Sammelthread Uraltfraktion von Ruhla

Diskutiere Uraltfraktion von Ruhla im Vintage Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Das Blatt sieht verdächtig nach Seebach aus, das Gehäuse ist bicolor und verfügt über ein Schraubboden. Kenne ich eigentlich nicht von den...
lennox

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Das Blatt sieht verdächtig nach Seebach aus, das Gehäuse ist bicolor und verfügt über ein Schraubboden. Kenne ich eigentlich nicht von den Thüringern .Aber bei Ruhla ist Alles möglich:-D
Schönes Wochenende
auch an die stillen Mitleser
lennox
 
M

Marcel1988

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Dann mach ich mal mit :)
 

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Nun muss ich hier endlich auch etwas zeigen, denn mir hat es das kultige UMF 24-Kaliber mit all seinen Varianten, einschliesslich des unglaublichen Quarzwerks UMF 28, angetan. Wer gern Uhren aus den '70er Jahren mag, kommt ohnehin nicht um dieses Kaliber herum- viele der Uhren mit dem Kaliber waren ausgefallene Modeuhren. Das Design ist manchmal sogar regelrecht atemberaubend, wie bei der Punktuhr (so eine brauche ich noch...), besser wurde das Design eines Mystery-Zifferblatts höchstens noch von Zodiac umgesetzt. Das Werk ist ein sehr einfaches, steinloses Stiftankerwerk, aber - wie ich finde - gut durchdacht und ziemlich robust. Ausserdem wird man wohl noch lang an Ersatzteile und -Werke kommen, denn von dem Kaliber wurden ca. 150 Millionen Stück produziert! Und es war das erste, vollständig maschinell montierte Werk! Aber das alles und zahllose Geschichten um das Werk kann man ja in diesem und anderen Ruhla-Threads nachlesen.

Für den Anfang habe ich mir einen meiner UMF 24-Lieblinge ausgesucht. Meine KAREX Digital. So sieht sie aus:

aaa1.png

aaa2.png

aaa3.png

aaa4.png

Die Uhr wurde von mir gereinigt, Glas poliert, Werk geölt und neu reguliert. Ich habe sie ca. 6 Monate und trage sie auch. Dabei hat sie sich als zuverlässig erwiesesn und läuft mit deutlich weniger als einer Minute Abweichung pro Tag. Das Band (20 mm Anstoss) ist neu, aber wie ein Vintage-Rollenband gemacht. Man kann alle Glieder durch seitliches Austreiben der Stifte voneinander trennen und so das Band sehr passgenau machen. Die Seiten sind aus gestrahltem, mattem Edelstahl, die Mitte aus schwarzem Silikon (oder ähnlichem Material).

Ich finde es perfekt zu der Uhr, die ein rechter Klotz ist: Sie ist 37,5 mm breit und misst von Horn zu Horn 42 mm, vor allem ist sie aber 13,3 mm dick, wovon 12,7 mm auf das Gehäuse entfallen, das noch 0,6 mm von dem flachen (Plexi-) Glas überragt wird, das von innen eingelegt ist. Das verchromte Messing-Gehäuse ist oben plan und längs parallel matt geschliffen, die kantig abgesetzten Flanken und die senkrecht abfallenden Seiten sind (waren einmal) glatt und hochglänzend. Sie hat zwar schon deutliche Tragespuren, aber sieht trotzdem immer noch sehr gut aus mit dem schwarz-weissen Zifferblatt.

Dort steht KAREX Digital. Die Uhr wurde also durch Karl Rexer in Pforzheim vermarktet und war ein Exportmodell. Vielleicht weiss jemand von euch etwas über die Herkunft des Gehäuses (da gibt es ja alles mögliche) und wer für das Design des Zifferblattes verantwortlich ist (Ruhla?).

Wenn man die Uhr öffnet,m erfährt man durch das Werk (UMF 24-34) noch etwas mehr über die Uhr.

aaa5.png

aaa6.png

Der Abstandsring ist grün. Wenn man ihn wegnimmt, schaut man auf die grosse Basisplatte des Scheibenmoduls des UMF 24-34, die ein Punktmuster hat, und die den gesamten Innenraum des Gehäuses beansprucht. ,Das Scheibenmodul ist anstelle eines Zifferblattes auf das Werk gesetzt und ist auch gleich daran befestigt: Die 3 Zifferblattfüsse werden an einer Kerbe durch seitlich hineingetriebene, v-förmig ausgeschnittenen Plättchen gesichert. Das Werk trägt unter der Unruh die Nummer 174. Das ist bemerkenswert, denn es bedeutet ja: erste Kalenderwoche 1974. Die Jugendfestspiele 1973 mit den ersten Uhren mit diesem Kaliber, gelabelt als "Ruhla Digi 73" waren doch erst im September. Da war Karl Rexer also früh dran mit seiner Bestellung. Man sieht dem Werk die frühe Herstellungszeit auch an. Es trägt noch den Stempel 24-00 und die Unruh hat noch einen fest montierten, unbeweglichen Spiralklötzchenträger.
Die Modifikationen des Werks schaue ich immer hier nach:
Werkfamilie M 24

Das wars erstmal... Das wird aber eine Etappengeschichte. Wie der Vater im Märchen, habe ich euch heute nur meinen wohlgeratenen Sohn vorgestellt. Aber der hat noch einen lahmen, kranken Bruder, eine rote Ruhla Digital im abgefahrenen TV-Gehäuse. Ein Sorgenkind und Dauerpatient von mir, der es bisher auf 0 Minuten am Arm bringt. Aber davon mehr das nächste Mal (mein Fotoapparat wollte erst den Akku geladen haben, nun ist das Licht für Fotos zu schlecht...)

Hoffentlich gefällt euch die Karex, bis bald
Andi
 
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lennox

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He Andi
Eine sehr interessante Vorstellung einer eher seltenen Digi . Die von Ruhla findet man ab und zu, und noch einigermassen preiswert.
Die Karex sind eher selten, da sie ja für den westlchen Markt gedacht waren .Der Preis war auch eher niedrig und so wurden die Karex Digis erst garnicht Reperiert . Mit dem Siegeszug der Quartzuhr gerieten sie in Vergessenheit. Kaum Jemand hat sie aufgehoben.
Karex Digis ist auch ein interessantes Thema weil kaum was über die Blattvarianten bekannt ist. Es muss aber auch Kataloge geben.
Gruß
Andreas
 
andi2

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Hallo Andreas,
diese hier ist ehrlich gesagt die schönste KAREX, die ich bisher gesehen habe. Ich bekam sie sehr billig, ca 30 Euro incl., Versand, das Glas war sehr zerkratzt, ob sie läuft oder nicht, wurde vom Händler verschwiegen (sie lief einigermassen gut noch). Ansonsten fällt das Design bei den Zifferblättern etwas gegen das Ruhla-Hausdesign ab, finde ich. Lange habe ich auch auf eine Uhr gewartet, wo ich dieses Zweifarb-Band montieren konnte, das ich schon länger im Auge hatte.
Schade dass die Uhren im Westen so als Ex-und hopp-Uhren behandelt wurden. Meine hatte auch nicht gerade einen vorsichtigen Träger. Allerdings dürften diese Scheiben-Digitaluhren ja auch am Arm von Leuten gewesen sein, die heute eine Ice-Watch tragen.

Ich habe auch noch zwei Ruhla Digital in meinem Lieblings-Gehäuse, dem TV-Gehäuse, eine rot und eine blau. Das ist echt abgefahren, aber ein rechter Schmutzsammler um das Glas herum. Die rote ist ein Sorgenkind, davon werde ich in den nächsten Tagen mal berichten und die Teile des Scheibenmoduls zeigen (muss sie zerlegen und die Fotos noch machen). Die blaue hab ich noch nicht., sondern an meine deutsche Ebay-Adresse schicken lassen (weiss also noch gar nichts darüber)...

Und danach kommt noch die heimliche Königin in meinem UMF-Völkchen, meine Accurist Quarz (ohne -t-) mit dem unglaublichen UMF 28...
Gruss Andi
 
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fuchsgiro

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Andi, vielen Dank für die ausführliche Vorstellung deiner Karex-Digi.

Ich hatte dieses Modell mal auf dem Tisch.
Da sie aber nicht in mein Sammelgebiet passte, habe ich sie wieder ziehen lassen.

1 064.jpg


Das hier ist meine schönste Ruhla Scheibenuhr. Die durfte ich vor zwei Jahren von einem netten Forumsmitglied (@Spindel) erwerben.

P7250140.jpg


Für M24-Hardcorefans habe ich hier noch eine Pflichtuhr. ;-)

neu 066.jpgneu 075.jpg


Andi, ich freue mich schon auf deine nächsten Vorstellungen.
 
Uhrenfreak

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Nicht uralt aber alt von Ruhla

Letztes Wochenende habe ich eine schöne Quartzuhr von Ruhla für 3 € erstanden. Sie kommt im 70er-Look daher und wird so um 1978 entstanden sein. Zunächst hatte ich Probleme sie in Schwung zu bringen, aber inzwischen läuft sie problemlos und gibt die Zeit ganz genau an.

DSC09130.jpg

DSC09131.jpg

Gruß Willy
 
andi2

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Hallo Mario!
Deine Karex ist fast gleich, aber auch dort gibt es die Karex-Krone auf dem Blatt, bei meiner fehlt die. Die Skelettuhr ist echt abgefahren!
@Willy: Ich hab ja auch so eine Ruhla (Accurist) Quarz. Bei meiner musste ich das Deckplättchen, das auf die Sekundenwelle drückt, wieder richten und den Schrittmotor einmal anschubsen, (ein Stück am Rädchen drehen, das nur zuckte) dann lief sie- mit sehr wenig Gangfehler, wohl ca 10-15 sec pro Monat... Ich finde, diese Uhr ist ein technisches Unikum, das jede Sammlung ziert. Und ausserdem kriegt man vom Tragen einen kräftigen Arm! Gleich werde ich mich mal um die Fotos kümmern, die ich hier noch zeigen will...
Andi

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Hier nun mein Sorgenkind, eine rote Ruhla Digital im TV-Gehäuse. Sie hat mal ein einfaches gefaltetes Stahlband bekommen, das die Klobigkeit des Gehäuses noch weiter steigert, obwohl ich sie bisher noch nie tragen konnte. So sieht sie aus:



Bild1.png


Bild2.png


Bild3.png

Das Gehäuse ist zwar sichtlich gebraucht, aber - wie ich finde, noch schön. Wenn so eine Uhr im Ruhla-TV-Gehäuse ungereinigt angeboten wird, sieht sie oft schrecklich aus, denn in dem eingesenkten Bereich um das Glas herum haben sich schwärzliche Dreckkrusten gebildet. Das sieht oft wie Korrosion aus, lässt sich aber entfernen. Ich poliere an so einem Gehäuse nicht so viel, sondern versuche zuerst einen Edelstahlreiniger, ähnlich wie "Stahlfix", mein Prdukt aus Italien heisst Brillino und enthält u.a. 9% Phosphorsäure. Es ist vielfach zum Reinigen von Uhrenteilen zu gebrauchen, sanft und effektiv zugleich (mein Geheimtipp für Metallzifferblätter). Als ich die Uhr kaufte (als defekt), war sie auch sehr schmutzig, das Glas war ein Bild des Jammers, eigentlich nicht mehr zu gebrauchen mit sehr tiefen Scharten und Kratzern, sie hat aber auch fast nichts gekostet.

Bild4.png

Dies ist das Gehäuse von innen. Das Plexiglas ist eingeklebt. Und zwar so bombenfest, dass man es wohl total zerstören müsste, um es vom Gehäuse zu trennen. Vor mir hatte schon jemand versucht, es zu entfernen und dabei Risse bis in den unteren sichtbaren Rand verursacht. Ich Dussel habe es dann noch weiter probiert und den Schaden noch etwas verschlimmert.

Hier gleich meine erste Frage: Ist es immer so, dass das Glas im TV-Gehäuse eingeklebt ist, oder wurde das nachträglich gemacht?

Die Uhr ist insgesamt ziemlich abgenutzt. Das Werk trägt unter der Unruh die Zahl 4675 (Kalenderwoche 46 in 1975), Das Werk ist oben unmarkiert (keine Prägung 24-00) und die Unruh hat einen beweglichen Spiralklötzchenträger.

C-003F.JPG

Das Werk habe ich nur grob ausgeputzt und geölt, die Unruh hatte ich ausgebaut und extra gereinigt. Möglicherweise sind die Körnerspitzen schon zu abgenutzt. Sie lief aber danach wieder (ob gut, weiss ich nicht, hab aber Zweifel). Die Stundenscheibe bewegte sich nicht mehr. Also musste ich das Scheibenmodul reparieren. Das zeige ich weiter unten, weil ich selber keine Anleitung im Netz gefunden habe. Es ging einfach und funktioniert wieder. Aber ich kann einfach die Welle nun nicht mehr verriegeln, wenn das Werk im Gehäuse ist. Beim ausgebauten Gehäuse geht es. So als ob die Welle plötzlich zu kurz wäre.

Doch nun zuerst mal zum Scheibenmodul des UMF 24-34
Die Daten zum Werk findet man hier
http://www.ranfft.de/cgi-bin/bidfun-db.cgi?00&ranfft&&2uswk&UMF_24_34

Das Werk bekommt durch das vorn aufgesetzte Scheibenmodul für die digitale Anzeige seine enorme Bauhöhe. Im Uhrwerkarchiv sind 8,5 mm (ohne hervorstehende Schrauben) angegeben. Ich messe mit den höchsten Schraubenköpfen auf beiden Seiten 9,3 mm, von denen 3, 5 mm auf das Scheibenmodul entfallen.

Bild6.png

Im Bild liegt das Scheibenmodul oben. Es besteht aus einer Basisplatte, auf die die beiden Scheiben und Zusatzteile montiert sind. Von der Basisplatte stehen zwei hohle Pfeiler mit einem Innengewinde nach oben ab, auf die das eigentliche Zifferblatt von vorn aufgeschraubt wird. Einer dieser Pfeiler ist im Bildvordergrund etwas rechts von der Bildmitte zu sehen. Links (genau in der Bildmitte) daneben ragt ein kurzer Messingzapfen aus der Basisplatte des Scheibenmoduls: ein Zifferblattfuss. Auf der Basisplattenunterseite sieht man das ausgeschnittene Metallplättchen, das ihn festhält. Von den Scheiben erkennt man die Stundenscheibe aus weissem Plastik, die hinten einen Plastik-Zahnkranz hat und oben mit einer Schraube festgeschrtaubt ist, die man auch sieht. Ganz oben liegt das eigentliche Zifferblatt aus lackiertem Messing auf.
Unten sieht man das Räderwerk; links oben erkennt man das Ankerrad, in der Mitte das Sekundenrad und rechts das Kleinbodenrad.

Bild7.png

Blick direkt auf den Aufzug. In diesem Bild liegt das Scheibenmodul unten. In das Loch wird die Welle gesteckt, darunter erkennt man die Ebene der Aufzugs-und-Stell-Teile. Das Ding rechts unter dem Loch ist die Winkelhebelfeder, an der die Schraube eingeschraubt ist, mit der man die Welle entriegelt, sie greift mit ihrem nach oben umgebogenen Ende in die Achse der Welle und hält sie fest. Es gibt viel Höhenspielraum, sodass man das Umschalten von Stellen auf Aufziehen von der Seite ausführen und versprungene Teile richten kann. Aber ich bekomme die Welle einfach nicht mehr richtig rein...
Auf der Werksebene ganz oben sieht man links das Federhaus und rechts das Räderwerk.
Auf der Ebene des Scheibenmoduls unten erkennt man die Minutenscheibe, die hinten einen Zahnkranz aus Metall hat und die beiden Pfeiler für das Zifferblatt.

Bild5.png

Das Zifferblatt hatte schon bessere Tage. Am Rand habe ich nachlackiert. Man sieht die beiden Schrauben für das Zifferblatt bei Bildposition 11 und 5. Die muss man lösen und das Zifferblatt abheben.

Bild8.png

So sieht es dann aus. Die Stundenscheibe links und die Minutenscheibe rechts stehen beide von der Mitte abgerückt. Die Minutenscheibe überlappt die Stundenscheibe. Sie ist nur von vorn auf einen aus der Basisplatte herausragenden Zapfen aufgesteckt und kann mit den Fingernägeln am Rand ergriffen und leicht abgezogen werden.

Bild10.png

Auf der Rückseite hat die Minutenscheibe einen Zahnkranz aus Metall. Im Hintergrund sieht man den Abstandsring aus weissem Plastik.

Bild9.png

Auf dem Sprungmodul erkennt man rechts neben der Stundenscheibe den Zapfen, der die Minutenscheibenwelle bildet. Dort gibt es keinen Antrieb, sondern der Antrieb kommt von dem Messingzahnrad, das in den Zahnkranz an der Minutenscheiben-Hinterseite eingreift.
Die Stundenscheibe ist von vorn mit einer Schraube festgeschraubt (bei späteren Modifikationen des Werkes gibt es diese Schraube wohl nicht mehr, sondern eine andere Befestigung!). Sie ist quasi ohne Antrieb. Wenn die Schraube lose ist, kann die Scheibe einfach abgehoben werden.

Bild12.png

Die Stundenscheibe ist ganz aus weissem Plastik und hat hinten eine Zahnkranz aus 12 groben Zähnen. Sie wird nur einmal pro Stunde um einen Zahn weiter gedreht. In dem Rückendeckel, der als Schraubengefäss dient, erkennt man rechts neben dem Zifferblatt die Schraube, die die Scheibe hält.

Bild11.png

So sieht das Modul ohne die Scheiben aus. Auf das zentrale Minutenrohr ist ein Zahnkranz aufgesteckt, den man nicht sieht, weil er durch ein rundes Plättchen mit einem einzigen Dorn verdeckt wird, das man darüber auf das Minutenrohr steckt. Der Dorn zeigt im Bild nach links oben (Richtung 11 Uhr auf dem Plättchen. Zahnkranz und Dornplättchen bewegen sich mit dem Minutenrohr im Uhrzeigersinn. Der Zahnkranz treibt das Zwischenrad aus Messing an, das seinerseits die Minutenscheibe antreibt. Das Dornplättchen schaltet die Stundenscheibe. Immer wenn der Dorn des Plättchens etwa bei 8 Uhr angekommen ist, ergreift er einen der 12 Zähne auf der Rückseite der Stundenscheibe und nimmt die Scheibe mit. Wenn der Dorn die 9-Uhr-Position erreicht springt die Scheibe vollends um. Ein Plättchen aus grauem Federstahl, das mit einer grossen Schraube oben, leicht rechts auf der Platte angeschraubt ist, verlängert sich zu Seiten der Stundenscheibe zu einer Sperrfeder. Das v-förmig geknickte Federende rastet oben auf der Aussenseite in den Zahnkranz der Stundenscheibe ein und hält sie nach dem Stundensprung in Position. Auf der anderen Seite, mit dem breiten Ende, hält das Federstahlplättchen das Übertragungsrad der Minutenscheibe in Position.

Zum Einstellen des Stundensprungs baut man alles bis auf die Minutenscheibe zusammen. Dann stellt man die Uhrzeit, bis genau zum Sprung der Stunde und legt dann die Minutenscheibe so auf, dass sie Minute 00 anzeigt.

Puh, das war mehr Arbeit, als ich dachte. Hoffentlich ist es für den einen oder anderen wenigstens interessant...

Gruss Andi

PS: habt ihr noch Idee, was ich wegen der Sch..... Welle tun kann, damit ich sie reinbekomme? Ist das Problem bekannt bei dem Werk?
Vielleicht sollte ich lieber das Sprungmodul auf ein frischeres Basiswerk montieren... Geht das so ohne weiteres, ist die Minutenradwelle vorn gleich lang bei den nicht-digitalen Versionen?

Ach ja: das UMF 24 hat nur 2 Zifferblattfüsse, nicht 3, wie ich irgendwo oben geschrieben habe. Die Basisplatte hat ihre Füsse, mit denen sie am Werk verankert ist, auf dem Bild jeweils links neben den Pfeilern für das eigentliche Zifferblatt, es sind die leicht aus der Platte ragenden Messingzapfen.
 
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oncefan

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Hallo Andi - ganz herzlichen Dank für Deine sehr ausführliche Beschreibung Deiner Arbeit. Es ist bewundernswert, mit was für einer Motivation und Mut Du an die Uhr ran bist! :klatsch:

Ich fürchte, Du kannst kein normales Basiswerk nehmen. Die Welle bei diesem Kaliber ist länger. Was für ein Problem hast Du genau mit der Welle?

Hier sind mal meine Digis:

Bild16.jpg
Bild17.jpg
Bild18.jpg
Bild19.jpg

Mario, Deine Digi ist wirklich die schönste - mit dem roten Gummiband! wow .... Die kann nicht viel getragen worden sein - diese Beschichtung geht superschnell ab! - siehe meine .... obwohl die auch noch recht gut erhalten ist.
 
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fuchsgiro

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Jörg, ich kann keine Abnutzung an deiner Digi sehen. Einigen wir uns - beide sehen top aus. ;-)

Andi, normalerweise macht die Aufzugwelle kein Problem bei der Montage in Aufzugstellung. In seltenen Fällen montiere ich die Welle in gezogener Kronenpostition - Aufzugwelle einstecken, Schraube des Winkelhebels leicht anziehen, A-Welle vorsichtig ziehen bis es ganz leicht geht (Winkelhebel ist in A-Welle eingerastet) und dann die Winkelhebelschraube festziehen.

--- Nachträglich hinzugefügt ---

...
Anhang anzeigen 1149546

... Das Ding rechts unter dem Loch ist die Winkelhebelfeder, an der die Schraube eingeschraubt ist, mit der man die Welle entriegelt, ...

Du meist sicher Winkelhebel. Einen Teil der Winkelhebel-Feder sieht man ganz rechts außen.
 
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oncefan

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Mario :prost:

Andi, hatte ich wohl nicht richtig gelesen - Du meinst die Aufzugswelle - manchmal krieg ich die auch nicht sofort rein - wenn man dann zu ungeduldig ist und es mit etwas mehr Druck versucht, kann man auch mal den Winkelhebel verbiegen. Ansonsten ist der Tip von Mario goldrichtig - erst letztens habe ich so eine renitente Welle endlich rein bekommen.

Das ist nicht Ruhla spezifisch - ist manchmal auch frickelig bei Glashütte ....
 
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Hallo Jörg und Mario,
Da habt ihr natürlich echte Digi-Prachtstücke. So wird meine nicht mehr erglänzen.
Mit dem Mut beim Angehen einer Reparatur ist es bei mir so eine Sache. Damit ich mich traue, darf die Uhr nicht zu teuer sein. Und es ist gut, wenn ich noch eine zweite von der Sorte in Petto habe, falls es schiefgeht. Beide Voraussetzungen bei dieser waren erfüllt, also bin ich da dran. Ich hab die Uhr ja gekauft, obwohl ich wusste, dass da Arbeit fällig ist. Dass ich ausgerechnet am Welle-Verankern scheitere ist ja nun kein Meisterstück...

Bei der Uhr war ich noch in der Testphase. Wenn ich wüsste, dass daraus etwas wird, was man an den Arm tun kann und was die Zeit anzeigt, würde ich sie erstmal gründlicher reinigen. Man sieht auf den Fotos ja noch den Schmutz...

Schade dass die Minutenwelle vorn bei den Nicht-Digitalen eine andere Länge hat. Sonst hätte ich mir als Plan B eine hässliche Damen- oder Kinderuhr geholt und das Scheibenmodul umgebaut. Da müsste man also beide Werke total zerlegen, bis man das Minutenrad draussen hat und das umbauen.... Das klingt wie Horror.

Plan C wäre, nur eine neue Unruh einzubauen, falls diese es nicht mehr macht (Plan A wäre: die Uhr läuft ohne Zicken). Damit bleibt das Originalwerk erhalten. Dann ist aber Voraussetzung, dass ich das mit der Welle hinbekomme.

Das Schadensbild sieht so aus:
Ich kann die Welle nur einstecken und verriegeln, wenn ich vorher den Mechanismus auf Stellen umschalte. Wenn der Winkelhebel (danke Mario, ich müsste bei manchen Teilen immer zuerst nachsehen, wie sie richtig heissen...) die Schraube, mit der man verriegelt, fasst, zieht er die Welle in eine bestimmte Position.
Falls ich das beim ausgebauten Werk mache, funktioniert es (meist). Beim eingebauten Werk wird die Welle in einer Position verankert, wo sie schon am Gehäuse anstösst, man kann sie also nicht weiter reindrücken und auf Aufziehen umschalten. Die Krone, die ja schon abgenutzt ist und nur deshalb noch dran, weil ich im Moment keine passende habe, hat so eine Verlängerung am Gewinde und kann weit herausgeschraubt werden. Ich kann also so die Welle sogar noch etwas länger machen und es geht trotzdem nicht. Deshalb denke ich, eine längere Welle würde das Problem nicht lösen.
Wenn ich versuche, in Aufziehposition die Welle einzustecken, erreiche ich nicht den Punkt, wo ich verriegeln kann, oder das Gedöns verspringt und ich muss alles wieder richten. Das Problem ist, dass ich die Schraube so weit herausdrehen muss, damit die Welle am Fortsatz des Winkelhebelds vorbeigeht, dass dann alles total wacklig ist und sehr leicht verspringt.
Dazu kommt, dass ich beim ausgebauten Werk sehen kann, was ich mache, während ich beim eingebauten Werk blind, nur nach Gefühl arbeite.
Wenn alles stimmt, liegen die Kronenpositionen Aufziehen und Stellen auffällig nah beieinander.

Ich glaube, es wird wohl die Vermutung von Jörg zutreffen und der Hebel ist verbogen. Nun muss ich also den ganzen Mist zerlegen, um mir das von vorn anzuschauen. Evtl. besorge ich aber doch ein frischeres Werk, dann kann ich Aufzugteile und die Unruh ersetzen.

Heute abend setz ich mich mal dran und probiere es nochmal. Sicher hab ich es schon hunderte Male probiert, was mich ca. schon 2 Stunden gekostet hat:
Welle rein, passt nicht, Welle wieder raus, Werk raus, Aufzugteile kontrollieren, Werk wieder rein, Welle rein, passt wieder nicht, Welle raus, Werk raus... usw. Man wird fast verückt dabei...

Bis bald Andi

Ach ja: Ist denn das Glas beim TV-Gehäuse immer eingeklebt?
Könnte die Nummer KD 10 aus der Anzeige evtl. passen ?
http://www.ebay.ch/itm/260992194560?_trksid=p2055119.m1438.l2648&ssPageName=STRK:MEBIDX:IT
 
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Andi, das ist nervig, das kenne ich nur zu gut. Irgendwann wenn man alles gegeben hat soll das Ding auch wieder zusammengebaut sein.

Ich glaube ich muss mal an meinem Leseverständnis arbeiten - ich hab Dich schon wieder missverstanden - nicht die Minutenradwelle ist unterschiedlich lang sondern das Minutenrohr. Tut mir leid, ich sollte mich mehr konzentrieren - aber mir ist recht warm und ich bin grad nur noch für Routinearbeiten zu gebrauchen :oops:
 
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Hallo Jörg,
dann könnte ich ja doch umbauen, ich müsste nur das Minutenrohr umtauschen bei einem Spenderwerk. Das klingt nach einer guten Option! Schau doch mal noch, was du von dem Glas hältst (zitierte Ebay-Anzeige).
Gruss Andi

Blitzidee!
Den Winkelhebel kann ich ja rausholen, ohne alles zu zerlegen, ich muss ja nur die Schraube ganz lösen, ihn aus der Feder aushaken und ihn dann seitlich rausziehen!!
 
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Deine Blitzidee funktioniert bestimmt. Ist zwar auch ne Frickelei, geht aber - spart Arbeit :-)

Diese Anzeige kenne ich. Wenn ich Not hätte, würde ich es probieren. Ich bin da nicht feige. Ist ja auch ein Spottpreis. Aber irgenwie bezweifele ich, dass die Dinger richtig passen. Vielleicht hat ein anderer Schrauber Erfahrung damit, mal abwarten.
 
fuchsgiro

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Ich glaube im original waren die Plexis nicht verklebt. Könnte dieses Glas passen?

Wenn der Winkelhebel OK ist, würde ich eine längere A-Welle probieren. Wenn du Ersatzteile brauchst, kann ich und Jörg dir bei einigen Sachen sicher helfen.


Zum Thema Scheibenuhr möchte ich euch noch einen Neuzugang zeigen.
Vorher:
1086 (1).jpg

Nachher:
1086 (2).jpg1086 (7).jpg

Da ich diese ZB-/Gehäuse-Variante schon in der Vitrine habe und dieses neue Gehäuse vor einer Weile aus der Bucht fischte, wurde das alte Werk einfach in dieses selten NOS-Gehäuse eingeschalt. :-D
 
andi2

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Hallo Mario,
dein Glas dürfte genau das passende sein, der komische gestutzte Rand ist gleich. Ich hab das Glas gleich mal auf meine Liste genommen.
Deine neue Digi ist super. Da hast du ja jetzt quasi eine Herrenuhr mit dem Kaliber. Dachte immer, das Werk gibts nur in Damenuhren. Es sieht toll aus. Dieses Rallye-Band war doch auch an den TV-Digis wie meiner..., dann sind das 20mm Anstoss? Damit kann man sie ja auch als Mann tragen.
Gruss Andi
 
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Ich glaub Marios Digi sieht nur auf dem Bild so groß aus.Es müsste eigentlich vom Blatt die gleiche Grösse wie die gezeigte Rote sein
gruß
Andreas
 
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die Plexis waren auf gar keinen Fall verklebt. Einige Gehäuse haben eine Metallfeder (Metallring), die das Glas hält. Manchmal wurden die Plexis großzügig mit Polywatch o.ä. poliert, das dann zwischen Gehäuse und Glas gedrungen ist und das Glas prächtig festgeklebt hat.

Mit einigen Ersatzteilen kann ich dienen. Ich müsste auch noch Digital ZBs haben (blau und rot). Wenn Du Interesse hast, müsste ich nachsehen. Die Gehäuse und Plexis die ich habe sehen nicht besser aus als deines. Da ist eher nichts zu holen. Scheiben habe ich ohne Ende. Aber nur nach dem neuen System mit der Erhöhung in der Mitte. Nicht passend zu deiner, wo die Scheibe flach ist und mit einer kürzeren Schraube fixiert wird.

Mario, Deine Uhr gefällt mir außerordentlich. Sie ist mir aber zu klein und da ich meine Sammlungsuhren auch alle trage, habe ich so eine nicht. Ich hab auch alle Wackelaugen wieder verkauft. :-(
 
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