Viertelstundenschlag?

Diskutiere Viertelstundenschlag? im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo Forum! Ich habe mir mal wieder einen Fehlkauf geleistet. Eine alte Wanduhr mit - vermeintlich - Bimabam Schlag. Als ich die Uhr...
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Ramses300

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Hallo Forum!


Ich habe mir mal wieder einen Fehlkauf geleistet.
Eine alte Wanduhr mit - vermeintlich - Bimabam Schlag.
01.jpg

Als ich die Uhr erhielt und mir das Werk anschaute, da grauste es mir.
Das Schlagwerk ist ziemlich hinüber.
Zahlreiche Zähne des Federgehäuses sind verbogen, so daß eine Blockade mit dem nächsten Zahnrad auftritt.
02.jpg

Hat jemand Erfahrung damit, ob man das richten kann.
Wenn man das kalt macht, dann brechen die Zähne mit Sicherheit ab. Messing verbiegt sich so nur einmal, soviel Erfahrung habe ich. ;-)
Ich würde das Federgehäuse vorher erhitzen.
Die Alternative wäre wegwerfen/Recycling.
Dieses Federgehäuse nebst Feder ist wohl kein 08/15 Teil aus Gründen, die ich gleich nennen werde.

Das nächste Zahnrad ist verbogen (zumindest die Achse), das Zahnrad mit dem Auslöser des Schlagwerks (Hebnägelrad) fehlt. Einer der Lagerbolzen steckt noch.
Im Prinzip ein Fall für die Tonne... :-(

Als ich das Werk aus dem Uhrengehäuse ausbaute, staunte ich zunächst: "Oh, vier Klangstäbe!"
Ein Bimbam Schlagwerk mit vier Klangstäben klingt wertiger als eines mit nur dreien.
Aber diese Stäbe sind nicht in einer Reihe, sondern in zweien, wie bei einem halben Westminster, angeordnet.

Bei näherer Betrachtung des Uhrwerks staunte ich und wurde neugierig:
Zwei Schlaghämmer sitzen auf einer Achse/Welle, die anderen beiden können und werden unabhängig betätigt.
Ich einer bestimmten Position des Minutenzeigers wird einer der beiden Hämmer angehoben.

Später nahm ich das Zifferblatt ab.
Ich mußte feststellen, daß das wohl schon jemand anderes getan hatte und offensichtlich resingiert alles wieder zusammengeklatscht hatte.
Der Rechen und einige Teile des Schlagwerks waren völlig verkehrt wieder angebaut worden.
Nachdem ich das zumindest geradegerückt hatte, konnte ich nachvollziehen, wie das Schlagwerk arbeiten soll - zumindest soweit, wie man es ohne Hebnägelrad kann.

04.jpg
03.jpg
Das Werk löst ganz offensichtlich jede Viertelstunde aus.
Dabei werden einmal die beiden Einzelhämmer angeschlagen und der doppelte.
Also in etwa Bimbambong

Zur vollen Stunde wird einer der Einzelhämmer angehoben und kann nicht anschlagen. Es wird dann die Stundenzahl ala Bimbam geschlagen.

Ich könnte mir vorstellen, daß solche Werke nicht wahnsinng häufig sind.
Ich konnte über solche Wanduhren bislang kaum etwas finden.
Grande Sonneri ist ja wohl mehr etwas für Taschenuhren.
Ich habe bei YouTube mal eine Wanduhr der gehobenen Preiklasse mit drei Aufzügen gesehen. Ich meine aber, daß das etwas anders funktioniert.

Hat jemand vielleicht einen Link, der zeigt, wie eine solche Uhr klingt?

Auf der anderen Seite wirkt das Werk nicht so wahnsinnig wertig.
Es ist aufwändiger als ein reines Bimbam Werk.
Das Federhaus ist m.E. evtl. so groß wie das eines Westminsterwerks. Es muß ja jede Viertelstunde Arbeit leisten.

So gesehen, reizt es mich ungemein, diese Uhr auch mal zu hören.
Die Klangstäbe haben in der Uhr jedenfalls einen sehr vollen und auch lauten Klang.

Das Uhrwerk ist offensichtlich recht alt (die Zeiger sind noch mit einem Splint gesichert, das Zifferblatt ist vergleichsweise klein); ich würde ohne Ahnung vermuten, daß es zwischen 1900 und 1930 gebaut
wurde.
Das Uhrwerk läuft übrigens sogar in diesem versifften Zustand noch. :roll:


Alles Gute!

Ramses300.
 
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  • Viertelstundenschlag? Beitrag #2
uri3047

uri3047

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Hallo Ramses300 !
Das Federhaus könnte man in Ordnung bringen (Wieviele Zähne sind Hin) wenn es zu viele sind dann neues Federhaus ! sonst kann man einzelne Zähne wieder einsetzten ! Ist den die Zugfeder auch gebrochen ? wahrscheinlich !
Diese art des Schlagwerkes hatte ich auch schon mal,die schläg wirklich aller Viertelstunde "Bim Bam" mit den einzelnen Hämmer und zur vollen Stunde der Doppelhammer muß natürlich genau eingestellt werden .
Nur ,ob sich die Mühe lohnt ?:shock: ist eine echte Herausforderung !

gruß uri
 
  • Viertelstundenschlag? Beitrag #3
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Ramses300

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Hallo uri3047!

Danke für die Antwort!
Ich bin der Meinung, daß die Uhr die Viertel auch mit dem Doppelhammer schlägt.
Der Schlepphebel ragt m.E. in das (leider fehlende) Hebnägelrad hinein.
Was natürlich möglich wäre, daß das Hebnägelrad einen separaten Nagel für den Doppelhammer; das glaube ich aber nicht, weil und wenn der Stundenschlag permanent den Doppelhammer betätigt.
Ich habe momentan etwas anders zu tun, aber an diesem Werk werde ich sicher dranbleiben; das ist zu schräg, um es wegzuwerfen.
Notfalls improvisiere ich, indem ich versetzte Lager einbaue... das sagt sich allerdings so leicht...


Alles Gute!

Ramses300.
 
  • Viertelstundenschlag? Beitrag #4
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Ramses300

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Hallo Forum!


Gestern habe ich mir das Uhrwerk einmal genauer angeschaut und mir über die mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten Gedanken gemacht.
01.jpg
Es ist in meinen Augen eine sehr harte Nuß!

Zunächst einmal, es hat nicht geklappt, die verbogenen Zähne des Federhauses selbst unter Hitzeeinwirkung geradezubiegen. Bei vereinzelten Zähnen wäre das aber durchaus eine Möglichkeit.
02.jpg
Defekt waren bei diesem Uhrwerk zwar nicht der Großteil, aber ein zusammenhängender Bereich von Zähnen.
Das verbogene Zahnrad, welches vom Federhaus angetrieben wird, konnte ich halbwegs geradebiegen.

Das fehlende Hebnägelrad ist aber ein echtes Dilemma!
Das Federgehäuse des Schlagwerks hat durchaus die Dimensionen eines Westminsterwerks. Daraus ergibt sich eine größere Tiefe als es bei gewöhnlichen Bimbam Schlagwerken der Fall ist.
Hebnägelräder solcher Schlagwerke haben die Zahnräder des ANtriebs zu weit in Richtung Mitte.
Aber auch die Übersetzung dürfte eine andere sein. Da es fehlt, kann ich nur mutmaßen. Aber das Antriebszahnrad der Welle, über die der Rechen bewegt wird, das unmittelbar vom Hebnägelrad angetrieben wird, hat sechs Zähne. Ein übliches Hebnägelrad dürfte von den Abständen durchaus passen. Ein solches ABtriebszahnrad hat aber 72 Zähne. Das bedeutet, die Übersetzung ist 1:12.
Das wiederum bedeutet, daß das Hebnägelrad zwölf "Nägel" haben muß. Ich kenne bislang nur welche mit neu und zehn "Nägeln".

Über Tipps zu weiteren Vorgehensweise wäre ich äußerst dankbar!

Ich sehe eine Lösung nur unter Zuhilfenahme eines Profis, bzw. jemanden, der über eine größere Sammlung von Uhrenteilen verfügt, wo ein solches Rädchen darunter sein könnte.
Ich würde bei dieser Uhr, handelte es sich um eine "gewöhnliche" mit Bimbam Schlagwerk, aufgeben. Aber dieses Werk erscheint mir äußerst reizvoll.
Ich denke, daß solche Uhren recht selten waren, hoffe aber, daß sie nicht gerade zu den absoluten Einzelstücken gezählt haben.

Das Werk selber macht auf mich einen ambivalenten Eindruck.
Einerseits handelt es sich um ein Vollplatinenwerk, was ja eher für eine gewisse Wertigkeit spricht, auf der anders Seite sind die Platinen bislang die dünnsten, die mir begegnet sind.
Wartungsfreundlich ist dieses Uhrwerk auch nicht im geringsten, was vielleicht dem Alter geschuldet ist.

Interessant finde ich die Muttern der Platinenverschraubung:
04.jpg
Handarbeit in Akkord?

Viele Dinge sind so gestaltet, daß z.B. ein Ersatz von Lagern eher nicht möglich sein sollte.
Das Lager des Rechenantriebs ist derart ausgelaufen...
Ich denke, daß dies die Ursache des Schadens sein könnte:
Das Zahnrad ist aus dem Griffbereich gewandert, das Hebnägelrad ist losgelaufen. Vielleicht hat das Zahnrad wieder Griff bekommen; und hier kommt eine weitere Besonderheit tragischerweise dazu: Das Lager des Hebnägelrads ist äußerst dünn - ich habe schon einige Uhrwerke erlebt, aber solch feine Lager an dieser Stelle noch nie.
Die Verarbeitung ist auch nicht unbedingt erste Sahne, die Vernietung des Rechens ist auch teilweise zerbröselt; darum kümmere ich mich aber frühestens, wenn die wirklich schwierigen Probleme beseitgt werden können.

Beim Zerlegen des Werks kam eine weitere Stufenschibe zum Vorschein:
03.jpg
(Der Hebel links neben der Scheibe hat mit dieser wenig zu tun! Über diesen Hebel wird einer der Schlaghämmer zur vollen Stunde deaktiviert!)

Das bedeutet, daß die Uhr, sofern sie richtig eingestellt ist, zur Viertelstunde einmal "Bimbambong" schlägt, zur halben Stunde zweimal, zur dreiviertel Stunde dreimal.
Beeindruckend!
Das bedeutet aber auch, daß die Uhr zwischen den Stunden sechs(!) Male schlägt, wo es ein gewöhnliches Bimbam Schlagwerk nur einmal tut. Das erklärt die riesige Feder:
05.jpg

Ich habe mich immer gefragt, warum die Rechen noch eine zusätzliche Auswölbung aufweisen - für die zweite Stufenscheibe.
Beachtenswert finde ich die Form der "gewöhnlichen" 12 Stunden Stufenscheibe (siehe erstes Bild in diesem Beitrag!)!
Sie muß ermöglichen, daß das Werk auch um ein und um zwei Uhr bis zu dreimal schlagen kann.
Eine Besonderheit bei der endgültigen Einstellung des Werks!

Sofern ich die defekten Ersatzteile finden kann, werde ich die Uhr wieder zum Laufen bringen, etliche Lager müssen ersetzt werden.
Die zweitbeste Lösung wäre, daß man "normale" Teile einbauen könnte.
Aber selbst der Einbau eines Hebnägelrads mit neun Eingriffen anstelle derer zwölf würde bedeuten, daß die Feder 25% schneller abläuft und entsprechend häufiger aufgezogen werden muß.


Alles Gute!

Ramses300.

P.S.:
Die Feder des Schlagwerks ließ sich überhaupt nicht aufziehen.
Die Feder ist aber völlig intakt; das innere Ende hat sich nur so weit aufgebogen, daß der Haken der Aufzugswelle nicht mehr griff.
 
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  • Viertelstundenschlag? Beitrag #5
uri3047

uri3047

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Hallo Ramses300! wie ich mir gedacht habe hat im Schlagwerk mal richtig "Rums" gemacht und die Zähe des Federhausses,durch die enorme Kraft der Zugfeder verbogen bzw,abgebrochen und habe die nächsten Räder (Zwischen-und Hebnägelrad) auch gleich verbogen oder zerstört.Es handel sich nach den Bildern doch um ein Schlagwerk mit Viertelschlag (Schnecke unterm Stundenrad) also müßte das Hebnägelrad keine "Nägel" haben sondern 2 verschiede Sternscheiben,die versetzt angebracht sind !
Die Zähne am Federhaus kann man nicht richten,das würde unter Belastung von der Feder nicht aushalten,zeig doch mal das defekte Federhaus (Zähne),wie ich sehe ist die Federendöse nicht mehr im Eingriff am Federkern (Haken) kann man aber wieder ranbiegen.Das große Problem ist und bleibt das fehlende Hebnägelrad.......:shock: da kannste nur in der Bucht oder bei einem älteren Fachmann fragen !! also immer dranbleiben,gelle:super:

gruß uri
 
  • Viertelstundenschlag? Beitrag #6
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Ramses300

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Hallo uri3047!



...zeig doch mal das defekte Federhaus (Zähne),wie ich sehe ist die Federendöse nicht mehr im Eingriff am Federkern (Haken) kann man aber wieder ranbiegen.
Federhaus.jpg
Die beiden herausgebrochenen Zähne habe ich verbockt; die verbogenen Zähne waren aber erheblich geknickter. Im Prinzip ist es schon möglich, Messing unter Wärmeeinwirkung zu biegen.
Es ist allerdings eine sehr extreme Stelle, vielleicht ist es besser, ein neues Federhaus zu suchen, als sich auf einen neuen Schaden einzulassen.
Die Feder habe ich wieder gerichtet, aber nicht mehr eingebaut. Das ist immer eine etwas haarige Angelegenheit und auch nicht ganz ungefährlich, zumal bei solch einem Kaliber, und es macht daher keinen Sinn, sie im ein defektes Gehäuse einzubauen.


Es handel sich nach den Bildern doch um ein Schlagwerk mit Viertelschlag (Schnecke unterm Stundenrad) also müßte das Hebnägelrad keine "Nägel" haben sondern 2 verschiede Sternscheiben,die versetzt angebracht sind !
Das ist zwar naheliegend; ich kenne eine solche Anordnung auch von einer meiner anderen Uhren, aber das glaube ich dennoch nicht, weil nämlich die "Zungen", welche die "Nägel" betätigen allesamt(!) auf einer Linie liegen.
Du kannst einen Faden spannen und alle drei Hebel liegen unter diesem Faden.
Vielleicht kann man es erkennen:
Linie.jpg
Wenn man eine Nadel in das Lagerloch des (fehlenden) Hebnägelrads einführt, dann sind die Abstände der "Hebel" einigermaßen gleich. Daher glaube ich, daß der Stern des Hebnägelrads homogen ist, also alle seine Strahlen gleich lang sind.

Das große Problem ist und bleibt das fehlende Hebnägelrad.......:shock: da kannste nur in der Bucht oder bei einem älteren Fachmann fragen !! also immer dranbleiben,gelle:super:
Das sehe ich auch so... :-(
Wenn es wärmer wird, dann bin ich wenigstens in meinem Umkreis mobiler und kann die Fachleute dann evtl. auch selber abklappern.
Ich könnte mir auch vorstellen, daß ein Fachmann auch nicht zu unglücklich ist, ein Teil loszuwerden, das kaum nachgefragt wird.

Ist es realistisch, daß jemand solch ein Teil nachträglich anfertigt???

Mich würde aber interessieren, wie verbreitet wirklich solche Uhrwerke waren.
Denn mir sind solche Rechen, welche eine "Nase" für das Minutenstufenrad haben auch schon in "normalen" Uhrwerken begegnet.
Ich konnte damit mangels Erfahrung aber nichts anfangen; jetzt weiß ich, wofür das gut ist.
Hier z.B. bei meiner Vedette:
Vedette.jpg
(Auf dem Bild ist das Werk noch im Ursprungszustand.)

Schon allein in Anbetracht des Zustandes des Werkes würde ich keine solche Mühe hinein investieren. Aber es reizt mich ungemein, dieses Teil mal voll in Aktion zu erleben! 8-)
Der Schlag dürfte auch recht laut sein, wie ich per Hand ausprobieren konnte.


Alles Gute!

Ramses300.
 
  • Viertelstundenschlag? Beitrag #7
T

tschasovschik

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Hallo zusammen,
Falls es weiterhilft, es handelt sich um ein Werk von Mauthe mit der Modellbezeichnung "Sirene". Es findet sich im Buch "Großuhrschlagwerke" von Gustav Adolf Krumm ab Seite 31, dort wird der Viertelschlag als Bim-Bam-Bum Schlag bezeichnet.
Gruß
Werner
 
  • Viertelstundenschlag? Beitrag #8
Thallius

Thallius

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Hallo Ramses.

eigentlich ist es kein Problem das Federhaus zu reparieren. Du must einfach am besten das komplette Stück mit den ca. 10 defekten Zähnen komplett aussägen (am besten doppelt so tief wie die Zähne selber sind, dabei die Wandung des Federhauses aber stehen lassen) und durch einneues massives Stück Messing ersetzen und mit Silberlot hart verlöten. Danach kannst du die Zähne mit einem Zirkel neu anzeichnen und ausfeilen. Ist halt zeitaufwendig aber für ein Hobbyprojekt bestimmt interessanter als ein neues zu kaufen.

Gruß

Claus
 
  • Viertelstundenschlag? Beitrag #9
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Ramses300

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Hallo Forum!


Danke Euch!
Ich bin wirklich für jede Information dankbar!

Hallo zusammen,
Falls es weiterhilft, es handelt sich um ein Werk von Mauthe mit der Modellbezeichnung "Sirene". Es findet sich im Buch "Großuhrschlagwerke" von Gustav Adolf Krumm ab Seite 31, dort wird der Viertelschlag als Bim-Bam-Bum Schlag bezeichnet.
Nicht einmal Google findet etwas über dieses Mauthe Werk. Das zeigt, daß ein solches Forum doch ein Ort des Spezialwissens ist. :super:
Weißt Du, in welchem Zeitraum diese Uhren gebaut wurden?
In der Wikipedia findet man unter Bim-Bam-Bum Schlag:
Der Bim-Bam-Bum-Schlag oder Dreiviertelschlag schläg zum ersten Viertel ein „Bim“, zum zweiten Viertel ein „Bim-Bam“, zum dritten Viertel ein „Bim-Bam-Bum“ und zur vollen Stunde nur die Anzahl der Stunden, aber keine Viertelstunden.
Was ich nicht ganz verstehe...
Diese Uhr müßte zwischen den Stunden alle drei Hebel mit vier Hämmern betätigen. In einer bestimmten Position (m.E. zur vollen Stunde - macht das jedenfalls nur einen Sinn) wird einer der Einzelhämmer angehoben und damit deaktiviert.
Also müßte das quasi eine Variation sein. Denn die Zahl der Schläge nimmt ja von viertel zur viertel Stunde zu.
Weil dieses entscheidende Rädchen fehlt, kann ich mir nur mit Logik helfen:

Alle Betätigungshebel liegen auf einer Linie.
Die Abstände zur Achse des Hebnägelrads sind zumindest ungefähr gleich - mit ungefähr meine ich, daß sie wohl innerhalb eines Millimeters variieren.
In einer bestimmten Position des Minutenzeigers wird einer der Hämmer aus dem Wirkungskreis des Hebnägelrads gehoben.
Zur vollen Sunde fällt der Rechen entsprechend einer gewöhnlichen Uhr. Das bedeutet (meine Annahme), daß das Hebnägelrad homogen sein muß, d.h., die Stifte sind gleichmäßig verteilt und sitzen auch nur auf einem Kreis (im festen Abstand zur Achse).

eigentlich ist es kein Problem das Federhaus zu reparieren. Du must einfach am besten das komplette Stück mit den ca. 10 defekten Zähnen komplett aussägen (am besten doppelt so tief wie die Zähne selber sind, dabei die Wandung des Federhauses aber stehen lassen) und durch einneues massives Stück Messing ersetzen und mit Silberlot hart verlöten. Danach kannst du die Zähne mit einem Zirkel neu anzeichnen und ausfeilen. Ist halt zeitaufwendig aber für ein Hobbyprojekt bestimmt interessanter als ein neues zu kaufen.
Ich muß zugeben, daß das ein wenig meine Möglichkeiten übersteigt. Vielleicht eine (wohl nicht ganz billige) Möglichkeit, wenn man das passende Federhaus nicht bekommt.

Ich habe gestern mit einem Uhrmacher telefoniert, der sich zumindest in meinem "Wirkungskreis" befindet und vor allem solche Uhren repariert.
Das Gespräch war m.E. recht fruchtbar.
Ich bin der Meinung, daß der Durchmesser und die Zähnezahl des fehlenden Zahnrads mit einem aus einem "normalen" Bimbam Werk identisch ist.
Der Uhrmacher meinte, daß das Hebnägelrad noch ein Hebnägelrad im eigentlichen Sinne sein dürfte. Also kein Stern, sondern einzelne Stifte.
Das hat mich später auf den Gedanken gebracht, daß man ein solches Zahnrad modifizieren könnte.
Man müßte das Antriebsrad mit den wenigen Zähnen Nachträglich etwas weiter außen anbringen; das orignale befindet sich zu weit in Richtung Mitte, weil die üblichen Federhäuser schmaler sind.
In ein solches Zahnrad zwölf passende Stifte einzutreiben, haltbar(!) einzutreiben, ist nicht so trivial, wie es klingt. Man müßte das Material sicher mit einem Ring verstärken, weil solche Zahnräder einfach zu fünn dafür sind. Ich besitze eine Gustav Becker Uhr, die ein "richtiges" Hebnägelrad verbaut hat. Das ist etwa doppelt so dick, sicher nicht ohne Grund.

Ich freue mich wirklich über die neuen Informationen!
Leider ist das Werk nicht gemarkt, so daß eine Info über den Hersteller sehr hilfreich ist.


Alles Gute!

Ramses300.

P.S.:
Mauthe Sirene ist ein gutes Stichwort!
P1050046.jpg Photo by cipric | Photobucket
Diese Uhr hat allerdings 2+2+3 Klanghämmer und -stäbe.
Das Hebnägelrad stimmt offenbar mit dem überein, was ich gerade geschrieben habe.
 
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  • Viertelstundenschlag? Beitrag #11
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Ramses300

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Hallo Werner!


Super!
Vielen Dank! :super:

Ich habe mir das jetzt mindestens zweimal durchgelesen.
Ich glaube, daß meine Uhr kein ganz originales Sirene Uhrwerk ist.
In der Beschreibung und in meinem Link erfolgt der Stundenschlag auf drei Klangstäbe, die beiden Einzelhämmer werden weggeklappt.

Das ist bei meinem Uhrwerk definitiv anders.
Rechts befinden sich nur zwei Schlaghämmer, und es wird auch nur einer der linken Hämmer weggeklappt.
Der andere Hammer hat definitiv keine Vorrichtung, über den er weggeklappt werden kann. Da ist augenscheinlich auch nichts abgebrochen oder so.
Der Schlag dürfte also nicht den vollen Klang einer echten Sirene haben.
Die Halterung der Klangstäbe ist auch einfacher und ohne den "Sirene" Schriftzug.

Was ist ein Hebdaumenstern, bzw. wie schaut der aus?
Wahrscheinlich der Stern, wie man ihn in Bimbamwerken kennt?

Ich frage mich wirklich, wie das originale Hebnägelrad auschaut.
Auf den Bildern in meinem Link meine ich Stifte erkennen zu können.


Alles Gute!

Ramses300.
 
  • Viertelstundenschlag? Beitrag #12
Der Stromer

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:-) Danke, Werner.

Diese Beschreibung passt auch auf meine Uhr: HAU (Pfeilkreuz) Vollplatine und 1/4 Stundenschlag. Leider habe ich im Moment keine Zeit (Höhöhö:shock:) mich mit dieser Uhr eingehend zu befassen: Große revision ist von Nöten:???:.

Aber wenn es so weit ist, folgt hier sicher ein ausführlicher Bericht.
 
  • Viertelstundenschlag? Beitrag #13
LinusR

LinusR

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Ich bin tatsächlich sehr an Uhren mit solchen Schlagen interessiert, besitze im Moment 3 mit Viertelschlag ("Bim Bam Bom") und eine, welche zur halben und vollen Stunde diese Schlagfolge betätigt. Soweit ich weiß hat Mauthe auch "Sirenen Gong" Uhren ohne Aufdruck am Klangstabhalter gebaut, es gibt auf YouTube Videos von 4-Stab Sirenen Gong Uhren, dort könnte man auch vergleichen. Meine beiden Mauthe besitzen jeweils 7 Stäbe und meine HAU nur 3, ich habe aber schon von Junghans Uhren mit dieser Vorrichtung Gehört aber ohne (!) den Hebel, der die "Bim-Bam" Hämmer zur Stunde anhebt, vielleicht ist die Konstruktion ja damit zu vergleichen! Mauthe hat auch "Xylophon Gong" Uhren zur Zeit um 1910 hergestellt mit 3-Stab "Bim Bam Bom" Schlag, jedoch auf sehr kleine und hell klingende Stäbe. Das interessante bei diesen jedoch ist, dass sie zur Stunde nur den tiefen "Bom" Hammer abhebt und sie somit die Stunden auf einen Bim Bam Zweiklang schlägt. Ebenfalls haben Kienzle sowie Haller & Benzing solche Gongs mit 4 Stäben gebaut, Kienzle unter dem Namen "Walküre Gong" und H&B mit unmarkiertem Gongstabhalter. Kienzle und Haller haben kurzzeitig sogar identische Uhrwerke und Konstruktionen wie Mauthe verbaut, davon sind leider nur wenige Uhren zu sehen und zu hören. Eine sehr tiefe Materie, super interessant dort nachzuforschen! Oftmals wissen Leute auf Platformen wie YouTube nicht, was für Schätze sie haben, darum hab ich die meisten versteckten Hinweise dort auf Videos ohne der passenden Kennzeichnung der Gongs gefunden! Sehr Zeitaufwendig, die Stunden an Recherche haben sich aber über die Zeit gelohnt. Von solch einer Konstruktion von Mauthe have ich im Detail noch nicht viel gehört, auch viele Jahre danach bleibe ich noch dran. Eventuell findet sich ja noch mehr.

Viele Grüße, Linus R.
 
  • Viertelstundenschlag? Beitrag #14
Der Stromer

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Hallo, Linus.
Hast Du mal geschaut, wie alt der Faden ist, den Du hier wieder aktivierst:klatsch:?
Gut, zu Deinem Fragen folgendes nach meinem Wissensstand:
Die Tonstäbe und die Halter wurden auch ohne jeden Herstellerhinweis hergestellt und verkauft. Meistens war die Abnehmer dann Uhrmacherbetriebe, die sich aus diversen Teilen ihre eigenen Modelle kreierten und in den Handel brachten.
Viele Hersteller von Uhren stellten auch Klangstäbe, Tonspiralen Tonröhren oder Glocken für ihre Schlagwerkuhren selbst her. Der größte Teil dürfte aber siene Klangkörper zu gekauft haben, entweder mit Hersteller-Marke (die waren dann auch Patentiert) oder eben ohne.
Verbaut wurden diese Kalngkörper in allen Uhren mit Schlagwerk. Einfache BIM-Werke, 1 Stab oder Spirale. BIM-BAM mit 2 Stäben, hin- und wieder auch mit zwei Spiralen. BIM-BAM-BUM 3 Stäbe oder Röhren, selten auch Glocken.
Das setzt sich so fort bis zu 8 Stäben, die für Melodiewerke erforderlich sind. Hier sind besonders fein die Werke mit Glöcken ein zu stufen. Qualitätsstufen der Werke kann man (Ausnahmen bestätigen aber die Regel!) so klassifizieren: 1 - 3 Klangstäbe einfache Wohnraumuhren, meist als Wanduhr aber auch als Standuhr. Ab 4 Stäben fast nur noch - wegen der Einbautiefe der Werke - Standuhren. Einige Hersteller haben die Stäbe unter das Werk gelegt und so die Tischuhr mit Musikwerk möglich gemacht.
Hochwertige Uhren haben Glockenspielwerke. Günstige Uhren können auch sog. Zungenspielwerke haben.

Zu den Werken selbst ist zu sagen, ja, viele Hersteller haben mit der "Konkurrenz" sehr eng zusammen gearbeitet. Warum sollten dann jeder Hersteller das Rad neu erfinden? Vor allem ab den 1960er Jahren war Arbeitsteilung bei komplexen Werken fast immer gegeben.
 
Thema:

Viertelstundenschlag?

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