Vergleich: Rolex Explorer 214270 vs. Oyster Perpetual 39 (weißes ZB) 114300

Diskutiere Vergleich: Rolex Explorer 214270 vs. Oyster Perpetual 39 (weißes ZB) 114300 im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhren-Forum; Liebes Forum, anstatt der Vorstellung einer Uhr möchte ich heute einmal einen vergleichenden Blick auf zwei Modelle werfen, die oft als...

Chrysipp

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Liebes Forum,

anstatt der Vorstellung einer Uhr möchte ich heute einmal einen vergleichenden Blick auf zwei Modelle werfen, die oft als “Einsteigermodelle” in die Welt von Rolex gesehen werden. Als Anlass dient die kürzliche Anschaffung der OP 39 und die Frage an mich selbst: Wieso machst du das? Vielleicht also ist dieser Vergleich eine Rechtfertigung im Nachhinein. Macht aber nichts, möge mein Beitrag zumindest anderen bei der Kaufentscheidung helfen. 😇

Es sind dies zwei Dreizeiger-Modelle, welche die Quintessenz der Marke Rolex zu verkörpern versprechen und für viele eine interessante (weil momentan leichter verfügbare) Alternative zu den Submariner- und GMT-Master-II-Modellen darstellen. Als “Uhren für jeden Tag” stellen sie auch eine Konkurrenz zur Datejust-Linie dar, vor allem für jene, die keine Datumslupe mögen oder denen das Datum schlichtweg egal ist.

Es handelt sich bei den von mir gewählten Modellen um die Oyster Perpetual 39 und die Explorer. Die Oyster Perpetual ist ja in verschiedenen Größen, vor allem aber auch in verschiedenen Farbvarianten erhältlich. Ich setze mich hier mit der 2018 vorgestellten Version mit weißem Zifferblatt auseinander. So ergibt sich auch optisch ein schöner Kontrast zur Explorer. Die Referenznummer dieser OP ist 114300. Bei der Explorer beziehe ich mich auf die 214270 “Mark II”, also die aktuelle Version mit den langen Zeigern und den lumineszierenden Ziffern 3, 6 und 9.

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Die OP 39

Die Oyster Perpetual gilt als einfachste Variante im Rolex-Katalog als "Einsteigeruhr". Entsprechend sind die Modelle in verschiedenen Farben und Größen erhältlich und günstiger bepreist als die Sportmodelle und die Datejusts. Ich habe mich für die 39 mm-Version entschieden, da mir diese Größe persönlich am besten passt. Außerdem empfinde ich das Gehäusedesign als ausgewogener als bei den kleineren Modellen. Die Verhältnisse zwischen Lünette und Gehäuse, das bisschen mehr Platz auf dem Ziffernblatt und das Verhältnis zwischen Indizes, Zeigern und Schrift empfinde ich als besser balanciert als bei den kleineren Varianten. So ist mir etwa die Lünette bei den 36er und 34er-Varianten zu sehr bombiert, die ganze Uhr wirkt gedrungener und etwas zu kompakt.


Gehäuse und Zifferblatt:

Das 39er-Gehäuse ist schön flach, liegt gut auf meinem Arm und die Lünette ist zwar nicht abgeflacht (wie bei der Explorer), aber die Biegung ist nur leicht erkennbar. Das gibt der Uhr einen eleganten Touch, wirkt aber nicht feminin – was ich beim 34er-Modell schon behaupten würde. Die 36er ist irgendwo dazwischen und sieht auf kleineren Handgelenken sicher schön aus, auf meinen aber ist mir das Gehäuse zu kompakt und erscheint daher weniger sportlich. Die Lünette ist poliert und daher für Kratzer anfälliger, wobei ich damit bisher bei noch keiner Uhr ein Problem hatte. Vielleicht passe ich einfach nur gut drauf auf. Das Gehäuse selbst ist der Inbegriff des Oystergehäuses und für mich der Höhepunkt perfekten Uhrendesigns. Sowohl das Gehäuse der OP 39 als auch jenes der Explorer (ich würde vermuten, dass es das gleiche ist?) gehören für mich zu den besten im aktuellen Lineup. Ganz vorne mit dabei ist auch noch das Gehäuse der Datejust 41 (obwohl etwas größer), und wenn ich mein Urteil auch auf nicht mehr produzierte Uhren ausbreiten darf, würde ich noch jenes der Explorer II 16570 ganz vorne sehen. Das sind für mich bzw. meinen Arm einfach stimmige Proportionen, vor allem was das Verhältnis von Durchmesser und Höhe betrifft: Die Uhren legen sich auf das Handgelenk wie in ein gemachtes Bett!

Nun zum “Gesicht” der Uhr: Das Farbspiel (wenn denn bei einer monochromen Farbgebung davon überhaupt die Rede sein darf) wirkt auf dem größeren Zifferblatt der 39er meines Erachtens am besten. Die größere Fläche gibt dem Weiß viel Platz, um seine beruhigende Wirkung zu entfalten. Vor allem die 34er-Variante lässt der wunderschönen Farbe zu wenig Raum, um seine volle Wirkung zu entfalten und gerade, wenn das Auge der Fläche zu folgen beginnt, stößt es schon auf einen der in Weißgold gefassten Indizes. Mir persönlich ist da zu wenig Ruhe drin. Man sollte aber auch wissen, dass das helle Ziffernblatt die Uhr optisch größer erscheinen lässt. Das ist vielleicht ein Argument, wenn man sich nicht sicher ist, ob einem die 39mm-OP nicht zu groß ist. Ich kann mir vorstellen, dass in dieser Hinsicht die 36er-Variante, die ich live leider nicht begutachten konnte, eine schöne Kompromisslösung darstellt.

Zu diesem besonderen Weiß noch ein paar Worte: Ich nenne es ein “Weiß, das sich noch nicht entschieden hat”. Ich konnte es mit dem Standard-Weiß eines aktuellen Datejust-Modells vergleichen, und hier offenbart sich der Unterschied am deutlichsten: Das Weiß der OP ist samtener, in manchen Lichtverhältnissen neigt es zum Creme-Farbenen (bei weniger Licht) bzw. zum Silbrig-Glänzenden (bei hellem Licht). Der Glanz hat etwas von Sand oder Quarz, ist also keinesfalls auffällig, sondern zurückhaltend elegant. Das hellweiße ZB der Datejust wirkt dagegen sehr eindimensional, bisweilen sogar “billig”.

Schön finde ich, wie sich das Weiß der Leuchteinlagen gegen das ZB abhebt, das ja in natura auch eher gedeckt ist. Der Übergang zum ZB an den in Weißgold gefassten Indizes ist ein attraktives Zwischenspiel von Kontrast und Übergang, das je nach Lichteinfall hart, aber auch sehr weich ausfallen kann. Wer hätte gedacht, dass ein weißes ZB ohne Schliff so spannend sein kann?

Die weißgoldene Krone auf 12 Uhr ist zwar relativ groß, fällt aber in Wahrheit weniger auf als man es vielleicht befürchten würde. Auch hier hilft der weiche Ton des Weißgolds, der zum ZB keinen harten Kontrast aufkommen lässt. Gleich verhält es sich mit den Zeigern. Trotzdem bietet die OP eine außerordentlich gute Ablesbarkeit, und das ist vielleicht das Überraschendste an diesem Design!

Ein Wort noch zu den Stunden-Markierungen am äußeren Rand: Diese sorgen ja bei den anderen OP-Modellen bisweilen für Aufregung, weil sie in auffälligen Farben daherkommen (hellblau beim Rhodium-ZB bzw. Giftgrün beim blauen ZB). In der vorliegenden Variante setzen sie jedoch einen klaren monochromen Kontrast zum Weiß, das sich noch nicht entschieden hat. Man schenkt den kleinen quadratischen schwarzen Markierungen zunächst keine besondere Aufmerksamkeit, aber wenn man sie einmal wirklich genau betrachtet, ist man selbst überrascht, wie viel Freude einem diese kleinen schwarzen Quadrate machen können. Sie “erden” das Design, indem sie eben einen klaren Gegenpart zum unentschiedenen Weiß einnehmen. Das sind die simplen Freuden, von denen man bei dieser Uhr lange zehrt!

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Armband und Schließe:

Das Armband der OP ist das gewohnte, vollständig gebürstete Oysterarmband. Viele mögen ja keine polierten Mittelglieder, und ich denke das wäre bei dieser Uhr auch eher fehl am Platz. Der auffällige Unterschied zu anderen Rolex-Modellen, und vor allem auch zur Explorer, zeigt sich in der Schließe: Die Oysterclasp-Schließe der OP schließt einfach, aber sicher. War bei anderen und älteren Modellen die Krone noch erhaben, ist sie nun eingestanzt. Ich finde, das sieht sehr cool aus und hat vor allem den Vorteil, dass nichts über die Schließe hinaus steht (ein Problem, das man z.B. bei der Explorer schon haben kann). Ein Nachteil der einfacheren Schließenkonstruktion ist, dass sie über keine Easy-Link-Verlängerung verfügt. Manche mögen diese Verlängerung unnütz finden, ich mache aber gerade in den Sommermonaten sehr oft davon Gebrauch. Bisher passt mir die Uhr noch wie angegossen, ich kann mir aber vorstellen, dass ich mich versucht sehe, bei steigenden Temperaturen die Feinverstellung zu bemühen, um das Armband etwas zu weiten. Das ist halt aufwendig, weil nicht mehr - wie bei den alten Schließen - mit einem einfachen Zahnstocher zu bewerkstelligen.

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Ansonsten zeigt sich schon bei dieser einfachen Variante der modernen Rolex-Schließen, dass sich hier vielleicht am meisten getan hat. Das ist alles solide, stabil und hochwertig gearbeitet. Da scheppert und verbiegt sich nichts mehr und es macht auch nicht den Eindruck, als würde sich das bei erhöhter Tragezeit ändern.

Zusammenfassend lässt sich für die Oyster Perpetual 39 sagen, dass sie diesen besonderen Mix aus Sportlichkeit und Eleganz verkörpert, für den Rolex bekannt ist. Das kann sie genauso gut wie die Datejust, und ist daher auch ohne Datum eine Uhr für alle Fälle und Anlässe.

Der Listenpreis liegt im Einsteigerbereich von Rolex. Bestimmt gibt es Modelle anderer Hersteller, die für weniger oder gleich viel Geld mehr bieten, aber das wisst ihr hier ja sowieso. Wie aber sieht es im Vergleich zur Explorer aus?


Die Explorer


Über die Geschichte dieses Klassikers möchte ich eigentlich keine Worte verlieren, darüber ist schon genug gesprochen und geschrieben worden. Seit der Verknappung des Angebots ist auch die Explorer zu einer Uhr geworden, die man nicht überall mal einfach so mitnehmen kann. Im Schatten von Sub und Co. hat sie lange Zeit ein Dasein gefristet, das sich vielleicht als “Geheimtipp für Kenner” beschreiben lässt. Und doch ist sie als Dreizeiger-Sportuhr von Rolex seit 1954 ein fester Bestandteil des Portfolios.


Gehäuse und Zifferblatt:


Ich habe es schon oben geschrieben: Das Gehäuse der Explorer gehört für mich zu den schönsten und komfortabelsten Uhrengehäusen überhaupt. Proportionen und Finish gleichen jenem der OP, allein die Lünette wirkt einen Tick sportlicher, da sie abgeflacht und nicht bombiert ist. Ob das jetzt kratzeranfälliger ist oder nicht, kann ich, wie gesagt, nicht beurteilen. Der Charakter dieser flachen Lünette ist jedenfalls optisch ein großer Unterschied zur gewölbten. Die Uhr wirkt damit härter, konturierter, tooliger und eben sportlicher als die OP. Es ist dies ein kleiner Unterschied mit großer Wirkung, der sich im Falle der OP vor allem an den Gehäusegrößen festmachen lässt: Je kleiner das Gehäuse, desto auffälliger die Wölbung der Lünette. Bei der Explorer gibt es aktuell nur eine Größe. Man könnte hier höchstens Vergleiche zur 36mm-Version ziehen. Aber da dies nicht Gegenstand des Vergleichs ist und ich auch kein 36er-Modell zur Verfügung habe, spare ich das aus. (Es gibt dazu auch schon genügend Material).

Der größte Unterschied zwischen den beiden Modellen ist freilich das Zifferblatt. Das ZB der Explorer ist seit vielen Jahrzehnten charakterisiert durch die 3-6-9-Numerale, die in der modernen Ausführung in einer technisch-sportlichen Schrift geführt sind, die, so scheint es, allgemein auf Zustimmung stößt und mir persönlich auch richtig gut gefällt. Statt der Krone auf der 12 gibt es das umgedrehte Dreieck, wie auch bei der Submariner oder GMT-Master, das zur Orientierung v.a. bei Dunkelheit dient – was jetzt angesichts der lumifizierten Numerale nicht allzu nötig ist, aber das Design natürlich vervollständigt. Die restlichen Indizes sind in Weißgold eingefasste Stäbe, ganz ähnlich jener bei der OP, auch wenn sie ein wenig dicker ausfallen. Die Ablesbarkeit ist bei der Explorer nahezu perfekt - einzig das nicht entspiegelte Saphirglas (ein durchaus fragwürdiger Rolex-Standard) kann zu Reflexionen führen. Ansonsten ist das monochrome Layout des Explorer-ZB ja legendär und verkörpert Funktionalität in Reinform. Einzig die auffälligen Ziffern auf 3, 6 und 9 sorgen hier für optische Aufregung. Wie immer eine Geschmacksfrage - manche mögen’s , andere nicht.

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Dasselbe gilt für den Mercedes-Zeiger, ein weiterer Unterschied zur OP. Ein fixer Bestandteil vieler Rolex-Sportmodelle, findet auch er nicht immer einstimmigen Zuspruch unter Uhreninteressierten. Wer weder mit dem Zeiger noch mit den Numeralen leben kann, ansonsten aber an der Explorer interessiert ist, dem sei wärmstens die OP 39 in schwarz an’s Herz gelegt. Sie ist für viele das beste aus beiden Welten. Andere wiederum lieben den sportlichen Look und hätten gerne eine Explorer mit weißem ZB - ein inzwischen schon legendär unerfüllter Wunsch, der jedes Jahr im Vorfeld der Baselworld auftaucht.

Zum Design des ZB kann ich nur sagen: Es ist gerade simpel genug, um größte Vielseitigkeit zu garantieren, aber ebenso spannend genug, um nicht langweilig zu werden. Das Schwarz zeigt besonders bei hellem Licht eine matte Struktur, die der Explorer sonst nicht anzusehen ist. Das schwarze Zifferblatt ist dezent, ebenso wie das weiße der OP 39. Nur ist es eine unauffällige Sportlichkeit im Gegensatz zu der eher unterschwelligen Eleganz bei der OP. Bei Nacht ist der Unterschied allerdings ein großer: Die Chromalight-Leuchtmasse der Explorer erzeugt ein kräftiges blaues Leuchten, das vor allem in den Ziffern seine volle Wirkung entfaltet. Ein Grund mehr, zur Mark II der Referenz 214270 zu greifen, weil ja in der ursprünglichen Version die Numerale nicht lumifiziert waren.

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Armband und Schließe

Auch die Explorer hat das durchgängig gebürstete Oyster-Armband. Größere Unterschiede zeigen sich nur bei der Schließe: Als Sportmodell ist die Explorer mit einer Oysterlock-Schließe ausgestattet. Dies bedeutet, dass sie über einen Bügel verfügt, der sich noch einmal über die geschlossene Schließe legt. Die Verarbeitung ist auch hier sehr hochwertig und ich finde nicht nur die Haptik der Oysterlock-Schließe sehr ansprechend, sie sieht auch noch einen Tick technischer aus als die gewöhnliche Oysterclasp. Aber die aufwändigere Schließe hat auch Nachteile. Einen sehe ich im auffälligeren Profil der Schließe, sie ist einfach ein Stück mächtiger als die Oysterclasp. Das ist der Preis dafür, dass sie auch “sicherer” und technischer wirkt. Einen weiteren Minuspunkt gibt es bei mir für die applizierte Krone auf dem zusätzlichen Schließbügel. Diese ist zwar schön gearbeitet und dient außerdem als “Lasche”, um den Bügel aufzuklappen, leider steht sie deswegen aber auch ein bisschen drüber. Ich habe daher oft die Befürchtung, mit der Krone z.B. meinen kleinen Sohn am Kopf zu kratzen, wenn ich ihn trage oder mit dem Handgelenk sonstwie in der Nähe seines Kopfes unterwegs bin. Das ist echt kein großes Ding, aber es gibt eben Leute, die gerne eine glatte, unauffällige Schließe haben. Das hat die Explorer eindeutig nicht!

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Es ist komisch, ich schätze einerseits die Oysterlock-Schließe der Explorer sehr, weil ich die Haptik mag und auch den Look. Nicht selten spiele ich mit dem kleinen Bügel und lasse ihn auf- und zuschnappen. Ich bin nun eigentlich selbst überrascht, dass ich gerade an der Schließe am meisten zu bemängeln habe. Das ist aber wiederum ein Qualitätskriterium für die Explorer – an ihr gibt es sonst wenig rumzumeckern! Zudem relativiert sich meine Kritik wieder in dem Umstand, dass die Explorer über eine Easylink-Verlängerung verfügt, die man bei Bedarf ausklappen kann. Wie gesagt, für manche ein sinnfreies Gimmick, für mich macht es die Uhr an heißen Tagen schnell und einfach viel angenehmer zu tragen!

Das Resümee für die Explorer: Sie ist für mich neben der Submariner und der GMT-Master DIE Rolex-Sportuhr und an Tragekomfort kaum zu überbieten. Das liegt vor allem am Gehäuse! Mir gefällt das sportlich designte Ziffernblatt, die starke Chromalight-Leuchtmasse sowie die perfekte Ablesbarkeit in beinahe jeder Situation. Auch die Explorer lässt sich elegant tragen, hier kommt ihr vor allem das schlichte Design zugute und die glatt polierte Lünette, die ihr das gewisse “Bling” gibt. Manche meinen das sei zu viel für eine echte Sportuhr, ich finde, dass man nicht vergessen sollte, dass es sich bei allen Rolexuhren um Luxusprodukte handelt, und man das gerade bei den neueren Generationen auch sieht. Die Geschichte der Explorer ist reich an interessanten und ziemlich coolen Anekdoten, viel mehr aber gefällt mir, dass dieses Modell mit relativ wenigen Iterationen ausgekommen ist und heute noch als “No-Nonsense-Dreizeiger” seinen festen Platz im Produktportfolio behauptet.

Der Listenpreis für die Explorer um 800 € höher als der für die Oyster Perpetual. Das ist viel Geld für eine Dreizeigeruhr und es gilt ähnliches wie bei der OP: Ja, es gibt andere Hersteller, die Gleichwertiges oder gar Besseres um weniger Geld anbieten. Ich finde es aber interessanter, diesen Preis im Verhältnis zu anderen Rolexmodellen zu sehen, und da drängt sich eben der Vergleich zur Oyster Perpetual 39 auf!


Vergleich

Abgesehen von den Zifferblattfarben haben diese beiden Uhren einige Gemeinsamkeiten. Da ist zum einen das 39mm-Gehäuse aus gebürstetem und poliertem Stahl, das sich so einmalig auf meinen Handgelenksrücken setzt, dass es eine wahre Freude ist! Gehalten werden beide Uhren vom vielleicht angenehmsten und vielseitigsten Uhrenarmband auf dem Markt: das Oysterband in seiner vollständig gebürsteten Variante.

Beide Uhren sind eher unauffällig. Ihre Zifferblätter sind monochrom, sie kommen beide ohne Komplikationen aus und auch Durchmesser und Höhe sind eher im dezenten Bereich. Wenn ich eine der beiden Uhren am Handgelenk eines anderen sehe, freue ich mich, weil es mal keine Submariner ist, die ich da erblicke. Mehr noch bei der Explorer als bei der Oyster Perpetual vermute ich dann echte Liebhaber- oder zumindest Kennerschaft: Hier handelt es sich um jemanden, der sich eine gute Armbanduhr etwas kosten lässt, auch wenn sie keinen offensichtlichen Ikonenstatus hat und nicht mehr kann als die Zeit anzuzeigen!

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Kommen wir nun zu den Unterschieden: Der offensichtlichste Unterschied findet sich in der Schließe. Die Oysterlock der Explorer wirkt noch ein Stück robuster und sicherer als die Oysterclasp. Zudem verfügt sie über die Easylink-Verlängerung, was ich persönlich sehr schätze. Auf der anderen Seite ist die Oysterclasp eine Spur eleganter und vielleicht sogar angenehmer zu tragen, weil man nicht Gefahr läuft, mit der Krone jemanden oder etwas zu kratzen oder gar irgendwo hängen zu bleiben. Hätte die Oysterclasp eine Easylink-Verlängerung (wie z.B. bei der Milgauss), wäre sie vielleicht die perfekte Schließe. Auf der anderen Seite ist die aufwändigere Gestaltung der Oysterlock-Schließe vielleicht ein Grund (lies: einer von mehreren) für den Preisunterschied bei den Modellen.

Ein anderer augenfälliger Unterschied ist die verwendete Leuchtmasse. Bei der Explorer kommt die Chromalight-Leuchtmasse zum Einsatz, die, soweit mir bekannt ist, Rolex selbst entwickelt hat. Sie leuchtet in einem satten blau und hält länger an als die SuperLuminova, die bei der OP verwendet wird. Vielleicht liegt hier ein weiterer Unterschied, der sich letzten Endes auch im Preis bemerkbar macht.

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Das Kaliber 3132 tickt in beiden Modellen, auch darüber möchte ich nicht viele Worte verlieren. Es ist als erprobtes Standard-Kaliber “Superlative Chronometer”-zertifiziert, das die gewohnt guten Gangeigenschaften liefert, für die Rolex bekannt ist.

Der Unterschied im Preis ergibt sich meines Erachtens somit großteils aus der Positionierung im Katalog: Die OP als Einsteigermodell, mag in der Produktion vielleicht unwesentlich günstiger sein, für die “Professional”-Linie aber ist es wichtig, dass das dortige Einsteigermodell, nämlich die Explorer, doch noch ein wenig Abstand nach “unten” aufweist. Die Frage ist jetzt natürlich, ob es die € 800 Listenpreis wert sind, für die Explorer einen Aufpreis zu zahlen?

Ich denke, der Preisunterschied ist zu vernachlässigen. Wer sich in den Kopf gesetzt hat, eine Rolex zu kaufen, wird sich nicht die OP holen, weil sie günstiger als die Explorer ist. Man wird sich für die OP eher aus einem der folgenden Gründe entscheiden:

  1. Man schätzt die Möglichkeiten der verschiedenen ZB-Farben
  2. Die Explorer ist einem noch nicht schlicht genug
  3. Man mag keine Mercedes-Zeiger

Umgekehrt erhält man mit der Explorer eine lang gediente Ikone der Rolex-Produktlinie, eine Uhr mit Geschichte und gleichzeitig einen “Außenseiter” der klassischen Rolex Sport-Modelle. Für die Explorer entscheidet sich man sich aus den folgenden Gründen:

  1. Man schätzt das sportlichere Design des Zifferblattes
  2. Man legt wert auf eine Easylink-Verlängerung
  3. Man braucht ordentlich Leuchtmasse
  4. Man legt Wert auf Unverwechselbarkeit und Ikonizität des Modells

Ich persönlich habe mich für die Explorer entschieden, bevor die OP in weiß herausgekommen ist. Eine OP wäre für mich vorher nicht in Betracht gekommen, weil ich die ZB-Farben bzw. die Punkte zu verspielt fand. Mit dem Erscheinen der weißen Variante hat sich das geändert. Ich mag weiße Zifferblätter und empfand die Uhr als gute Ergänzung zur Explorer. An beiden schätze ich die Schlichtheit. Bevor ich die OP live gesehen habe, hatte ich die Befürchtung, die gerundete Lünette könnte mir nicht gefallen. Die 39mm-Variante aber hat eine kaum wahrnehmbare Wölbung. Ich vermisse die Easylink-Verlängerung im Sommer, ja. Dafür ist die Farbe des Zifferblattes ein richtiger Hingucker und bereitet mir optisch mehr Freude als das ZB der Explorer.

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Die Explorer hingegen ist trotzdem die Uhr, die am meisten Tragezeit bei mir bekommt. Einfach, weil sie nicht nur vielseitig aussieht, sondern es auch ist. Die OP hat für mich den edleren Touch, vielleicht ist sie die dressigere Variante einer Uhr für jeden Tag. In meiner Sammlung ist sie eine Ergänzung. Ich liebe die Reinheit des Designs - ohne Numerale, ohne Mercedes-Zeiger, ohne sonstigen Schnickschnack. In schwarz wäre sie vielleicht tatsächlich zu langweilig, aber dieses Weiß, auf das ich weiter oben schon einen Hymnus gesungen habe, ist einfach einmalig!

Müsste ich alle Uhren bis auf eine weg geben, es wäre aber trotzdem die Explorer, die bliebe. Für mich verkörpert sie alles, was ich an einem schönen Gegenstand gern habe. Man muss nicht darüber nachdenken, weil sie einfach funktioniert. Aber hin und wieder kann man sich in den Details der Gestaltung oder in der Geschichte des Modells verlieren, oder man spielt einfach nur mit der Schließe und genießt den Gedanken, dass dies “die Explorer” ist. Die eine, die es nur so gibt, und die eben keine Sub oder GMT-Master ist. Die nichts kann, außer die Zeit anzuzeigen, aber die gerade das auf eine unnachahmlich charmante Weise macht, an die selbst eine Oyster Perpetual nicht herankommt.



Der Vollständigkeit halber noch die Daten:

Rolex Oyster Perpetual 39 Ref.Nr.: 114300

Gehäuse: 39 mm 904L “Oystersteel”
Werk: Rolex Kal. 3132, 48 h Gangreserve, Sup.Chronom., Selbstaufzug
Glas: Saphirglas (ohne AR-Beschichtung)
Leuchtmasse: SuperLuminova (grün)
Band: Oysterband mit Oysterclasp-Schließe


Rolex Explorer Ref.Nr.: 214270

Gehäuse: 39 mm 904L “Oystersteel”
Werk: Rolex Kal. 3132, 48 h Gangreserve, Sup.Chronom., Selbstaufzug
Glas: Saphirglas (ohne AR-Beschichtung)
Leuchtmasse: Chromalight (blau)
Band: Oysterband mit Oysterlock-Sicherheitsfaltschließe und Easylink-Verlängerung


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Die fehlende AR-Beschichtung macht die Explorer aber zu einer manchmal sehr fotogenen Uhr:

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Ich hoffe, meine Vorstellung bzw. mein Vergleich war für einige Unentschlossene oder Interessierte eine kleine Hilfestellung für eine Kaufentscheidung. Auch interessiert mich, wie die anderen User die Explorer im Vergleich zur OP beurteilen würden. Auf eure Meinungen bin ich sehr gespannt!

Herzliche Grüße!
 
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bork

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Vielen Dank für den tollen Vergleich. Stand vor der gleichen Herausvorderung. OP oder EX1. Ich habe mich für die OP in schwarz entschieden. Ausschlaggebend war die elegantere Erscheinung und finde ich, die OP wirkt etwas kleiner. Das war mir wegen meinen schmalen Handgelenke wichtig. Außerdem ist die Schließe kleiner, das kleinen Handgelenken auch entgegegen kommt. Bei "fleischigen" Handgelenken ist die Easy-Link verstellung im Sommer schon wichtig. Was beim mir ja nicht der Fall ist, dann schwillt da auch nicht viel an ;)
 
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Rolly Rolante

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Tolle Datensammlung und informativ.
Aber mal ganz ehrlich......................... meine Lösung....
man kauft beide, dann gib`s auch kein Kopfweh.:lol:
 

Vassl

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Tolle Vorstellung, kamen doch bei mir auch beide letzten Monat in Betracht!
Geworden ist es die Explorer, hauptsächlich wegen der Schließe und der Lünette, die mir bei der Ex einfach besser gefällt.
Glückwunsch an dich!

Leider sehe ich keine Bilder, es kommt immer eine Fehlermeldung. Evtl. kann hier ein Mod helfen.

Wie man bemerkt, dass die Unruh ausgewechselt wurde würde mich brennend interessieren. Klingt ja gruselig.
 

Rolly Rolante

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Im übrigen kann ich diesen Uhrenhändler nur empfehlen.
Herr Lepping hat in seiner Werkstatt einen Uhrmachermeister beschäftigt.
Für mich ist der mein der "Uhrenpapst".
Sensationell!

Ich hoffe das ich nicht wegen des Lob`s erschossen werde!
 

f1Nal

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Was ne Hausnummer an Vorstellung !
Vielen Dank für den ausführlichen, hervorragenden Vergleich.
Die Frage, ob EX1 oder OP kommt ja recht oft hier im Forum, ich sehe in deiner Vorstellung hier einen gute Referenz für zukünftige Threads.
 

Chrysipp

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Hui, sorry, die Bilder hat's nicht von meinem ursprünglichen Post übernommen. Wollte nämlich erst in "Herrenuhren" posten, hab dann aber doch eine Vorstellung draus gemacht. Bitte noch um etwas Geduld, dann gibt's das Update!
 
G

Gast001

Gast
Hallo Chrysipp,
wow, was für eine klasse ausgearbeitete Vorstellung der OP und Explorer.
Vielen Dank dafür :super:

Grüße
Stefan
 

Chrysipp

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Was ne Hausnummer an Vorstellung !
Vielen Dank für den ausführlichen, hervorragenden Vergleich.
Die Frage, ob EX1 oder OP kommt ja recht oft hier im Forum, ich sehe in deiner Vorstellung hier einen gute Referenz für zukünftige Threads.

Danke, ja, ich hab so eine bzw. ähnliche Fragen schon öfter gelesen. Ich habe mich auch jedes Mal gefreut, wenn ich zu einer Uhr eine ausführliche Vorstellung gefunden habe, darum dachte ich, ich geb mal was zurück :)
 

Chrysipp

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Tolle Vorstellung, kamen doch bei mir auch beide letzten Monat in Betracht!
Geworden ist es die Explorer, hauptsächlich wegen der Schließe und der Lünette, die mir bei der Ex einfach besser gefällt.
Glückwunsch an dich!

Herzlichen Dank. Die Explorer ist immer eine hervorragende Wahl, Glückwunsch!
 
B

Bifora Fan

Gast
Um beide Welten (Uhren) zu vereinen, drängt sich irgendwie die OP mit blauem Explorer Blatt auf...
Eine Uhr die ich bis jetzt nich beachtet habe, aber die mich immer mehr reizt...
Vielleicht ist es wirklich so das eine Rolex in einem reifen muß und man dann nach Jahren des Denkens mit seiner speziellen Uhr glücklich wird - vorausgesetzt man ist kein Flipper der sowieso jedes Jahr was neues braucht...
 

fofist

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Die Explorer ist eine schöne Uhr, vor allem nach dem Update. Leider ist sie für mich etwas zu klein, sonst hätte ich sie schon.
 

UhrenToto

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Toller Vergleich. Ich hatte die Modelle auch im Blick und bin dann bei einem Mix gelandet: der OP mit Explorer Dial in blau. Der Anblick des weissen Ziffernblatts löst aber immer noch einen "will-haben"-Reflex aus :-)
 
Thema:

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