Vulcain 120 Cricked - Revisionsbericht eines Armbanduhrweckers

Diskutiere Vulcain 120 Cricked - Revisionsbericht eines Armbanduhrweckers im Anleitungen & Revisionen Forum im Bereich Uhrenwerkstatt; Hallo Zusammen, ich hatte einen schönen Armbanduhrwecker auf der Werktisch. Das wollte ich euch nicht vorenthalten und habe ein paar Bilder...

Quecksilber

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Hallo Zusammen,

ich hatte einen schönen Armbanduhrwecker auf der Werktisch. Das wollte ich euch nicht vorenthalten und habe ein paar Bilder gemacht. Viel Spaß :)

Werkhersteller: Vulcain
Kaliber: 120 Cricked

Funktionen
Aufzug:
Handaufzug - Aufzug beider Federhäuser über eine Krone
Zeitanzeige: Sekunde / Minute / Stunde
Wecker: 12 Stunden-Zeiger
Einstellung: Wecker und Zeitanzeige werden in Verbindung mit einem Drücker auch über eine Krone eingestellt.

Technische Daten
Gangreserve:
42 Stunden
Schlagzahl: 18000 pro Stunde
Größe: 12,5 Linien
Steinanzahl: 17
Alarm: 20 Sekunden

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Dieser Handaufzugwecker läuft nicht mehr. Er brauch einen Service.

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Der Deckel wird zunächst geöffnet.

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Zum Vorschein kommt das Vulcain 120 Cricked.

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Und hier sehen wir auch direkt zu Hauptursache des stehenbleibends. Das Halteplättchen für den Rücker hat sich gelöst und in der Unruh verklemmt. Wo wohl die Schraube dazu ist?
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Das Uhrwerk wird ausgeschalt.

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Nach dem ich das Halteplättchen entfernt hatte, lief sie wieder an. Allerdings mit sehr schlechten Gangbild. Schaut so aus, als wäre die verlorene Schraube mitschuldig.

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Jetzt entferne ich das Zifferblatt und die Zeiger.

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Beginnen wir mit der Vorderseite.

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Die Feder für das Entriegelungsrad muss zuerst entfernt werden.

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Das geschieht durch ein verdrehen.
 
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Quecksilber

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Die doppelte Winkelhebelfeder, die gleichzeitig als Deckplatte dient wird abgebaut. Auch das Entriegelungsrad, das auf dem Viertelrohr sitzt.

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Als nächstes das Viertelrohr.

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Für sowas kann man einen Presto Zeigerabheber verwenden.

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Nach und nach werden die Wechsel und Zwischenräder abgenommen.

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Auch die Zeiger- und Läutwerkstellvorrichtung wird abgebaut.

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Hier sieht man gut das Steigrad mit seinem "Anker", das den Hammer für den Wecker in Bewegung setzt.

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Alle Bauteile der Vorderseite.

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Die Vorderseite ist nun komplett zerlegt.

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Als nächstes ist die Rückseite dran.

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Die Kronräder und die Sperrräder mit den Sperrkegeln werden entnommen.
 

Quecksilber

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Die Unruh mit Kloben wird entfernt.

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Hemmrad mit Brücke und Anker mit dessen Brücke.

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Die Ankerpaletten, des Ankers sind nicht eingelaufen. Hier muss nichts ersetzt werden.

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Hemmrad, Sekundenrad, Kleinbodenrad, Sekundentrieb und dessen Brücke.

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Brücke für Minutenrad und für die Federhäuser wird abgebaut. Der Hammer wird ebenso von dieser gelagert.

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Und da haben wird auch den Übeltäter gefunden. Die Schraube der Halteplatte.

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Am Minutenradzapfen ist deutlicher Verschleiß erkennbar. Alle anderen Bauteile bis auf die Zugfeder waren in Ordnung.

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Alles ist nun abgebaut.

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Eines der beiden Federhäuer war verölt. Das Öl ist aus dem Gehwerkfederhaus rausgelaufen und hat sich überall auf der Grundplatine verteilt.

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Auch auf dem Federhaus selbst.
 
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Quecksilber

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Die Zugfeder vom Gehwerk ist völlig lahm. Das ist vermutlich sogar noch die Originalfeder. Eine S-Form ist nicht erkennbar.

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Auch die Zugfeder vom Läutwerk wird ausgewunden. Sie ist ziemlich lang und dünn, um eine längere Weckzeit zu ermöglichen.

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Das Vulcain 120 komplett zerlegt.

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Die Bauteile kommen in die Reinigungskörbchen.

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Und werden in der Reinigungsmaschine gereinigt.

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Das Gehäuse wird auch gereinigt.

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Der Kunstoffring im Deckel ist schonmal gerissen und geklebt. Dieser hält den Deckel im Gehäuse fest. Das lasse ich am besten so.

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Als nächster Zerlege und Reinige ich das Schwingsystem.

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Die Unruh wird abgestiftet.

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Jetzt kann der Deckstein entfernt werden.
 
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Quecksilber

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Ich habe mich dazu entschieden diese Teile nur mit Putzholz und Bergeon B-dip zu reinigen. Diese tue ich nicht nochmal extra in die Reinigungsmaschine.

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Alle Teile sind jetzt gereinigt und ordentlich sauber.

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Es sind keine alten Schmierstoffrückstände mehr zu sehen.

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Hemmrad, Anker und Decksteine werden Epilamisiert.

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Das Federhaus für das Gehwerk bekommt eine neue Zugfeder.

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Die Zugfeder für das Läutwerk wird wieder in sein Federhaus eingewunden.

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Das Minutenrad wird gegen eines neues ausgetauscht. Hier sieht man den polierten Zapfen davon.

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Jetzt wird alles wieder wieder Rückwärts zusammengesetzt. Federhäuser, Minutenrad, Hammer.
 

Quecksilber

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Minutenradbrücke, Sekundenradtrieb, Sekundenrad, Kleinbodenrad.

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Räderwerksbrücke, Hemmrad.

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Hemmradbrücke mit Deckstein und Anker.

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Ankerbrücke, Sperrräder, Sperrkegel und Kronräder.

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Die Unruh mit Brücke wird wieder zusammengesetzt und eingebaut.

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Mit der Vorderseite geht's weiter. Der Deckstein für die Unruh wird eingesetzt.



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Die Vorrichtungen für das Läutwerk werden nun wieder eingebaut.

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Das Viertelrohr wird aufgesetzt.

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Wechselrad, Kupplungstrieb und Kupplungsrad.

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Zeiger- und Läutwerkstellvorrichtung.
 

Quecksilber

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Nun ist wieder alles zusammengesetzt.

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Das Uhrwerk macht wieder ein schönes Gangbild. Auch habe ich die Unruh noch etwas ausgewuchtet. Die Lagenabweichung ist für so ein altes Uhrwerk noch in Ordnung gewesen, dennoch wollte ich etwas nachhelfen.

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Zeiger und Zifferblatt kommen wieder drauf.

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Das Werk wird wieder ins Gehäuse eingeschalt.

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Anschließend hat sie noch ein neues Plexiglas bekommen. Das alte Glas war am Rand teilweise spröde und gerissen. Sie wird jetzt noch ein paar Tage kontrolliert und wieder an die Besitzerin übergeben. :)
 

Mickey

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Toll! Einfach beeindruckend wie einem altes Schätzchen wieder zu neuem Glanz verholfen wurde.
 
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FelixB

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Vielen Dank für den Einblick in die Werkstatt! Das Lesen macht Freude und die vielen Bilder regen immer an selbst etwas mitzudenken.
 

Keloux

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Danke, du bist mittlerweile echt ein Vorbild für mich :super: :D
Bist du gelernter Uhrmacher oder hast du es dir nach und nach selbst beigebracht ?
 

watchhans

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Super! :klatsch:
Ich habe ebenfalls ein Vulcain 120. Traue mich aber nicht ran, weil hier noch alte Radium-Zeiger und -leuchtpunkte verbaut sind.
Die strahlen auch noch nach 66 Jahren! Das sollte man nicht unterschätzen!
 

Quecksilber

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Danke, du bist mittlerweile echt ein Vorbild für mich :super: :D
Bist du gelernter Uhrmacher oder hast du es dir nach und nach selbst beigebracht ?

Hallo Keloux,

dankeschön für die netten Worte. Ich habe das gelernt. Überwiegend habe ich mir aber vieles selber beigebracht, da ich mich in meinem Lehrbetrieb leider nicht sonderlich ausleben konnte.
 

monchichi55

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Hey Kevin,

wieder mal sehr gute Arbeit und eine tolle Dokumentation darüber, ich freue mich schon auf den nächsten Bericht 😉

Viele Grüße
Martin
 
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