Uhrwerk ölen, frage zur Viskosität und dem möglich verlaufen!

Diskutiere Uhrwerk ölen, frage zur Viskosität und dem möglich verlaufen! im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhrenwerkstatt; Da ich das zerlegen und zusammensetzen sowie reinigen soweit hinbekomme, wäre der nächste Schritt das ölen. Entpsrechende dickflüssige...
#1
Akron1980

Akron1980

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Da ich das zerlegen und zusammensetzen sowie reinigen soweit hinbekomme, wäre der nächste Schritt das ölen. Entpsrechende dickflüssige, dünnflüssige Öle (Fett kommt noch) habe ich.
Auf dem folgenden Bild habe ich mal gelb eingezeichnet wo ich mich Frage, ob aufgrund der Viskosität je nachdem wo welches Öl verwendet wird, so ein Szenario gar nicht passiert oder generell nicht passieren darf, dass sich die markierten Stellen mit Öl benetzen oder aufgrund der Nutzung sich irgendwann von selbst verteilen. Oder haftet und bleibt das Öl größtenteils dort wo man es auch anbringt?

Aufnahme5.jpg
 
#2
Legolas

Legolas

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Oder haftet und bleibt das Öl größtenteils dort wo man es auch anbringt?
Durch die Kapillarwirkung bleibt es i.d.R. da wo es aufgebracht wurde.
Bringt man aber zu viel Öl auf, verläuft es auch gern mal.
Ich hatte schon Uhren an denen sich das Öl an der Welle der Chrono-Räder bis zum Zeiger hoch gezogen hatte und den Lack beschädigt.
Aber verlaufenes Öl hat nicht nur Nachteile. Gelangt doch mal etwas Wasser in die Uhr, ist das gleichmäßig eingeölte Werk Rostgeschützt.:-)
Etwas zu viel Öl schadet dem Werk nicht, eher zu wenig.
Ich epilamisiere Platine, Federhausbrücke, Ankerplatten, Ankerrad, etc. So bleibt das Öl wo es sein soll.

MfG, Sebastian
 
#5
P

Pommes

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Ich denke, er meint das so, daß nichts kaputt geht. Also selbst wenn der Anker geflutet ist, läuft zwar das Werk nicht, aber es ist nicht kaputt.
 
#6
Legolas

Legolas

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Ich denke, er meint das so, daß nichts kaputt geht. Also selbst wenn der Anker geflutet ist, läuft zwar das Werk nicht, aber es ist nicht kaputt.
So ist es.
In der Theorie kann man natürlich um jeden Ameisenpups ein riesen Bohei machen.
In der Praxis habe ich (wie sicher viele Andere hier auch) schon Werke erlebt die mit der Ölkanne nachgeölt wurden. Solange die Hemmung und die Spiralfeder sauber bleiben, laufen auch solche Werk, manchmal sogar erstaunlich gut. Und mechanischen Schaden nehmen sie dadurch nicht.
Für den Hobby Schrauber gibt es wesentlich wichtigere Fragen, als ob er nun mit Einem oder mit Eineinhalb Microtröpfelchen die Lager etc. ölt.

Wenn Jemand ein fundierte Anleitung parat hat wie groß die Microtröpfelchen bei welchem Lager oder Teil sein sollen und wie man dies in der Praxis realisiert, nur her damit. Würde bestimmt viele Interessieren.
Selbst die automatischen Bergeon Ölgeber taugen ja nicht für eine ordentliche Dosierung. Weshalb ich fast ausschließlich mit dem sehr feinen Ölgeber öle, um mehr Kontrolle zu haben.
 
#7
hermannH

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Hallo

Man sollte nur so viel ölen, das die Reibflächen mit Öl versorgt sind. Und die sind in Rundlagern wie sie bei Uhren vorkommen, winzig klein. Jede Mehrmenge an Öl erweitert die Oberfläche des Öls und somit die Angriffsfläche für Sauerstoff und Abriebteilchen.

Das Symbolbild soll es grob veranschaulichen:

Unbenannt.jpg

Gruß hermann
 
#8
30 kHz

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Hallo

Man sollte nur so viel ölen, das die Reibflächen mit Öl versorgt sind. Und die sind in Rundlagern wie sie bei Uhren vorkommen, winzig klein. Jede Mehrmenge an Öl erweitert die Oberfläche des Öls und somit die Angriffsfläche für Sauerstoff und Abriebteilchen.

[/ATTACH]

Gruß hermann
Ich habe Dich aber richtig verstanden, daß die Ankerzapfen in den Lagern KEIN Öl bekommen?

Gruß Dirk
 
#9
Akron1980

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@Legolas
Mit den Ölgebern wo man die Spitze kurz eintunken tut, bekommt man eigentlich nicht übermäßig viel Öl drauf. Ich dachte halt nur das eine Uhr viel Bewegung, den einen oder anderen ungemerkt Stoß usw. abkriegt wo ja flüssiges regelrecht hin und hergeschleudert werden müsste. Daher meine Bedenken. Das mit epilamisieren ist beeindruckend, merk ich mir. :D

@hermannH
Quasi nur rundherum wo sich die Bauteile berühren, ok.
 
#10
Aeternitas

Aeternitas

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Jede Mehrmenge an Öl erweitert die Oberfläche des Öls und somit die Angriffsfläche für Sauerstoff und Abriebteilchen.
...hmm...ich weiß nicht...der Abrieb findet direkt an den Berührungspunkten des Lagers statt. Was soll da mit mehr Öl im Lager letztlich schlechter sein? Leuchtet mir nicht ein. Genauso der Sauerstoff...da habe ich doch bei weniger Öl schneller eine oxidierte Sättigung des Öls...

Ich sehe aber, dass es bei manchen Werken egal ist, manche aber empfindlicher reagieren. Ein Schnellschwinger reagiert empfindlicher auf zu viel Öl, weil die Viskosität stärker die Oszillation beeinflusst. Einem Unitas oder Russenwerk ist das schon aufgrund der Masse eher egal.

Ich mag da die Russentraktoren, die im Normalfall über jahrzehnte überölt laufen und danach schnell wieder fit sind- vielleicht mit stärkeren Lageschwankungen, aber wen juckt das schon.
 
#11
kater7

kater7

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Das Beispielbild leuchtet mir überhaupt nicht ein, wie soll das gehen? Sinn eines jeden Öles ist es doch einen durchgehenden Schmiefilm zu bilden, wenn das rote Zeugs das Öls ein soll, wieso ist es da auf eine Seite geflossen? Dazu müsste die Uhr ja über längere Zeit in der selben Lage verbleiben. Zumindest ein ganz dünner Ölfilm sollte rundum sein. Das mit dem Sauerstoff leuchtet noch viel weniger ein und bei dem Beispielbild wäre es fatal, da würden nicht vom Öl geschützte Bereiche der Welle und des Lagers direkt vom Luftsauerstoff angegriffen werden!

Klar sollte die Uhr nicht mit Öl geflutet werden, außer in Ausnahmefällen. Beim Untergang der Maine in Havanna 1898 ging auch die TU des Kapitäns mit unter, wurde ihm von Tauchern wieder zurückgebracht und er hat diese TU dann komplett mit Öl gefüllt an den Hersteller geschickt um Rost zu vermeiden. Wenn Deine Sauerstofftheorie stimmen würde wäre das fatal gewesen, es war aber richtig und die Uhr hat ihn noch ein Leben lang begleitet......
 
#12
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Pommes

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wenn das rote Zeugs das Öls ein soll, wieso ist es da auf eine Seite geflossen? Dazu müsste die Uhr ja über längere Zeit in der selben Lage verbleiben. Zumindest ein ganz dünner Ölfilm sollte rundum sein.
Da die Kraftrichtung auf die Zahnräder immer gleich ist, liegen auch die Zapfen immer an der gleichen Stelle an (außer Anker und Unruhe).
Das Öl bleibt da durch die Kapillarwirkung, und zieht sich immer zum schmalsten Spalt.
Ist jetzt das Lager ganz gefüllt, wird die Kapillarwirkung kleiner, und das Öl kann sich einen Weg (zum Beispiel über die Platine) aus dem Lager suchen. Und wenn es den gefunden hat, dann verlässt das gesamte Öl das Lager. Sehr laienhaft ausgedrückt.
Und ja, meines Wissens werden die Zapfen des Ankers nicht geölt, wegen der "Klebewirkung" des Öls, nur die Hebeflächen.
 
#13
gobbo

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@ Pommes:

genau so habe ich es auch mal gelernt.
Bei zu viel Öl zieht es sich aus dem Lager und verteilt sich unkontrolliert im ganzen Werk, nur in den Lagern verbleibt kaum noch was.
Das mit dem Anker stimmt ebenfalls. :super:

Gruß Thomas
 
#14
hermannH

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Ich habe Dich aber richtig verstanden, daß die Ankerzapfen in den Lagern KEIN Öl bekommen?

Gruß Dirk
Ja.

...hmm...ich weiß nicht...der Abrieb findet direkt an den Berührungspunkten des Lagers statt. Was soll da mit mehr Öl im Lager letztlich schlechter sein? Leuchtet mir nicht ein. Genauso der Sauerstoff...da habe ich doch bei weniger Öl schneller eine oxidierte Sättigung des Öls...
Die meisten Teile in einer Uhr bewegen sich nur langsam. Von daher ist eine geringe Menge Öl vorteilhafter. Sauerstoff ist ein sehr aggressives Gas, welches für die schnellere Alterung sehr vieler Stoffe verantwortlich ist. Je weniger Oberfläche jetzt bei Öl da ist, desto weniger Angriffsfläche ist vorhanden.

Stell dir einen Apfel vor, der zu 95% versiegelt ist, und Einen der es nicht ist - welcher wird schneller verfaulen?

Gruß herman
 
Zuletzt bearbeitet:
#16
Aeternitas

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Stell dir einen Apfel vor, der zu 95% versiegelt ist, und Einen der es nicht ist - welcher wird schneller verfaulen?

Gruß herman
Das ist eine falsche Grundannahme. Ich gehe von einer Oberfläche eines Hohlzylinders aus, der nur eine dünne Wandschicht hat. Demgegenüber stelle ich eine Art Pilzform bei übermäßigem Öleinsatz. Jetzt vergleiche ich die Oberfläche im Verhältnis zum Volumen des Öls und muss feststellen, dass der Pilz das bessere Verhältnis hat.

Aber das sind Gedankenspielereien.

Zu viel Öl schadet aus meiner Sicht nicht viel außer bei den genannten Problemen der Behinderung des Ankers, des Ablaufens über die Welle zum Zeiger/Zifferblatt oder, und das ist für mich der entscheidende Punkt, das Öl läuft über die Unruhwelle hin zur Spirale und lässt sie schneller verkleben.
 
#18
hermannH

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Das ist eine falsche Grundannahme..
Tut mir leid, ist es nicht.
Ein kleiner Tropfen Öl hat eine geringere Oberfläche und Volumen als ein größerer. Der richtige Gedanke der Ölvorratslagerung kommt aus der Mechanik bei Maschinen mit hohen Kräften und Umdrehungen. Bei Maschinen mit niedrigen Drücken und Umdrehungen muss man genau auf den Punkt ölen.
Du kannst dir ja mal eine Fabrikneue Uhr eines renommierten Herstellers zur Hand nehmen, und nachsehen wie die ihre Uhren ölen.

Gruß hermann
 
#19
30 kHz

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Bei schnellaufenden Wellen in Mehrstofflagern (ich denke mal an die Kurbelwelle) haben wir hydrodynamische Effekte im Ölfilm und pumpen Öl nach, um dem eventuell auftretenden und gefürchteten Trockengehen entgegenzuwirken.

Beim Uhrwerk herrschen – wie ja bereits ausgeführt – demgegenüber andere Verhältnisse. Da die Gefahr, daß Öl durch dynamische Prozesse verdrängt wird, wg. der geringen Geschwindigkeiten nicht besteht, muß der Hersteller nur dafür sorgen, daß zwischen Wellenzapfen und Lagertragfläche stets ein Schmierfilm aufrecht erhalten bleibt. Das aber gewährleistet der Ölhersteller (Stichwörter: Adhäsion, Viskosität…).

Ein „Angstzuschlag“ bei der Ölmenge ist daher nicht erforderlich. Entsprechend – so schreibt

@hermann –

geben die Uhrenhersteller auch nur die erforderliche Ölmenge.
Inwieweit nun eine Über-Ölung tatsächlich nicht zu Problemen führt -

@ aeternitas hat das ja ausgeführt –

mag am Adhäsionsverhalten des Öls, der Frage der oliophoben Materialoberfläche der Umgebung, dem Oxidationsverhalten des Öls und weiterer Gegebenheiten abhängen. Um diese Eventualitäten aber von vornhinein auszuschließen, würde ich hermann und seiner Erfahrung folgen und nur so viel wie gerade nötig ölen.

Gruß Dirk
 
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