Uhrenbestimmung Ur-Ur-Großvaters Taschenuhr mit Rätseln

Diskutiere Ur-Ur-Großvaters Taschenuhr mit Rätseln im Taschenuhren Forum im Bereich Uhrentypen; Hallo, ihr freundliche Experten, bin neu hier und habe mich in das interessante Froum eingelesen. Ur-Ur-Großvater hinterließ eine goldene...
Moritz2

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Hallo, ihr freundliche Experten,

bin neu hier und habe mich in das interessante Froum eingelesen.

Ur-Ur-Großvater hinterließ eine goldene Remontoir Taschenuhr. Die Jahresbestimmung und der Hersteller gibt mir Rätsel auf.

Neben der Seriennummer 85425 ist die einzigste auffindbare Punze im Deckel über der 56 eine Art Sternpunkt mit sehr feinen Strahlen graviert. Bei Mikrolisk fand ich das Symbol nicht. Im Staubdeckel sind nochmal die Seriennummer, darunter GENEVE, Ancre 15 Rubis, Ligne droite geprägt. Im Werk ist leider auch kein Stempel zu entdecken. Die Zeigerverstellung erfolgt mit dem Kerbdrücker neben der Krone. Das Öffnen des Springdeckels wird (einhändig) durch Druck auf das Deckelscharnier möglich. Ein federnder Stahlschnapper rastet beim Schließen unter den dünnen Blechrand des Deckels. Um den Abrieb dort klein zu halten, ist es bei Schließen des Deckels erforderlich, den gleichen Druck auf das Scharnier aus zu üben. Eine eher seltene Besonderheit ist das in roter Farbe auf dem Ziffernblatt gedruckten 5 Minuten Raster. Wann dieser Rotdruck eingeführt wurde, konnte ich bisher nicht ermitteln. Das Kaliber entdeckt man bei vielen Taschenuhren und bildet offenbar eine verbreitete Basis: Wer es wann entwickelte und auf den Markt brachte, konnte ich bisher ebenso nicht klären.

Dass sich bei diesem Exemplar gegenüber den im Forum vorgestellten Uhren kaum Zusatzinfos (Punzen) finden, überrascht natürlich, könnte vielleicht bedeuten, dass es ein recht frühes Schweizer Export-Modell kurz nach den Schlüssel -aufziehbaren Modellen ist, andererseits aber „ohne Punzen“ (habe ich hier gelernt) bedeutet ja eher deutsche Gehäuse Produktion…

Also freue mich über jede Einschätzung und Hinweis. Ach ja, die Uhr läuft sogar, braucht natürlich Fachservice.
 

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ANTARES1958

ANTARES1958

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Interessante so genannte Savonette mit dem Sekunden Zifferblatt rechts. Gehäusenummer hast Du auf dem Gehäuse und Staubdeckel bereits entdeckt. Werknummer wahrscheinlich unter dem Zifferblatt. Solides mit 15 Steinen gelagertes Werk.
 
Ruebennase

Ruebennase

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Gepunzt ist das Gehäuse schon. Google mal 56 Zolotniki :-). Dieses und der Stil der Uhr besagt, dass Sie aus der Zeit um 1875/82 stammen dürfte. Die Schweizer Punzen wurden erst verpflichtend 1882 eingeführt und fehlen daher. Ob Sie tatsächlich in Genf entstanden ist wie angegeben, ist schwer zu ermitteln aber es ist eine schweizer Uhr.
Die große Unruhe kann ic nicht im Detail genau erkennen aber das schaut schon nach einer Kompensationsuruhe mit Breguetspirale aus.

GRüße Rübe
 
Moritz2

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So schnell hätte ich von Euch keine Fachantworten erwartet: Vielen Dank!
Richtig: Das Sekundenblatt liegt auf 6 Uhr (Krone zeigt nach rechts). Den Begriff Savonette kann ich nun auch richtig zuordnen. Und der Zeitraum 1875/82 passt zum UrUr-Opa, dessen Sohn 1882 geboren wurde. Es waren keine reichen Leute und solch eine Uhr kaufte man sicherlich einmalig zu einem besonderen Anlaß.

Die große Unruhe versuche ich anbei etwas deutlicher zu fotografieren.

Grüße Moritz2
 

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ANTARES1958

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Ist der Staubdeckel auch aus 0,585 Gold? Auf der Innenseite sieht man keine Punzierung.
 
Ruebennase

Ruebennase

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Nun die Unruhe ist etwas einfacher gemacht, was der Sache aber keinen Abbruch tut. Sie hat keine besonderen Temperatur kompensierenden Eigenschaften. Der Bimetallring ist nur eingeritzt und bei der Spirale handelt es sich um eine weiße Flachspirale. Diese Kombination ist durchaus auch zeitgemäßer passend zu einem soliden Ankerwerk der Zeit.

Diese Uhr wird deinen Ur-ur-Großvater ein Vermögen gekostet haben zu damaliger Zeit. Wirklich arm kann er nicht gewesen sein. Häufigere Daten an denen "die Uhr für das Leben" angeschafft/erhalten wurde, sind der Eintritt in das Berufsleben oder die Hochzeit.

Eine kleine Frage. Die russische Punze zeigt, dass die Uhr prinzipiell auch für die Vermarktung in Russland geeignet sein sollte. Hat dein Ururgroßvater Bezug zu Rußland? Mich interessiert es nur ob diese Punzen eine gewisse Aussagekraft hat.

Grüße Rübe
 
Moritz2

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Vielen Dank für Eure weitere technische Diskussion der Uhr:
(Dass Bimetalle zur Temperaturkompensation so früh verwendet wurden, ist für mich eine Neuigkeit).

Zum Staubdeckel: Seine zum Inneren der Uhr gewandte Seite trägt nur die Nummer, die parallel zum Jarnier eingestanzt ist.
Beim genauester Lupenbetrachtung eine hauchfeine Gravur, etwa 2 mm hoch, direkt daneben: In Schreibschrift etwa MR10xxx...
Vielleicht eine Service Markierung? Das Foto zeigt links neben der Nummer diese Gravur. Hauchzart mit extremer ruhiger
Hand geritzt. Ich werde noch weiter mit Aufnahmen experimentieren (IXUS 255HS, das reflektierende Werk decke ich zur Verbesserung der Details mit weißem Papier ab)

Zum UrUr Großvater: Ja, ich denke gut situiert, aber nicht reich. Er war zuletzt Kanalaufseher in Potsdam, Ortsteil Klein-Glinicke, nahe der bekannten Brücke der Einheit. Die Aufgabe bestand in der Kontrolle der zahlungspflichtigen Passage von Booten, auch Freizeit Ruderbooten sowie Dampfern und anderen Schiffen.
Die Familie hat wahrscheinlich zum Kauf zusammengelegt. Sein Sohn übrigens, also der Urgroßvater, war Elektromechaniker und mit dem Aufbau der 110/220Volt Versorgung der Stadt in der Jahrhundertwende beschäftigt.
Zu Russland sind mir keine Beziehungen bekannt geworden.

Grüße Moritz2
 

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Unruhgeist

Unruhgeist

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Sorry, aber mit der Uhr stimmt irgendwas nicht.
Ich habe mir mal erlaubt, den Unruhbereich zu vergrößern und mit nummerierten Kreisen zu markieren.

Kreis 1: Könnte da eine Punze sitzen?
Kreis 2: Der Ankerkloben und sogar die Schraube(!!) ist zum Gehäuseschranier abgeschnitten. Das ist nicht original.
Kreis 3: Auf dem Staubdeckel steht "Ancre Ligne Droite". Wir sehen hier aber eindeutig einen Seitenanker!

Zudem passt in der Gesamtausführung des Werkes mit Zierschliff und 14K Gehäuse irgendwie keine Unruh mit Flachspirale und angeritzem Unruhreif. "Normalerweise" sitzen da in Uhren solch einer Klasse Breguet Spiralen.

Da wurde meiner Meinung nach so einiges umgebaut.

Grüße,
Unruhgeist

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Moritz2

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hallo Unruhgeist,

jetzt bin ich aber froh, dass mein UrUr-Opa Deine Analyse nicht mehr lesen muß! Und die zwei Generationen danach! Einfach Klasse, Deine neuen Entdeckungen!
Also eine Fälschung, eiliger Notumbau oder zumindest ein Experimental-Laufwerk?!

Zu 1: Irgendwie sieht es ja nach einem Symbol aus: Mit einer 12x Klemmlupe kann ich es nicht bestätigen.
Fotos gelangen bisher wegen der Schattenbildung noch nicht so, daß man es eindeutig bewerten kann. Es könnte aber auch an dieser Stelle ein bewußter Oberflächenabtrag erfolgt sein. Man müßte das Teil zur besseren Ansicht ausbauen.

Zu 2: Die neuen Fotos bestätigen grobschlächtiges Abtrennen von sogar zwei Stegen incl. Schrauben im Scharnierbereich, als wäre ein zu großes Werk in ein zu kleines Gehäuse transferiert!

Zu 3: Ist das ein Umbau innerhalb der Ancre Ligne Droite oder ein ganz anderes Werk?
Würde gern das sichtbare Merkmal zwischen Seitenanker und der Reihenanordnung verstehen; gibt es evtl. einen
link ?

Und sind insgesamt solche Überraschungen eine Seltenheit ? (Mein Fachgebiet ist Elektronik, da muss auch
über die Produkt-Laufzeit immer weiter eingespart werden:))

Grüße, Moritz2
 

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Tiktakbrasil

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Anscheinend wurde das Werk für das Gehäuse passend gemacht. Gegenüber ist dafür massig Platz. Der Minutenzeiger ist auch zu lang für das Zifferblatt. Wenn ich so sehe , wie der Ankerkloben auf der Grundplatine aufliegt, wir kriegen die Uhr bestimmt noch vom Reichen in den armen Bereich . :D

MfG, Tiktakbrasil :super:
 
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Moritz2

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Wenn Du jetzt nicht in Brasilien am Strand sitzen würdest, hätte ich Dich gern gebeten, den Ankerkloben zu richten:))
Wie spät ist es denn jetzt dort?
Grüsse, Moritz2
 
Tiktakbrasil

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Die Inschrift "Ancre Ligne Droite " entlarvt, dass Gehäuse und Werk nicht zusammen gehören. Bei Ancre ligne droite ist die Hemmungsgruppe Ankerrad, Anker und Unruhe in einer geraden Linie konstruiert. Bei dem eingebauten Werk ist das deutlich sichtbar nicht der Fall. Wenn man bei diesem Werk vom Lager des Ankerrades aus eine Linie zum Unruhlager zieht, liegt das Lager des Ankers weit rechs davon.

Grüße aus der Ferne, Tiktakbrasil :super:

Nachtrag : wir sind 4 Stunden hinterher.
 
M

Matthias MUC

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Kann das sein, daß das Original-Uhrwerk, das zum Gehäuse gepaßt hat, mal einen (wirtschaftlichen) Totalschaden hatte und der Uhrmacher, um das Gehäuse zu retten, dann ein Werk, das er da hatte, "passend gemacht" und eingebaut hat?
Würde dem "historischen" Charakter der Uhr keinen Abbruch tun, auch wenn es schade ist, daß niemand mehr lebt, der dazu Auflärung geben könnte....

lG Matthias
 
Moritz2

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Richtig, dem ideellen Wert tut es keinen Abbruch, wenn hier etwas nicht zusammen passt, eher in dieser Situation noch schöner, denn es entstehen Geschichten um das Objekt herum. Wie schon oben erwähnt, waren UrUr Großeltern mit Sicherheit bei Weitem nicht so vermögend, daß sie das Original kaufen konnten. Aber als second hand Uhr, mit dem von Dir beschriebenen Totalschaden und rettender Aufarbeitung, als Angebot vielleicht schon eher.

Grüße, Moritz2
Und danke nach Brasilien für die Erklärung!
 
R

Richeri

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Ich kann dem eingebauten Uhrwerk auch etwas gutes abgewinnen.
Dieses Uhrwerk, mit Queranker, gefällt mir persönlich sehr viel besser.
Es ist auch älter und sehr viel seltener als das vorgesehene Uhrwerk welches Millionenfach hergestellt wurde.

Grüße, Richeri
 
Moritz2

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Ja, manchmal setzt sich etwas durch, was nicht unbedingt mit großen Funktionsvorteilen verbunden ist, wie hier statt diesem Seitenanker die folgende in-Linie-Anordnung der Achsen. Vielleicht war auch die Nachfrage so gewachsen, daß man einen Standard haben wollte, für den Viele liefern konnten und legte sich einfach fest. (Wie bei VHS:))
Leider besteht bei der Uhr noch ein Gehäuseschaden, der vermutlich dem Uhrmacher beim Einpassen des Ersatzwerkes unterlaufen ist. Das Foto zeigt im Bereich der Klammer (s.Foto) eine beidseitige Ablösung des Gehäusestegs, dort, wo der schließende Deckel eingreift. Die Ablösung betrifft ca. 1/6 des Gesamtumfangs, sodass man von der Seite des Werkes z.B. einen Papierstreifen durch schieben kann, der dann neben dem Glas erscheint. Ur-Ur-Opa behalf sich offenbar mit Kerzenwachs, um abzudichten. Das krümelte sich natürlich bis heute nicht nur nach außen, sondern auch ins Innere der Uhr. (hatte mich schon gewundert).
Der Goldstreifen hängt also praktisch frei und ist nur an seinen Ende fest in diesem Kanal. Über Vorschläge zum Abdichten würde ich mich freuen.

Grüße, Moritz2

P.S. Um die wunderbare historische Atmosphäre hier noch etwas persönlicher zu gestalten, findet ihr nebenstehend Ur-Ur-Opa auf einem Foto von 1926 im Alter von 72 Jahren.
 

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