Westclox: Billigheimer aus den USA (Dollar Pocket Watch) und eine interessante indirekte Zentralsekunde (Westclox 7 / 7T-1 / 90001 / 90002)

Diskutiere Westclox: Billigheimer aus den USA (Dollar Pocket Watch) und eine interessante indirekte Zentralsekunde (Westclox 7 / 7T-1 / 90001 / 90002) im Taschenuhren Forum im Bereich Uhrentypen; Heute habe ich etwas getan, was bei euch als Uhrensammler nur auf Entsetzen und Abscheu stossen kann. Ich habe ein Uhrwerk zersägt. Nach Strich...
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Heute habe ich etwas getan, was bei euch als Uhrensammler nur auf Entsetzen und Abscheu stossen kann. Ich habe ein Uhrwerk zersägt. Nach Strich und Faden, jawohl. Und nun zeige ich euch die Leichenteile hier voller Stolz öffentlich und in allen Einzelheiten. Nicht etwa deshalb, weil ich ein geltungssüchtiger, zerstörerischer Psychopath bin (glaube ich), sondern weil es nicht anders ging. Es handelt sich um die letzte Modifikation des Westclox-Taschenuhrwerks und das war vernietet und damit ohne Zerstörung nicht zerlegbar. Das ist dann auch nur der Auftakt, um allgemein den Werksaufbau zu zeigen. In einem zweiten Teil möchte ich später eine andere, etwas ältere Uhr zeigen, die noch ein verschraubtes Werk und ausserdem eine sehr interessante und selten verwirklichte Variante einer indirekten Zentralsekunde hat. Doch dazu erst später. Heute wie gesagt erst mal das Werk (ohner Zentralsekunde) im Allgemeinen.

Bei den Billiguhrwerken kann man verschiedene 'Familien' oder 'Verwandtschaftsgruppen' identifizieren. Die Werke dieser Gruppen wurden jeweils von verschiedenen Herstellern produziert, sind aber untereinander so ähnlich, dass man vermuten kann, dass alle Kaliber einer Gruppe auf eine gemeinsame Konstruktion zurückgehen, bzw. dass alle Werke von einem 'Urkaliber' abgekupfert wurden.

Eine dieser Verwandtschaftsgruppen sind die Roskopfwerke, die alle auf G.F. Roskopfs 'Montre Proletaire' von 1867 zurückgehen und vor allem von Herstellern aus der Schweiz bis weit ins 20. Jahrhundert gebaut wurden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass es kein zentrales Rad im Werk gibt und dass die Zeiger von der Seite durch das Federhaus angetrieben werden. Mit solchen Werken habe ich mich schon im Detail befasst:

Chronometro Naval ‘Perfecto Vallès Ayerbe’ und das Roskopf-Prinzip

Billigheimer nach Roskopf-Bauart mit Zentralsekunde: 'Chronographe de Sport' / 'Hors Norme' / 'Made in France' (ca. 1945)

Eine andere Gruppe mit Werken grosser Ähnlichkeit sind die "Dollar Pocket Watches" aus den USA. Anders als bei den Roskopf-Werken kann ich hier kein gemeinsames 'Urkaliber' nennen, auf das sie alle zurückzuführen sind. Vielleicht gibt es ein solches auch nicht. Und obwohl sie von unabhängigen, miteinander konkurrierenden Herstellern stammen, gleichen sie einander fast wie ein Ei dem anderen. Der Werkstyp entstand irgendwann im letzten Drittel des 19. Jhds (etwa in den 1880ern) und wurde bis etwa 1910 durch Modifikationen ziemlich vereinheitlicht. Bis in die Zwischenkriegszeit gab es noch einige Hersteller. Nach dem zweiten Weltkrieg blieben davon in den USA noch drei übrig: New Haven, Ingraham und Westclox.

Ausserdem wurde im UK ein weiteres Werk hergestellt, das ebenfalls seine Wurzeln in den USA hat. Die Anglo-Celtic (Watch) Company Ltd war ein Zusammenschluss von Ingersoll (UK) und Smiths Industries, die Taschenuhren wurden sowohl als 'Ingersoll' als auch als 'Smiths' vermarktet. Die Fabrikation lag in Ystradgynlais in Wales und bestand von 1946 bis Anfang '80er Jahre. Diese Taschenuhren wurden noch ein paar Jahre länger, bis ca. 1990, hergestellt, unter anderen Markennamen, z.B. 'Timex'. Das Werk stammt ursprünglich von Ingersoll USA (ein anderer Hersteller!) und wurde schon früher hergestellt. Ingersoll USA ging 1921 pleite und wurde aufgekauft. 1930 wurde der britische Ingersoll-Zweig an Firmenangehörige (Board Directors) verkauft, wodurch die Firma ein unabhängiges, gänzlich britisches Unternehmen wurde. Das Werk wurde von Ingersoll UK übernommen und weiter gebaut (evtl. modifiziert?).

Die Nachkriegswerke von Westclox (USA), Ingraham (USA), New Haven (USA), und Ingersoll-Smiths (UK) fallen durch folgende Ähnlichkeiten auf:
  • Sehr langsame Schwingungsfrequenz von 14'400 A/h
  • Aufbau mit zentralem Minutenrad, direkter Antrieb des Minutenzeigers durch das Minutenrad
  • Unruh, Stiftanker und Ankerrad in gerader Linie (à ligne droite), symmetrischer gerader Stiftanker
  • Unruh, Anker und sämtliche Räder des Räderwerks gemeinsam unter der Deckplatine, keine eigenen Kloben (Federhaus manchmal extra unter verschraubter Federhausbrücke)
  • Aufzugräder (Sperrad / Kronrad) auf der Zifferblattseite, oder zwischen den Platinen (bei Ingersoll-Smiths)
  • Westclox, Ingraham, New Haven mit fast identischem Wippenaufzug mit innen liegender Wippe und nur 1 Zahnrad, von der Zifferblattseite ist nur das verschiebbare Wippenzahnrad sichtbar
Die gemeinsame langsame Schwingungsfrequenz von nur 14'400 A/h deutet darauf hin, dass diese Taschenuhrwerke nach dem Vorbild eines Grossuhr-Werkes entworfen wurden, etwa eines Weckers. Sehr frappierend ist der ungewöhnliche (wohl einzigartige) Umschaltmechanismus mittels innen liegender Wippe mit nur einem Wippenzahnrad, den Westclox / Ingraham / New Haven besitzen, während der Aufzug-Umschaltmechanismus bei Ingersoll-Smiths anders gelöst ist.

Das Ende für New Haven kam 1956, bei Ingraham endete die Produktion 1968, Ingersoll-Smiths (und allfällige Nachfolger) produzierten etwa bis 1990, am längsten hielt wohl Westclox durch, laut Ranfft bis ca. 2000.


Westclox 90001: Aufbau des Werkes


Im Jahr 1962 wurde eine stark überarbeitete Version des Westclox-Taschenuhrwerks mit der neuen Kaliberbezeichnung 'Westclox 90001' eingeführt und etwa bis 2000 gebaut, als die Produktion gänzlich eingestellt wurde. Eine Variante mit zusätzlicher indirekter Zentralsekunde hiess 'Westclox 90002'. Der Vorgänger des '90001' war das 'Westclox 7', das bereits seit 1932 gebaut wurde. Ziemlich spät, erst 1959 wurde eine Variante mit indirekter Zentralsekunde auf den Markt gebracht unter der Bezeichnung 'Westclox 7T-1'. Der Zentralsekundenaufbau des '7T-1' wurde unverändert beim '90002' übernommen.

Die Neuerungen beim '90001' gegenüber dem Vorgänger '7' betrafen vor allem die Gestalt der Platinen und dürften wohl mit veränderten Produktionsabläufen und stärkerer Automatisierung zusammenhängen, der innere Aufbau hingegen dürfte wohl weitgehend identisch sein, viele Teile wie etwa die Räder, Anker, Unruh und Federhaus etc. sind vermutlich austauschbar.

Westclox.11.png


Als Zeigebeispiel eines 'Westclox 90001' dient mir eine 'Westclox Scotty' aus sehr später Produktion. Seit etwa 1959 wurden die Werke in Gehäuse eingeschalt, die nur noch zweiteilig waren. Es gab also keinen vorderen Glasdeckel mehr, den die Gehäuse bis dahin hatten, sondern nur noch hinten einen Pressdeckel. Um an die Zifferblattseite zu kommen, müssen also die neueren Uhren ausgeschalt werden. Woraus die Gehäuse aus dünnem Pressblech (also nicht in Form gegossen) bestehen, kann ich gar nicht sagen. Bei der Platierung ist auf Verpackungen und in Werbeanzeigen von "Nickel Finish" oder "nickeled" die Rede, also vernickelt. Das Basismetall scheint silberfarben bzw. grau zu sein, also kein Buntmetall, nicht rostend und nicht magnetisch, für Aluminium erscheint es mir zu hart.

Westclox.12.png

Westclox 90001: No Jewels, dreispeichige Ringunruh mit Flachspirale, mit Körnerspitzen in Körnerlagern und mit Plateau mit Impulsfinger, Vollplatinen-Pfeilerwerk mit 6 Pfeilern, Basisplatine und Deckplatine aus Alminium, Deckplatine mit Ausschnitten bei Unruh und offenem Federhaus. Stiftankerhemmung, inverser symmetrischer Stiftanker mit Ankerstiften nach vorn zur Zifferblattseite ragend. Unruh, Anker und Ankerrad in einer Linie. Klassischer Räderwerksaufbau wie bei gängigen Ankerwerken mit dezentraler, kleiner Sekunde: zentrales Minutenrad, direkter Zeigerantrieb durch Minutenrad, Zeigerreibung auf Minutenradwelle. Umschalten durch Kroneziehen, sehr spezieller Wippen-Umschaltmechanismus mit innen liegender Wippe, von aussen, von der Zifferblattseite nur das einzige, bewegliche Wippenzahnrad sichtbar. Sperrad und Gesperr auf Zifferblattseite.

Das Werk repräsentiert die letzte Modifikationsstufe 3 des Werkes, das im Lauf seiner Bauzeit zwei stärkere Veränderungen erlebte. Da die Modifikationen stets Vereinfachungen zur noch preiswerteren Herstellung waren, ist der Werdegang ein Weg in den qualitativen Abgrund und diese Version zeigt den Tiefstpunkt - wahrlich "Rock Bottom" - den es im Bau mechanischer Taschenuhrwerke gab.

Diese 3 nacheinander gebaute und einander ablösende Modifikationen des 'Westclox 90001' kann man so unterscheiden:

  • Modifikation 1:
    • Platinen miteinander an den 6 Pfeilern verschraubt, Werk zerlegbar
    • Alle Räder im Räderwerk aus Metall
  • Modifikation 2:
    • Platinen miteinander an den 6 Pfeilern fest vernietet, Werk nicht zerlegbar
    • Alle Räder im Räderwerk aus Metall
  • Modifikation 3:
    • Platinen miteinander an den 6 Pfeilern fest vernietet, Werk nicht zerlegbar
    • Plastikräder und -Teile im Räderwerk: Sekundenrad, Minutenrad, Plateau mit Impulsfinger
    an der Unruh aus weissem Kunststoff

Westclox.14.png

Werksseite links: ROT: Fh = Federhaus, Mr = Minutenrad, Kbr = Kleinbodenrad, Sr = Sekundenrad, Ar = Ankerrad, A = Anker, U = Unruh. Die sechs Pfeiler mit 1 bis 6 durchnumeriert.
Zifferblattseite rechts: GELB: Zsr = Zeigerstellrad, Wr = Wechselrad, Sr = Stundenrohr


Der hintere Pressdeckel kann mit einer Messerklinge abgesprengt und später einfach mit den Fingern wieder aufgepresst werden. Das Werk wird im Inneren in Position gehalten durch einen diagonalen Spannbügel aus einem Federstahlband, der einfach an den Enden ausgehakt und herausgenommen werden kann.

Westclox.13.png


Um das Werk aus dem Gehäuse entfernen zu können, muss die Kronenwelle entriegelt und entfernt werden. Zu diesem Zweck gibt es rechts oben ein rundes Loch als Eingriff. Die zwischen den Platinen verbaute grosse, plattenförmige Verriegelung der Kronenwelle trägt einen zylindrischen Zapfen, der durch ein Loch auf die Werksseite ragt, man hat aber keinen Ansatz, um ihn zu greifen und nach oben zu ziehen. Deshalb muss man mit einem geeigneten Werkzeug (Schraubenzieher, stabile gebogene Pinzette etc.) recht tief in das runde Loch (grün x) gehen und auf der Seite zum Werksrand hin unter die Verriegelungsplatte greifen und sie nach oben drücken (ist leichter als es jetzt klingt), der werksseitig sichtbare Zapfen kommt dann weiter heraus und gleichzeitig wird die Kronenwelle frei und kann herausgezogen werden.

Westclox.17.png


Wenn man das Werk von der Seite anschaut, kann man die zwischen den Platinen innen liegende plattenförmige Wippen-Umschalt-Konstruktion (aus mehreren gelenkig verbundenen Stücken) mit dem auf die Werksseite ragenden Zapfen sehen. Man erkennt auch eine Spiralfeder, die um einen der sechs Werkspfeiler (Pfeiler 2) gewunden ist dieser Feder hält den Umschaltmechanismus und die Wellenverriegelung unter Spannung und ist die Wippenfeder.
Nun kann man das Werk hinten herausfallen lassen. Nachdem man die Zeiger abgehoben hat (geht einfach mit einer Pinzette) entfernt man das Zifferblatt aus dünnem lackiertem Blech. Es ist mit drei umgebogenen Laschen am Zifferblattrand mit dem Werk verbunden. Diese müssen leicht nach oben gebogen werden, damit das Zifferblatt abgehoben werden kann.

Das Umschalten von Aufziehen zu Stellen erfolgt durch Ziehen der Krone, wie das auch bei normalen Ankerwerken üblich ist. Der Umschaltmechanismus ist aber aussergewöhnlich, oder sogar einzigartig gelöst, allerdings eben nicht nur bei dem Westclox-Werk, sondern in quasi identischer Art auch bei Ingraham und bei New Haven. Das kann man hier auf Bildern der Zifferblattseite dieser Werke vergleichen:

Ingraham:
bidfun-db Archiv: Uhrwerke: Ingraham 17 size

New Haven:
New Haven Pocket Watch Restoration and Repair


Westclox.16.png

Wr = Wechselrad (zwischen Minutentrieb auf Minutenradwelle und Stundenrohr), Sr = Stundenrohr

Bei dem Werk befindet sich das Sperrad auf der Zifferblattseite, es ist nur lose eingelegt und wird seitlich durch zwei Haltelaschen gehalten, in der Mitte durch die Federhauswelle (Federkern), die als rechteckiger Vierkant mit ungleichen Seiten endet (genau gleich auch bei New Haven!). Das Gesperr ist eine mehrfach gebogene Drahtfeder, die auf der Werksseite beginnt, am Werksrand auf die Zifferblattseite geführt wird und mit dem nach innen rechtwinklig umgebogenen Ende zwischen die Sperradzähne greift. Links auf der Zifferblattseite gibt es ein Zeigerstellrad, das mit dem Wechselrad (zwischen Stundenrohr und Minutentrieb auf der Minutenradwelle) verzahnt ist. Zum Umschalten dient eine innen, zwischen den Platinen liegende Wippe, deren einziges Zahnrad unterhalb des in der Mitte stehenden Kronrads und mit ihm verzahnt, im Bereich der Mitte von links nach rechts schwenkbar ist. Bei eingedrückter Krone, im Modus 'Aufziehen', steht das Wippenzahnrad rechts und ist mit dem Sperrad verzahnt. Bei gezogener Krone schwenkt das Wippenzahnrad nach links und verzahnt sich mit dem Zeigerstellrad.


Westclox.18.png


Interessanterweise gibt es auf der Minutenradwelle (aus Stahl) kein vollständiges Minutenrohr (auf dem ja oben der Minutenzeiger sitzt), sondern nur ein 8-zähniges Minutentrieb (-Plättchen) aus Messing, das fest auf die Welle gepresst ist (kann abgezogen werden). Die Welle hat weiter oben eine Stufe als Begrenzung für den Minutenzeiger. Der Minutenzeiger sitzt also direkt auf der Welle. Wie funktioniert da nun das Stellen und wo liegt die Zeigerreibung (Rutschkupplung zwischen Zeiger- und Räderwerk)? Durch Versuche am zerlegten Werk bin ich da nicht letztlich schlau geworden, aber es gibt ja keine andere Lösung, als dass die Minutenradwelle samt dem Minutentrieb des Zeigerwerks gegenüber den Trieben des Minutenrades, die ja durch ihre Verzahnung mit den Nachbarrädern im Räderwerk in Position gehalten werden, verdreht wird. Die Presspassung zwischen Minutentrieb (des Zeigerwerks) und Minutenradwelle muss also fester sein (und darf sich nie verdrehen) als die Presspassung zwischen den Trieben des Minutenrads und der Minutenradwelle, die beim Stellen gegeneinander verdreht werden…

Das von mir hier gezeigte Werk repräsentiert die letzte Modifikation 3. Dort bestehen beide Triebe des Minutenrads (und des Sekundenrads) aus einem einzigen Plastikbauteil, das recht fest auf die Welle gepresst ist (kann abgezogen werden, es gelang mir aber nicht, am losen Rad das Plastikteil mit den Trieben gegen die Welle zu verdrehen).

Doch nun wollen wir uns auch mal das Innere des Werks ansehen, und das heisst, ich musste zu roher Gewalt greifen, da das Werk ja unzerlegbar vernietet ist und die Deckplatine zersägen. Damit ist das Werk natürlich endgültig hin, was in diesem Fall aber nichts macht, da es eh schon kaputt war (Aufzugfeder gebrochen, damit Totalschaden)

Westclox.19.png


Und so sieht das dann aus. Ich habe die Unruh von der Deckplatine gelöst und wieder in das Werk gesetzt. Die Spirale ist auf beiden Seiten mit einem roten Kleber festgeklebt. Bei der letzten Modifikation 3 sind die Triebe des zentralen Minutenrads und des Sekundenrads, sowie das Plateau der Unruh mit dem Impulsfinger aus weissem Plastik (bei den Modifikationen 1 und 2 noch aus Metall), Kleinbodenrad aus Aluminium, Unruh, Anker und Ankerrad aus Messing.

Ich habe die Triebe der einzelnen Räder ausgezählt und hier auch eine Fotomontage gemacht (Grösse der Bauteile zueinander nur ungefähr masstabsgetreu, nicht genau)

Westclox.20.png


Aus den Zahnzahlen kann man die Umlaufdauer der Räder berechnen:

Westclox.21.png

So, das war nun erst einmal der allgemeine Teil mit dem Aufbau des 'Westclox 90001'. Genau genommen habe ich bisher nur Schrott gezeigt, denn die 'Westclox Scotty' war nicht mehr zu gebrauchen, aufgrund des vernieteten Werks.

In einem zweiten Teil, möglichst schon sehr bald, will ich euch mit einer schöneren Uhr bekanntmachen, die auch funktioniert. Sie repräsentiert die hochwertigere Modifikation 1 des Werks, das noch verschraubt und damit zerlegbar ist. Ausserdem handelt es sich um eine Uhr mit dem 'Westclox 90002' das zusätzlich eine sehr interessante und selten zu findende Variante einer indirekten Zentralsekunde hat.

Ich hoffe, das war ein guter Kliffhänger. Danke fürs Lesen, ich hoffe, es war unterhaltsam bis hierher.

Gruss Andi
 
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music-power

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Meisterleistung, Andi! Chapeau! Ich werde Dich aber künftig „Andi the Ripper“ nennen müssen. Du Schlächter! :lol:

Ich habe schon einmal irgendwo einen Artikel über amerikanische „Dollar-Watches“ gelesen. Diese wurden (zumindest in den Anfangsjahren) tatsächlich für nur 1,- Dollar verkauft, damit sich wirklich jeder Amerikaner eine Uhr leisten konnte.

Dank Deiner forensischen Arbeit wird einem auch klar, dass dabei in der Herstellung mächtig gespart werden musste!

Ich freue mich schon auf Teil 2.

Beste Grüße in die horlogerische Pathologie!
Frank
 
Badener

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Sehr interessant, sowohl der historische als auch der technische Aspekt. Vielen Dank für diese tolle Zusammenstellung!
 
btec

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Tolle Vorstellung, danke
Man liest den Fleiß und deine Kreativität,
Chapeau ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, und freue mich schon auf weiteres
 
andi2

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Vielen Dank an alle für die aufmunternden Worte und für die Likes. Das hat mich nun dazu angespornt, auch den Rest noch fertig zu schreiben.

Es folgt also der zweite Teil meines Westclox-Berichts:


Das 'Westclox 90002' und seine indirekte Zentralsekunde, angetrieben durch das Sekundenrad


Hier nun mein Vertreter für das Kaliber 'Westclox 90002' mit indirekter Zentralsekunde, ein 'Westclox Pocket Ben'. Dies ist das erste Westclox-Modell mit Zentralsekunde, das recht spät, erst 1959, lanciert wurde. Der Konkurrent Ingraham hatte da schon länger als 10 Jahre Werke auf dem Markt, die mit einer Zentralsekunde ausgebaut waren.


Westclox.1.a.png

Westclox.3.png

Westclox.x.ZZ.Modelle.1.png

Anfangs, d.h von 1959 bis '62, wurde die zusätzliche Zentralsekundenmechanik in das Vorgängerkaliber 'Westclox 7' eingebaut, diese Zentralsekundenwerke erhielten die Kaliberbezeichnung 'Westclox 7T-1'. Ab 1962, als das 'Westclox 7' durch das oben beschriebene 'Westclox 90001' ersetzt wurde, wurde dieser Zentralsekundenaufbau unverändert auch in das neue Kaliber eingebaut, das die Bezeichnung 'Westclox 90002' erhielt. Bei dem gezeigten Modell kann man von aussen also nicht entscheiden, welches Kaliber darin verbaut ist: noch das 'Westclox 7T-1' oder schon ein frühes 'Westclox 90002'. Wenn man sich eine solche Westclox mit Zentralsekunde anschaffen möchte, empfehle ich aber genau dieses Modell, denn nur hier kann man sicher sein, auch ohne das Werk gesehen zu haben, dass man ein verschraubtes, zerlegbares und damit reparierbares Werk bekommt. Die späteren Exemplare dieses Designmodells des Pocket Ben mit dem 'Westclox 90002' gehören nämlich immer zu der zuerst gebauten, ursprünglichen Modifikation 1 mit verschraubten Platinen und sämtlichen Rädern aus Metall.

Doch werfen wir einmal einen Blick hinein. Das Gehäuse ist zweiteilig, ohne vorderen Glasdeckel, wie alle Westclox-Gehäuse ca. seit 1959.

Westclox.6.png

Westclox.7.png

Und hier noch einmal das Werk ohne die diagonale Spannbügel-Feder:

Westclox.8.png

Abgesehen davon, dass das Werk an den Pfeilern mit 6 Schrauben verschraubt ist, kommt uns das alles schon bekannt vor. Aber es gibt zusätzlich die frei sichtbar oben auf die Deckplatine gebaute Mechanik der indirekten Zentralsekunde.

Werkskonstruktionen mit einer indirekten Zentralsekunde wurde bei vielen Kalibern verwirklicht. Mit einer zusätzlich an der Werksrückseite angebrachten Mechanik kann man ein bestehendes Werk mit klassischem Räderwerksaufbau und einer dezentralen kleinen Sekunde nachträglich mit einer Zentralsekunde ausstatten. Ich will das hier einmal mit Schemabildern zeigen. Zunächst ein Schema des zugrunde liegenden Räderwerks mit dezentraler Sekunde.

Uhrforum.Schema.1.Räderwerk.mit.dez.Sek.png
Schema: Werk mit dezentraler Sekunde

Wenn man nun eine Zentralsekunde hinzufügen will, muss die Zentralsekundenwelle ganz von hinten durch eine hohle Minutenradwelle hindurchgesteckt werden, das Zentralsekundentrieb liegt also noch oberhalb des Minutenradlagers.

Da es in der Mitte keinen Antrieb für die Sekundenwelle gibt, muss man sie von der Seite durch ein Rad des Räderwerks antreiben. Fast immer haben sich die Konstrukteure dafür entschieden, dass die Zentralsekunde vom Kleinbodenrad angetrieben wird. Die Kleinbodenradwelle wird nach hinten über das hintere Lager und die Deckplatine hinaus verlängert und oben ein zweiter Radreif mit Zahntrieb fest aufgepresst, der mit dem Trieb der Zentralsekunde verzahnt ist und sie indirekt antreibt.

Uhrforum.Schema.3.i.Sek.vom.Kb.rad.png
Schema: indirekte Zentralsekunde mit Antrieb durch das Kleinbodenrad

Bei dieser Lösung braucht man viel Platz, denn damit der Radreif auf der Kleinbodenradwelle über die Distanz bis zur Werksmitte kommt, ist der Abstand zwischen Sekundentrieb in der Mitte und der Kleinbodenradwelle ja nur der Radius – der nötige Durchmesser des Rades ist doppelt so gross. Bei dem Kaliber 'Ingraham 17 size', das dem Westclox-Kaliber sehr ähnlich ist, wurde es genau so gemacht und das habe ich schon einmal gezeigt, man kann es hier sehen:

Ingraham Sentinel Sweep (1953) mit indirekter Zentralsekunde / Ausschalen bei Ingraham

Bei dem Westclox-Werk wäre diese Lösung mit Antrieb der Zentralsekunde durch das Kleinbodenrad aus Platzmangel wohl nahezu unmöglich gewesen, denn das dicke Federhaus überragt das sonstige Niveau der Deckplatine. Bei der Konstruktion handelt es sich um eine Übersetzung, denn das Kleinbodenrad rotiert ja deutlich langsamer als 60 sec pro Rotation, die die Sekundenwelle machen muss. Durch das Auszählen der Zähne des Triebs der Zentralsekundenwelle und des Übertragungsrads auf dem Kleinbodenrad erhält man das Verhältnis der Rotationsdauer beider Räder und kann die Rotationsdauer des Kleinbodenrades berechnen.

Bei dem 'Westclox 90002' wurde eine andere Lösung gewählt, nämlich der Antrieb der Zentralsekundenwelle durch das dezentrale Sekundenrad. Hier zunächst einmal das Schema dazu:

Uhrforum.Schema.2.i.Sek.vom.Sek.rad.png
Schema: indirekte Zentralsekunde mit Antrieb durch das dezentrale Sekundenrad wie bei Westclox verwirklicht

Bei dieser Lösung handelt es sich nicht um eine Übersetzung, denn das dezentrale Sekundenrad rotiert mit eben der Geschwindigkeit, die auch die zentrale indirekte Sekunde haben soll: einmal pro 60 sec. Also bekommt die hinten über das hintere Lager und die Deckplatine hinaus verlängerte dezentrale Sekundenradwelle hinten ein Trieb fest aufgepresst, das gleich viele Zähne und den gleichen Durchmesser wie das Triebs auf der Zentralsekundenwelle hat. Zur Überbrückung der Distanz der beiden Triebe setzt man dazwischen ein antriebsloses Zwischenrad, bei dem es im Grund völlig gleichgültig ist, wie viele Zähne es hat. Durch das zwischen den beiden Sekundenwellen liegende Zwischenrad rotieren beide Triebe in die gleiche Richtung, im Uhrzeigersinn. Bei dieser Lösung braucht man bedeutend weniger Platz, denn das Zwischenrad hat als Durchmesser ja nur den Abstand zwischen dem Trieb auf der dezentralen Sekundenwelle und der zentralen Sekundenwelle – etwa halb so wenig, wie bei der Lösung mit Antrieb durch das Kleinbodenrad.

Westclox.9.png

Und hier noch einmal stärker vergrössert die Konstruktion von Westclox. Die zentrale Sekundenradwelle wird abgedeckt durch eine Blattfeder, die ein Herausrutschen der Welle nach hinten verhindert und auch dafür sorgt, das die Zentralsekunde flüssig läuft, ohne zu flattern.

Westclox.10.png

Wenn man die Blattfeder etwas losschraubt und zur Seite dreht, sieht man auch das Trieb auf der Zentralsekundenwelle. Die beiden Triebe auf der Zentralsekundenwelle und auf der dezentralen Sekunde habe je 10 Zähne, das dazwischenliegende antriebslose Übertragungsrad, das auf einem festen Zapfen rotiert, hat 43 Zähne. Interessant ist, dass das Zentrum, also der feste Zapfen, auf dem das Zwischenrad rotiert, nicht genau auf der Mittellinie liegt, wo die beiden Sekundenwellen positioniert sind, sondern leicht seitlich nach rechts verschoben.

Diese Variante einer indirekten Zentralsekunde mit Antrieb durch das Sekundenrad ist sehr selten. Ich kenne nur ein Werk aus dem High-End-Bereich, das so gebaut ist, nämlich das Eigenwerk von Dornblüth mit indirekter Zentralsekunde, siehe hier:
Kollektion: Zentrumsekunde
Dass das allgemeine Konstruktionsprinzip der Zentralsekunde die einzige Gemeinsamkeit dieses prachtvollen Werkes mit dem Westclox-Billigwerk ist, versteht sich von selbst.

Kennt von euch noch jemand andere Werke, wo eine indirekte Zentralsekunde angetrieben wird durch das dezentrale Sekundenrad?
_______________________________________________________________________________________________________________

Ebenso wie das Westclox-Werk 90001 mehrfach modifiziert wurde, wurde auch die Zentralsekundenmechanik des 90002 mehrfach überarbeitet. Man kann drei Modifikationen der Zentralsekunde unterscheiden, die einander ablösten:

  • Modifikation A: Blattfeder mit Schraube befestigt
    Zwischenrad aus Messing
  • Modifikation B: Blattfeder ohne Schraube in einen Schlitz eingelegt
    Zwischenrad aus Messing
  • Modifikation C: Blattfeder ohne Schraube in einen Schlitz eingelegt
    Zwischenrad aus Kunststoff
Westclox.x.Zsec.Modifikationen.2.png

Das äussere Design des 'Pocket Ben' mit Zentralsekunde änderte sich ebenfalls. Das zuerst benutzte Zifferblatt mit plastisch hervortretenden silberfarbenen Stundenziffern und Leuchtmasse auf dem Zifferblatt und skelettierten Leuchtzeigern wie ich es oben gezeigt habe, wurde abgelöst durch ein neues Zifferblatt, das nur noch schwarz bedruckt war. Dieses gab es in zwei Varianten: mit Leuchtmasse, oder ohne. Zunächst war der Rückendeckel weiterhin glatt, das Gehäuse somit identisch mit der ersten Version. Später bekam die Uhr einen Rückendeckel mit geprägtem Blumenmotiv. Gleichzeitig wurden die Uhren nicht mehr in kleine Pappschachteln verpackt, sondern in Blisterverpackungen, die man im Kassenbereich der Supermärkte an Drehständern aufhängen konnte.

Westclox.x.ZZ.Modelle.2.png

Bei den Modellen mit glattem Rückendeckel können verschraubte Werke (Modifikation 1 mit Zentralsekundenmodifikation A, also Modifikation 1A) oder vernietete Werke (Modifikation 2A, 2B oder 2C) enthalten sein.

Bei den zuletzt gebauten Uhren mit Blumenmotiv auf dem Rückendeckel bekommt man immer ein vernietetes Werk der Modifikation 3C.

So, nun habe ich alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte und das war es dann vorläufig.

Mit Westclox und mit diesem Thread bin ich aber noch nicht ganz fertig, denn im Lauf der Jahre haben sich hier bei mir noch mehr Westclox-Taschenuhren angesammelt, die ich später einmal auch noch zeigen möchte. Diese haben das Vorgängerwerk des 90001 / 90002, nämlich das 'Westclox 7'. Und ausserdem habe noch einen sehr alten 'Pocket Ben' aus den 1910er Jahren. Doch all das muss muss wohl noch eine Weile warten.

Einstweilen vielen Dank für die grosse Ausdauer beim Lesen.

Gruss Andi
 
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Schraubendreher

Schraubendreher

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Hallo Andi,

großartige Beiträge! Es ist faszinieren zu sehen,welche Technik in dieses absoluten Billigwerken steckt. Als Uhrmacher lehnt man Reparaturen an solchen Uhren in der Regel pauschal ab. Ich hatte deshalb noch nie so eine Uhr auf dem Tisch.

Vielen Dank:
der Schraubendreher
 
Westminster

Westminster

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@andi2,

danke für Deinen faszinierenden Beitrag. Das Konzept von Westclox spiegelt das Denken mancher Unternehmen in der heutigen Zeit wieder. Also quasi nichts Neues. Eventuell könnte man die herausgesägten Platinenstücke wieder mit dem Schweißgerät anpunkten. :face: Das würde vermutlich der Optik keinen Abbruch tun.

Danke nochmals, Du hast mich mit Deinem Beitrag in keinster Weise gelangweilt, denkt ein schmunzelnder:

Westminster.
 
andi2

andi2

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Weil ich den seltsamen Umschaltmechanismus von Aufziehen zu Stellen noch nicht richtig gezeigt habe und weil mir der Titel, den mir @music-power verliehen hat 'Andi, der Uhrenripper' irgendwie gefällt, habe ich noch ein wenig herumgesägt. Hier das Ergebnis und ein kleiner Nachtrag:

Das werksseitige Ende der Wippenfeder ist an einer kleinen Lasche der Deckplatine nahe bei Pfeiler 2 eingefügt, um den sich die Feder windet.

a.Westclox.1.png

Der zylindrische Zapfen, den man von Werksseite als Verriegelung der Kronenwelle sieht, ist das Drehgelenk einer Art 'Winkelhebel'. Die Wippe liegt unter diesem Winkelhebel und hat einen Zapfen, gegen den sich das zifferblattseitige Ende der Wippenfeder drückt. Dieser Zapfen der Wippe bildet ein Gelenk mit dem Winkelhebel. Beim Ziehen bzw. Drücken der Krone werden Wippe und Winkelhebel gegeneinander bewegt, wobei der Wippenzapfen von der einen zur anderen Seite in einem gewinkelten Loch des Winkelhebels geschoben und die Wippe in dieser Position arretiert wird.

a.Westclox.2.png

Hier noch einmal das Umschalten von Aufziehen zu Stellen, diesmal von innen gezeigt (vergleiche oben).

a.Westclox.3.png

Gruss Andi
 
M

Matthias MUC

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Rein nach Inschenörs-Bauchgefühl ist dieser Antrieb der indir. Zentralsekunde 1:1 vom Sekundenrad eigentlich weitaus eleganter als mit Untersetzung zum Kleinbodenrad und dann wieder Übersetzung auf die Zentralsekunde. Gibt ese ien Erklärung, warum das so selten ist? Wie ist der Antrieb der Zentralsekunde bei den ganzen üblichen heutigen Uhren?
lG Matthias

PS.: Die ganzen Details haben den "billig-und-effektiv-Charme", wie er auch in den letzten Generationen bezahlbarer vollmechanischer Nähmaschinen mit edlen Marken drauf und Chinatechnik drin prangt. Warum unnötig kompliziert, Hauptsache, es funktioniert.
 
andi2

andi2

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Hallo Matthias,
ich habe mich das auch gefragt, warum die indirekte Zentralsekunde vom Sekundenrad so selten ist. Es gibt hier zwei Räder ohne eigenen Antrieb (Zwischenrad / Zentralsekundenwelle), bei der Variante mit Antrieb durch das Kleinbodenrad nur eines (die Zentralsekundenwelle). Vielleicht ist das der Grund? Dass die Achse des Zwischenrades bei der Westclox-Konstruktion nicht genau auf einer Linie liegt mit den Achsen der Sekundenwelle und der Zentralsekundenwelle, sondern leicht seitlich verschoben, deutet (gefühlsmässig für mich) darauf hin, dass die Räder sonst durch Verkanten gern mal hängen bleiben, evtl. sollte das Zwischenrad aus dem gleichen Grund eine ungerade Zahnzahl haben (?).
Andererseits ist das benötigte Rad mit dem Trieb auf dem Kleinbodenrad echt riesig, ich kann mir vorstellen, dass der zusätzliche benötigte Kraftaufwand dort eher ins Gewicht fällt...

Vielleicht kann ein Uhrmacher hier noch etwas dazu sagen.

Bei den heutigen Uhren gibt es eine direkte Zentralsekunde. Um das zu erreichen, ordnet man das Räderwerk so an, dass das Sekundenrad in der Werksmitte liegt. Das Minutenrad mit einer hohlen Welle, durch die die Sekundenradwelle hindurchgesteckt wird, ist darunter unter einer einenen Brücke gelagert. Diese innere Minutenradbrücke erkennt man von aussen bei diesen Werken nicht, da sie von der Räderwerksbrücke bedeckt ist.
Ich habe auch davon einmal ein Schema gemacht:

Uhrforum.Schema.4.direkte.Z.sek..png
Räderwerksanordnung mit direkter Zentralsekunde

Bei den ganz modernen Armbanduhrwerken ist diese doppelstöckige Anordnung auch schon wieder veraltet. Um die Werkshöhe flach zu halten, wurde das Minutenrad an eine dezentrale Position verlagert. Die Zeigerreibung liegt dann nicht mehr auf dem Minutenrad wie bei Roskopfuhren. Damit kenne ich mich nicht gut aus. Ich mag diese moderne Variante nicht.

Gruss Andi
 
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Ruebennase

Ruebennase

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Toller Beitrag Andy und er legt ganz klar nahe, dass in den Billigheimern viel Innovation und Konstruktions Know How liegt. Trotzdem kann ich mich nicht mit den leichten nicht mehr zerlegbaren Einwegwerken an freunden. Die Säge als einziger Weg zur Erkenntnis ist schon hart und widerspricht für mich der Faszination eines Uhrwerkes. Für die breite Versorgung der Menschen mit mobiler Zeit haben sie natürlich ihren Platz in der Geschichte. Vielen Dank das Du dich hier als 'Uhrenripper' betätigt hast um uns diese Einblicke in rationalste Fertigung eines Werkes zu gewähren.

Liebe Grüße Rübe
 
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