Tutorial Wartung einer Swatch Automatik in Bildern

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Eine Swatch Automatik warten? Warum sollte man eine Wegwerfuhr mit schon ziemlich zerbröseltem Gehäuse warten? Naja die Uhren sind ziemlich günstig zu bekommen und aufgrund ihrer großen Ähnlichkeit zum ETA 2824, eignen sie sich hervorragend als Übungsobjekt bevor man eine richtige Uhr anfasst.
Ich habe mir also eine Swatch besorgt und mich ans Werk gemacht.
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Der Boden ist gedrückt und lässt sich relativ leicht ab hebeln. Ich habe dann die zentrale Schraube des Rotors gelöst und den Rotor entnommen. Im folgenden Bild sind auch schon die beiden schwarzen (oder ist es dunkelblau?) Schrauben der Automatic-Einheit gelöst.
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Danach lässt sich die Einheit abnehmen. Die Krone kann man herausziehen, wenn man mit einem Schraubendreher in den Schlitz zwischen Kronrad und Stellwelle im Bild oben drückt. Man sollte unbedingt einen Schraubendreher nehmen, der breiter ist als der Drücker in der Mitte des Schlitzes. Damit wird verhindert, dass man zu weit drückt und der Winkelhebel aus der Führung fällt.
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Nun kann man den transparenten Werkhaltering drehen, um ihn zu entriegeln.
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Jetzt kann man die Uhr umdrehen und das Uhrwerk fällt heraus.
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Vor dem Abheben der Zeiger lege ich eine Frischhaltefolie über das Zifferblatt. Sie verhindert das Wegfliegen der Zeiger und eine Beschädigung des Blatts durch die Werkzeuge. Ich habe im Bild unten nur einen Abheber gezeigt, weil ich mit der anderen Hand die Kamera halten musste. Wichtig ist, immer von beiden, gegenüberliegenden Seiten zu hebeln, damit man die Wellen nicht einseitig belastet. Das Kann gerade beim Sekundenrad zu Beschädigungen führen.

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Das Zifferblatt ist anders als beim 2824 nicht mit dem Uhrwerk verbunden. Es liegt nur auf dem Werkhaltering auf. Ein Zapfen bei 6 Uhr fasst in eine Ausparung des Zifferblatts und verhindert so ein Verdrehen des Blatts. Das Swatch Werk hat anders als das 2824 keine Löcher für die Zifferblatt-Füße eines 2824 Blatts. Deshalb kann man das Uhrwerk nicht ohne weiteres in einem anderen Gehäuse verwenden.
Das Zifferblatt kann man nach dem Entfernen der Zeiger einfach abnehmen.
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Das Uhrwerk kann man nach oben aus dem Haltering drücken.
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Als nächstes wird die Unruh entfernt.
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Spätestens jetzt muss man die Zugfeder entspannen. Dazu am besten die Krone wieder einbauen und leicht in Aufzugrichtung drehen. Sobald die Sperrklinke über einen Zahn des Kronrads gleitet, kann man mit einem feinen Schraubendreher die Klinke vom Kronrad wegschieben und die Krone durch die Finger gleiten lassen, bis die Feder entspannt ist. Ich habe den Fehler gemacht, zuerst die Schraube des Kronrads (Achtung Linksgewinde!) zu lösen. Dann hatte ich Probleme die Schraube des Sperrrads zu lösen. Es ist wesentlich einfacher erst die Schraube des Sperrrads zu lösen, da das Rad dann noch über die Sperrklinke gehalten wird. Also obwohl das Sperrrad auf den folgenden Bildern noch drin ist, sollte es das eigentlich nicht sein. Auf dem folgenden Bild ist die Schraube des Kronrads gelöst.
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Nach dem entfernen des Kronrads kann man die Sperrklinke entnehmen. Das ist bei mir immer einer der Momente in denen der Puls steigt, weil die Sperrklinkenfeder sehr leicht weg fliegt.
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Die Feder ziehe ich dann mit einer feinen Pinzette nach unten heraus (also ich ziehe sie in die im folgenden Bild gezeigten Position).
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Als nächstes entnehme ich das Sperrrad, was ich schon viel früher hätte tun sollen (siehe oben) und entferne die Schrauben für die Brücke über dem Federhaus.
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Danach wird die Brücke ab genommen.
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Jetzt können Aufzugtrieb, Kupplungstrieb und Federhaus entnommen werden.
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Im Bild oben sind auch schon die Schrauben für die Ankerbrücke entfernt. Jetzt wird die Brücke und der Anker entnommen und die Schrauben für die Brücke über dem Räderwerk entnommen.
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Die Brücke wird abgenommen.
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Jetzt können die Räder entnommen werden.
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Damit sind wir auf dieser Seite fertig.
 
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Also Werk umdrehen und auf der anderen Seite weiter.
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Die Wechselradbrücke ist bereits entnommen. Nun können Zeigerstellrad und Wechselrad entnommen werden. Danach wird die Halteplatte für die Datumsraste entfernt.
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Jetzt können die Datumsraste, die Datumsscheibe und die übrigen Räder entnommen werden.
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Hier ist schon die Schraube der Winkelhebelfeder entfernt. Die Feder kann nun mit einem Schraubendreher etwas angehoben und dann entnommen werden.
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Jetzt noch die Hebel entfernen und wir müssen nur noch die Lagersteine der Stoßsicherung entnehmen. Das entnehmen ist noch recht einfach. Man dreht die Feder so, dass ihre Enden in die Aussparungen kommen. Dann kann man sie und die Steine entnehmen.
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Damit sind wir auch auf dieser Seite fertig.
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Hier die Einzelteile des Werks.
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Nach der Reinigung der Teile geht's ans Zusammenbauen. Wir starten mit dem Einbau der Stoßsicherung in die Platine. Also Deckstein ölen, in den Lochstein setzen. Beide in die Platine setzen und die Feder wieder einsetzen. Klingt einfach ist aber bei dieser Stoßsicherung nicht ganz trivial, weil man die drei Enden der Feder mit nur zwei Händen herunter drücken muss. Ich habe das gelöst, indem ich einen Zahnstocher so gekürzt habe, dass der Durchmesser etwas kleiner als der Stein in der Stoßsicherung ist. Dann habe ich den Zahnstocher in den hohlen Plastiksteg eines Wattestäbchens gesteckt. Von der anderen Seite habe ich mit einem feinen Bohrer eine Vertiefung in den Zahnstocher gebohrt. Das Ergebnis sieht dann so aus.
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Man legt die Feder auf den Stein, setzt den Zahnstocher auf und dreht damit die Feder in Position.
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Hier sind ein paar Brösel des Zahnstochers auf dem Stein liegen geblieben. Die kann man mit etwas Rodico entfernen.
Nun können die Räder wieder eingesetzt werden.
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Danach wird die Brücke montiert. Man sollte beim einsetzen der Räder darauf achten, dass die unteren Zapfen in den Lagern sitzen, bevor man die Brücke auflegt. Dann sollten, wenn man leicht auf die Brücke drückt und die Räder etwas hin und her bewegt, alle Räder bis auf das Ankerrad in die Brücke rutschen. Um das Ankerrad zu positionieren bewege ich es mit einer feinen Pinzette in Position, bis der Zapfen in die Brücke gleitet. Dann sollte die Brücke schlüssig auf der Platine liegen. Erst danach dürfen die Schrauben eingesetzt und angezogen werden. Dabei muss man darauf achten, dass man nicht aus versehen zwischendurch die Brücke etwas anhebt und dadurch die Zapfen aus den Lagern können. Also vor dem Anziehen der Schrauben leicht auf die Brücke drücken und prüfen, ob die Räder leicht laufen.
Dann den Anker auf die Platine setzen. Dabei wieder darauf achten, dass der Zapfen im Lager liegt.
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Jetzt die Brücke aufsetzen und den Anker solange leicht bewegen, bis der obere Zapfen in das Lager gleitet. Erst dann die Schrauben einsetzen und anziehen.
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Jetzt das Federhaus wieder einsetzen.
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Danach die Brücke montieren.
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Im Bild oben ist die Sperrfeder schon wieder eingesetzt (unnötig zu erwähnen, dass dabei der Puls etwas gestiegen ist) und die Sperrklinke eingelegt ist. Jetzt kann das Kronrad wieder eingesetzt werden.
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Danach wird das Sperrrad wieder montiert.
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Beim Anziehen der Schraube für das Sperrrad kann man dann auch schon ein wenig Spannung auf die Zugfeder bringen. Dann sollte das Werk nach dem Einbau der Unruh schon wieder laufen.
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Ich habe das man kurz auf die Zeitwaage gelegt und es machte eine recht gute Figur. Weiter geht's auf der anderen Seite.
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Hier ist schon alles so weit fertig, dass die Winkelhebelfeder wieder eingesetzt werden kann.
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Ich habe dabei nur darauf geachtet, dass die Feder in der richtigen Position ist, die Enden, sowohl am Winkelhebel als auch am Kupplungstriebhebel sind noch nicht in der richtigen Position. Das wird jetzt durch spannen der Enden mit dem Schraubendreher nachgeholt. Danach werden die Räder eingelegt.
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Dann werden Datumsscheibe, Datumsklinke und die Räder für den Datum-Mechanismus wieder eingesetzt.
 
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DreizeigerFan

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Jetzt noch das Stundenrad drauf und die Abdeckungen montieren. Schon sind wir mit dem eigentlichen Uhrwerk fertig.
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Die Teile der Automatic-Einheit sind recht übersichtlich.
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Die Räder einlegen
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und die Brücke wieder drauf -> fertig.
Leider zeigte das Uhrwerk dann bei Vollaufzug auf der Zeitwaage ein ziemliches Schneegestöber. Also nochmal die Unruh raus und genauer betrachtet.
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Man kann deutlich erkennen, dass die Windungen der Spirale unten deutlich enger aneinander liegen als oben. Außerdem liegt die Spirale oben fast am Spiralklötzchen an. Das hat wohl, immer dann wenn die Feder das Klötzchen berührt hat, zum Schneegestöber auf der Zeitwaage geführt. Ich musste also an der Feder herum biegen, was ich ausgesprochen ungern tue. Auch hier ist der Puls mal wieder deutlich angestiegen. Aber jetzt macht das Werk wieder eine ganz gute Figur.
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So hat sich das jetzt gelohnt? Nun ja, ich habe immer noch eine Uhr mit zerbröseltem Gehäuse, die auch in perfektem Zustand keinen hohen Verkaufswert erzielen würde. Aber der Erkenntnisgewinn war es allemal wert.
 
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Aeternitas

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Hi!
Vielen Dank für die detailierte Beschreibung.
Wahrscheinlich sind viele Teile überkreuz mit dem 2824 ersetzbar, ich habe das zumindest schon mit der Automatikeinheit gemacht- aus der Erinnerung.
Ist das ein Kunsstofflager bei der Brücke über dem Großbodenrad?
 
DreizeigerFan

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@Aeternitas : Ja das scheint ein Kunststofflager zu sein. Die Teile sind zu einem großen Teil mit dem 2824 tauschbar. Ich habe mal spaßeshalber eine Swatch auf 28800 Bph mit Teilen aus dem 2824 umgebaut. Dazu musste ich die Unruh, den Anker und das Ankerrad tauschen. Danach hatte die Uhr eine sehr geringe Amplitude, weil die Zugfeder unterschiedlich ist. Also auch noch die Zugfeder eines 2824 eingebaut und dann festgestellt, dass der Rotor zu leicht ist. Deshalb musste der auch getauscht werden.
Ich vermute mal, dass hier auch das Sekundenrad in der Höhe vom einem standard 2824 (mit Höhe H2) abweicht, da die Speichen anders sind.
 
Milschu

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Perfekter Bericht einer Revision, klasse bebildert und erklärt. Egal ob das ein teureres oder preiswerteres Werk ist, der Lerneffekt zählt.
 
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Schön, schön, schön! :super: Tolle Arbeit und tolle Dokumentation, @DreizeigerFan.

Das Werk finde ich optisch sogar ziemlich ansprechend. Technisch-kühl, sauber, übersichtlich. Gar nicht unhübsch!
 
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Wartung einer Swatch Automatik in Bildern

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