Wer hat diese Uhr denn hergestellt?

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Der Stromer

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Heute mal eine Frage an die Experten der Uhrenfabriken.

Ich habe hier eine Uhr, gemarkt mit dem einfachen Anker, links das G und rechts ein B eben für Gustav Becker. Das Pendel ist nach Terwilliger ebenfalls von GB, das einzige 4-Ball-Pendel, aus 1908 nach Terwilliger.
5486-Drehpendel-GB-1908.JPG

Die Uhr selbst hat ein Louvre-Gehäuse - wahrscheinlich vergoldet - und die hintere Platine ist mit besagtem Anker und GB gemarkt. Es ist die Platine 1149 nach Terwilliger aus 1907.
5484-Seitenansicht.JPG
5485-GB-Uhr-mit-Louvre-ca.-.JPG

Soweit eigentlich kein Problem, eine Uhr, hergestellt bei den Vereinigte Freiburger Uhrenwerken AG (Freiburg / Schlesien) und auch die Zeit wird wohl stimmen.
5483-Rueckansicht,-Plt.-114.JPG

ABER: Auf der hinteren Platine ist auch eine Zahl geprägt, und zwar dort, wo GB normal seine Serien-Nummern geprägt hat. Die Zahl heißt 4690. Wenn ich nun nach den bekannten Tabellen der Serien-Nummern von GB gehe, müsste diese Uhr um 1864 hergestellt worden sein, Gustav Becker Serien-Nummern was aber zeitlich unmöglich ist.
5482-Platine-1149-mit-Anker.JPG

Nun ja. Repariert wird diese Uhr auf jeden Fall:D. Egal, ob der Hersteller VFU AG oder GB heißen sollte. Nur interessant ist es auf jeden Fall.


Sobald die Arbeiten an der Uhr begonnen haben, werde ich weiter berichten!
 
Oelfinger

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Vielleicht hat man im Zuge einer früheren Reparatur einfach das genommen, was da war.
 
U

uhrenkel

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Hallo Rolf-Dieter,

zu Deiner Frage nach der Nummer auf dem Werk:

Das ist nach meiner Meinung keine Seriennummer.

- Es kann aber eine Nummerierung eines vereinbarten Liefervolumen sein.
- Oder eine Nummerierung genau dieser Ausführung mit dem Louvre-Gehäuse.

Auf jeden FAll ist diese Nummer aber nicht zur Datierung geeignet.

Aber Du hast ja auch ohne diese Nummer genügend Angaben, um diese Uhr recht genau zu datieren. Genauer geht es sowieso nicht.

Uhrenkel
 
Der Stromer

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Danke für diese Einschätzung. Noch ein Punkt macht mir Kopfzerbrechen: Beim Gehäuse wurden ausschließlich metrische Gewinde verwendet. Die kommen meines Wissens nach aber erst nach dem WK I, so um Mitte der 20er Jahre als DIN-Norm, zum Einsatz. Auch die Schrauben des Werkkäfigs sind metrisch! Damit ist das Herstellungsjahr 1907 - 08 in Frage gestellt.
 
Oelfinger

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Vielleicht hilft es

https://mb.nawcc.org/threads/post-your-gustav-becker-400-day-clocks-here.10246/

Post #48

"Stola, welcome to our forum! The serial number 4934 shows that your clock is one of the last Gustav Becker 400-Day clocks manufactured. The year was late 1932 or early 1933, when Junghans shut down the Becker Freiburg factory and consolidated all their clockmaking operations in Schramberg."
 
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Das scheint schlüssig! Danke für den Link nach USA :).

Ich werde über die Arbeiten an der Uhr berichten.
 
Der Stromer

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So, liebe Forianer.

Jetzt geht es weiter mit dieser Uhr:-P.
5524-Fertig.JPG

Nach diesem Bild im fertigen Zustand erst einmal den Zustandsbericht.


Messingteile (auch das Werk und die Räder) waren mal mit einem Lack überzogen, der mir wirklich arge Arbeit bereitete:oops:.
5507-Ungereinigte-Gehaueset.jpg

Danach wurde dann anscheinend versucht, die Lackierversuche durch - im wahrsten Sinn des Wortes - Sidol-Bad rückgängig zu machen. Auch das war nicht gerade erleichternd für das Polieren durch einen ollen Rentner, aber die Armmuskulatur dankte es mir mit Schmerzen! :shock:


Bei der Demontage fielen dann die Sidolbröckchen aus allen Ritzen, vermengt mit Rost und so weiter. Das hat keinen Spaß gemacht, aber wer A sagt, sagt meist auch B.
Nachdem also alles schön verteilt in den Schälchen lag, konnte ich feststellen (ich glaube, habe ich schon geschrieben, oder?) das alle Gewinde Metrisch sind. Das bestärkt die Einsicht, dass diese Uhr nach dem WK I die Minute der Zeit erblickt haben muss. Das bestätigte eigentlich auch ein Link zu NAWCC, den mir Oelfinger mitgeteilt hat. Wenn das überhaupt eine Serien-Nummer ist, was ja angezweifelt wurde.
5482-Platine-1149-mit-Anker.JPG

Auch das Pendel!!!, obwohl hier der Terwilliger und die Freunde des NAWCC sagen, es ist das einzige 4-Ball-Pendel von Gustav Becker und aus dem Jahr 1908. Aber auch hier: Der Gewindestift für den Verstellmechanismus = Metrisch und die kleine Feststellschraube unten in der Verstellhülse = Metrisch!
5486-Drehpendel-GB-1908.JPG

Na gut, so weit also. Die Platinen hatten sehr seltsame Lager: Wie gedrückt! Nicht gebohrt und versenkt, nein, die haben richtige Ränder. Der nächste Schock kam wie erwartet: Die Aufnahme für die Pendelfeder hatte jemand von der Originalen (die Pendelfeder wird mir einem besonderen Block am Stift eingehangen) auf eine "Moderne" Aufhängung umgebaut: Das Teil einfach gedreht und einen Block zum klemmen eingebaut! Und natürlich die Pendelfeder: Federbronze und viel zu dick. Die wird wohl mal von jemandem in letzter Vergangenheit eingebaut worden sein.
5491-Umgebaute-Abfalljustag.JPG

Und die nicht vorhandene Zeigerreibung: Man sollte erwarten, dass hier der Standard mit Federscheibe verwendet wurde. Aber irgend ein Menschlein hat gemeint, eine Zeigerreibung ist nur richtig mit einem Viertelrohr als Reibungslaterne:-(. Nun, im Fundus habe ich immer Federscheiben und so konnte auch das wieder so hergestellt werden.
5498-Viertelrohr-als-Latern.jpg

Die Gangfeder war - wer hätte es erwartet - auch falsch. Das Bild spricht für sich, oder?
5514-Gangfeder-alt-und-neu.JPG


Abgesehen davon, dass ich schon ältere Louvre-Gehäuse (mit anderem Gewinde) in den Fingern hatte, die sich wesentlich einfacher montieren ließen, ging dann die Arbeit doch ganz gut von der Hand.

Beim Zusammenbau dann die nächste Überraschung: Der Ankerstift wurde arg verbogen und weil er dann nicht mehr in das Fenster des Pendelfederverstellmechanissmushalterung passte, wurde er rigoros gekürzt! Auch eine Methode, ohne Nachdenken eine Revision durch zu führen? :???:.
5500-Ankerstab-zu-kurz-und-.jpg

5483-Rueckansicht,-Plt.-114.JPG


Also nachdem nun alles so Sauber wie irgend möglich war (einige Lackreste habe ich einfach nicht aus Rillen und so weg bekommen), und einige Verfärbungen bracht noch nicht einmal MELLERUD Polierpaste weg:shock:. Aber ich glaube, jetzt kann sich das gute Stück doch wieder sehen lassen. Und ein paar Macken darf sie auch haben. Immerhin hat die Uhr - trotz hin- und her - mindestens 80 Jahre auf dem Federhaus.
 

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mistertomcat

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Hut ab... vor so viel Hingabe, Sachverstand und handwerklichem Können. :super:

Dazu braucht es wohl das Feinmechaniker-Gen.
 
Sectorfan

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Der bei Messing & Co gerne verwandte Zaponlack ist wohl eher mit Nagellack zu vergleichen und wird dementsprechend auch mit Aceton oder ähnlichem entfernt.

Gruß
Mike
 
Oelfinger

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Im KFZ-Bereich nennt man soetwas einen Blender.

Hut ab vor Deiner Hingabe, die Uhr wieder ans laufen zu bekommen!
 
XS-Freund

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Auch von mir mal wieder Hochachtung vor Deiner Leistung.
Erinnert mich irgendwie an meine Dir bestens bekannte Jahresuhr, die ja scheinbar aus allen möglichen Teilen zusammengeschraubt wurde. Übrigens läuft sie super. Weihnachten das letzte Mal aufgezogen.

Grüße und mach weiter so!
Stephan
 
Der Stromer

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Danke @all und besonders Dir, Stephan. Grüße natürlich auch an die Gattin. Vielleicht sieht man sich mal wieder...
 
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