Wie bekomme ich diesen Brummer wieder ans Laufen?

Diskutiere Wie bekomme ich diesen Brummer wieder ans Laufen? im Sonstige Uhren Forum im Bereich Sonstige Uhren; Hallo zusammen, wir haben eine alte Wanduhr geerbt und ich würde das gute Stück gerne ans Laufen bekommen. Ich habe beide Gewichte...
#1
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Hallo zusammen,

wir haben eine alte Wanduhr geerbt und ich würde das gute Stück gerne ans Laufen bekommen.

2019-04-27 12.42.44.jpg


2019-04-27 12.42.56.jpg


Ich habe beide Gewichte hochgezogen, die Uhr müsste somit laufen können (oder?).

Tut sie aber nicht. Wenn ich die Zeiger mit der Hand verstelle, dann bimmelt sie zur vollen Stunde korrekt und das linke Gewicht sinkt etwas ab.
Ansonsten tut sich ... nichts.
Das Pendel ist eingehangen, aber auch "Pendel anschubsen" bringt nichts. Ich habe aber auch absolut keine Ahnung von Großuhren.
Ich würde die Uhr ggf. aus rein emotionalen Gründen zur Revi geben (die wäre bitter nötig, im Werk haben schon Weberknechte gewohnt...), allerdings hätte ich vorher gerne einen Eindruck wie laut diese Uhr ist wenn sie läuft. Weil wenn sie zu laut ist, dann können wir uns auch die Revision schenken ;-)

Gibt es bei Wanduhren dieser Art etwas zu beachten? Oder müsste sie wirklich loslaufen sobald sie aufgezogen ist? Gibt es irgendwie das Pendant zur "gezogenen Krone" und sie läuft darum nicht?

Und falls sie zur Revision geht, kann mir jemand von euch im Großraum Trier-Bitburg einen hierfür geeigneten Uhrmacher empfehlen? Gerne per PN.

Ich danke euch

Christian
 
#2
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Mechanische Pendeluhren - und dazu gehört Deine auch - müssen angeworfen werden. Von selbst tut sich da gar nichts. Was passiert denn, wenn Du das Pendel bewegst? Ist dabei rechts und links ein Tick - Tack zu hören oder schweigt sich die Dame aus? Wenn letzteres der Fall ist, dann muss sie eine Revision haben. Hörst Du aber das Tick - Tack, dann achte bitte darauf, dass es absolut gleichmäßig klingen soll. Ein "Hinken" weist auf einen verstellten Abfall hin. Ist denn das Pendel auch richtig und an der richtigen Position eingehangen??? Ein Bild vom Pendel und wo Du dieses Eingehangen hast, würde vielleicht Wunder bewirken! Der Abfall kann bei dieser Uhr sehr gut eingestellt werden. Provisorisch durch schief hängen der Uhr, Regelrecht wohl nur durch einen Uhrmacher. Und erst dann, wenn die Uhr wieder läuft, kannst Du feststellen, ob sie beim Ticken zu Laut ist. Aber aus Erfahrung: nach 2 - 4 Tagen hörst Du nur noch, wenn die Uhr steht. Dann fehlt etwas! Ps.: Die Geräuschkulisse solcher Uhren kommt von der Hemmung. Und die Unterscheidet dann auch die Qualität der Uhr. Billige Uhren (und Nachahmungen) haben eine sog. Schwarzwald-Hemmung oder Blechanker-Hemmung. Die sind sehr laut, sogar bis Nervtötend. Bessere Uhren haben eine Grahamhemmung und die hört man kaum. Welche Art bei dieser Uhr verbaut ist, kann man aber nur durch einen Blick von hinten auf das Werk feststellen.

Nach dem Gehäuse kann es sich um eine sog. "Warmink-Uhr oder auch Zaanse-Clok" Handeln. Gegründet 1929 von John Warmink, Firmenname war WUBA. Betriebseinstellung 1970 herum. Stammte eigentlich aus den Niederlanden, wurden aber - ich glaube - an Hermle verkauft. Und ab diesem Zeitpunkt war es dann auch mit der guten Qualität der Warmink-Uhren vorbei. Von wann Deine Uhr stammt, kann nur ein Blick aufs Werk klären.

Uhrmacher gibt es in dem Gebiet, welches Du genannt hast, wie Sand am Meer. Aber sei vorsichtig mit "Uhrendoktoren" und ähnlichen Berufsbezeichnungen. Das sind frei erfundene Berufe und haben mit seriösen Uhrmachern nichts zu tun. Daher einfach mal die Gelben Seiten befragen und dann telefonieren.

Kosten einer Revision? Liegt - je nach Anbieter - zwischen 200,- und 500,- Euro. Daher ist es Ratsam, die Uhr mit zum Ausgesuchten Uhrmacher zu nehmen (vorher TELEFONIEREN!) und erst dann nach dem Preis der Revision fragen. Da kannst Du die Uhr ggf. gleich wieder mitnehmen!
 
#3
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Hallo Stromer,
danke für deine erste Einschätzung.
Anbei ein Bild des Werks von hinten. Das Pendel lässt sich von Hand bewegen, aber irgendwie nur nach links (von hinten gesehen). Dieses Zahnrad mit dem vierstrahligen schwarzen Stern und diesem Zapfen der im Schlitz des Pendels steckt scheint nur in eine Richtung zu drehen...

Und was meinst du mit "anwerfen"?
IMG_20190428_192914.jpg
 
#4
Der Stromer

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Also, letzte Frage zu erst: Mit Anwerfen ist gemeint, dass man das Pendel in eine Richtung per Hand bewegt und dann ohne Schwung zu geben, los lässt. Wenn alles richtig ist, tickt die Uhr anschießend von alleine weiter.

Zur ersten Frage: dieser "schwarze Stern" kann auf dem Messingrad verdreht werden. dadurch wird die Pendelverlängerung - das ist das Teil, durch den der Zapfen geht - verstellt und damit die Position vom Anker. Verstell mal diese Scheibe nach links. Aber vorsichtig. Und zwar so lange, bis Du das Tick vom Anker hörst. Das ist für einen Laien eine Fieselarbeit. Aber wenn dieses Mechanik durch Transport oder falsche Behandlung verstellt ist, kann die Uhr nicht laufen. Schau Dir mal diese Darstellung der Grahamhemmung an. Ganz oben ist die Pendelfeder, dann die Pendelverlängerung und ganz unten die Pendellinse. Wenn Du Dir jetzt ungefähr im ersten Drittel von oben ein Gelenk denkst, dann ist das bei Deiner Uhr diese "Schwarze Scheibe mit dem Stift". Und dieser Stift kann so verstellt werden, dass die Pendellinse , wenn sie senkrecht hängt, den Anker so hält, wie eben in diesen Bildern gezeigt. Bei Deiner Uhr liegt dieser Stift garantiert an irgend einem Anschlag rechts oder links! Dann geht nichts mehr!
 
#6
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Hallo Stromer,
bitte entschuldige sie späte Antwort.
Es hat alles nichts geholfen, die Uhr geht zum Uhrmacher.

Trotzdem - deine Erläuterungen waren höchst interessant. Danke dafür.
 
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