immer, Hersteller von Uhren (wenn auch nicht von hochwertigen) sind nicht unbedingt daran interessiert, dass ihre Ware auf dem Trödel verkauft wird. Die werden das doch sicher in der Regel irgendwie verhindern wollen und auch können, oder etwa nicht?
 

ak lg

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Hallo,

ich denke deinen Flohmarkthändler kann man den Grauhändler der billigen Uhren nennen. Ich vermute es läuft dort genauso, wie bei teuren mechanischen Uhren, nur der Händler hat als zusätzliches Verkaufsportal den Flohmarkt für sich entdeckt.

Grüße

André
 

G-shocked

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Gewährleistung: gesetzlicher Anspruch auf Nachbesserung, Wandlung oder Austausch der beschädigten Sache.

Stimmt. Ist im BGB geregelt. Die Gewährleistung (eigentlich besser Sachmangelhaftung) ist Teil des Kaufvertragsrechtes und gilt für jeden Verkauf. Der Verkäufer und Käufer konnen vereinbaren, die Gewährleistung auszuschliessen (z.B. Privatverkauf einer gebrauchten Uhr bei ebay, Kauf von Stechuhr/Zeiterfassungssystem durch ein Unternehmen). Bei einem Kauf eines Produktes durch einen Verbraucher allerdings, kann sich ein gewerblicher Verkäufer seiner Gewährleistungspflicht nicht entziehen.

Ansprechpartner nach dem Produkthaftungsgesetz: Händler, der das mit dem Hersteller regelt.

Das Produkthaftungsgesetz kümmert sich nicht um Mängel an verkauften Produkten, sondern um Schäden, die diese verursachen.

Der alleinige "Anspruchsgegner" des Verbrauchers für die Gewährleistung ist der Verkäufer.

Garantie: freiwillige Leistung des Herstellers über den Gewährleistungsanspruch hinaus.

Genau, eine eventuelle Herstellergarantie tritt neben die Gewährleistung des Verkäufers. Art, Umfang, Dauer und Abwicklung der Garantie legt der Hersteller in seinen Garantiebedingungen fest. Es kann sein, daß die Herstellergarantie in Umfang und Dauer über die gesetzliche Haftung des Verkäufers hinausgeht. In diesen Fällen wendet man sich als Kunde natürlich gerne an den Hersteller.

Wenn ein Händler pleite geht kann ich bei jedem anderen Händler, der das Produkt führt, meine Ansprüche geltend machen.

Leider nein. Gewährleistung: s.o. Garantie: An wen man sich in Garantiefällen wenden kann, regelt der Hersteller in seinen Garantiebedingungen. Tritt z.B. für meine Seiko ein "Garantiefall" ein, kann ich diese laut beiliegenden Seiko-Garantiebedingungen entweder an den japanischen Händler oder an Seiko Deutschland einschicken. Die Portokosten muss ich in beiden Fällen selbst tragen. Wenn ein anderer Seikohändler hier den Garantiefall bearbeitet, dann tut er dies aus Kulanz. Wenn ein anderer Hersteller in seine Garantiebedingungen schreibt, dass ich die Uhr bei jedem seiner "Konzis" abgeben kann, dann hat er diese wohl verpflichtet, die Uhr in seinem Namen entgegenzunehmen.


Sonst wäre ja z. B. im Falle eines Autoikaufs und evtl. darauffolgender Pleite des Händlers der Kunde seine Ansprüche los.

So ist es leider. Falls es einen Rechtsnachfolger der Händlerfirma gibt, kann ich versuchen, mich in Sachen Gewährleistung an diesen zu wenden.
Viele Gebrauchtwagenhändler bedienen sich auch einer Versicherungsgesellschaft, um ihrer Gewährleistungspflicht nachzukommen. Ist der Händler pleite, kann ich versuchen, mich als Kunde an diese zu wenden. Bei Neuwagen gibt es ja auch noch die "Werksgarantie".

gruss,

Peter

PS. Ich bin juristischer Laie. Sollte daher eine Formulierung nicht 100%-ig korrekt sein, bitte ich, dies zu verzeihen. Sollte ich allerdings inhaltlich totalen Mist geschrieben haben, bitte ich Profis um Richtigstellung.
 
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