Wasserdichte von Vintage-Uhren

Diskutiere Wasserdichte von Vintage-Uhren im Vintage Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Liebes Forum, grundsätzlich ist wahrscheinlich allen hier klar, dass Vintage Uhren nicht unbedingt mit Wasser in Berührung kommen sollten. So...

tango

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Liebes Forum,

grundsätzlich ist wahrscheinlich allen hier klar, dass Vintage Uhren nicht unbedingt mit Wasser in Berührung kommen sollten. So weit so gut, man möchte sagen, das liegt vielleicht an spröden und alten Dichtungen. Nun habe ich aber immer wieder Rückmeldungen von dem Uhrmacher meines Vertrauens wie auch vom Rolex-Service bekommen, die mich dann doch eher ratlos zurücklassen und ich wollte diese Fragen mal hier aufwerfen - mal sehen, was für Erfahrungen und Rückmeldungen kommen:

- Nach einem kompletten Service meiner Datejust aus den 60ern beim Rolex-Service sagte man mir, dass die Uhr zwar Regen aushalte, aber kein Eintauchen mehr (und nein - das habe ich auch nicht vor). Auf meine Frage, warum, sagte man mir, der Stahl der Uhr würde mit der Zeit spröde. Das widerum steht in krassem Widerspruch zu den früheren (Werbe-)Aussagen von Rolex über sich selbst und die Dauerhaltbarkeit ihrer Uhren.

- Eine Vintage-IWC aus 18K-Vollgold (hier also kein Stahl), die ebenfalls in den 60ern von IWC als "superwasserdicht" verkauft wurde (enge Verwandte der Ingenieur: antimagnetisch, Kal. 852, gleiches Design, gleiches ZB, Fischkrone, nur der Aufdruck "Ingenieur" fehlt auf dem Blatt und sie hatte damals ne andere Referenz als die Inge) soll es heute laut meinem Uhrmacher nach der Überholung nicht mehr sein: Probleme mit der Passung von Gewinden, Hesalith, Schwierigkeiten beim Ersatz (und damit der Passgenauigkeit) von Dichtungen.

Kann das wirklich sein? Verlieren Uhren unwiederbringlich mit der Zeit ihre Wasserdichte, weil die Gewinde sich dehnen, die Gehäusematerialien spröde werden, neue Dichtungen nicht mehr so gut passen wie alte? Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen, will aber auch nicht so ohne weiteres an den Aussagen o.g. Personen zweifeln.

Freue mich auf Erhellung
Gruß
Tango
 
T

Tomcat1960

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Also an die Geschichte mit dem spröden Stahl gehören die fünf Ausrufezeichen, die laut Terry Pratchett ein eindeutiger Hinweis darauf sind, dass der Schreibende die Unterhose auf dem Kopf trägt ;-)

Ja, sowas wie Materialermüdung gibt es. Aber damit Stahl so ermüdet, dass er Wasser durchlässt, braucht es ganz andere und vor allem wiederholt auftretende Belastungen. Also für mich gehört das ins Reich der Fabel - selbst billigster Stahl wird an einer Uhr nicht so spröde, dass er bricht.

Etwas anders sieht es mit Dichtungen und Gläsern aus: hier gibt es möglicherweise keine Originalersatzteile mehr, und wenn, sind sie so alt wie Uhr. Anders als Stahl, altern Gummi und Kunststoff sehr wohl, sie werden spröde, verlieren an Elastizität und können brechen. Also ist eher unwahrscheinlich, dass solche Originalersatzteile bei einem Service verbaut werden. Man greift vielmehr auf baugleiche Teile aus Nachfolgemodellen zurück. Wie exakt diese passen, kann am besten der Originalhersteller beurteilen. Und wenn Rolex jetzt sagt, es tue ihnen Leid, aber angesichts der fehlenden Verfügbarkeit von Originalteilen in Neuteilqualität könnten sie keine Garantie für die Wasserdichtigkeit übernehmen, dann ist das zwar ein Armutszeugnis für Rolex, aber vermutlich ernst zu nehmen.

Viele Grüße
Tomcat
 

Aeternitas

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...nun gut...Wenn die Gehäuseteile 40 Jahre alt sind, dann kann auch mal ein Spaltmaß nicht mehr 100% sein. Gerade beim beanspruchten Tubus. Schweiß kann sich am Boden sammeln und seine Arbeit über Jahrzehnte an der Schnittstelle zwischen Gehäuse und Boden verrichten...

Insofern finde ich es verständlich hier Vorsicht walten zu lassen und eher abzuraten.
 

BSBV

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Hallo,

meine damalige Knickblatt Rolex wurde vom Uhrmacher (Konzi) wieder hergerichtet.
Abgedrückt hat er sie "nur" bis 50m.
Warum nur 50m ? Weil es sein kann, das sich das Glas bis zu der Zeigeraufnahme durchdrücken kann und dann hätte man einen Punkt im Glas. So seine Aussage.
Das wollte er mit den "nur bis 50m abdrücken" verhindern.

Säubern unter fließend Wasser, kein Problem.
Und stimmt. Denn meine Tudor in S/G DD, auch nur 50m abgedrückt, wurde schon mehrfach von mir so gereinigt. Alles dicht.

Und mal ehrlich....wer geht mit einer Vintage-Uhr schwimmen ?
Ich würde mit einer Vintage-Uhr nicht schwimmen gehen. Dafür sind sie zu schade. Denn wenn da Wasser eindringt, dann wird es schwer Ersatzteile zu bekommen. Also mehr eine Vorsichtsmaßnahme.
 

falko

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Vintage Uhren können durchaus die ursprüngliche Dichtheit erreichen, wenn das Gehäuse neuwertig, das Glas neu (evtl. mit zusätzlichem Dichtmittel einpressen) und die Dichtungen ersetzt werden. Während die Bodendichtung meist kein Problem ist, sieht es bei den Kronendichtungen oft anders aus. Selbst wenn eine Krone aus altem Lagerbestand zur Verfügung steht, kann die Dichtung dennoch verhärtet oder gar teerig aufgelöst sein (hatte ich schon bei alten Kronen, die nur in einer Schachtel gelagert waren). Oft hat auch der Kronentubus Riefen und sollte ersetzt werden. Hat man keinen neuen Tubus, wird man auch mit neuwertiger Kronendichtung keine gute Abdichtung haben. Zwar wird Stahl nicht porös, man findet aber auch bei als rostfrei bezeichneten Stählen an der Dichtungsauflage von Gehäuse und Boden häufig Korrosionsnarben, die verhindern, dass eine neue Dichtung eine glatte Auflage findet und somit abdichten kann. In diesem Bereich hält sich Feuchtigkeit und aggressiver Schweiss sehr lange und kann auch bei guten Stählen zerstörerisch wirken.
Aus diesen Gründen wird man nur sehr selten für die ursprüngliche Dichtheit einer revidierten Vintage garantieren können.
 
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Cheops

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Also das Stahl so durchlässig wird, dass Wasser durch den Stahl durch kommt, kann ich mir nun auch nicht vorstellen. Was ich mir hier eher vorstellen könnte, dass hier "Bauteile" der Uhr sich im Laufe der Zeit so verformt haben, dass eine Dichtigkeit nicht garantiert wird.

Die meisten Uhren wurden/werden ja auch getragen und da kann es dadurch sicherlich zur einen oder anderen Rempelei mit Wand oder anderen harten Gegenständen gekommen sein, die dann dazu geführt haben, dass sich irgendwas im Mikrometerbereich verzogen hat. Da ja bei einer Uhr kein Teflonband aus dem Sanitärbereich verwendet wird (auch kein Hanf :-) ), könnte ich mir auch hier den Grund vorstellen, wieso man den Rat gibt lieber auf Duschen, Baden, schwimmen, tauchen, Marianengraben zu verzichten.

Grüße

Gerrit
 

tango

Themenstarter
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Vintage Uhren können durchaus die ursprüngliche Dichtheit erreichen, wenn das Gehäuse neuwertig, das Glas neu (evtl. mit zusätzlichem Dichtmittel einpressen) und die Dichtungen ersetzt werden. Während die Bodendichtung meist kein Problem ist, sieht es bei den Kronendichtungen oft anders aus. Selbst wenn eine Krone aus altem Lagerbestand zur Verfügung steht, kann die Dichtung dennoch verhärtet oder gar teerig aufgelöst sein (hatte ich schon bei alten Kronen, die nur in einer Schachtel gelagert waren). Oft hat auch der Kronentubus Riefen und sollte ersetzt werden. Hat man keinen neuen Tubus, wird man auch mit neuwertiger Kronendichtung keine gute Abdichtung haben. Zwar wird Stahl nicht porös, man findet aber auch bei als rostfrei bezeichneten Stählen an der Dichtungsauflage von Gehäuse und Boden häufig Korrosionsnarben, die verhindern, dass eine neue Dichtung eine glatte Auflage findet und somit abdichten kann. In diesem Bereich hält sich Feuchtigkeit und aggressiver Schweiss sehr lange und kann auch bei guten Stählen zerstörerisch wirken.
Aus diesen Gründen wird man nur sehr selten für die ursprüngliche Dichtheit einer revisionierten Vintage garantieren können.

Gerd, eine klasse Erklärung. Vielen Dank!
 

Renegat

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da wo die Sonne aufgeht
Also an die Geschichte mit dem spröden Stahl gehören die fünf Ausrufezeichen, die laut Terry Pratchett ein eindeutiger Hinweis darauf sind, dass der Schreibende die Unterhose auf dem Kopf trägt ;-) ....

:lol:

Heute gut drauf was? (Tränen abwischend) ... ansonsten volle Zustimmung! :super:

... revisionierten ....

Was denn nun? :hmm: ... "revisioniert" / revidiert ?

Ansonsten volle Zustimmung! ... die Passungen alter Bauteile und zumal in Kombination mit neuen Ersatzteilen entsprechen nach 30 Jahren sicher nicht den ursprünglichen Vorgaben der Neuproduktion des Herstellers, so dass so eine revidierte/revisionierte Vintage zwar wasserdicht sein kann, eine Garantie dafür aber wohl kaum übernommen werden wird.

Grüße Renegat
 

lennox

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Mein Longines Kompressor von 59 ist nach der Revision voll wasserdicht. Da es ne Automatic ist ,wurde er nich oft aufgezogen, somit ist der Tubus OK. Neue Dichtungen sollen sogar vom Material besser sein als die aus 1959.
Gruß
lennox
 

GetItOn71

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Auch ich habe bei meiner Seiko Pepsi 6139 nach der Revi das Abenteuer Schwimmbad gewagt: voll auf Risiko. Sie wurde zwar abgedrückt und die Kronendichtung wurde ausgetauscht, aber die Drücker Dichtungen sind wirklich noch die Alten:shock:
Mann hat mir ausdrücklich davon abgeraten, das zu tun, was ich dann letztlich doch tat.
Aber was soll ich sagen? Hat geklappt. Aber war halt ein Versuch mit hohem Risiko.

Bloß nicht zur Nachahmung empfohlen!!

Aber wenn alles vernünftig gemacht wurde? Why not? Nur sollte einem klar sein, das dies auch schief gehen kann...

Mach dies auch nur mit dieser Uhr. Weil erste Hand/ unverbastelt und nur so getragen; ohne Sport
oder sonstige Hardcore Belastungstests- das stärkte mein Vertrauen in ihren Zustand.
 

Aeternitas

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...also...einen Vintagechrono ins Wasser mit zu nehmen...ja...ähm...das geht ja mal gar nicht. Ich darf Dir doch hier die angemessene Behandlung zukommen lassen:-):

:hammer::hammer::hammer:
 

GetItOn71

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Outsch- hast ja nicht unrecht! Entbehrt wahrlich der Vernunft. Wie gesagt: nicht zur Nachahmung empfohlen bei vollem Risiko& bewusstseins des Vollverlustes einer tollen, unwiederbringlichen Vintage Chrono Uhr!

Aber manchmal bin ich halt auch ich unvernünftig 8-)

Find den Gedanken halt toll, mit einer Vintage Uhr den Alltag so zu bestreiten( in einem gewissen Rahmen zumindest), wie ich es auch mit ner recht neuen, modernen Uhr auch täte. Aber ist halt nur der Gedanke.

Das dies niemals geht, ist mir klar!

Aber toll wärs schon.
 
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Tomcat1960

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@ Aeternitas: Erstens ist das seine Uhr, und zweitens siehst Du das völlig falsch:
Seiko hält, was Rolex verspricht :lol:

@ GetItOn71: ich trage praktisch ausschließlich Vintages und habe im normalen Alltagsbetrieb noch keine ruiniert. (Ich gebe aber zu, dass in diesem normalen Alltagsbetrieb weder Wasser noch heftige Erschütterungen eine große Rolle spielen.)

Grüße
Tomcat
 

tango

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ich trage praktisch ausschließlich Vintages und habe im normalen Alltagsbetrieb noch keine ruiniert. (Ich gebe aber zu, dass in diesem normalen Alltagsbetrieb weder Wasser noch heftige Erschütterungen eine große Rolle spielen.)

Grüße
Tomcat

Geht mir genauso - ich trage vorwiegend Vintages und hab die auch noch nicht schädigen können. Allerdings nehme ich sie z.B. bei einem Regenguss, wenn ich keinen Schirm oder ne entsprechende Jacke anhab, ab und stecke sie in die Hosentasche (und zwar die Seite, wo der Hausschlüssel NICHT ist).
 

zeityeti

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Zu den Gründen, warum eine Vintage nur schwer optimal abzudichten ist, wurde ja eigentlich schon alles gesagt. Aber daß Rolex sowas angeblich nicht hinbekommt und so eine fragwürdige Erklärung abgibt, ist schon ein Armutszeugnis. Eine Topmanufaktur könnte vermutlich fast jede ihrer Uhren wieder herrichten wie neu. Ich vermute, daß ihnen der Aufwand einfach zu groß ist und Dein Name wohl nicht Ibn Abdul Sheik Tikatuk ist und sie so nicht davon ausgehen können, daß Du einen beliebigen Preis für die Revi zu bezahlen bereit bist. Außerdem gibt es in Arabien ohnehin zuwenig Wasser und Rolex ist auf diese Anforderung wohl nichtvorbereitet gewesen.;-)
 
P

PunxsutawneyP

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...man findet aber auch bei als rostfrei bezeichneten Stählen an der Dichtungsauflage von Gehäuse und Boden häufig Korrosionsnarben, die verhindern, dass eine neue Dichtung eine glatte Auflage findet und somit abdichten kann. In diesem Bereich hält sich Feuchtigkeit und aggressiver Schweiss sehr lange und kann auch bei guten Stählen zerstörerisch wirken.

Sehr schön erklärt, wie es bei meiner 1977er 1603 unter der Lünette am Gewinde aussah, als ich sie vergangenes Jahr in der Revision hatte. Der Uhrmacher war so freundlich, mir den Zustand vor Augen zu führen ;-)

--- Nachträglich hinzugefügt ---

@ GetItOn71: ich trage praktisch ausschließlich Vintages und habe im normalen Alltagsbetrieb noch keine ruiniert. (Ich gebe aber zu, dass in diesem normalen Alltagsbetrieb weder Wasser noch heftige Erschütterungen eine große Rolle spielen.)

Ich trage auch fast ausschliesslich ältere Uhren, und geschrottet hab ich auch noch keine. Wenns grob wird, leg ich sie ab oder leg eine um, die sowas abkann.
 
Thema:

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