Vorstellung Junghans ATO Mutteruhr von ca. 1930 (Funktion, Einstelltipps...)

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18.03.2012
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In dieser Vorstellung möchte ich eine relativ seltene Vorkriegs-ATO Mutteruhr von Junghans/Pfeilkreuz (H.A.U.) zeigen,
die wesentlichen Funktionen beschreiben und Tipps zum Einstellen geben. Es handelt sich um eine Mutteruhr für große
Uhrenanlagen mit Relaisanschluss und selten zusätzlich eingebauten Kontakt(en) für Impulse zum Anschluss von Junghans
ATO Pendel-Nebenuhren.

01.jpg


Geschichtliches zu ATO Uhren:

02.jpg

1923 meldete Léon Hatot (Frankreich) das „ATO-Prinzip“ zum Patent an und begann mit der Fertigung dieser Art
elektro-magnetisch angetriebener Uhren in Paris.
Der Name ATO stand offensichtlich aber nicht für eine Abkürzung oder Beschreibung des Antriebs sondern ist vermutlich aus
der Kürzung des Namens Hatot für die Patentanmeldung entstanden. Bei den Uhren handelte es um Uhren mit ½ und ¼
Sekundenpendel mit Permanentmagneten und einer elektrischen Spule die kontaktgesteuert zeitweise ein Magnetfeld erzeugte
und das Pendel regelmäßig schwingen ließ.

Ein Jahr später begann die Firma Haller & Benzing diese Uhren in Deutschland in Lizenz zu fertigen, wobei allerdings die Werke
aus Frankreich von Hatot geliefert, die Gehäuse, Zifferblätter etc. hier hergestellt wurden und der Zusammenbau und Vertrieb
durch H&B erfolgte. Ab dem Beginn der Fertigung bei H&B begann aus Lizenzgründen auch die fortlaufende Nummerierung der
deutschen ATO’s (000??).

(Ich beziehe mich nachfolgend bei Werknummer immer auf die der ½ Sek. Wandpendeluhren und nur auf die deutschen Uhren.
Die Hatot ATO’S in Frankreich haben eine andere Nummerierung, ebenso wie andere oder kleinere ATO Modelle. Alle Angaben
beruhen auf eigenen Recherchen und sind ohne Gewähr.)

1929 kam es etwa um die Werknummer 05500 zum Konkurs von H&B und die Lizenzen und Rechte gingen auf die Hamburg
Amerikanische Uhrenfabrik (Abk. H.A.U.) bzw. „Pfeilkreuz“ in Schramberg über. Pfeilkreuz seinerseits befand sich bereits seit
1926 in einer Interessen Gemeinschaft mit der Junghans AG.
Bei ca. Werknummer 06000 erfolgte 1930 die Übernahme der H.A.U. durch Junghans.

Um die Lizenz(en) zu umgehen und somit die Kosten für die Hatot Werke zu sparen wurden diese von Junghans modifiziert
und ab 1930 selbst hergestellt. Die Nummerierung wurde jedoch fortlaufend beibehalten. Der Hauptunterschied liegt in der
Anordnung des Schaltkontakts für die Spule der bis dahin oben über dem eigentlichen Uhrwerk saß und mit einem langen
Hebel betätigt wurde und ab 1930 von Junghans quasi „im“ Uhrwerk (s. Abbildungen).

03.jpg

Wie an den Werknummern zu sehen wurden nur sehr wenige ATO Uhren von H&B und H.A.U. produziert (ca. 6000).
Auch später, bei Junghans, machten alle ATO Modelle zusammen nur einen minimalen Bruchteil (z.B. 1937 noch nicht einmal
0,005% aller produzierten Uhren!) aus.
Es war also eine reine Prestigesache ATO Uhren, trotz fast nicht vorhandener Nachfrage, auch im Programm zu haben.

Eine eindeutige Zuordnung ab 1930 anhand der Bezeichnung auf dem Zifferblatt (Junghans/Pfeilkreuz) ist schwierig,
da zum einen große Restbestände der H.A.U. übernommen wurden die Junghans (bis auf die Werke) über Jahre aufbrauchte
und auch „Pfeilkreuz“ bis etwa 1937 noch als Marke weitergeführt wurde.
Es ist aber davon auszugehen dass alle Uhren ab 1930 (~06000) von Junghans produziert wurden, auch wenn das Pfeilkreuz
Logo vorhanden ist und teilweise Pfeilkreuz Teile verbaut wurden. So sind auch bei der hier vorgestellten Uhr mit der Nummer
06251 ein H.A.U. Aufkleber für die Batterie auf der Rückseite, einige H.A.U. Teile verbaut, das Zifferblatt ist aber mit Junghans ATO
beschriftet.


04.jpg
H.A.U. Schild auf der Junghans ATO und die originale Batterie

Beim Kauf dieser völlig defekten und verdreckten Uhr vor einiger Zeit war diese noch eingebaut und hatte sogar noch eine
Spannung von 1,4V. Wie auf den Bildern zu sehen ist die Uhr aber inzwischen, nach einigen Wochen Restaurierung und
technischer Instandsetzung, wieder in einem schönen Zustand, mit tadelloser Funktion und vervollständigt meine Uhrensammlung.

Die Produktion endet im WW2 gerade einmal bei ca. 07500, also im Schnitt nicht einmal 400 hergestellten ATO Wanduhren pro Jahr
in den bisherigen 20 Jahren. Bei Uhren mit höheren Nummern handelt es sich um Produktionen nach dem Krieg welche sich
äußerlich durch das größere und kantige Gehäuse und dem runden Zifferblatt von den Vorherigen unterscheiden.
Auch die Zeiger haben eine andere Form, bisher im 30er Jahre Stil breit und flach, dann schlank und gerundet.


05.jpg
Modell 8027 mit zentralem Sekundenzeiger, Nr.07537 ca. 1948

Es wurden allerdings bis ca. 07700 noch Restbestände verwendet und diese Uhren verkauft, mit kleinerem Gehäuse,
eckigem Zifferblatt… . Es fanden sogar noch vereinzelt Teile von Pfeilkreuz Verwendung, was meist kaum auffällt aber etwas
seltsam aussieht wenn z.B. versilberte Kontakthebel etc. in Uhren der 50er Jahre zu finden sind.
Eine eindeutige Abgrenzung der Herstellungszeit (Vor-/Nachkrieg) anhand der Werknummern ist deshalb also auch
hier nicht möglich.


Daten:
Hersteller: Junghans / Hamburg Amerikanische Uhrenfabrik
Modellbezeichnung: ATO Mutteruhr H8007
Baujahr: Anfang der 30er Jahre (lt. Nummer)
Größe: B 26cm, T 9cm, H 47cm
Gewicht: ca. 3,5 KG mit orig. Batterieblock (290g)
Ausführung: Eichengehäuse mit Normalglasscheiben
Werk: Junghans ATO mit ½ Sek. Pendel
Batterie: ATO Typ5 1,5V (H95, B70, T35mm) seit Jahren nicht mehr erhältlich
Laufzeit: 2 Jahre oder länger bei richtiger Justierung der Uhr (mit einer Monozelle)
Besonderheiten: Nicht polwendendende ½ Minutenkontakte für das Nebenuhrenrelais ATO-7710 und Ausgang für ½ (1) Sekundenimpulse
Preis: unbekannt, als Einzeluhr 1936 66RM


Beschreibung:
Wie oben geschrieben handelt es sich um eine Junghans Hauptuhr (HU) der frühen 30er Jahre die aber im Gegensatz zu allen mir
bekannten Junghans HU zwei unterschiedliche Kontaktarten besitzt. Oben auf dem Gehäuse ist eine Anschlussleiste für das Relais
(A) sowie eine weitere Anschlussklemme (B) für ATO Magnetpendel-Nebenuhren (NU):

06.jpg

C ist die Aussparung für die Uhrenbatterie wie bei allen anderen ATO Wanduhren mit diesem Gehäuse. Die Bezeichnung
„Batterie“ auf dem Schild ist nicht der Anschluss für die Uhrwerk-Batterie in C (die Kabel hierfür kommen wie sonst auch hinten
aus dem Gehäuse), dazu später mehr.

Nach dem Entfernen des Zifferblatts ist der Aufbau zu sehen:

7.jpg

Ganz oben die Aufhängung für das Pendel mit der Standard ATO Pendelfeder, darunter die Kontakte für die NU 1/2
Sekundenimpulse und rechts daneben die Rückseite des Batteriefachs für die Uhrenbatterie.
Auf dem, identisch zu Einzeluhren aufgebauten, Uhrwerk befindet sich anstatt der sonst runden oberen Platine eine große
rechteckige auf der die Kontakte für die ½ Minutenimpulse angebracht sind. Rechts und links der Werkträgers sind bei dieser
Uhr noch zwei (Entstör-) Kondensatoren angebracht und auf der linken Seite ist ein Hebel um die ½ Minuten NU manuell
einzustellen zu können (NU Vorlauf). Pendelart, Länge und Gewicht, sowie Spule und Feinregulierung sind ebenfalls identisch
mit anderen ATO Wanduhren.
Da der Werkträger bei einer ATO HU als „Minus“ für die Nebenuhren dient ist der Elektrische Anschluss der Pendelspule anders
als bei Einzeluhren! Batterie Minus geht wie sonst auch direkt an die Spule und Plus an den Uhrwerkkontakt auf der rechten Seite.
Das Kabel der Spule für Plus geht aber nicht an den Werkträger der sonst mit dem Werk verbunden ist sondern an das Werk
(kleines Bild: X und gelbes Kabel) da das Werk isoliert auf dem Träger befestigt wurde.

Einstellung des ATO Uhrwerks:
Auf die Einstellung (Kontakt, Schaltklinke…) gehe ich hier nicht weiter ein, da diese Dinge bereits mehrfach und ausführlich hier
im Forum, unter anderem von „Stromer“, beschrieben wurden. Ebenso alles andere wie: Regulierung, Messung der Spule etc.,
da diese Dinge bei einer Mutteruhr wie bei den normalen ATO Uhren sind.

Der Nebenuhrenanschluss (B) für ATO Magnet-Pendeluhren:
Dieser war lange Zeit die einzige Möglichkeit NU an die Junghans/Pfeilkreuz ATO HU Wanduhren anzuschließen, verschwand
aber immer mehr vom Markt und es wurden später nur noch HU mit Anschluss für die bis heute geläufige Nebenuhrenart
(Minutentakt) angeboten.
Bei Mutteruhren die den Anschluss B haben war das Zifferblatt/Sekundenzeiger identisch mit den Einzeluhren.
Angeschlossen werden konnten bei Uhren mit diesem Anschluss nur Junghans Magnetpendelnebenuhren mit solchen Werken
und dann folgendermaßen:

8.jpg


10.jpg

Oben an der Pendelaufhängung (PA) befindet sich hinten ein Bügel (S) an dem außen zwei Kontaktstifte (SK) sitzen.
Bei jeder Pendelschwingung kommt ein Kontakt gegen die Goldkontakte (GK) der beiden Kontakthalter K1 und K2.
Der Werkträgerplatte ist an Minus der Kontaktleiste A oben angeschlossen, die beiden Kontakthalter sind isoliert auf
dem Werkträger befestigt sodass Minus erst dann auf den jeweiligen Kontakthalter gegeben und mittels Kabel an die
beiden „Klemmen“ von Anschluss B oben weitergeleitet wird.

Bei den ATO (Magnetpendel) NU handelt es sich um Uhren mit ¼ Sek. Pendel, bei der Hauptuhr um ein ½ Sek. Pendel,
was erklärt warum zwei Kontakte vorhanden sind. Es muss nämlich zweimal pro Sekunde ein Impuls an die Nebenuhr(en)
gegeben werden um diese betreiben zu können. Bei diesem Betrieb ist (NU) Batterie Minus an A - anzuschließen, die beiden
Ausgänge von B sind zu brücken und gehen dann an die NU (s. Anschlussbild oben).
Dies ist hier anderes als bei anderen HU mit nur diesem Kontakt, da die Anschlüsse A und B ein gemeinsames Minus haben,
außerdem haben die „normalen“ HU teilweise nur einen Ausgang (die beiden Kontakte sind dann in der Uhr zusammengeschaltet).
Es ist dann zwar ebenfalls eine „2-poliger“ Anschluss vorhanden bei dem aber ein Pol direkt an den Werkträger geht und der andere an die NU (s. Bild).

10a.jpg

Eine interessante Variante der vorgestellten Uhr ist, dass, ohne etwas in der Uhr zu trennen, z.B. auch Einzeluhren mit ½ Sekunden
Pendel als „Nebenuhr“ an ihr betrieben werden können. Hierzu braucht lediglich nur einer der beiden Anschlüsse von B genommen
werden und es liegt ein 1 Sekundenimpuls an.
In meiner Sammlung befand sich seit einiger Zeit auch eine H&B ATO von ca. 1928 bei der ich immer gewundert hatte warum diese
an der rechten Seite einen Umschalter (und Anschluss mit „M“) besitzt; entweder für Normalbetrieb über Werkkontakt oder für
einen externen Kontakt („M“ = Mutteruhr?). Sollte dieser etwa genau für so eine Verwendung sein?
Nach der internen Verkabelung der H&B sah es jedenfalls ganz danach aus.
Also, wie eben geschrieben, angeschlossen, den Schalter umgelegt und nach kurzer Zeit schwang das Pendel der H&B mit dem der
Mutteruhr und sie lief einwandfrei als Nebenuhr. Ein Anstoßen des H&B Pendels war auch nicht notwendig da die Impulse von
extern kamen.

11.jpg

Etwas „fummelig“ ist das Einstellen der Kontakte. Blöderweise kommt man mit einem normalen Schraubendreher nämlich nicht
an die beiden Einstellschrauben (E) da das Gehäuse der Uhr im Weg ist, sodass man sich erst etwas basteln muss um sie verstellen
zu können. Die Brachialmethode, einfach die Kontakte per Hand passend zu biegen, bringt nicht viel da diese einen ziemlich
kleinen Weg haben. Außerdem müssen die Schaltpunkte genau passen (genügend lange Pause, beide Seiten gleich und auch bei
geringem Pendelausschlag noch schalten).
Am besten stellt man die Kontakte m.W. so ein dass sich der jeweilige Kontakt gerade schließt (Messgerät mit Piepser) wenn man
das Pendel von Hand (bei hängender Uhr!) genau an den Anfang der beiden „Soll-Felder“ auf der Skala unterhalb des Pendels bewegt.

12.jpg

Sind die Kontakte exakt eingestellt laufen auch die ¼ Sek. Pendel NU „sauber“. Selbst wenn es gelegentlich zu Aussetzern der
Kontakte kommen sollte hat dies keinen Einfluss auf den Gang der NU da sie selbstständig wegen der Pendelmasse noch eine
gewisse Zeit weiterpendeln und auch bei einem evtl. Stillstand, aufgrund länger fehlenden Impulsen, von selbst wieder anlaufen.

Vermutlich gibt es bei diesen, und den anderen (1/2 Min.), Kontakten auch andere Vorgehensweisen zum Einstellen,
die hier beschriebenen haben jedoch bei meiner Uhr einwandfrei funktioniert und sollten es somit auch bei anderen ATO Hauptuhren
.

Der Relaisanschluss (A) für Nebenuhren:
Mutteruhren mit dem Anschluss A besitzen keinen „normalen“ Sekundenzeiger sondern eine runde „Scheibe“ mit aufgedrucktem
Pfeil. (Die (späteren) Junghans Mutteruhren mit 1 Minuten Polwendeanschluss haben dann wieder den normalen Sekundenzeiger.)

13.jpg
Direktanschluss von NU möglich (späterer Anschluss, 1 Min. polwechselnd)

Die gezeigt Uhrenvariante wurde für größere Uhrenanlage konzeptioniert die auf jeden Fall ein Relais wegen der größeren
Nebenuhrenanzahl erfordert. Dieses Relais #7710 war von Junghans zu beziehen und sah innen so aus:

14.jpg
Erst daran konnten dann NU angeschlossen werden.

Wie die Kontakte für die ½ Min. Nebenuhren aufgebaut sind zeigt das Bild auf dem die Sekundenscheibe entfernt ist die auf dem
„Rotor“ R mit 2 kl. Schrauben befestigt ist. Der Rotor läuft im Sekundentakt im Uhrzeigersinn und berührt dabei 30 Sekunden
abwechselnd die Kontakte K1 und K2, schließt aber (noch) nicht den Stromkreis!

15.jpg

Die Rotorplatte R ist nämlich isoliert, darunter sitzt das eigentliche „Kontaktplättchen“ das über 2 kleine Federn (F) unter dem
Rotor mit Minus verbunden ist. Erst wenn einer der Kontakte diesen Kontakt berührt (nur im Bereich zwischen den punktierten
Linien im kl. Bild) wird ein Stromkreis geschlossen und per Kabel an die Anschlüsse von Anschlussleiste A an I oder III gegeben.
Heißt, von A - wird Minus entweder an I oder III durchgeschaltet.

Dazwischen liegt noch der manuelle Stellhebel für die NU um diese per Hand durch links und rechts bewegen ½ minutenweise
vorlaufen lassen zu können. Die Funktion ist ebenfalls einfach, es wird beim Betätigen lediglich entweder auf I oder III per Hand
Minus gegeben also der Kontakt K1 oder K2 gebrückt. (A + wird in dieser Uhr nicht verwendet, ist nur nach II durchgeschliffen,
wird m.E. nur für das orig. Junghans Relais benötigt und ist für die Funktion somit überflüssig.)

Das Einstellen der ½ Min NU Kontakte ist ein Gedultsspiel, auch weil der Rotor minimales „Spiel“ hat.
Zusätzlich ist es vorher unbedingt notwendig das Uhrwerk (Schaltklinke, Kontakt…) absolut exakt einzustellen und die Uhr
einwandfrei läuft.
Ob nun K1 bei 30 oder bei 60 Sekunden schaltet und K2 entsprechend anders ist letztlich egal da auch die Sekundenzeigerscheibe
in beiden Positionen befestigt werden kann. Die Uhr kann zum Einstellen dieser Kontakte auch auf dem Arbeitstisch liegen und
muss dazu nicht laufen. Ein Messgerät mit Piepser ist auch hier sinnvoll.
Den Rotor von Hand so drehen dass er genau waagerecht zwischen den Kontakten steht und einen so berührt dass der Kontakt
(hier K1) gerade schließt (also gerade auf die Kontaktfläche hinter der „Nase“ (N) vom Rotor kommt).
Macht er das nicht die beiden Schrauben E1 lösen und den Kontaktstreifen durch hoch/runter Verschieben (und dadurch K1)
in die richtige Position bringen, passt das E1 festziehen. Dabei darauf achten dass K1 nicht zu weit nach „hinten“ oder „vorn“
kommt, die Spitze (S) vom Kontakt muss minimal über R nach „vorn“ herausstehen.

R fast einmal herumdrehen und schauen wann beim langsamen Weiterdrehen K1 gerade R berührt, dies sollte in etwa bei
dem blauen Punkt im kl. Bild (ist orig. natürlich nicht auf dem Rotor) passieren. Falls nicht durch verstellen von E nun den Kontakt
entweder herein oder heraus drehen bis es stimmt. Rechts herum geht er nach innen, links herum nach außen.
Die andere Seite dann genauso einstellen.

Anmerkung: Nicht denken viel hilft viel, also die Kontakte mit ordentlich Druck auf R aufliegen (zu weit nach innen stehen).
Dann passiert es nämlich dass die Kontakte beim Ausschalten stark federn bzw. prellen und nach dem eigentlichen Abschalten
wieder an das Kontaktplättchen kommen.
Ist dann später ein Relais angeschlossen ist ein „klick-2 Sekunden Pause-klack-klick-1s Pause-klack“ hörbar, nervig und absolut
nicht kontaktschonend. Kommen die Kontakte zu spät an R (hinter dem Punkt) gibt es logischerweise keinen oder nur unsauberen
Kontakt, hört man am Schalten oder eben nicht schalten des Relais.

Jetzt die Uhr aufhängen, ohne Zifferblatt etc. laufen lassen, den Piepser wechselseitig (oder das Relais) anschließen und laufen
lassen. Passen die Kontakte exakt sollten sie jetzt bei genau 30 und 60 Sekunden sauber schalten (2s langer Ton bei jedem Kontakt),
was aber in der Praxis erst nach einigen Nachjustierungen der Fall sein wird.
Auch hier nicht auf die Idee kommen per Hand an den Kontakt herumzubiegen –> wird nix.
Außer evtl. wenn die Kontaktstreifen zu sehr verbogen sind, diese dabei aber vor dem Richten dann vorher komplett ausbauen.

Nachdem alles passt stellt sich nur noch die Frage „wie bekommt man Nebenuhren an die ATO?“.
So ein Junghans Relais dürfte niemand haben, außerdem sind diese Exoten überhaupt nicht zu finden, also ist DIY angesagt:
16.jpg

Darum ein Vorschlag wie man sich so ein Relais, mit zwei hochohmigen (um die Belastung der Uhrkontakte möglichst gering
zu halten) 12V Relais und in diesem Fall als „Luxusvariante“ mit Sicherung und Kontroll-LED’s, leicht selbst bauen kann.
Was wo angeschlossen wird dürfte selbsterklärend sein.


17.jpg

In Ermangelung einer 12V ½Min. Uhr habe ich zusätzlich eine Spannungsregelung für 1,5V eingebaut und betreibe gerade eine
NU mit einem 1,5V Brillié Nebenuhrwerk der 30er Jahre mit dem Relais an der ATO.

Der Vollständigkeit halber zum Schluss noch die schematische Funktionsweise dieser ATO:

18.jpg


Ich hoffe Euch hiermit umfassenden Einblick in die Technik der Junghans ATO (Vorkriegs-) Mutteruhren gegeben
und eventuelle Einstellarbeiten an den Kontakten verständlich beschrieben zu haben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Althans

Althans

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Baden-Württemberg
Hallo,

prima Vorstellung einer tollen Uhr!

In manchen Gasthäusern in meiner Gegend findet man tatsächlich noch einige funktionierende Modelle an der Wand, die immer wieder Bewunderung finden.

Gruß
Peter
 
Der Stromer

Der Stromer

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Eine Vorstellung, die besser nicht gemacht werden kann. Ein gelungener Beitrag für alle, die sich mit dieser Uhrenart beschäftigen wollen und spannend geschrieben.
Vielen Dank :klatsch:
 
Arnold1960

Arnold1960

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ich versteh zwar nur Bahnhof ;-)
aber der ist sehr gut erklärt
und zeigt (wie die Uhr an meinem Bahnhof 8-) )
sogar die Zeit an.
Danke für die tolle und umfangreiche Vorstellung.
:klatsch:
 
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