Valjoux 7733: Exzenter locker

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tobby_d

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Hallo,

ich habe gerade ein Valjoux 7733 mit diversen Baustellen vor mir...
Ein Problem, wo ich gerade etwas ratlos bin, ist ein Exzenter, der nicht so recht halten will. Es geht um folgendes Bauteil:

Exzenter.jpg


Die Exzenter zum Einstellen des Chrono-Mechanismus sind bei diesem Werk einfach nur eingesteckt.
Ich habe das Werk als "defekt" bekommen, und eine Ursache war, dass ebendieser Exzenter auf dem Foto anscheinend nicht original war, sondern vom Durchmesser zu groß: die Kupplung war sehr sehr fest aufgedrückt und ließ sich kein Stück bewegen. Ich habe jetzt ein Originalbauteil bekommen (auch, weil ein weiterer Exzenter komplett fehlte...).
Jetzt sitzt die Kupplung zwar gut, dafür hält der Exzenter selbst nicht im Loch auf der Platine, sondern fällt fast von allein wieder heraus.

Ich würde denken, eine mögliche Reparatur sähe eigentlich so aus, dass man mit einem Rundpunzen das Loch verengt. Ganz grob folgendermaßen (evtl. aber mit etwas kleineren Punzen):

Punzen1.png


Ist das soweit sinnvoll? Jedenfalls wollte ich das bereits ausprobieren. Unter der Lupe sieht das Loch nur leider eher so aus:

Punzen2.png


Das bringt also vermutlich nix, und ich möchte nicht (unnötig) auf der Platine rumhämmern. :(

Hat hier noch jemand Tipps, wie ich den Exzenter sinnvoll befestigt kriege? Er soll ja schon noch einstellbar sein: kleben oder ähnliches kommt nicht in Frage (allein schon aus Prinzip gehört m.M. nach kein Kleber ins Uhrwerk...)
 
Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

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Könntest Du so machen. Ich würde dem Ansatz des Exenters von der Rückseite "einen auf den Kopf" geben.
 
tobby_d

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Danke erstmal! Eine leichte Kombination aus beidem scheint zu passen, der Exzenter fällt nicht mehr hinaus, und lässt sich mit Widerstand verstellen :D

Tja, leider plagt mich das Werk weiter :(
Jetzt streikt der Minutenzähler.
Die Welle ist gerade. Aber wenn ich den Zähler ins Werk setze, sitzt er ganz leicht schräg zur Chronographenplatte hin (egal, wie ich das Rad drehe: die Welle ist also tatsächlich gerade).

Wenn ich jetzt die Chronographenbrücke aufsetzen will, muss ich den Minutenzähler immer leicht zur Brücke hin ziehen. Mit dem Resultat, dass das Rad sehr sehr schwer geht :(
Der Sekundenzähler hingegen sitzt perfekt.

Hat jemand sowas schon mal zufällig gehabt?

Ich kann mir gerade nicht erklären, wie das zustande kommt, und wie das Werk so jemals gelaufen haben soll.

Ich werde die Chronographenbrücke erstmal recht lose anschrauben und mal sehen, was der Rest noch für Überraschungen birgt, ggf. mache ich dann auch nochmal einen neuen Thread für den Minutenzähler auf...

Es wird nicht langweilig :D
 
AHVintage

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Mal Brücke getauscht?
Wenn das Rad auch schräg ungehindert dreht, reibe die untere Lagerung etwas nach mit der Glättahle.
Dann wird aber auch mit dem Zeiger nachjustieren nötig sein.

Frank
 
tobby_d

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Mal Brücke getauscht?

Um die Brücke zu tauschen, bräuchte ich ja erstmal ein zweites Werk (oder zumindest eine zweite Brücke) ;)

Das Lager der Brücke (ist ja Metall, kein Stein) sieht übrigens tatsächlich auch nicht mehr ganz so sauber aus: da sind ganz schön viele Spuren rund um das Loch.
Wenn ich aber die Brücke umgedreht auf den Tisch lege, und den Minutenzähler kopfüber reinsetze (ich hoffe, ihr wisst, was ich meine), wirkt alles gut: liegt ordentlich und dreht ganz leicht. Und auf dem Rad wirkt ja keinerlei Kraft, ich denke das passt grundlegend schon.

Wenn das Rad auch schräg ungehindert dreht, reibe die untere Lagerung etwas nach mit der Glättahle.
Dann wird aber auch mit dem Zeiger nachjustieren nötig sein.
Ich denke mal, mit "unterer Lagerung" ist die Lagerung in der Platine gemeint, richtig? Das würde ja sehr gut zu tschasovschiks Theorie mit dem Fall auf die Krone passen.
Da werde ich mal ganz vorsichtig mit ner Ahle rein.
Bislang konnte ich mir die Ursache überhaupt nicht erklären, aber sowas könnte tatsächlich passiert sein. Ich werde heute Abend auch die Welle genau inspizieren, vielleicht sieht man ja Spuren (auch wenn der gehärtete Stahl der Welle natürlich n bissl mehr abkann als das Messinglager).

Danke Euch!
 
AHVintage

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Ich meinte, Brücke von einem anderem Werk verwendet und so den Fehler verursacht.
Sonst hast Du alles richtig verstanden.

Gruß, Frank
 
tobby_d

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Ihr seid großartig!



Erste leichte Bearbeitungen mit der Ahle, und das Werk läuft bereits :D

Habe leider noch einen anderen lockeren Exzenter gefunden, die Feineinstellung ist sicherlich auch noch verbesserungsfähig, außerdem habe ich etwas mit Molykote rumgesaut (mein erster Chrono: mit Öl lässt sich irgendwie leichter arbeiten als mit Fett), zumindest der Chronomechanismus darf also nochmal in die Wäsche, aber: es läuft!
 
tobby_d

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Na, bei diesem Exemplar hätte ich wirklich alles hinterfragen sollen...

Ich habe das Mitnehmerrad entsprechend meiner Foto-Dokumentation wieder so aufgesteckt, wie ich es vorgefunden habe. Die Höhe habe ich so angepasst, dass der Eingriff in das Kupplungsrad auf der selben Höhe ist.
Und es funktioniert. Also es läuft, und der Chronoeingriff funktioniert.

Aber jetzt schaue ich mir gerade Bilder anderer Exemplare an und stelle fest: mein Mitnehmerrad sitzt eigentlich verkehrt herum :shock:
Muss ich mir Sorgen machen? Der Eingriff sollte ja symmetrisch sein. Und die Höhe ließ sich gut auf die Höhe des Kupplungsrads einstellen.
 
Rainer Nienaber

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Aber jetzt schaue ich mir gerade Bilder anderer Exemplare an und stelle fest: mein Mitnehmerrad sitzt eigentlich verkehrt herum :shock:
Muss ich mir Sorgen machen? Der Eingriff sollte ja symmetrisch sein. Und die Höhe ließ sich gut auf die Höhe des Kupplungsrads einstellen.
Ist mir auch schon passiert. Sorgen musst Du Dir deswegen aber keine machen. Wenn's läuft, dann läuft's.
 
AHVintage

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Bei mindestens 50% der Chronos, die ich bekomme, sitzt das Rad "verkehrt rum". Geht also auch anderen so wie Dir.
 
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Um (leider) wieder zur ursprünglichen Frage zurück zu kehren...

Der zweite lockere Exzenter (der auf der Kupplung) ließ sich mit oben genannten Methoden jetzt wirklich gut festsetzen. Leider hat es aber für den ursprünglich genannten nicht gereicht. Nach mehrmaligem Ein- und ausschalten des Chronographen hat er sich langsam immer wieder zurück gedreht. Ich befürchte, die "Einen-auf-den-Kopf"-Methode von Rainer bringt an dieser Stelle nur bedingt etwas, da der Ansatz von unten etwas herausschaut. Dadurch lässt er sich zwar mit Widerstand einsetzen, dreht aber trotzdem durch. Mal etwas übertrieben sieht es als Skizze jetzt ungefähr so aus:

Exzenter_skizze.png
So, und jetzt bitte mal Eure ehrliche Meinung zu meiner folgenden "Lösung" des Problems.
Mein Ansatz war, das Lager mit etwas "Füllmaterial" zu verkleinern, und dem Exzenter so mehr Griff zu geben. Ich weiß, eigentlich sollte man jetzt vermutlich das Lager ausbohren und ein neues Futter einzusetzen. Das geht über meine Fähigkeiten als Laie hinaus...

Ich habe mich für ein kleines Stückchen Alufolie entschieden, das ich zuerst mit einer Ahle ins Lager eingedrückt habe. Danach ließ sich der Exzenter fest einsetzen. Lässt sich jetzt schwergängig verstellen, bleibt aber ansonsten so wie er soll. Im Zweifelsfall kann es ja absolut problemlos wieder rückgängig gemacht werden.
Sieht ungefähr so aus (Alufolie in grau):

Exzenter_Alufolie_skizze.png
Ich habe die Alufolie extra oben noch etwas länger gelassen, damit ein folgender Uhrmacher (wobei ich nicht plane, die Uhr jemals abzugeben, aber man weiß ja nie...) hoffentlich sieht, was ich da veranstaltet habe:

Alufolie.jpg

Ich habe die Verbindung zwischen Alu und Kupplung vorher gut geölt in der Hoffnung, dass sich das Aluminium dort nicht aufreibt :/

Ist das:
  • ganz grober Pfusch und gehört direkt wieder rückgängig gemacht?
  • OK, solange es funktioniert?
  • eine kreative und gangbare Lösung?
 
Thema:

Valjoux 7733: Exzenter locker

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