Werkstattbericht: Chrono Drückerstift Verlängerung

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Hallo.

Mal wieder was aus meiner Hobbywerkstatt. Ein Bekannter hatte ein für ihn unlösbares Problem mit einem Chrono aus seiner Sammlung. Ein Chronodrücker war kaputt. Klassischer Fehler: Stift am Gewinde abgebrochen, der Gewinderest steckt im Gewinde des Drückers. Neue Drücker zu bestellen hat noch irgendwer fertig gebracht, nur leider passen sie nicht. Optisch zwar schon, aber der Stift erreicht nicht den Hebel des Uhrwerks, er ist zu kurz. Die anderen dazu befragten Uhrmacher wollten die Uhr nicht zur Reparatur annehmen. Erstens hat das Ding als Werk ein Buren 12, für das die Ersatzteilversorgung ja nicht so einfach ist wenn man nicht weiß wo man die Teile herbekommen kann und zweitens kann man wohl keine passenden Drücker mehr bestellen.

Also habe ich mich widerstrebend breitschlagen lassen der Uhr zu helfen. Hier die Bestandsaufnahme:

IMG_2396[1].JPG

Man erkennt deutlich, dass der Stift aka die Schraube des neuen Drückers (unten) kürzer sind. So kann er die Hebel des Uhrwerks weder erreichen, noch betätigen. Also muss man entweder einen anderen, längeren machen oder den vorhandenen länger machen. Letzteres erschien mir meinen Möglichkeiten adäquater. Also ans Werk. Erst mal alles vermessen. Dann los. Die Konstruktion soll eine Art Hütchen werden, das man auf den Drückerstift stecken kann um ihn zu verlängern. Ich beginne mit dem Sackloch, in dem der Drückerstift steckt:

IMG_2395[1].JPG

Dann das Ganze in Form drehen, vom Rohmaterial abstechen und die Kanten brechen. Fertig! Zu früh gefreut. Leider nicht. Immer noch zu kurz. :???:

Also von vorne. Diesmal länger. Hier der Vergleich vom käuflichen zum verlängerten Drückerstift:

IMG_2398[1].JPG

Und hier der ganze Drücker im Vergleich. Links der nachgekaufte und rechts der gleiche noch mal, nun aber länger:

IMG_2399[1].JPG

Diesmal stimmt die Länge. Der Chrono lässt sich wieder schalten. Zeitaufwand alles in allem ca. 3 Stunden.

Ich bin mir nie so sicher ob das richtig ist, eine Uhr mit solchen handwerklichen Lösungen unter Verzicht auf Originalteile zu retten. Retten ist ja gut, aber vielleicht hätte man mit mehr Zeit und Mühe ja Originalteile auftreiben können. Wahrscheinlich mache ich mir zu viele unnötige Gedanken. Der Besitzer der Uhr ist glücklich, die Uhr läuft von außen sieht man nichts von der Reparatur und vermutlich überlebt die Reparatur Besitzer und Uhr. Eigentlich gut so. ;-)

Grüße
Norbert
 
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Duc999

Duc999

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Na super, wieder eine Uhr wiederbelebt!

Für eine wertvolle Preziose würde man vielleicht besser ein O-Teil suchen um die Originalität zu bewahren. Aber wo ist der Aufwand gerechtfertigt, zu welchen Kosten?

Ästhetisch ist die Lösung doch perfekt.

Viel Erfolg noch,

Arno
 
Rainer Nienaber

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Ich bin mir nie so sicher ob das richtig ist, eine Uhr mit solchen handwerklichen Lösungen unter Verzicht auf Originalteile zu retten. Retten ist ja gut, aber vielleicht hätte man mit mehr Zeit und Mühe ja Originalteile auftreiben können. Wahrscheinlich mache ich mir zu viele unnötige Gedanken. Der Besitzer der Uhr ist glücklich, die Uhr läuft von außen sieht man nichts von der Reparatur und vermutlich überlebt die Reparatur Besitzer und Uhr. Eigentlich gut so. ;-)

Grüße
Norbert
Besser, eine gut gemachte Reparatur mit (nicht) originalen Teilen als ein Pfusch mit diesen.
Hätte ich wohl auch so gemacht.
Mal ehrlich: was soll da ein "echter" Drücker besser machen?
Hat ein Oldtimerfan ein Problem damit, sich ein Ersatzteil neu fertigen zu lassen, weil es das Originalteil nicht mehr gibt?
 
nobrett

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Als Nicht-Uhrmachermeister, sondern Laie, neige ich da halt zur Zurückhaltung.

Gruß
Norbert
 
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