Was Sie schon immer über die Royal Oak wissen wollten.....

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goldencolt

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Was Sie schon immer über die Royal Oak wissen wollten

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Mythos und Geschichte:

Anfang der 1970er Jahre bedrohte die Quarzkrise die gesamte europäische und amerikanische Uhrenindustrie. Armbanduhren mit Quarzwerken aus Japan, die in Ganggenauigkeit herkömmlichen mechanischen Werken überlegen waren, drängten in den traditionellen Uhren-Mark. Obwohl die ersten Quarzuhren nur in Preisregionen von Kleinwagen erhältlich waren, purzelten bald die Preise der batteriebetriebenen Ticker und einige traditionsreiche Hersteller mechanischer Uhren fielen der Schwemme japanischer Uhren zum Opfer.

Marken wie Patek Philippe, Jaeger-LeCoultre machten zuerst im Quarzwettbewerb mit, merkten dann aber, dass ihre Namen mehr wert waren, als die Uhren, die man herstellte.

Auch die Uhrenmanufaktur Audemars Piguet, aus dem schweizerischen Dorf Le Brassus, sah sich in diesem Gefecht und musste die Strategie ändern, um nach fast 100-jährigem Bestehen dem finanziellen Ruin zu entgehen.

1971 wandte sich der italienische Vertriebspartner von Audemars Piguet - Carlo de Marchi - an Georges Golay, dem damaligen Generaldirektor von AP. Der italienische Markt verlange nach einer Uhr aus Stahl, welche zugleich sportlich als auch elegant sein sollte. Das Design dazu sollte niemand Geringeres als Gerald Genta liefern, welcher bereits ikonische Uhren für Patek Philippe, Omega und Universal Geneve entworfen hatte.


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(Georges Golay, Quelle: revolution.watch)​

Am Vorabend der Schweizer Mustermesse in Basel 1971 rief Georges Golay Gerald Genta an und teilte ihm mit, dass man eine neuartige Stahl-Sportuhr fertigen wolle und einen Design-Entwurf dazu bereits am nächsten Tag erwarten würde.

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(Gerald Genta, Quelle: geraldgenta-heritage.com)​

Genta, noch nicht einmal 40 Jahre alt, erinnerte sich an einen Taucher, den er als Kind in Genf in der Rhone sah und orientierte sich beim Gehäuse an den typischen Messing-Taucherhelmen der Zeit mit verschraubtem Sichtfenster. Genta verpasste der Uhr daher eine oktogonale Lünette mit acht sichtbaren hexagonalen Schrauben und ein Zifferblatt mit Tapisserie Muster.


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(Quelle: aquaticcommons.org)​


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(Original Zeichnung der Royal Oak, Quelle: timeandwatches.com)

Auch beim Namen orientierte man sich am nautischen Design und so taufte Audemars Piguet die neu entworfene Uhr Royal Oak in Anleihe an die acht gleichnamigen britischen Schlachtschiffe der Royal Navy welche zwischen 1664 und 1914 gebaut wurden. Diese acht Schlachtschiffe wurden wiederum nach der Eiche benannt wurden, auf der sich Karl II von England am Morgen des 4 September 1651 nach der Schlacht von Worcester vor seinen Verfolgern versteckt haben soll.


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(Karl II hoch zu Ross, Quelle: english-heritage.co.uk)


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(Karl II auf der Eiche, english-heritage.co.uk)


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(Das erste – Royal Oak - Schlachtschiff 1664, Quelle: 666kb.com)​


Den Patentantrag zur neugeborenen Royal Oak reichte Genta bereits am 6 Dezember 1971 beim Schweizer Patentamt unter der Anmeldenummer 17724/71 ein. Der Antrag wurde am 30 September 1974 mit der Patentnummer CH559929 veröffentlicht. Am 30 Oktober 1972 reichte Genta dann auch beim US-amerikanischen Patentamt sein Patent ein, welches bereits am 4 September 1973 das Patent gewährte. Das Patent ist unter U.S. Patent No. 3,756,017 registriert.

Auffallend ist, dass bei den Patentskizzen noch nicht auf die heute typische Schraubenausrichtung auf der Lünette geachtet wurde.


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(Patentskizzen zu CH559929 aus Schweizerischem Register)


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(Auszug aus dem US Patent No. 3,756,017)


Ein Jahr nach dem Erstentwurf Gentas, wurde die Royal Oak auf der Uhren- und Schmuckmesse, im Rahmen den Schweizer Mustermesse in Basel, am 15 April 1972 einem Weltpublikum vorgestellt.

Der Preis der Ur Royal Oak - Ref. 5402ST - betrug im Jahr 1972 3.650 Schweizer Franken (in Deutschland 2.900 Deutsche Mark), womit sie nicht nur die teuerste Stahl Uhr der Zeit war, sondern auch so viel kostete wie 12 (zwölf) Rolex Submariner zusammen.

Der Erfolg, den die Royal Oak im Lauf der Jahre haben sollte, war zu Beginn gänzlich ungewiss. Die Uhren- und Schmuckmesse 1972 war die erste Messe seit 1917, in welcher auch ausländische Aussteller – Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien – ausstellen durften. Der ehemalige Leiter des AP Museums Martin Wehrli erinnert sich, dass zwar fast ausschließlich positive Reaktionen auf die Royal Oak bekundet wurden, jedoch hinter vorgehaltener Hand man der Manufaktur noch sechs Monate bis zum Konkurs gab. (The King of Cool: Audemars Piguet’s Game Changing Royal Oak - Revolution)


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(Offizielles Logo der Schweizer Mustermesse 1972, aus Pionier: Zeitschrift für die Übermittlungstruppen, Bd. 45, Heft 4, S. 68, in digitalisierter Form durch ETH Zürich Bibliothek verfügbar gemacht).



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(Basel Messe in den 1970er Jahren, Quelle: quillandpad.com)​


Zwischen 1972 und 1973 stellte Audemars Piguet 1000 Stück der Royal Oak – Ref. 5402ST – her. Im Folgejahr wurden weitere 1000 Stück hergestellt. Diese 2000 Uhren von 1972 bis 1974 werden als A Serie bezeichnet (z.B. Seriennummer A1545). Anschließend wurden weitere 1000 Stück hergestellt (B Serie), bevor man zum nächsten Buchstaben – C – überging usw.


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(Original Werbung der Royal Oak aus 1972, Quelle: watchcollectinglifestyle.com)​

Die erste Royal Oak mit der Seriennummer 101 und Werknummer 127230 wurde vom Schah von Persien Mohammad Reza Pahlavi am 6 Juli 1972 gekauft, welcher einen Prototyp der Royal Oak am Arm des Boutiquenchefs von Vacheron Constantin in Genf sah und sich sofort in die Uhr verliebte. Interessant dabei ist, dass die erste Uhr für den Schah aus Weißgold – und nicht etwa aus Stahl – gefertigt wurde. Dies deshalb, da auch der Prototyp aus Weißgold gefertigt wurde, da es aufgrund der Weichheit einfacher und damit für die Prototyp Kleinserie günstiger zu verarbeiten war als Stahl und der Schah auf dieselbe Ausführung bestand.

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(Schah von Persien Mohammad Reza Pahlavi – der letzte Schah Persiens, Quelle: Rezabloggen.be)​

Regulär wurde das Weißgold Modell der Royal Oak 1977 eingeführt. Bis zum 30-jaehrigen Jubiläum 2002 hat AP mehr als 150.000 Royal Oaks verkauft.


Zifferblatt

Das Zifferblatt ist meines Erachtens ein Highlight jeder Royal Oak. Das Tapisserie Muster, auch Hufnagel Muster oder ‘Clous de Paris' Guilloche Muster genannt, sucht in Aufwand ihresgleichen. Die Zifferblätter wurden seit 1972 vom Zifferblatt-Hersteller Stern Creations produziert. Im Jahr 2012 konnte sich Audemars Piguet Guilloche Maschinen aus Kanada und den USA sichern, womit die Zifferblatt Produktion nach 40 Jahren In-House erfolgt.

Beim Pantographen handelt es sich um ein mechanisches Präzisionsinstrument welche das Motiv einer Schablone kreisartig von außen nach innen abtastet und im Maßstab verkleinert auf einen Stichel überträgt, der das Muster in das Messing Zifferblatt graviert. Die Präzision ist dabei auf hundertstel Millimeter genau und die Herstellungsdauer beträgt je nach Muster zwischen 45 Minuten und einer Stunde (pro Zifferblatt)!

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(Pantograph Funktionsweise, Quelle: Wikipedia)

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(Groß und klein, Quelle: professionalwatches.com)

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(Stichel bei der Arbeit, Quelle: watchtime.net)​
 
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(und noch etwas genauer, Quelle: muehlbacher.com)



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(Pantograph bei AP, Quelle: Hodinkee.com)



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(Abtaster des Pantographen, Quelle: Hodinkee.com)​


Bei der Ref 5402ST handelte es sich um ein anthrazitfarbenes Petite Tapisserie Muster, inzwischen in der Ref 15202 zu finden. Die Oberfläche eines Petite Tapisserie Quadrats beträgt genau 0,49 mm². Royal Oaks mit den Ref. 15300, 15400, 15450 und andere ziert ein Zifferblatt mit Grande Tapisserie wobei die Quadrate grösser ausfallen als bei Petite Tapisserie Zifferblätter. Royal Oak Offshore Modelle haben ein weniger feines, Mega Tapisserie Muster, welche seit einiger Zeit gestempelt und nicht guillochiert werden.



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(Die verschiedenen Tapisserie Größen, Quelle: watchcollectinglifestyle.com)​



Was die Bezifferung der Zifferblätter angeht, so gibt es auch hier Unterschiede von Royal Oak zu Royal Oak.

Das Zifferblatt der A Serie, sowie einiger Uhren der B Serie, ist an den AP Initialen zu erkennen, die über dem 6 Uhr Index platziert wurden. Bei nachfolgenden Modellen – ab C - finden sich die Initialen auf der 12 Uhr Position. Bei den A-Serie Zifferblättern handelt es sich meist um Zweizeiler (Audemars Piguet, Automatic), wobei auch Dreizweiler (Audemars Piguet, Geneve, Automatic) im Umlauf sind. Zudem befindet sich unter dem Sechs Uhr Index bei der Ref. 5402ST meist ein >swiss< oder aber seltener ein >swiss made< Schriftzug, welcher auf ein Tauschblatt hinweisen kann.



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(Royal Oak der A-Serie aus 1972, Quelle: watchcollectinglifestyle.com)​

Interessant ist, dass die originale Krone der Ref 5402 kein Logo eingraviert hatte, das AP Logo ist also ein relativ sicheres Indiz für eine Tauschkrone beim Service.


Gehäuse und Band

Stahl Gehäuse und Band der Royal Oak überzeugen mit gekonnt gesetzten satinierten und polierten Flächen und mit insgesamt mehr als 250 Kantenbrechungen am Gehäuse.

Die original Royal Oak weist einen (für damalige Verhältnisse großen) Durchmesser von 38,8 mm (daher auch der Spitzname Jumbo) und eine geringe Höhe von 7 mm auf. Die acht radial ausgerichteten Sechskant-Weißgoldschrauben der Royal Oak werden oben in die die achteckige gebürstete Lünette gesetzt und von unten so festgezogen, dass die Lünette mit ihren wundervoll abgeschrägten Kanten den Glasrand und die Gummidichtung fest mit dem Gehäusekorpus verbindet.



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(Aufbau der Royal Oak, Quelle: watchtime.com)


Das Band der Royal Oak wurde mit Hilfe des berühmten Bandherstellers Gay Frères hergestellt, welcher 1930 die ersten Stahlbänder für Rolex produzierte, 1970 mehr als 500 Personen in Genf beschäftigte und später auch für das Band der Nautilus von PP herangezogen wurde. 1998 wurde Gay Frères von Rolex aufgekauft.

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(Verschiedene Bandmodelle des Band-Herstellers Gay Frères, Quelle: hodinkee.com)

Das Band der Royal Oak ist ein Schmuckstück für sich und begeistert in seiner Haptik ungemein. Die Stahlglieder des integrierten Stahlbandes verjüngen sich zur Schließe hin und sorgen für ein anschmiegsames Gefühl. Weißgold-Zeiger und Stundenindizes sowie die Datumsanzeige auf 3 Uhr runden das Gesamtbild der Royal Oak perfekt ab.

Der nautische Name und das Tauchergesicht der Royal Oak lassen eine hohe Wasserdichtigkeit vermuten. Die Ref. 5402 ist jedenfalls bis 50 Meter wasserdicht.

Werk

Audemars Piguet verwendete das um eine Datumskomplikation erweiterte Kaliber 2120 – das Kaliber 2121. Das Kaliber 2121 wurde bereits 1967 im Rahmen eines Joint Ventures unter Leitung von Jaeger-LeCoultre mit technischer Unterstützung von Audemars Piguet und einer gemeinsamen Finanzierung durch Audemars Piguet, Patek Philippe and Vacheron Constantin als ultraflaches Manufakturkaliber vorgestellt.


Das Urprodukt des gemeinsamen Vorhabens war das Jaeger-LeCoultre Kaliber 920, welches dann von den drei beteiligten Unternehmen jeweils modifiziert und mit eigenen Namen herausgebracht wurde: Patek Philippe Kaliber 28-255 C – Verwendung in der Nautilus, Vacheron Constantin Kaliber 1120 für das Modell 222 und Audemars Piguet eben das Kaliber 2120. Interessant ist, dass das JLC Kaliber 920 nie von JLC in einer eigenen Uhr verbaut wurde.


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(Original JLC Kaliber 920, Quelle: hodinkee.com)


Das 19.800 VHP Kaliber 2121 verfügt über einen Rotor mit 21-Karat Gold-Schwungmasse, welches mit vier Rubinrollen auf einer Beryllium Schiene seine Runden gleitet, einer Kif-Stoßsicherung und einer Gyromax-Unruh mit Microstella-Gewichtsschrauben. Das Kaliber 2120 bietet eine 40 Stunden Gangreserve.

Mit einer Höhe von 3,05 mm verdient das Kaliber 2121 auch die Bezeichnung „ultraflach“ und gehörte bis heute zu den Leckerbissen der Horlogerie.


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(Kaliber 2121 von AP, Quelle: urdelar.se)


Noch etwas Werbung:

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(dt. Werbung inkl. Rechtschreibfehler, Quelle: watchprosite.com)

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(A tribute to steel, Quelle: squarespace.com)
 
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