Verständnisproblem armiertes Glas einpressen

Diskutiere Verständnisproblem armiertes Glas einpressen im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo in die Runde! Nachdem ich schon eine Weile stiller Mitleser bin - zunächst ohne Registrierung, inzwischen mit - muss ich mich jetzt doch...
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toenne

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Hallo in die Runde!
Nachdem ich schon eine Weile stiller Mitleser bin - zunächst ohne Registrierung, inzwischen mit - muss ich mich jetzt doch einmal hilfesuchend ans allwissende Forum wenden.
Ich habe hier ein paar alte mechanische Armbanduhren auf dem Tisch (nix besonderes, Erbstücke halt) die ich gerne wieder in nutzbaren Zustand bringen will. Bei zweien ist es dabei notwendig neue armierte Gläser einzupressen.
Bislang dachte ich dass Glaskrallen dafür ungeeignet wären da sich der Armierungsring nur unzureichend zusammenpressen lässt. In diesem Video praktiziert der Autor aber eben genau das (ab ca. 9:00min) :
Ist das also doch das Mittel zur Wahl oder hat der Kollege halt ein so kleines Glas verwendet dass er es zur Not auch mit den Fingern hätte eindücken können...?

Und wenn die Kralle doch ungeeignet ist und mit einer Presse gearbeitet werden muss: Wie sähe eigentlich die korrekte Geometrie für den Pressstempel aus? Was ich auf Fotos bislang zu erkennen meinte waren Körper mit einfacher zylindrischer Aussparung (also nicht innen gewölbt oder schräg), ggf. noch mit einer kleinen Fase innen. Wie aber presst dieser dann das doch leicht gewölbte Glas, was wären die korrekten Abmessungen und die richtige Anwendung?
Anbei mal drei quick&dirty Querschnittszeichnungen die meine Frage vielleicht verdeutlichen:
schn1.jpg
schn2.jpg
schn3.jpg

Bei der ersten Variante hat der Stempel Übermass und drückt daher auf die Glasmitte.
Bei der zweiten Variante drückt die Fase auf die äussere Glasrundung. Dafür wäre aber aufgrund der Vielfalt der Glasdurchmesser schon eine recht feine Abstufung der verschiedenen Stempeldurchmesser notwendig was ich bei den üblichen Sets nicht erkenne.
Bei der dritten Variante drückt der untere Rand des Stempels irgendwo in Randnähe des Glases auf selbiges (hier wegen Copy&Paste des arg rund gezeichneten Glases nicht ganz optimal dargestellt, ihr mögt mir verzeichen ;) ).

Wie wäre es richtig? Hintergrund der Frage ist dass ich mir nicht extra ein Presswerkzeug zulegen will sondern die Stempel auf meiner Drehe selbst anzufertigen gedenke und die Pinole meiner CNC-Fräse als Presstock missbrauchen möchte, präzise und stabil genug dafür ist sie ja allemal :).

Dankeschön!
 
Phil_G

Phil_G

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Kralle würde ich nicht verwenden. Kann zu Spuren am Plexi führen. Einpressen ist auch bei armierten Gläsern meine bevorzugte Wahl. Beim mittleren Bild bist du am richtigen Weg. Lediglich die schräge Auflagefläche im inneren ist bei den Stempeln/Birnen größer. Würde mir aber trotzdem ein Set kaufen, ist nicht wirklich teuer und du hast gleich mehrere Größen zur Auswahl zwecks passendem Aufsatz für deine Gläser.
 
Schraubendreher

Schraubendreher

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Hallo toenne,

AT-Gläser werden eingepresst. Die Kralle ist dafür nicht geeignet. Wenn man das Glas wie im Video mit den Fingern eindrücken kann, ist es zu klein. Faustregel: Durchmesser des Glasrandes in 1/10mm plus eins ist die Glasgröße. Also in einen Glasrand mit 30mm Innendurchmesser ein 301er AT-Glas einpressen. Die kommen in 1/10 Abstufungen. Wenn Du nicht sicher bist, mehrere Gläser kaufen und ausprobieren. Die kosten ja nix.

Die mittlere Methode ist die richtige. Die Fase, die auf das Glas drückt, sollte möglichst weit außen aufsetzen und um 45º abgeschrägt sein. Professionelle Pressstempel kommen in 1mm-Abstufungen und sind aus Metall (Alu oder Messing). Als Kratzschutz wird ein dünnes Stück Folie zwischengelegt. Ich benutze eine Zahnstangenpresse von Bergeon mit einem langen Hebel. Damit hat man gutes Gefühl.
Ebenso wichtig wie der Stempel ist die Unterlage. Das Gehäuse muss stabil und absolut eben liegen und Gehäuse und Stempel müssen parallel sein. Ich bevorzuge deshalb auch Unterlagen aus Metall.

Das Glas auf das Gehäuse auflegen, beide auf die Unterlage der Wahl und dann den Pressstempel ohne viel Druck aufsetzen. Kontrollieren dass alles schön fluchtet und das Glas parallel zum Gehäuserand aufliegt. Das das Glas schnell und herzhaft in einem Rutsch in das Gehäuse pressen. Nicht langsam, schnell! Sonst kann es sich im Glasrand verklemmen.

Viel Erfolg:
der Schraubendreher
 
hermannH

hermannH

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Hallo

Ein armiertes Plexiglas mit dem Krallenabheber herunter zu nehmen mache ich nur dann, wenn ein Neues drauf kommt.
Zu stark sind die Beschädigungen seitlich am Glas, da ja durch den Metallring mehr Druck aufgebaut werden muss.
Die Stempel sind mit Maßangaben versehen. Wenn ich zum Beispiel ein D = 305 einpressen muss, verwende ich den 310er Stempel. Dieser sitzt dann im Scheitelpunkt der Biegung des Glases, so in etwas wie auf Bild 2

Gruß hermann
 
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toenne

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Erstmal herzlichen Dank für eure Antworten!

Wenn man das Glas wie im Video mit den Fingern eindrücken kann, ist es zu klein.
Nun, das habe ich etwas provokativ geschrieben, im Video zu sehen war es ja nicht. Da hat er es mit der Kralle zusammengepresst und dann eingesetzt. Ob er es auch mit blanken Fingern reinbekommen hätte? Keine Ahnung.

Würde mir aber trotzdem ein Set kaufen, ist nicht wirklich teuer und du hast gleich mehrere Größen zur Auswahl zwecks passendem Aufsatz für deine Gläser.
Nö, macht für mich keinen Sinn. POM-Stangenmaterial ist vorhanden, also fahre ich besser damit die Einsätze fix passend auf der Drehe herzustellen. Als Presse verwende ich wie gesagt meine Fräse, wenn sich damit ein 20er Bohrer durch Stahl treiben lässt dann dürfte das Glas keine allzugrosse Herausforderung für sie sein. Bevor ich mich da mit so einem fernöstlichen Wackeldackel herumplage...

Lediglich die schräge Auflagefläche im inneren ist bei den Stempeln/Birnen größer.
War wie gesagt ja nur eine fixe Skizze, danke aber trotzdem für den Hinweis, das lässt sich auf den Abbildungen eben immer schlecht erkennen :super:.

Um das Thema noch abzurunden: Bei den 'normalen' Gläsern fährt man im Umkehrschluss aber mit der Kralle besser? Oder ist deren äusserer Rand dergestalt angefast dass sie sich mit der gleichen Einsatz-Geometrie auch einpressen liessen?

Insgesamt handelt es sich um sechs Uhren wobei nur bei dreien neue Gläser fällig sind (2x armiert, 1x normal). Da das ganz sicher zu keinem dauerhaften Hobby von mir wird will ich die Ausgaben natürlich schmal halten, bereits jetzt summiert sich das ja schon. Wobei ich das meiste auch später für andere Dinge noch nutzen kann (ein Stereomikroskop z.B. hatte ich schon immer gewollt, jetzt hatte ich den richtigen Vorwand dafür :D ), eine Glaskralle brauche ich aber danach garantiert nie wieder. Wenn ich sie brauche: OK, ist dann halt so. Wenn nicht unbedingt dann kaufe ich sie allerdings auch nicht.
 
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toenne

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Wunderbar, danke.
Dann kann ich jetzt meinen nächsten Warenkorb füllen und weiteres Geld verprassen ;).
 
sirtaifun

sirtaifun

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Vorsicht! Uhrmacher bitte nicht lesen!

Bei dem Uhrgehäuse ohne armiertes Plexiglas:
Wenn es aus Edelstahl oder Gold ist kannst Du es auch kochen, ohne Uhrwerk natürlich, und dann das Glas einlegen, Plexiglas vorher in den Gefrierschrank oder bei den Temperaturen zur Zeit einfach aufs Fensterbrett :D
 
AHVintage

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Bei den 'normalen' Gläsern fährt man im Umkehrschluss aber mit der Kralle besser? Oder ist deren äusserer Rand dergestalt angefast dass sie sich mit der gleichen Einsatz-Geometrie auch einpressen liessen?
Nicht unbedingt besser, evtl. schneller. Das Glas muss aber dafür geschaffen sein, mit ausreichend hohem, steilem Rand.
Ist der nicht da, wird die Gläserpresse/-zange genommen (z.B. bei Taschenuhren und flachen N-Gläsern). Die presst aber nicht, sondern deren Einsätze biegen das Glas kleiner (was die Kralle auch macht).

Frank
 
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toenne

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@sirtaifun
Vorab erwärmen werde ich die Gehäuse in beiden Fällen, wie man Schrumpfpassungen halt so macht. Nur nicht unbedingt gleich kochen. Ca. 60-70° sollten schon reichen um eine signifikante Durchmesservergrösserung zu erreichen und das Einpressen/Einlegen zu erleichtern, ohne dass ich bei der Temperatur schon Angst ums Gehäuse oder das Glas hätte.

@Frank
Es handelt sich um dieses Glas Grösse 316 : Acryl-Uhrenglas normal gewölbt für Armbanduhren (Lentilles) Größen 250-380
Wie würdest du da vorgehen, Kralle oder nicht?
Danke!
 
sirtaifun

sirtaifun

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Vorab erwärmen werde ich die Gehäuse in beiden Fällen, wie man Schrumpfpassungen halt so macht. Nur nicht unbedingt gleich kochen. Ca. 60-70° sollten schon reichen um eine signifikante Durchmesservergrösserung zu erreichen und das Einpressen/Einlegen zu erleichtern, ohne dass ich bei der Temperatur schon Angst ums Gehäuse oder das Glas hätte.
"Kochen" schrieb ich zur Veranschaulichung des Vorgangs, damit jeder weiss was gemeint ist, ich bin einfach mal davon ausgegangen das jeder so intelligent ist das er das Gehäuse nicht rotglühend erhitzt.
 
AHVintage

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@Frank
Es handelt sich um dieses Glas Grösse 316 :
Das sind indische Plexigläser, die es auch im Sortiment günstig gibt. Sie haben eine wunderbare Form, grad für Vintage Uhren. Die können mit der Kralle montiert werden.

Edit: Sorry, Sternkreuz ist natürlich nicht indisch, hatte das Bild nicht gesehen und war vom Größenbereich ausgegangen. Die AU-Größen der N-Gläser können auch mit Kralle montiert werden.

Frank
 
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toenne

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ich bin einfach mal davon ausgegangen das jeder so intelligent ist das er das Gehäuse nicht rotglühend erhitzt.
'Kochen' heisst für mich halt 100° (z.B. in kochendes Wasser legen), und das wäre mir für die Gläser zuviel da Acryl ab 100° bereits in den Bereich der thermischen Verformbarkeit gerät.
 
sirtaifun

sirtaifun

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Dann hast Du meinen Post nicht aufmerksam genug gelesen:
"Plexiglas vorher in den Gefrierschrank oder bei den Temperaturen zur Zeit einfach aufs Fensterbrett :D"

Es wird natürlich nicht erhitzt, nur das blanke Gehäuse.

Ich würde Dir dringend raten mit der ganzen Angelegenheit zu einem echten Uhrmacher zu gehen da Du nicht einmal die Grundlagen verstehst.
Ist nicht böse gemeint aber das kann nur schief gehen und es wäre schade um die Erbstücke.
 
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toenne

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Auch wenn du offensichtlich der Meinung bist (sowas geht ja schnell, gell?): Nein, ich bin nicht blöd. Natürlich wird das Glas nicht erhitzt sondern das Gehäuse. Beim Einsetzen kommt das Glas aber nunmal zwangsläufig in Kontakt mit dem heissen Gehäuse, und aufgrund der erheblich grösseren Masse wird sich das Gehäuse deutlich weniger schnell abkühlen als wie sich das Glas an den Kontaktstellen erhitzt. Ergo besteht die Gefahr dass das Glas hier wo es später möglichst stramm sitzen soll thermisch verformt wird (wenn auch nur sehr gering) und das den Sitz negativ beeinflusst.
Jetzt klar?
Echt, was soll das jetzt? :hmm:
 
Phil_G

Phil_G

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Um was ging es hier doch gleich? Glaseinpressen oder? Wäre mit einer Presse mittlerweile schon x-mal erledigt… Kann man aber auch den ganzen Tag drüber schreiben 🤷
 
sirtaifun

sirtaifun

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Auch wenn du offensichtlich der Meinung bist (sowas geht ja schnell, gell?): Nein, ich bin nicht blöd. Natürlich wird das Glas nicht erhitzt sondern das Gehäuse. Beim Einsetzen kommt das Glas aber nunmal zwangsläufig in Kontakt mit dem heissen Gehäuse, und aufgrund der erheblich grösseren Masse wird sich das Gehäuse deutlich weniger schnell abkühlen als wie sich das Glas an den Kontaktstellen erhitzt. Ergo besteht die Gefahr dass das Glas hier wo es später möglichst stramm sitzen soll thermisch verformt wird (wenn auch nur sehr gering) und das den Sitz negativ beeinflusst.
Jetzt klar?
Echt, was soll das jetzt? :hmm:
Mir ist noch nie eins geschmolzen.
Aber Du weisst ja schon alles bin dann raus hier.
 
AHVintage

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Von geschmolzen hat er auch nichts geschrieben. Aber wenn das Plexi erweicht, geht die Spannung verloren und das Glas ist verdorben. Ein berechtigter Einwand m.M.

Frank
 
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