Wie ich zum Thema Uhren und unverhofft zur Dugena 444 Antichoc von Opa kam…

Diskutiere Wie ich zum Thema Uhren und unverhofft zur Dugena 444 Antichoc von Opa kam… im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo! Ich möchte euch heute meine Story erzählen, wie ich die letzten Monate zum Thema Uhren gekommen bin und euch dabei eine Uhr vorstellen...
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lukas1128

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Hallo!

Ich möchte euch heute meine Story erzählen, wie ich die letzten Monate zum Thema Uhren gekommen bin und euch dabei eine Uhr vorstellen, bei der ich zunächst nie gedacht hätte, dass so eine für mich existiert…
Weil ich dabei ausholen möchte, wird die Vorgeschichte zur hier vorgestellten Uhr auch ein wenig länger.

Meine (dürftigen) Erfahrungen mit Uhren im Laufe der Jahre

Fangen wir ganz vorne an. Ich hatte als Kind bestimmt Uhren, aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Zu meiner Konfirmation suchte ich mir meine Konfirmation-Uhr aus (eine Fossil Quarz-Uhr), welche ich damals dann auch regelmäßig getragen habe (laut Erinnerung mal ein paar Wochen und dann mal wieder ein paar Wochen nicht). Diese Uhr wird immer in meinem Besitz bleiben, weil sie meine Konfirmationsuhr ist, aber mittlerweile mag ich das Design nicht mehr, weil es eher jugendlich und leider nicht zeitlos ist.
Anschließend bin ich seit 2016 ein Apple Watch Träger und interessiere mich sehr für Technik und Apple. Daher lese ich relativ viel darüber und höre auch Podcasts, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Anfang Februar las ich dann einen Artikel über Apple Watch Zifferblätter und ihren Ursprung. Vorgestellt wurden Chronograph-Zifferblätter, das California-Zifferblatt, ein GMT-Zifferblatt und das „Count up“-Zifferblatt, von dem ich nicht wusste, was ich damit anfangen soll, bis mir der Artikel erklärte, dass das von Taucheruhren abstammt und eine Taucherlünette abbildet, mit der man vergangene Zeit ab einer bestimmten Minute messen kann. Ich fand das alles sehr interessant, also habe ich gegoogelt und YouTube-Videos zu Uhren angeschaut. Auch war mir über den Apple-Blogger John Gruber (daringfireball.net) Hodinkee als Uhrenblog / -magazin bekannt, weil ich durch mein Interesse für die Apple Watch wusste, dass dieser bei ihnen die letzten Jahre immer im Podcast zu Gast war, wenn eine neue Apple-Uhr vorgestellt wurde. Also fing ich an, dort in die Podcasts reinzuhören und die Seite regelmäßiger zu lesen.

Die Anfänge meines Interesses für Uhren

Ich beschäftigte mich die darauffolgenden Wochen sehr mit Uhren, meldete mich hier im Forum an, war an der damals ziemlich frischen Tissot PRX interessiert, aber wusste, dass ich mir gerade keine Uhr leisten kann. Ich bin im letzten Semester meines Studiums und habe aufgrund von Bafög eher Schulden als „Vermögen“. Ich würde mich nicht als „verschuldet“ bezeichnen (auch wenn es de facto wohl so ist), weil Studienkredite sind ja was ganz normales und werden eben über die nächsten Jahre mit dem Gehalt abbezahlt. Aber dennoch bin ich (erst mal) nicht in der Lage, tausende oder auch nur hunderte von Euros für Uhren auszugeben. Das muss auch nicht direkt sein, das war mir ja bewusst. Dann kam mir die Idee, mir zum Uni-Abschluss eine Uhr zu wünschen. Ich hatte mir sogar eine potentielle „Budget-Kollektion“ überlegt und dazu einen Thread aufgemacht.

Während dieser ganzen Zeit war ich bei meiner Freundin und ihrer Familie und aufgrund des Lockdowns in den letzten Monaten nicht bei meinen Eltern, wo ich eigentlich jetzt wieder meinen Hauptwohnsitz habe, da ich meine Wohnung am Studienort in dieser Endphase des Studiums nicht mehr benötige. Als ich nach den vielen Monaten Ende Juni wieder von meiner Freundin zu Ihnen kam, war ich also das erste Mal wieder daheim, seit ich mich für Uhren interessiere. Daher habe ich irgendwann meinen Vater einfach mal gefragt, ob er denn eigentlich eine Uhr hat, denn erinnern kann ich mich nicht, dass er mal eine getragen hat. Erwartet habe ich eigentlich nur ein paar Quarz-Uhren, die jede Familie im Laufe der Zeit halt so hat. Und gerade auch weil meine Familie jetzt nicht so finanziell aufgestellt ist, dass sie viele „Luxusgestände“ wie Uhren oder Schmuck hat. Aber zu meinem Erstaunen meinte mein Vater, dass er schon mehrere Uhren hat und seine Konfirmationsuhr von Dugena sei und diese wohl eine Automatik ist. Die Marke habe ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gehört. Am nächsten Tag haben wir uns dann mal so angeschaut, was daheim für Uhren rumlagen. Die Dugena von meinem Vater lief mehr schlecht als recht und war auch ziemlich mitgenommen und nicht so mein Stil (es ist eine Dugena Tropica; für diejenigen, die die Uhr kennen). Dugena spielt heutzutage nicht mehr eine so große Rolle in der Uhrenwelt, aber war damals wohl (zumindest bei mir in der Gegend) weit verbreitet.

Wie ich zur Uhr von Opa kam

Denn dann - als ich noch mal so in Ruhe die verschiedenen Uhren anschaute (und die meisten waren natürlich tatsächlich (Damen)-Quarz-Uhren) - entdeckte ich noch eine Dugena in einer Schmuckschatulle. Diesmal allerdings vergoldet und relativ klassisch aussehend. Meine Mutter erzählte mir, dass dies wohl die Uhr von meinem Opa gewesen sei. Auch wenn er jetzt schon vor über 20 Jahren verstorben ist und er die Uhr zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr trug, weil er da schon eine neuere hatte, habe ich ihn noch gekannt und daher hängt daran auch ein wenig emotionaler Wert. Bei dieser Uhr konnte ich mir tatsächlich vorstellen diese auch selbst zu tragen. Das für diese Zeit typische Flexband gefiel mir zunächst nicht, wobei ich es mittlerweile eigentlich ganz stimmig finde. Ich stellte leider fest, dass das Zifferblatt bei gezogener Krone etwas wackelt, sodass ich mir überlegte, ob ich sie denn nicht in die Revision geben sollte.

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Die Uhr von meinem Opa, so wie ich sie bekommen habe

Dadurch, dass ich gemerkt habe, dass ich diese Uhr, welche meiner Erinnerung nach die erste mechanische Uhr überhaupt ist, die ich trug, wirklich gerne regelmäßiger Tragen möchte, habe ich entschieden, tatsächlich einen Uhrmacher aufzusuchen. Gedanklich wollte ich dafür keine dreistellige Summe ausgeben und hatte so eine Summe im Kopf die es nicht übersteigen sollte, ohne das mir jetzt zu genau überlegt zu haben. Um den finanziellen Wert geht es mir auch nicht, weil sie mir gefällt und der emotionale Wert ja vorhanden ist. Umso mehr hat mich gefreut, dass mir der Uhrmacher sagte, dass die Krone und das Glas ausgetauscht werden müssen und eben eine Reinigung mit neuem Öl durchgeführt werden muss, die Uhr aber sonst in einem sehr guten Zustand ist und auf jeden Fall wieder in Ordnung gebracht werden kann und die Summe dafür genau die beträgt, die ich mir schon so als Schmerzgrenze gedacht hatte.

Nun muss ich sagen, ich freue mich sehr, dass ich diese Uhr gefunden habe. Während der ganzen Zeit bei meiner Freundin, als ich mich so viel mit Uhren beschäftigt habe, hätte ich nie gedacht, dass zu Hause eine Uhr „auf mich wartet“, die mir auch gefällt und ich gerne weiter trage und die noch dazu mechanisch ist. Das war einfach ein Geschenk.

Nach der Revision

Als ich genau nach drei Wochen den Anruf vom Uhrmacher erhielt, dass meine Dugena fertig sei, musste ich zunächst noch eine Woche warten, weil ich nicht in der Gegend war. Ich ließ mir noch mal bestätigen was gemacht worden sei, weil ich im Kopf hatte, dass da noch irgendwas gesagt wurde, was mir wieder entfallen ist. Neben den schon genannten Dingen war es die Winkelhebelfeder, die noch gebrochen war und ausgetauscht wurde (angeblich wurde nach diesem Teil "ganz Deutschland" abgesucht :D). Als ich die Uhr dann eine Woche später abholte, kam eine kleine Ernüchterung. Ich bemerkte erst als ich vom Uhrmacher wegging, dass die Krone gar nicht zur Uhr passt. Sie ist roséfarben statt gelbgold und der Stil passt auch nicht so ganz. Die Krone wird (zumindest von der Farbe) also noch mal ausgetauscht.

Ansonsten bin ich sehr zufrieden und werde die Uhr jetzt regelmäßig tragen! Ich bin noch dabei die Gangreserve zu testen, aber gebe in den Technischen Daten unten mal die vom Werk an. Bei einem ersten Durchlauf wurde diese sogar mit 45h leicht übertroffen, aber werde das nochmal überprüfen. Ich mag an der Uhr, dass sie so schlicht ist, durch die Vergoldung aber doch ein wenig heraussticht und sie sich so leicht und bequem trägt. Das Flexband in Gold trägt dazu bei, dass sie trotz geringer Größe nicht zu klein wirkt.

Nach all den Monaten, in denen ich mich in das Thema Uhren eingelesen habe, habe ich nun meine erste eigene mechanische Uhr und kann nun auch „praktische“ Erfahrungen sammeln. Ich bin gespannt, welche es dann für den Uni-Abschluss wird…dieser Thread gibt da einen Hinweis (wenn ich es mir genau überlege, ist das schon relativ konkret :D).

Danke für’s Lesen! Wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt, könnt ihr es gerne unten mal schreiben ; ). Ich hoffe es war nicht zu langatmig. Ich wollte eben nicht nur die Uhr vorstellen, sondern auch meine Geschichte. Und da diese in dieser ersten mechanischen Uhr gemündet ist, dachte ich, dass passt ganz gut zusammen.

Viele Grüße
Lukas


Technische Daten
  • Marke/Name: Dugena 444 Antichoc
  • Zeit: nicht genau bekannt, vermutlich 1960er Jahre
  • Werk: PUW 360 (evtl. als Dugena 688)
    Handaufzug
    Zentralsekunde
    18000 A/h
    Gangreserve wird getestet; laut Info zum Werk 41h, was in einem ersten Test auch ungefähr bestätigt werden kann
    Quelle zu Daten vom Werk: Ranfft Uhren
  • Material: vergoldet (Gelbgold)
  • Durchmesser: 34mm
  • Glas: gewölbtes Plexiglas
  • Leuchtmasse: vermutlich Tritium, hoffentlich nicht Radium; mittlerweile kaum Leuchtkraft

Die Uhr nach der Revision. Leider mit nicht-zeittypischer Krone (gerade im Vergleich zu den Bildern oben)...
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... die noch dazu in roségold ist. Sowas geht gar nicht, aber wird noch getauscht.
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Einer der ersten kleinen "Ausflüge" mit der neuen alten Uhr:
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Zerospieler

Zerospieler

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Na die sieht doch super aus. Und dass sie vom Opa kommt, macht sie doch total besonders. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sie an einem schwarzen oder dunkelbraunen Lederband oder einem Perlonband noch besser aussieht, probier doch mal ein bisschen und lass dich überraschen.
 
pallasquarz

pallasquarz

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Guten Morgen, finde ich prima, daß Du Dich entschieden hast, die Uhr aus der Familie zu erhalten und auch zu tragen, gerade weil der aktuelle Zeitgeschmack derart gegen diese "Opa"-Uhren ist (zu klein, zu golden, zu spießig). Mit solchen Uhren wurden früher durchaus Berge bestiegen und Radrennen gefahren.
Armbanduhren auf historischen Fotos
Welche Vintage-Uhr tragt Ihr heute? -Teil 4-
Man freut sich, wenn man eine ungeheure Leichtigkeit des Tragens fühlt.
Du hast auch Glück, daß Deine Uhr äußerlich sehr gut erhalten ist, das kann auch ganz anders aussehen und lässt Angehörige davor zurücksschrecken, da noch zu investieren.
Meine Pforzheimer - Revision und Pflege ja/nein
Wegen der Leuchtmasse mach' Dir keine Sorgen, das ist aufgrund des Alters der Uhr Tritium und die hat jetzt wenigstens 4 Halbwertszeiten hinter sich.
Auch den Charme und die Nützlichkeit dieser Zugbänder kann man entdecken, es passt ja gut zur Uhr und scheint ebenfalls nicht abgenutzt zu sein.
Nun guten Gang mit der Wiederbelebten

Christoph
 
Zuletzt bearbeitet:
Coltman1

Coltman1

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Hallo,

eine schöne und lesenswerte Vorstellung. Ich finde es richtig toll, dass solche Uhren weitergetragen werden und dass Erbstücke wie diese schöne Dugena wieder zu Ehren kommen.

Viel Freude damit wünsche ich dir.

VG
Julian
 
velvetday

velvetday

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Schöne Vorstellung, gut geschrieben! Und vorallem eine tolle Uhr mit Charakter und Erinnerung. Hoffe sie bereitet dir noch lange Freude!
 
Alexander Doná

Alexander Doná

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Hallo!

Ich möchte euch heute meine Story erzählen, wie ich die letzten Monate zum Thema Uhren gekommen bin und euch dabei eine Uhr vorstellen, bei der ich zunächst nie gedacht hätte, dass so eine für mich existiert…
Weil ich dabei ausholen möchte, wird die Vorgeschichte zur hier vorgestellten Uhr auch ein wenig länger.

Meine (dürftigen) Erfahrungen mit Uhren im Laufe der Jahre

Fangen wir ganz vorne an. Ich hatte als Kind bestimmt Uhren, aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Zu meiner Konfirmation suchte ich mir meine Konfirmation-Uhr aus (eine Fossil Quarz-Uhr), welche ich damals dann auch regelmäßig getragen habe (laut Erinnerung mal ein paar Wochen und dann mal wieder ein paar Wochen nicht). Diese Uhr wird immer in meinem Besitz bleiben, weil sie meine Konfirmationsuhr ist, aber mittlerweile mag ich das Design nicht mehr, weil es eher jugendlich und leider nicht zeitlos ist.
Anschließend bin ich seit 2016 ein Apple Watch Träger und interessiere mich sehr für Technik und Apple. Daher lese ich relativ viel darüber und höre auch Podcasts, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Anfang Februar las ich dann einen Artikel über Apple Watch Zifferblätter und ihren Ursprung. Vorgestellt wurden Chronograph-Zifferblätter, das California-Zifferblatt, ein GMT-Zifferblatt und das „Count up“-Zifferblatt, von dem ich nicht wusste, was ich damit anfangen soll, bis mir der Artikel erklärte, dass das von Taucheruhren abstammt und eine Taucherlünette abbildet, mit der man vergangene Zeit ab einer bestimmten Minute messen kann. Ich fand das alles sehr interessant, also habe ich gegoogelt und YouTube-Videos zu Uhren angeschaut. Auch war mir über den Apple-Blogger John Gruber (daringfireball.net) Hodinkee als Uhrenblog / -magazin bekannt, weil ich durch mein Interesse für die Apple Watch wusste, dass dieser bei ihnen die letzten Jahre immer im Podcast zu Gast war, wenn eine neue Apple-Uhr vorgestellt wurde. Also fing ich an, dort in die Podcasts reinzuhören und die Seite regelmäßiger zu lesen.

Die Anfänge meines Interesses für Uhren

Ich beschäftigte mich die darauffolgenden Wochen sehr mit Uhren, meldete mich hier im Forum an, war an der damals ziemlich frischen Tissot PRX interessiert, aber wusste, dass ich mir gerade keine Uhr leisten kann. Ich bin im letzten Semester meines Studiums und habe aufgrund von Bafög eher Schulden als „Vermögen“. Ich würde mich nicht als „verschuldet“ bezeichnen (auch wenn es de facto wohl so ist), weil Studienkredite sind ja was ganz normales und werden eben über die nächsten Jahre mit dem Gehalt abbezahlt. Aber dennoch bin ich (erst mal) nicht in der Lage, tausende oder auch nur hunderte von Euros für Uhren auszugeben. Das muss auch nicht direkt sein, das war mir ja bewusst. Dann kam mir die Idee, mir zum Uni-Abschluss eine Uhr zu wünschen. Ich hatte mir sogar eine potentielle „Budget-Kollektion“ überlegt und dazu einen Thread aufgemacht.

Während dieser ganzen Zeit war ich bei meiner Freundin und ihrer Familie und aufgrund des Lockdowns in den letzten Monaten nicht bei meinen Eltern, wo ich eigentlich jetzt wieder meinen Hauptwohnsitz habe, da ich meine Wohnung am Studienort in dieser Endphase des Studiums nicht mehr benötige. Als ich nach den vielen Monaten Ende Juni wieder von meiner Freundin zu Ihnen kam, war ich also das erste Mal wieder daheim, seit ich mich für Uhren interessiere. Daher habe ich irgendwann meinen Vater einfach mal gefragt, ob er denn eigentlich eine Uhr hat, denn erinnern kann ich mich nicht, dass er mal eine getragen hat. Erwartet habe ich eigentlich nur ein paar Quarz-Uhren, die jede Familie im Laufe der Zeit halt so hat. Und gerade auch weil meine Familie jetzt nicht so finanziell aufgestellt ist, dass sie viele „Luxusgestände“ wie Uhren oder Schmuck hat. Aber zu meinem Erstaunen meinte mein Vater, dass er schon mehrere Uhren hat und seine Konfirmationsuhr von Dugena sei und diese wohl eine Automatik ist. Die Marke habe ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gehört. Am nächsten Tag haben wir uns dann mal so angeschaut, was daheim für Uhren rumlagen. Die Dugena von meinem Vater lief mehr schlecht als recht und war auch ziemlich mitgenommen und nicht so mein Stil (es ist eine Dugena Tropica; für diejenigen, die die Uhr kennen). Dugena spielt heutzutage nicht mehr eine so große Rolle in der Uhrenwelt, aber war damals wohl (zumindest bei mir in der Gegend) weit verbreitet.

Wie ich zur Uhr von Opa kam

Denn dann - als ich noch mal so in Ruhe die verschiedenen Uhren anschaute (und die meisten waren natürlich tatsächlich (Damen)-Quarz-Uhren) - entdeckte ich noch eine Dugena in einer Schmuckschatulle. Diesmal allerdings vergoldet und relativ klassisch aussehend. Meine Mutter erzählte mir, dass dies wohl die Uhr von meinem Opa gewesen sei. Auch wenn er jetzt schon vor über 20 Jahren verstorben ist und er die Uhr zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr trug, weil er da schon eine neuere hatte, habe ich ihn noch gekannt und daher hängt daran auch ein wenig emotionaler Wert. Bei dieser Uhr konnte ich mir tatsächlich vorstellen diese auch selbst zu tragen. Das für diese Zeit typische Flexband gefiel mir zunächst nicht, wobei ich es mittlerweile eigentlich ganz stimmig finde. Ich stellte leider fest, dass das Zifferblatt bei gezogener Krone etwas wackelt, sodass ich mir überlegte, ob ich sie denn nicht in die Revision geben sollte.

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Die Uhr von meinem Opa, so wie ich sie bekommen habe

Dadurch, dass ich gemerkt habe, dass ich diese Uhr, welche meiner Erinnerung nach die erste mechanische Uhr überhaupt ist, die ich trug, wirklich gerne regelmäßiger Tragen möchte, habe ich entschieden, tatsächlich einen Uhrmacher aufzusuchen. Gedanklich wollte ich dafür keine dreistellige Summe ausgeben und hatte so eine Summe im Kopf die es nicht übersteigen sollte, ohne das mir jetzt zu genau überlegt zu haben. Um den finanziellen Wert geht es mir auch nicht, weil sie mir gefällt und der emotionale Wert ja vorhanden ist. Umso mehr hat mich gefreut, dass mir der Uhrmacher sagte, dass die Krone und das Glas ausgetauscht werden müssen und eben eine Reinigung mit neuem Öl durchgeführt werden muss, die Uhr aber sonst in einem sehr guten Zustand ist und auf jeden Fall wieder in Ordnung gebracht werden kann und die Summe dafür genau die beträgt, die ich mir schon so als Schmerzgrenze gedacht hatte.

Nun muss ich sagen, ich freue mich sehr, dass ich diese Uhr gefunden habe. Während der ganzen Zeit bei meiner Freundin, als ich mich so viel mit Uhren beschäftigt habe, hätte ich nie gedacht, dass zu Hause eine Uhr „auf mich wartet“, die mir auch gefällt und ich gerne weiter trage und die noch dazu mechanisch ist. Das war einfach ein Geschenk.

Nach der Revision

Als ich genau nach drei Wochen den Anruf vom Uhrmacher erhielt, dass meine Dugena fertig sei, musste ich zunächst noch eine Woche warten, weil ich nicht in der Gegend war. Ich ließ mir noch mal bestätigen was gemacht worden sei, weil ich im Kopf hatte, dass da noch irgendwas gesagt wurde, was mir wieder entfallen ist. Neben den schon genannten Dingen war es die Winkelhebelfeder, die noch gebrochen war und ausgetauscht wurde (angeblich wurde nach diesem Teil "ganz Deutschland" abgesucht :D). Als ich die Uhr dann eine Woche später abholte, kam eine kleine Ernüchterung. Ich bemerkte erst als ich vom Uhrmacher wegging, dass die Krone gar nicht zur Uhr passt. Sie ist roséfarben statt gelbgold und der Stil passt auch nicht so ganz. Die Krone wird (zumindest von der Farbe) also noch mal ausgetauscht.

Ansonsten bin ich sehr zufrieden und werde die Uhr jetzt regelmäßig tragen! Ich bin noch dabei die Gangreserve zu testen, aber gebe in den Technischen Daten unten mal die vom Werk an. Bei einem ersten Durchlauf wurde diese sogar mit 45h leicht übertroffen, aber werde das nochmal überprüfen. Ich mag an der Uhr, dass sie so schlicht ist, durch die Vergoldung aber doch ein wenig heraussticht und sie sich so leicht und bequem trägt. Das Flexband in Gold trägt dazu bei, dass sie trotz geringer Größe nicht zu klein wirkt.

Nach all den Monaten, in denen ich mich in das Thema Uhren eingelesen habe, habe ich nun meine erste eigene mechanische Uhr und kann nun auch „praktische“ Erfahrungen sammeln. Ich bin gespannt, welche es dann für den Uni-Abschluss wird…dieser Thread gibt da einen Hinweis (wenn ich es mir genau überlege, ist das schon relativ konkret :D).

Danke für’s Lesen! Wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt, könnt ihr es gerne unten mal schreiben ; ). Ich hoffe es war nicht zu langatmig. Ich wollte eben nicht nur die Uhr vorstellen, sondern auch meine Geschichte. Und da diese in dieser ersten mechanischen Uhr gemündet ist, dachte ich, dass passt ganz gut zusammen.

Viele Grüße
Lukas


Technische Daten
  • Marke/Name: Dugena 444 Antichoc
  • Zeit: nicht genau bekannt, vermutlich 1960er Jahre
  • Werk: PUW 360 (evtl. als Dugena 688)
    Handaufzug
    Zentralsekunde
    18000 A/h
    Gangreserve wird getestet; laut Info zum Werk 41h, was in einem ersten Test auch ungefähr bestätigt werden kann
    Quelle zu Daten vom Werk: Ranfft Uhren
  • Material: vergoldet (Gelbgold)
  • Durchmesser: 34mm
  • Glas: gewölbtes Plexiglas
  • Leuchtmasse: vermutlich Tritium, hoffentlich nicht Radium; mittlerweile kaum Leuchtkraft

Die Uhr nach der Revision. Leider mit nicht-zeittypischer Krone (gerade im Vergleich zu den Bildern oben)...
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... die noch dazu in roségold ist. Sowas geht gar nicht, aber wird noch getauscht.
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Einer der ersten kleinen "Ausflüge" mit der neuen alten Uhr:
Anhang anzeigen 3913011
Sehr schöne uhr... bin auch 25 und hab auch eine uhr von meinem opa....das sind wichtige erinnerungen ..
 
monza

monza

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Hallo Lukas
Leider habe ich von meinen Großväter keine Uhr. Glückwunsch zu diesem schönen Andenken und vor allen Dingen deiner Würdigung.

Gruß Frank
 
strazzi1965

strazzi1965

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gerade weil der aktuelle Zeitgeschmack derart gegen diese "Opa"-Uhren ist (zu klein, zu golden, zu spießig). Mit solchen Uhren wurden früher durchaus Berge bestiegen und Radrennen gefahren.

1. Satz: Genau bei diesem Gequatsche erinnere ich die jeweiligen Personen immer daran, dass solche "spießigen", angeblich zu kleinen, und zu goldenen "Opa"-Uhren mit Sicherheit auch dann noch tadellos laufen und die Zeit anzeigen werden, wenn es für die ach so trendigen, schön mit "Plaste-aus-Elaste"-Gehäusen ausgestatteten Smartwatches längst keine Akkus mehr gibt, seit Jahrzehnten auch keine Software-Updates mehr und diese Dinger längst entsorgt sind. Gerade bei den Klima-Kids, die Nachhaltigkeit predigen, sollten solche Wegwerf-Gegenstände, die viele Ressourcen und Energie schon bei der Herstellung verschlingen, aber auch im Betrieb, tabu sein.

2. Satz: Genau so ist es: Beim Besteigen von Bergen dürften die o.g. Plaste-aus-Elaste-Tellerminen wohl auch schnell schlapp machen, vor allem, wenn es denn kälter wird und keine Steckdose mehr erreichbar ist. Insofern ist diese Technik sogar ein Rückschritt.

@lukas1128:

Wegen der Radium- oder Tritium-Problematik solltest Du dich nicht kirre machen lassen. Solange nicht an der offenen Uhr gearbeitet wird, ist das Strahlenproblem zu vernachlässigen. Geigerzähler-Messungen zeigen eine erhöhte Radioaktivität bei Radium-Zifferblättern nur bei offenen Werken. Aber ohne Glas trägt wohl kein Mensch seine Armbanduhr.


Gruß
strazzi1965
 
L

lukas1128

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1. Satz: Gerade bei den Klima-Kids, die Nachhaltigkeit predigen, sollten solche Wegwerf-Gegenstände, die viele Ressourcen und Energie schon bei der Herstellung verschlingen, aber auch im Betrieb, tabu sein.

2. Satz: Genau so ist es: Beim Besteigen von Bergen dürften die o.g. Plaste-aus-Elaste-Tellerminen wohl auch schnell schlapp machen, vor allem, wenn es denn kälter wird und keine Steckdose mehr erreichbar ist. Insofern ist diese Technik sogar ein Rückschritt.
Das hier soll keine Diskussion über Smartwatches werden. Aber gerade weil ich diese in der Vorstellung ja auch erwähnte: Diese "Uhren" haben schon ihre Berechtigung, gerade was Gesundheitsfeatures anbelangt. Mit ihnen muss ich keine Berge besteigen können (aber das will ich mit richtigen Uhren ja auch nicht :D), aber wenn ich plötzlich ein Ein-Kanal-EKG am Handgelenk machen kann, was auch medizinischer Sicht sogar funktioniert und nicht nur eine Marketing-Spielerei ist, dann hat das nachweislich sogar schon Leben gerettet. Und das sind erst die Anfänge dieser Technologie. Ich verwende meine Apple Watch auch noch zum Sport und möchte sie da nicht missen. Ich weiß halt gerne, wie weit ich laufe und mit welcher Pace, damit ich auch Schwankungen und Verbesserungen über die Zeit sehe. Aber ich habe dann, wenn ich keinen Sport mache, auch einfach gerne eine mechanische Uhr am Handgelenk, die zudem vom Design her einfach in gewisser Weise mehr "Stil" hat.

Und das bringt mich zum nächsten Thema. Wenn es darum geht, was angesagt ist und was nicht, dann ist das sehr subjektiv. Es gibt alternative Kleidungs-, Lebens-, was auch immer, -weisen, welche bewusst gegen die Allgemeinheit gehen. Aber so möchte ich nicht sein. Ich möchte schon, dass es "gut" aussieht was ich trage. Aber ich finde das tut diese Uhr. Gerade etwas Goldenes zu haben ist so ein kleines Stück "Design-Bewusstsein" für mich (es muss nicht gold sein, aber in diesem Fall empfinde ich das so). Vielleicht bin ich deshalb für meine erste "eigene" richtige Uhr auch derzeit zu der Max Bill hingezogen, weil sie genau Bewusstsein für Design verkörpert. Wenn die Uhr größer wäre, wäre Gold schon wieder zu auffällig und groß; das geht nur mit sonstigen Understatement und Schlichtheit. Mit Lederband wäre sie sicher mehr "Dress-Watch", aber das brauche ich gerade nicht. Das Flexband hält sie etwas mehr richtig "casual", was meinem Kleidungsstil auch gut entgegenkommt.
 
batery_99

batery_99

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Sehr schöne Uhr mit einer sehr schönen Geschichte:super:.
Immer wieder schön zu lesen, wenn „Familenuhren“ weiter getragen werden.
Ganz viel Freude mit Deiner Dugena, die Dir wirklich hervorragend steht:-).
Viele Grüße
Marco
 
liseimei

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Hallo Lukas,
Danke für die tolle Vorstellung und die familiäre Geschichte zur Uhr. Glückwunsch dazu das Du dich entschieden hast die Uhr zu revisionieren und in Gedenken an deinen Opa weiter zu tragen. Mir war dies leider nicht gegönnt. Das mit der Krone ist ja noch zu korrigieren und dann kannst Du vollkommen zufrieden sein.
Ich wünsche Dir viel Spaß beim tragen der Uhr und vielleicht ist es ja auch ein Start in ein neues Hobby wenn nicht heute dann ganz bestimmt morgen.

Viele Grüße aus Sachsen
Ronny
 
L

lukas1128

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Danke für die Glückwünsche bisher!

Ich habe die Gangreserve nun noch mal getestet: diesmal komme ich auf ca. 43,5h.
Das Gangverhalten konnte ich nun auch zum zweiten Mal beobachten und ist immer ungefähr gleich gewesen: Die Uhr läuft zu schnell. Nach 24-36h habe ich ungefähr +50sek. Danach geht sie wieder langsamer, sodass ich heute morgen nach ca. 41h tatsächlich auf +/- 0 sek war. In der Realität ziehe ich aber ja täglich auf, womit dann ein Plus zu erwarten ist. Ist bei einer Vintage-Uhr jetzt nicht so relevant, aber fand es interessant festgestellt zu haben. Lieber Plus als Minus.
 
pallasquarz

pallasquarz

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Hallo, wenn die Uhr ohnehin eine andere Krone bekommen wird, bitte den Uhrmacher, das zu korrigieren, das geht problemlos schon noch besser. Was möglich ist, soll man auch nutzen.
Grüße Christoph
 
FrohSINN

FrohSINN

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Glückwunsch. So ist es am allerschönsten. Ich habe oft bedauert keine Uhr von meinem Opa zu haben. Würde die auch mit Stolz tragen. Tradition hat etwas magisches.
Schön ausführlich geschrieben und bebildert. Toll gemacht.
 
uhrenbastler

uhrenbastler

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1.325
Erst jetzt entdeckt, Glückwünsch zur Dugena, die ist ja sowohl was die Gehäusevergoldung, als auch was den Zustand des Zifferblatts betrifft in hervorragendem Zustand, sowas findet man sehr selten.
Einzig das Fixoflexoband finde ich (aber das ist sehr subjektiv!) fürchterlich, ein schönes Lederband würde der Uhr viel besser gerecht werden (und sie auch viel jünger aussehen lassen).
 
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