Uhrenbestimmung Verbaute Junghans auch Fremdgehäuse? ein Beispiel!?

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Faisaval

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Liebe Freunde der alten Zeitmesser und im Besonderen derer aus dem Hause Junghans,

es ist schon eine ganze Weile her, als ich diese alte Junghans-Armbanduhr erwarb.

junghans 1.jpg

Ihr dunkles zweifarbig gehaltenes ZB sowie das luminierte Zeigerspiel und die luminierten Stundenziffern gefielen mir auf Anhieb. Auch das gut erhaltene verchromte, mit festen Stegen ausgeführte Gehäuse sprachen mich sofort an.

junghans 2.jpg

Mit einem Durchmesser von knapp 35 mm hat sie eine für damalige Verhältnisse (geschätzt Mitte/Ende 40er Jahre) ordentliche Baugröße.

Junghans 3.jpg


Das abgestufte dreiteileige Gehäuse mit einer gesamten Bauhöhe von knapp 6,5 mm gibt der Uhr ein filigranes, elegantes Erscheinungsbild.
Junghans 4.jpg


Die flachen festen Stege haben eine Stegbreite von immerhin 20 mm und das wohl aus der Zeit stammende Lederarmband wirkt passend dazu.

Blickt man die Gehäuse-Rückseite
Gehäuseboden Edelstahl R&W.JPG

dann erkennt man die Gravur "Boden Edelstahl" und das Logo "R&W" im Oval welches für die Firma Raisch & Wössner KG aus Pforzheim steht, die neben Schmuck und eigenen Taschen- und Armanduhren sich auch (vor allem nach 1945) für die Herstellung von Uhrengehäusen verantwortlich zeichnete.

Öffnet man den scheinbar gepressten Bodendeckel,

Gehäuse innen.JPG


so entdeckt man einen Deckel mit innenseitig angebrachtem Messingehäuse, sozusagen eine Art Container-Gehäuse, welches das gesamte Uhrwerk aufnehmen kann.

Beim Uhrwerk selbst mit aufgesetztem ZB handelt es sich um das
Junghans Cal. J80.JPG

bekannte Handaufzugskaliber J80.

Der obere Teil des Gehäuses besteht aus einem verchromten Gehäuserahmen mit eingepasstem Kunststoffglas
Gehäuse vorne mit gelbem Glas.JPG

Wie man am Foto gut erkennen kann, schimmert das Glas leicht gelblich. Könnte die Glasfarbe darauf hindeuten, dass es nicht aus Plexi sondern aus Zelluloseacetat hergestellt wurde?

Aber nun zu meinen eigentlichen Fragen:
Hat Junghans nicht nur eigene Uhrengehäuse verwendet, sondern auch Fremdgehäuse zum Einsatz gebracht?
Könnte somit meine Uhr hierfür ein Beispiel sein? Oder handelt es sich doch eher um ein "gebasteltes" Exemplar.

Über Euer Feedback und weiterführende Informationen würde ich mich sehr freuen.
 
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Citizen24

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Hallo Faisaval,

Jungahns verbaute auch Fremdgehäuse. Aus den 30er Jahren hatte ich mal eine kleine Meister (Kal. 80) mit Gehäuse von den Gebrüdern Kuttroff, das Kaliber 84 habe ich mit Rodi & Wienenberger Gehäuse und auch bei Richard Pfister wurde eingekauft (Junghans J84/S3; Junghans 684.76). Deine finde ich sehr stimmig. Überhaupt interessiert mich, inwieweit Junghans eine eigene Gehäuseproduktion hatte...
Ganz liebe Grüße und einen guten Start ins neue Jahr!

Tim
 

BSBV

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Überhaupt interessiert mich, inwieweit Junghans eine eigene Gehäuseproduktion hatte...


Bereits 1947 kommt die erste Diehl-Uhr auf den Markt.
Wenn man berücksichtig, das zwei deutsche Unternehmen in der Uhrenfertigung tätig waren, und im Rahmen einer feindliche Firmenübernahme durch die Firma Diehl in Nürnberg die Familie Junghans im Jahr 1956 Firma und Firmenleitung verlor, die offizielle Firmenübernahme zum 15. November 1956 erfolgte, dann ja, so gesehen, hatte die Frima Diehl / Junghans eigene Gehäuse.
 

Faisaval

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@Citizen24, Hallo Tim, vielen Dank für Dein Feedback und Deine Infos. :-PMich würde es auch interessieren, in welcher Art die hauseigene Gehäuseproduktion von Junghans zuminderst bis 1956 bestand.
Und nach Deinen Ausführungen zu schließen, könnte mein Exemplar durchaus in ihrer jetzigen Form mit Fremdgehäuse von Raisch & Wössner produziert worden sein.

@BSBV, Hallo Bernd, vielen Dank für Deine Ausführungen. :-P Kann Deinen Angaben zufolge davon ausgegangen werden, dass spätestens mit der feindlichen Übernahme durch Diehl im Jahre 1956 Junghans letztendlich keine eigene Gehäuseproduktion mehr hatte, sondern seitdem nur noch mit "Diel"-Gehäusen ausstaffiert wurde?

Ich wünsche Euch auch einen guten Start ins neue Jahr.
 
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BSBV

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Kann Deinen Angaben zufolge davon ausgegangen werden, dass spätestens mit der feindlichen Übernahme durch Diehl im Jahre 1956 Junghans letztendlich keine eigene Gehäuseproduktion mehr hatte, sondern seitdem nur noch mit "Diel"-Gehäusen ausstaffiert wurde?

Welche Gehäuse nun verbaut wurden kann ich nicht genau sagen. Ich habe eine Diehl-Uhr mit Junghanswerk, ob es auch Junghans-Uhren mit Diehl-Gehäuse gab, davon gehe ich stark aus.
Ich vermute das es vom Werk abhängig war welche Gehäuse genommen wurde.
Aber es gab, nach wie vor, auch später noch Junghans-Uhren mit RP-Gehäuse.
Meine Meister, folgt man dem Werk (gebaut 1955-1967), im Gehäuse von RP.

eLImVTB.jpg


KRw9lNg.jpg


Das Werk, ein J 84 S3
qTjxcRz.jpg
 

JungHans

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Eine sehr schöne, wunderbar erhaltene J80 aus der Nachkriegszeit hast Du da, würde ich sagen. :super:
Junghans hat sehr häufig Armbanduhren-Fremdgehäuse verbaut, besonders wenn es um die etwas besseren Qualitäten und wasserdichte Gehäuse ging. Edelstahlgehäuse zB. wurden bis Anfang der 70er Jahre immer zugekauft, erst dann wurde eine eigene Produktion aufgezogen. Ob nun Diehl Gehäuse für Junghans geliefert hat entzieht sich meiner Kenntnis; nach der feindlichen Übernahme wurde die Uhren Produktion, zumindest der Armbanduhren relativ zügig für beide Unternehmen von Schramberg erledigt, wogegen der Vertrieb von Nürnberg aus erfolgte.
 

Faisaval

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@BSBV, Hallo Bernd, vielen Dank fürs Zeigen Deiner JH Meister im RP-Gehäuse. Ein interessantes Stück mit gelebtem ZB und dem damit verbundenen Vintage-Charme. :klatsch:

@JungHans, Hallo Wolfgang, vielen Dank für Deine sehr interessanten Ausführungen zum Thema Einsatz von Fremdgehäusen bei Junghans.:-P Ich hätte nicht gedacht, dass von JH erst in den 70er Jahren eine eigene Edelstahl-Gehäuseproduktion ins Leben gerufen wurde.

Ach ja, ehe ichs vergesse, falls jemand von Euch ebenfalls über eine oder mehrere Uhren von Junghans im Fremdgehäuse verfügt, so ist er / sie herzlichst eingeladen sie hier zu präsentieren.
Ich bin gespannt auf Eure Beispiele. 🤗
 
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MaJoLa

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Hallo Valentin,

Sie ist einfach große Klasse und durch und durch stimmig. Wolfgang hat meine Vermutung, die sich bei mir zeigte, als die Frage nach den Fremdgehäusen kam, schon bestätigt.

Offenbar verhielt es sich da wie bei Bifora, die ja ebenfalls aus eigener Produktion z.Bsp. keine Stahlgehäuse im Portfolio hatten. Aber Stahlgehäuse kenn ich von denen nur in Verbindung mit Zentra. Also kein Zukauf wie bei Junghans. Jedenfalls hab ich noch keine von Bifora gesehen.

Klasse, daß Du sie hier nochmal präsentierst.
 

Faisaval

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Hallo Markus, vielen lieben Dank für Deine netten und aufschlussreichen Zeilen, explizit Dein Vergleich mit Bifora in Sachen Einsatz von Fremdgehäusen. 🤗
 

BSBV

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Das Patent 17.5.1955, Richard Pfisterer. US 2708338A
Teilauszug:
Erfindungsgemäß ist das Uhrengehäuse auf seiner Rückseite mit einer Ringverlängerung mit Außengewinde versehen, auf die nach dem Anordnen des Packungsrings in dem vertieften Abschnitt mit vergrößertem Durchmesser und nachdem der mit einem ringförmigen Außenflansch versehene Deckel gelegt wurde Auf dem Packungsring ist ein Befestigungsring angeschraubt, der zu diesem Zweck mit einem Innengewindeabschnitt versehen ist und der mit einem sich nach innen erstreckenden Ringflansch gegen die Unterseite des ringförmigen Außenflansches der Abdeckung drückt, wodurch ein kugelförmiger Außenflansch gegen diese Packung gedrückt wird Ring.
Eine weitere Verbesserung der Erfindung besteht in dem Merkmal, dass der ringförmige Außenflansch der Abdeckung mit einem vorspringenden Abschnitt versehen ist, durch den er in eine Aussparung eingreift, die in der Innenwand der vorgenannten ringförmigen Verlängerung des Uhrengehäuses vorgesehen ist, so dass Beim Verschrauben der Befestigungsspule auf die ringförmige Verlängerung des Uhrengehäuses kann es nicht zu einer Verschiebung des Deckels und einer Beschädigung des Packungsrings kommen.
https://patentimages.storage.googleapis.com/b7/cd/8c/029953b7847099/US2708338-drawings-page-1.png
Prioritätsdatum 23. 09. 1940
Veröffentlichungsdatum 31. 01. 1942
Die Gehäuse sollen bis 4 Bar wasserdicht gewesen sein.


Eppo hat auch gerne bei RP eingekauft.
Bild 179.jpg

Bild 180.jpg
 

Faisaval

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@BSBV, hallo Bernd, vielen Dank für das Einstellen dieses sehr interessanten Auszuges des Gehäusepatentes der Firma Pfisterer. Und es zeigt wie viel Gedankenschmalz doch im Detail steckt für eine verbesserte Funktionstüchtigkeit, die der Kunde als selbstverständlich in Gebrauch nimmt.
Bemerkenswert auch die zu jener Zeit bereits als Stand der Technik dargestellten Federstege.
 

BSBV

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@BSBV, hallo Bernd, vielen Dank für das Einstellen dieses sehr interessanten Auszuges des Gehäusepatentes der Firma Pfisterer. Und es zeigt wie viel Gedankenschmalz doch im Detail steckt für eine verbesserte Funktionstüchtigkeit, die der Kunde als selbstverständlich in Gebrauch nimmt.


Gerne doch.

Auch Wempe benutzt diese Art von Bodenverschraubung bei ihren Taucheruhren.

Bild 1773.jpg

Bild 1774.jpg
 

Faisaval

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Was mir am Patent von Pfisterer noch aufgefallen ist, dass dieses 1942 als US Patent eingetragen wurde. Zu einer Zeit als Deutschland und die USA sich im Krieg befanden. War dies demnach trotz des Krieges möglich? Oder bedeutet die Nummer nach der Patentsangabe das Datum des US Patents. Dann wäre es logischerweise nach dem Krieg eingereicht worden.
 
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DRGM

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Was mir am Patent von Pfisterer noch aufgefallen ist, dass dieses 1942 als US Patent eingetragen wurde.

Hallo Valentin,

da hat Bernd (BSBV) schlicht etwas falsch verstanden oder verwechselt. Das US-Patent geht mitnichten auf eine Prioritätsanmeldung von 1940, sondern auf eine Priorität vom 4. Januar 1950 zurück - dabei handelt es sich um das deutsche Gebrauchsmuster 1612517. Das US-Patent wurde im September 1951 angemeldet und 1955 erteilt.

Edit: mit der "Pfisterer-Nase" und dem zugehörigen Schweizer Patent, sowie den Gebrauchsmustern hatte ich mich schon mal hier beschäftigt:

Eine Uhr mit drei Namen
 

Faisaval

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Hallo Martin, vielen lieben Dank für Deine Erläuterung zum Patent und den Verweis auf Deine wunderbare Vorstellung mit der genauen Erläuterung der miteinander verknüpften Gebrauchsmuster und Patent. Ein wahrlich kompliziertes Feld. Wieder etwas dazugelernt.👍
Wirklich schade, dass es hier keine ausgesprochene Datenbank gibt, die es ermöglicht auf solch lehrreiche Beiträge und Vorstellungen systematisiert zuzugreifen. Wäre doch eine passende Aufgabe für 2021 so etwas hier ins Leben zu rufen. 🤗
Oder nicht, Was meint Ihr?
 

BSBV

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Soweit ich das verstanden habe wurde das 1940 erfunden, 1942 veröffentlich, 1951 angemeldet und 1955 wurde das Patent erteilt.
Das Datum May, 17, 1955 ist auch so auf der Zeichnung vermerkt.
 
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