Vorstellung und Beschreibung der Elgin-Haller Drehpendeluhr

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…und ein weiterer Jahresuhren Exot: diesmal von Elgin-Haller.

Ebenfalls eine hier seltene, mechanische Drehpendeluhr und eine der letzten mechanischen von (Siegfried) Haller,
die ausschließlich in den USA unter dem Namen Elgin (ehem. US Uhrenhersteller) -Haller vertrieben wurde.
Wieder mit Einblick in die Funktionsweise, besonders in die unübliche Art des Aufzugs mit „explodierenden“
oder sich aushängenden Aufzugfedern (bei dieser Uhr dem Hauptproblem).

Auch diese Uhr befindet sich seit längerer Zeit in meiner Sammlung, ist in Deutschland kaum zu finden, und wenn doch,
meist als Totalschaden. Auch in den USA wurde der Verkauf nach einiger Zeit damals wieder gestoppt da es durch das
Problem mit der Aufzugfeder zu Sach- und Personenschäden kam.
Das passiert oft unvermittelt, ohne Vorankündigung, im ganz normalen Betrieb.

b01.jpg
Bild 1 Gesamtansichten der Uhr (zur besseren Erkennbarkeit ohne Dom)


Beschreibung:
Es handelt sich um eine mechanische DPU Uhr mit einigen technischen Innovationen.
So besitzt die Uhr keine (Horolvar) Pendelfeder und ist somit keine Torsionspendeluhr, dennoch aber eine „echte“, mechanische Drehpendeluhr
Oben erfolgt die Aufhängung des Pendels durch eine Führung, eine Hülse plus einer Feder welche für das Rückschwingen
des Pendels sorgt nachdem es durch den Anker „angestoßen“ wurde (s. Bild 12).
Unten liegt das Pendel magnetisch und ohne Reibungsverluste ebenfalls in einer Hülse, wodurch eine Justierung auf „Mitte“,
wie bei anderen DPU nicht erforderlich ist, da auch eine leicht „schiefe“ Aufstellung der Uhr bis zu einigen Grad durch die
untere Aufhängung kompensiert wird und das Pendel sauber schwingt (Bild 13).
Das Pendel selbst hat eine relativ geringe Masse, da die Kugeln des Pendels aus Kunststoff bestehen wodurch es
mit 12 Halbschwingungen/Minute 1,5 Mal so schnell schwingt wie bei den meisten anderen mechanischen Drehpendel-/Jahresuhren.

Besonders ist bei dieser Uhr aber die Art des Aufzugs, hier geschieht das nicht durch die übliche Aufzugsfeder in einem kl. Federgehäuse
wie sonst fast immer, sondern durch das Aufwickeln einer sehr langen und kräftigen Feder von einer Trommel zur anderen,
also quasi anders herum. Eine genaue Beschreibung folgt unten.

Das eigentliche Uhrwerk ist ähnlich aufgebaut wie bei anderen DPU, ist wie immer relativ einfach, und wird im nicht weiter erklärt.
Da die Uhr nur in den USA auf den Markt kam liegen mir Prospekte, Preise, Herstellungszahlen sowie weitere Daten leider nicht vor.
Anzunehmen ist eine Produktionszeit Anfang/Mitte der 80er Jahre.
Wenn also auch hier jemand zusätzliche Infos zu diesem Modell haben sollte: bitte gern ergänzen.

Größe: Höhe mit Dom 29,5cm Fußdurchmesser 20cm (Dom 27/14 cm)
Gewicht: Mit Glasdom ca. 1800g, mit Kunststoffdom ca.1680g
Ausführung: Messing mit wenigen Kunststoffteilen und Echtglasdom (original)
Modell-/Werkbezeichnung: S. Haller E-49 (ein Stein), Made in Germany
Ausrichtung der Uhr: aufgrund der Pendelausführung nicht erforderlich
Pendelfeder (Torsionsfeder): nicht vorhanden (s. oben)
Pendel(halb)schwingung: mind. 360 bis etwa 560 Grad je nach Federkraft
Pendel(halb)schwingungen/Minute: 12
Feinregulierung: Am Pendel wie bei mechanischen DPU üblich


b02 werk.jpg
Bild 2 Detailbild Skelettwerk


Allgemeines und Wichtiges zu dieser Beschreibung:
Ich möchte hauptsächlich auf die spezielle Art des Aufzugs eingehen. Allgemeine Funktionen/Instandsetzungen beschreibe ich
aus dem gleichen Grund wie bei der Kundo-Motor-DPU (-> Vorstellung Kundo “motordrive” ) nicht weiter.
Da diese Elgin-Haller (teilweise) im Forum schon gezeigt wurde kann es sein dass einige Erklärungen deshalb evtl. erfolgt/doppelt sind,
ich nenne sie aber wegen der besseren Verständlichkeit und zur Vollständigkeit nochmals.
Ich möchte außerdem am Ende der Anleitung Tipps und „Updates“ zur Uhr geben, welche m.E. für mehr Sicherheit beim Betrieb sorgen (können).
Manche der folgenden Sicherheitshinweise oder Vorsichtsmaßnahmen mögen dem erfahrenen Uhren-Freund eventuell übertrieben erscheinen.
Da die Beschreibung aber auch von weniger erfahrenen Personen oder welchen die so eine Uhr „gefunden“ haben und sich mit Uhren / Reparaturen
nicht auskennen gelesen wird, erschien es mir unbedingt erforderlich diese Hinweise einzufügen.

Vorsicht beim Umgang mit dieser Uhr (besonders beim Aufziehen)!
Nicht umsonst wird die Uhr in einigen amerikanischen Artikeln oder Foren als „german time bomb“ (GTB)
oder „suicide clock“ beschrieben da durch die Triebfeder eine erhebliche Verletzungsgefahr besteht.

Arbeiten an, besonderes der Feder, dieser Uhr erfordern fundierte Kenntnisse und Erfahrungen bei der
Reparatur von mechanischen Großuhren, Triebfedern etc. und ggf. auch entsprechendes Werkzeug.
Von einer Instandsetzung der Uhr ohne dieses Fachwissen wird ausdrücklich abgeraten!

Die Uhr nur mit angebrachtem Feder- Schutzdeckel aufziehen und betreiben.

Nie die vier Schrauben an der Rückseite der hinteren Platine lösen solange die Feder nicht komplett entspannt ist.


b03.jpg
Bild 3 Warnhinweis auf der Rückseite der Uhr

Ich übernehme keinerlei Verantwortung oder Haftung für jegliche Sach- oder Personenschäden aufgrund dieser Veröffentlichung.
Alle Arbeiten an und der Umgang mit der Uhr liegen in der alleinigen Verantwortung des Lesers.



Funktionsweise Federaufzug:
Das eigentliche Uhrwerk und die Federeinheit sind, wie auf Bild 1 zu sehen, bei der Uhr voneinander getrennt.
Das „Skelett“ Uhrwerk liegt kpl. außerhalb des Federgehäuses, die Feder in einem rundherum geschlossenen „Kasten“ dahinter.

b04 feder.jpg
Bild 4 Federanordnung (Feder intakt und etwa zur Hälfte aufgezogen)

Blick auf die Feder bei zusammengebauter Uhr in „scharfem“ Zustand.
Die Feder wird durch das Abziehen des U-förmigen Schutzdeckels nach oben möglich der in Schlitzen zwischen den beiden Platinen sitzt.
Den Deckel nur bei noch einwandfreier Funktion des Aufzugs abnehmen!
Aufgezogen wird die Uhr durch den Vierkant A entgegen dem Uhrzeigersinn, ein Pfeil zur Aufzugsrichtung
befindet sich zusätzlich auf der hinteren Platine (Bild 3).
Hierdurch wird die auf der Trommel B ungespannt aufgewickelte Feder entgegen ihrer Wickelrichtung auf der Trommel C aufgewickelt,
welches eine ungeheuer große Spannung der Feder auf C, auch da die Feder breit und sehr lang ist, bedeutet.
Die Feder hat die unglaubliche Länge von 5,5m ist 24mm breit und hat eine Stärke von 0,3mm. Im „Ruhezustand“ ist die Feder aufgewickelt, heißt,
sie rollt sich im entspannten Zustand zusammen und geht nicht „auf“ wie alle anderen Aufzugfedern.

b05 feder 2.jpg
Bild 5 Feder entspannt

Entspannte und auf der „Vorrats“ Trommel B aufgewickelte Feder bei (mit vor dem Zerlegen natürlich entspannter Feder) entfernter vorderer Platine.
Zusätzlich wurde die Feder von der Trommel C gelöst wo diese mit einer Schraube s befestigt ist.
Hier wir auch die Lage der entspannten Feder ersichtlich und in welche Richtung die Federkraft wirkt wenn die Feder an C befestigt ist und C dann (
hier im Uhrzeigersinn) gedreht wird, da die Feder immer bestrebt ist sich wieder auf B zurück zu wickeln.

b06.jpg
Bild 6 Die Feder auf der (Vorrats-)Trommel B

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Bild 7 Leere Trommeln mit Triebrad auf hinterer Platine von vorn gesehen.

Die Scheibe auf Trommel B (hier auf B nach unten gerutscht) dient als Abstandhalter zwischen D und der Feder,
da die Feder sonst am Zahnrad reiben würde oder dort bei etwas schrägem Auf-/Abwickeln klemmen oder scheuern könnte.

Federsperre: Die Uhr hat keinen Sperrhebel wie egtl. fast immer vorhanden, sodass ein manuelles „Ablassen“ der Feder wie sonst nicht möglich ist.

Die Sperrfunktion für die Feder ist (vereinfacht) so gelöst: In C liegt im Inneren einer starke Feder die D, das mit einer Hülse in C steckt, verklemmt.
Beim Aufziehen entspannt sich die Feder etwas sodass die Auzugwelle dann C „frei“ drehen kann. Sobald die Welle nicht mehr gedreht wird,
entspannt sich die Sperrfeder und verklemmt C und D fest miteinander und die Federkraft wird dadurch über D an das Werk abgegeben.
Gleichzeitig bewirkt das Verklemmen auch, dass die Feder nicht in falscher Richtung aufgezogen werden kann.
(Abbildungen hierzu -> www Link 1, Seite 3 oben)

Feder entspannen/„ablassen“
Die einzige Möglichkeit ist die untere kleine Platine (X) auf der Vorderseite der Uhr, die Hemmrad und Anker hält,
zu entfernen (zwei Schrauben (x), Bild 8). (Sinnvoll ist es natürlich auch vorher die Zeiger und den Zifferblattring zu entfernen.)
Dabei das verbleibende (obere) Räderwerk mit etwas geeignetem blockieren um ein sofortiges, schnelles loslaufen zu verhindern.
Ist beides entfernt die Uhr vorsichtig (ggf. zusätzlich durch manuelles Bremsen) ablaufen zu lassen.
Den Schutzdeckel dabei auf der Uhr belassen.
Vorsicht:
wenn das Räderwerk nach einer gewissen Zeit von selbst stehen bleibt befinden sich noch div. Restwindungen auf C!
Diese Windungen gelangen dann nur durch zusätzliches, manuelles „Anschieben“ und Weiterdrehen des Räderwerks in Ablaufrichtung wieder auf Trommel B.
Erst wenn sich die Feder komplett (wie in Bild 5) auf Trommel B befindet ist keine Spannung mehr auf dem Werk/der Feder vorhanden.

b08.jpg
Bild 8 Ankerplatine


Probleme:
Defekt 1: Am häufigsten ist dass die Uhr „überzogen“ wurde.
Wobei aber weniger das gewaltsame Aufziehen gemeint ist, sondern das Problem in der Konstruktion
bzw. in einem sich mit der Zeit ergebendem Defekt liegt (s. weiter unten).

Am inneren Ende der entspannten Feder ist ein langer Schlitz (Pfeile) vorhanden
der etwa um eine ganze Windung der aufgerollten Feder geht.

b09.jpg
Bild 9 Feder mit Schlitz und Trommel B mit Sperrklinke

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Bild 10 Trommel B von hinten gesehen

In der Trommel B liegt, solange die Feder noch mit einigen Windungen anliegt, versenkt (skizziert) die Sperrklinke (K).
Ist das Ende der Feder beim Aufziehen (letzte Windung) erreicht fällt (sollte fallen) die Sperre heraus.
Das Federende/der Steg x hängt sich dort wie angedeutet in der Klinke ein und die Drehung der Trommel wird blockiert
da die herausgetretene Klinke ein Weiterdrehen verhindert weil sie am Boden des Federgehäuses „sperrt“.
Fällt der Hebel nicht heraus (verklemmt, verklebt…) rutscht logischerweise die Feder mit einem Knall,
da sie sich auf Trommel C sofort entspannt, von Trommel B.

Das Ganze sieht dann so aus:

b11.jpg
Bild 11 Feder ausgehängt

Zu sehen ist auch, dass die Feder versucht sich sofort wieder in die andere Richtung aufzuwickeln.
Die Feder (deren Ende mit dem Steg) bleibt hierbei meist intakt.
Dieser Fehler kann bei angebrachtem Schutzdeckel überprüft werden indem versucht wird die Uhr aufzuziehen.
Ist beim Drehen des Schlüssels alle paar Umdrehungen ein „Knallen“ zu hören aufzuziehen
(weil die Feder dabei durch die Stege rutscht und an den Deckel schlägt) liegt dieser Defekt vor.

Defekt 2: Seltener aber ähnlich.
Wurde doch zu viel Kraft beim Aufziehen aufgewandt, kann es (oder durch Materialermüdung) sein, dass der Steg (x) am Ende der Feder bricht.
Das Ergebnis und des Testen ist dann gleich dem bei Defekt 1. Jedoch wird hier wegen des defekten Federendes eine neue Feder zur Reparatur benötigt,
die aber, anderes als vor einigen Jahren, zum Zeitpunkt des Threads nicht mehr zu bekommen war.

Der Federgehäuse-Schutzdeckel kann in diesen beiden Fällen vorsichtig abgezogen werden, da die Feder noch durch die Trommel B
und die beiden oberen Stege der Platinen-Halterungen (Bolzen) auf der Trommel C auf Spannung gehalten wird.

Der Unterschied Defekt 1 und 2 ist dann am Federende leicht zu erkennen.

Defekt 3: Korrosion der Feder.
In einigen Fällen korrodiert die Feder da diese nicht, oder wenn, nur minimal geölt/gefettet ist.
Die Feder „explodiert“ dann regelrecht da sie dabei in mehrere Stück zerspringt die,
aufgrund der plötzlich frei werden Spannung, stark genug sind die Schutzkappe nach oben weg zu sprengen.
Gleichzeitig zerlegt sich dabei auch der Glasdom -> Glassplitter und Federteile fliegen dann durch die Gegend
(-> time bomb). Schlecht wenn gerade jemand in der Nähe ist oder dies beim Aufziehen passiert (Bild -> Link 3).

Defekt 4: Brechen der Sperrfeder in Trommel C (selten).
Hierbei bricht entweder die Feder selbst oder rutsch manchmal mit einigen Windungen durch den
(eigentlich zu schmalen) Spalt zwischen C und D, sperrt dann nicht mehr (oder verklemmt sich).
Die Folge ist ein spontanes Teil-Aufwickeln der Feder auf B, was mit einem jaulenden Geräusch innerhalb weniger Sekunden passiert.
Vorsicht: diverse Windungen mit viel Restspannung bleiben dabei auf C!
Festzustellen dadurch, dass sich der Schlüssel drehen lässt und ein Wiederstand da ist,
A aber nicht sperrt und sich sofort wieder zurück dreht (oder der Aufzug klemmt).
In beiden Fällen ist eine neue Feder notwendig, die jedoch auch nicht (wie die Triebfeder) bei Haller zu bekommen ist.
Es bliebe nur eine passende mit exakt identischen Abmessungen und Spannung selbst herzustellen/herstellen zu lassen.


Die Pendelaufhängung
wird nicht weiter ausführlich erklärt, da mir keine Uhr bekannt ist wo diese defekt war, justiert werden musste oder das Pendel „ausgehängt“ war.
Im Gegensatz zu den Torsionspendlern geht oder verschleißt bei der Uhr die Aufhängung (außer mit roher Gewalt) m.E. nie.


b12.jpg
Bild 12 obere Pendel-Aufhängung

Hemmrad (1) mit Anker (2), der am unteren Ende eine Gabel hat in die der Stift (4) der oberen Federbefestigung eingreift und den Anker bewegt,
darunter sitzt die „Pendelfeder“. Geführt wird das Pendel oben (wie unten) in der Hülse (3), die für eine Ausrichtung des Pendels sorgt.
Die Feder (5) übernimmt bei dieser Art der Konstruktion die Funktion der (Horolovar) Pendel-Feder.

b13.jpg
Bild 13 untere Pendel-Aufhängung

Unten sitzt das Pendelende (6) in einer Hülse (7) und wird dort durch zwei sich abstoßende Magneten am Pendel
und in der Hülse „hochgehalten“ und geführt.
Zum Ausbau des Pendels kann die Hülse, die auf der Unterseite des Fußes abgeschraubt ist, entfernt werden.


Fazit:
Wenn der störanfällige und gefährliche Aufzug der Uhr nicht wäre eigentlich eine sehr innovative und interessant DPU.
Hochwertig und gut verarbeitet mit einer guten Ganggenauigkeit. Durch das schneller drehende und leichtere Pendel
auch kaum anfällig für äußere Beeinflussungen der Pendelbewegung wie durch z.B. Erschütterungen beim Dom abnehmen, Stöße etc..
Ein „Zittern“ des Pendels, wie bei anderen DPU nach Erschütterungen, ist hier nie festzustellen
und die Aufstellung ist ohne die erforderliche genaue Ausrichtung der Uhr unproblematisch.


(Instandsetzung)
Ich wollte jetzt ursprünglich etwas zur Instandsetzung des Aufzugs/der Triebfeder schreiben,
habe aber dann bewusst darauf verzichtet weil:
  • Bis auf Defekt 1 eine Instandsetzung aufgrund nicht verfügbarer Ersatzteile (Feder/-n) nicht möglich ist.
  • Die Gefahr dass ein(e) Reparatur(-versuch) zu schweren Verletzungen führt definitiv zu groß ist
  • Selbst Fachwerkstätten Reparaturen an dieser Uhr ablehnen (-> Link 2)


TIPPS und „UPDATES“

Schutzdeckel abnehmen
Falls notwendig empfehle ich dazu die Uhr so zu stellen dass man auf das Zifferblatt sieht, also quer, da man bei dieser Uhr nie sicher sein kann,
dass ausgerechnet jetzt (z.B. durch die Erschütterungen) die Feder/deren Teile herausspringen.
Das hat den Vorteil dass Feder(teile) wenn, dann seitlich, wegfliegen und Finger oder Augen hinterher noch intakt sind.

Federkontrolle
Bekommt, oder hat, man so eine Uhr sollte man sich unbedingt einmal den Zustand der Triebfeder ansehen (ob Korrosion vorliegt).
Es wäre auch sinnvoll dies alle paar Jahre einmal zu machen.
Tipp: zur Vermeidung von Korrosion sollte die Feder nie angefasst oder berührt werden, da Schweiß etc. langfristig ebenfalls zur Korrosion führen können.
Wenn Korrosion hierbei festzustellen ist empfehle ich die Uhr auf keinen Fall (weiter) zu betrieben, die Feder abzulassen und die Uhr so wegzustellen/zu entsorgen
dass von ihr keine Gefahr ausgehen kann.

Zweiter Schutzdeckel (Update 1)
Da der originale Deckel nur aus sehr dünnem Blech (0,5mm) ist und auch nur wenige 1/10mm in den Platinen sitzt kann dieser die Immense Kraft
die beim „Zerspringen“ der Feder auftritt nicht aufnehmen und wird aus seinen Führungen herausgesprengt.
Ein zusätzlicher Schutzdeckel kann das verhindern, ich habe dazu 2mm VA Blech (da rostfrei) genommen.
Das Blech mit 1mm weniger Breite (schmale Seite) und ein paar mm länger als den orig. Deckel zuschneiden.
Die Maße des Blechstreifens sollten dann 35mm mal ca. 270mm sein. Das Blech entsprechend abkanten und einfach über den anderen Deckel schieben.
Falls oben 1-2 mm Luft zwischen dem Original und dem zusätzlichen Schutzdeckel bleiben ist das sogar (für die Aufzuganzeige)von Vorteil.
Evtl. noch passend lackieren und schon sieht es auch (fast) original aus (Bild 14).

b14.jpg
Bild 14 Mit zusätzlich angebrachtem zweiten Deckel

Da der zweite Deckel zusätzlich unten hinter auch zwischen den Muttern
der Werkträger-Grundplatte „klemmt“ wird so das seitliche Wegdrücken gut verhindert.

b15.jpg
Bild 15 Deckel unten

Aufziehen (Ein, auch hier im Forum, schon geschriebener Tipp)
Vermieden werden kann das Herausrutschen des Federendes beim Aufziehen dadurch, dass die Uhr nicht bis zum Ende aufgezogen wird,
sondern nur etwa zu 2/3 damit 1/3 der Feder noch als Sicherheitsreserve auf Trommel B verbleibt. Da das aber erstens schwer zu schätzen ist
und zweitens sich die Feder sich im Betrieb nicht ganz auf B aufwickelt ist das ziemlich unsicher, deshalb kam mir die Idee einer:

„Aufzuganzeige“ (Update 2)
Schnell und einfach zu machen wenn man den zweiten Schutzdeckel gebaut hat.
(Ohne den ist die Funktion schlecht, da sich der „Anzeige-Stift“ verklemmt.)
Beide Deckel nehmen und oben genau mittig und genau übereinander passend ein Loch durch beide bohren
(z.B. 2mm, bzw. je nach verfügbarem „Stift“). Natürlich bei abgenommenen Deckeln und nicht auf der Uhr :D

b16.jpg
Bild 16 Die beiden Deckel

Dann etwas suchen was als „Anzeige“ geeignet ist. Ich habe einen 2mm Messingnagel genommen,
entsprechend gekürzt, entgratet und etwas abgerundet.
Bei mir sind es bei angebrachtem 2. Deckel (liegt auf dem orig. Deckel auf) von unten bis zum Kopf 10 mm.
Bei dieser Stiftlänge bleiben dann noch genug Windungen auf Trommel B bis die „Anzeige“ tätig wird.
Ist der 2. Deckel dicker als 2mm oder ist etwas „Luft“ zwischen beiden Deckeln muss der Stift bis natürlich entsprechend länger sein!

b17.jpg
Bild 17 Ungefähr bis zum "Anzeigen" des Stifts aufgezogen

Sind die Deckel aufgesteckt, der Stift eingesetzt und wurde geprüft ob er frei beweglich ist,
ist ein Aufziehen mit Sicherheitsreserve keine Lotterie mehr.

b18.jpg
Bild 18 Mit Deckeln und Stift noch nicht aufgezogen

Sobald die obere Trommel, wie in Bild 17, soweit gefüllt ist, und nur noch wenige Winden auf der Unteren sind,
drückt die Wicklung auf C den Stift nach oben und man kann problemlos erkennen, dass die Uhr weit jetzt genug aufgezogen ist.

b19.jpg
Bild 19 weit genug aufgezogen

Dom (Update 3)
Besonders wenn die Uhr dort betrieben wird wo sich Personen aufhalten, erscheint es sinnvoll den originalen Glas-Dom
durch einen aus Kunststoff zu ersetzten. So kann es im Falle eines Reißens der Feder und dessen Folgen nicht passieren
dass der Dom zerplatzt, Glassplitter durch den Raum fliegen und evtl. jemanden verletzen.


LINKS
Link 1 -> Passmore; The Haller ”Time Bomb” Anniversary Clock; PDF
Link 2 -> The Greenfield clock shop; “GTB”
Link 3 -> “Destroyed timepieces”


Ich hoffe, dass ich Euch auch mit dieser Vorstellung und Beschreibung der Technik einer weitern,
ungewöhnlich DPU Infos und, falls jemand diese bekommen oder besitzen sollte, hilfreiche Tipps geben konnte.
 
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Der Stromer

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92272 Hiltersdorf
Beide Deckel nehmen und oben genau mittig und genau übereinander passend ein Loch durch beide bohren
(z.B. 2mm, bzw. je nach verfügbarem „Stift“). Natürlich bei abgenommenen Deckeln und nicht auf der Uhr.

Wirklich? Ich hätte bis auf den Grund gebohrt... :ok: :lol:
 
Thema:

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