Uhrenbestimmung Werkbestimmung Taschenuhr - ERBO Ernest Borel

Diskutiere Werkbestimmung Taschenuhr - ERBO Ernest Borel im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Herzliches Hallo an alle! Bevor ich zu meinen ersten Fragen hier im Forum übergehe, möchte ich mich kurz vorstellen: Mein name ist Bernhard...
BernhardJ

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Herzliches Hallo an alle!

Bevor ich zu meinen ersten Fragen hier im Forum übergehe, möchte ich mich kurz vorstellen:

Mein name ist Bernhard, bin zur Zeit im Westen/Südwesten von Deutschland zu Hause und interessiere mich hauptsächlich für Taschenuhren aus der ersten Hälfte des 20-ten Jahrhunderts. Dazu bin ich gekommen, weil ich schon als Jugendlicher eine Taschenuhr getragen habe. Die erste war die meines Opas, welche er zum 25-jährigen Dienstjubiläum im Bergbau bekommen hat.

In meiner bescheidenen Sammlung befinden sich u.a. schweizer Marken wie Cortébert, Cyma, Doxa, Eterna, H.Moser, Lanco, Orator, aber auch Taschenuhren aus der französischen Jura und natürlich sowietische Molnijas.

Armbanduhren besitze ich auch ein paar, meistens sowietischer und japanischer Hersteller, und auch noch Automatikuhren mit schweizer ETA-Werken.

Ein bischen schraube ich auch selber an den Uhren, einige lauffähige Exemplare habe ich erst durch Komplettierung und Teileaustausch aus mehreren Werken zusammengesetzt.

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Nun zum Eigentlichen:

Vor etwa einem halben Jahr ist es mir gelungen eine schweizer Taschenuhr der Marke ERBO (Ernest Borel, Neuchatel) von einem deutschen Antiquitätenhändler zu erwerben. Zu der Herkunft war ihm nichts bekannt.

Als Produktionszeitraum der Uhr ergaben sich die 1920-ger Jahre.

Auffällig: Sämtliche Lagersteine dieser Uhr sind aus blauen Saphiren (wahrscheinlich synthetischen) hergestellt.

Nun möchte ich gerne herausfinden, wer der Hersteller des recht dünnen Uhrwerks dieser Uhr war. Leider ergab eine intensive Recherche im Netz keine eindeutigen Ergebnisse. Auch eine Anfrage bei Ernest Borel konnte es nicht klären.
Hier die Antwort aus der Schweiz:

"Ernest Borel SA" <info@ernestborel.ch>

Dear Sir,
We are referring to your below e-mail.
After checking with one of our retired watch maker, we can inform you that your watch was produced in the 1920’s.
It was probably produced around a hundred of them. Regarding its value, we believe that your watch has more of a sentimental value than a financial one.
We hope that this information will prove themself helpful to you and we apologize for not being able to help you more.
With best regards

ERNEST BOREL SA".

Leider hat Borel meine weiteren Fragen zur Werkherkunft nicht beantwortet. Bei fast 100 Jahre alten Uhren auch wirklich kein Wunder.

Auch die Seiten von Herr Ranfft beherbergen kein ähnliches Werk.


Das einzig fast gleiche Werk (dort ist das Minutenrad nicht steinegelagert wie bei meiner) habe ich in einer Platin-Taschenuhr einer alten New-Yorker-Handelsmarke namens Alpha gefunden. Diese Uhr wird noch zur Zeit bei Ebay angeboten, hier der Link:

Vintage Alpha Platinum Diamond Pocket Watch 17 Jewel Swiss Made | eBay

Die heutige chinesische Firma Alpha (1993) hat zum Glück mit den schönen Taschenuhrwerken nichts mehr gemeinsam außer dem Namen.

Weitere vom Aufbau sehr ähnliche Werke befinden sich in Taschenuhren der US-Amerikanisch-Schweizer Firma Gruen. Sie hat Werke für ihre Uhren in Biel (Madretsch) produziert. Gruen wurde bekannt vor allem durch die "VeriThin Precision"-Taschenuhren im Fünfeck-Format.

Somit sprechen viele Hinweise dafür, dass die Uhr ursprünglich für den US-Amerikanischen Markt produziert wurde, und jetzt den Weg zurück nach Europa gefunden hat.

Vielleicht hat einer von Euch eine Idee zu diesem Werk? Bin gespannt...

Grüße - Bernhard

ERBO-Werkseite.jpg

ERBO-Zifferblattseite.jpg
 
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Badener

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Hallo Bernhard,

herzlich willkommen bei uns im Forum!
Ein außergewöhnlich schönes und gut erhaltenes Stück zeigst du uns hier, vielen Dank dafür.
Das Werk könnte ein Sonceboz 153 sein. Hier ein Bild aus der Classification Horlogère von 1936:

Sonceboz_153.jpg

Das Werk scheint es in unterschiedlichen Durchmessern (16 - 17 3/4''') und Höhen gegeben zu haben. Sogar die Schnörkel auf dem Unruhkloben passen zu deinem Bild.

Ich vermute, dass bei deinem Werk die blauen Steine nicht direkt vom Hersteller kamen sondern diese nachträglich verbaut wurden, um das Werk aufzuwerten. Und das Ergebnis kann absolut überzeugen!

Gruß
Badener
 
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BernhardJ

BernhardJ

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Vielen herzlichen Dank Badener! Das ist ja der Hammer! halbes Jahr Recherche bringt nichts und hier die erste Antwort scheint gleich ein Voltreffer zu sein. Ich bin begeistert!

Ich meß' noch mal genau den Durchmesser des Werks nach, dann wissen wir auch die Calibergröße.

Das Sonceboz aus dem Buch von 1936 scheint aber nicht so mit Lagersteinen "gesegnet" zu sein. War es damals normal, dass es verschiedene Versionen gab, oder wurden die Steine überhaupt erst später nachträglich gesetzt?

Das Werk meiner ERBO scheint 19 Jewels zu haben, das der Alpha aus dem ebaY-Angebot hat 17. Diese sind anscheinend auch alle blau. Hat vielleicht dann der gleiche Betrieb umgebaut...

Grüße - Bernhard
 
Badener

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Hallo Bernhard,

es war in der Uhrenindustrie schon immer üblich, dass
a) der Hersteller des Werkes unterschiedliche Qualitätsstufen anbietet und
b) der Hersteller der Uhr das Werk mehr oder weniger aufpäppelt.

Bei einer einfachen Taschenuhr (einfach in dem Sinne, dass keine Komplikationen verbaut sind) kann man eigentlich nur 17 Steine sinnvoll unterbringen. Bei deinem Werk wurden wohl am Ankerrad zwei zusätzliche Deckplättchen (eins oben, eins unten) angebracht. Dafür, dass die blauen Steine nachträglich eingebaut wurden, spricht auch, dass der sichbare Stein des Ankers rot ist und nicht blau. Aber da er so klein ist und recht tief liegt, fällt das nicht so auf. Es könnte sogar sein, dass die Steine auf der Zifferblattseite alle rot sind.

Gruß
Badener
 
BernhardJ

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Danke vielmals! Soweit ich das erkennen kann, sind hier von der Werkseite 5 rote Rubine sichtbar: Die beiden Lagersteine des Ankers, die zwei Palettensteine und der Hebestein. Fällt halt nicht sofort auf, da ein wenig im Hintergrund versteckt.
Das Zifferblatt hatte ich noch nicht runter, deswegen könnte durchaus sein, dass dort weitere ursprüngliche Rubine verbaut sind, wie Du sagst. Frage wäre dann, ob die Saphire schon bei Borel oder erst später in den USA hereingesetzt wurden. Nach wie vor interessant...

Grüße - Bernhard

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Hier habe ich jetzt noch ein einziges Life-Foto dieses Werkes gefunden (Beitrag des Members Ratkiller, etwa 2/3 von oben), allerdings "normal" mit Rubinen bestückt:

http://forumamontres.forumactif.com/t17118p60-pour-faire-identifier-son-calibre-c-est-ici

Leider schreibt der Besitzer nicht (bzw. ich hab's nicht gefunden), zu welcher Uhr es gehörte.

Grüße - Bernhard
 
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lennox

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Hallo Bernhard
Dein Opa hatt die TU mit dem Zeichen P W 25 sicher in Oberschlesien erhalten . Denn es Bedeutet 25 Jahre in pszemyslo weglowe,also hatt er 25 Jahre in der Grube gearbeitet.Ich habe dieses Zeichen schon öffters an Glashütteuhren die als Export nach Polen gingen gesehen
Viel Spass hier im Forum
Andreas
 
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Hallo lennox,

jetzt stehe ich auf dem Schlauch. Der TS hat die Uhr bei einem Antiquitätenhändler erstanden (s. o.) und ich kann nirgendwo eine Aufschrift "P W 25" sehen...

Gruß
Badener
 
lennox

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Sein Avatar zeigt die Jubileumspunze die auf der Uhr seines Opas war, und er zum TU Sammeln gekommen ist. Habe Bezug auf sein Eingangspost genommen
Schönes Wochenende
Andreas
 
BernhardJ

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Ja, das ist richtig. Mein Opa hat über 25 Jahre im oberschlesischen Bergbau untertage gearbeitet und in den 1950-ern eine Cortébert mit diesem Emblem (PW 25) auf dem Zifferblatt gedruckt geschenkt bekommen. Damals waren dort schweizer Uhren eine absolute Rarität und deswegen war es schon eine sehr besondere Auszeichnung. Da mein Opa leider sehr früh gestorben ist, habe ich noch als Teenager seine Taschenuhr geerbt und mit freude getragen.

Von diesen mit PW-25 gekennzeichneten schweizer Taschenuhren gab es genau 7 TU-Modelle alle verschiedener Hersteller. Ich besitze sie komplett, einige doppelt. Alle sind im sehr guten Zustand und laufen einwandfrei. Es ist sozusagen eine abgeschlossene Sammlung. Diese Uhren wurden großteils schon vor dem Krieg bestellt und hergestellt worden und lagen unbenutzt sozusagen als NOS teils über Jahre (bis etwa 20) bei den Bergwerks-Verwaltungen bis zum Verschenken an die Jubilare.

Später ab etwa Mitte der 1960-er wurden im polnischen Bergbau nur noch Armbanduhren verschenkt - meistens aus sovietischer oder auch DDR (Glashütte) Produktion. Selten waren auch schweizer Armbanduhren dabei, allerdings meistens minderer Qualität, oft auch nur Quarzwerke. Fast alle tragen auf dem Rückdeckel dann die Gravur mit Hammer und Schlegel und "PW 25" bzw. "25 Lat" (25 Jahre).

Die Beschenkung mit einer Uhr hat im Bergbau lange Tradition, ist auch im Ruhrpott, an der Saar und im Salz- und Erzbergbau oft anzutreffen. An solchen Taschenuhren habe ich großes Interesse, alerdings mag ich, wenn die Sonderstellung am Zifferblatt erkennbar ist, wie z.B. durch das angesprochene Emblem.

Die hier im Eingangsbeitrag vorgestellte, mit blauen Saphiren bestückte ERBO gehört natürlich nicht zu den Bergbau-Uhren und hat außer dem Herkunftsland damit nichts zu tun.

Grüße - Bernhard
 
ketti66

ketti66

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Ich habe gerade heute eine Cortebert mit PW25 im Internet erworben. Was bedeutet den nun PW? Kann man hier auf ein bestimmtes Bergwerk eingrenzen? Ich dachte, deine Sammlung umfasst schon alle TUs mit dieser Prägung?

Bin sehr darin interessiert, mehr zu hören...
 
BernhardJ

BernhardJ

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PW bedeutet "Przemysł Węglowy".
Direkt übersetzt: Przemysł = Industrie, Węglowy = adjektiviertes Substantiv węgiel = Kohle.
Also Kohleindustrie.

Auf ein bestimmtes Bergwerk kann man daraus nicht schließen. Die Uhren wurden in allen Steinkohlebergwerken in Oberschlesien verschenkt.

Eine Korrektur zu den PW-25 Taschenuhren. Es gibt nicht 7 sondern sogar 8 Modelle, dabei 2 von Lanco.
Ich habe sie alle (manche mehrmals): Cortébert, Cyma, Doxa, Eterna, H.Moser, Lanco (2 Modelle) und Orator.

Grüße - Bernhard
 
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Werkbestimmung Taschenuhr - ERBO Ernest Borel

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