Uhrmacherdrehbank meines Großvaters

Diskutiere Uhrmacherdrehbank meines Großvaters im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo und ein gutes Neues Jahr an alle Werkzeugprofis und Interessierten! Über Weihnachten habe ich etwas in der Familiengeschichte gestöbert...
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zeityeti

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Hallo und ein gutes Neues Jahr an alle Werkzeugprofis und Interessierten!

Über Weihnachten habe ich etwas in der Familiengeschichte gestöbert und einen kleinen Schatz gehoben. Mein Großvater hatte Ende der 1920er Jahre eine kleine Firma für Werkzeugmaschinenbau gegründet und es geschafft, die Firma über die Weltwirtschaftskriese und den Krieg zu retten. Direkt nach dem Krieg durften viele Produkte nicht mehr hergestellt werden, was den Firmen, neben zerstörten Fabriken und fehlendem Material, sehr zu schaffen machte.

Der Mangel traf aber auch die Ersatzteilversorgung der Uhrmacher, die nun viele Teile versuchten, wieder selbst herzustellen. In dieser Situation wandten sich einige lokale Uhrmacher an meinen Großvater, ob er nicht Drehbänke für sie bauen könnte und lieferten ihm eine alte Drehbank als Vorlage. Nach dieser Vorlage fertigte er in einer Kleinauflage von etwa 20 Stück das folgende Modell:

Drehbank1.jpg


Drehbank2.jpg

Ich schätze mal, daß in anderen Städten vielleicht ähnliche Kopien bekannter Modelle hergestellt wurden. Kennt von Euch vielleicht jemand die Vorlage?

Die hier gezeigte Maschine ist 1946 gebaut und eine von zwei noch in Familienbesitz befindlichen Stücken. Ich habe sie mal aus den Katakomben meines Elternhauses geborgen und kann sie vielleicht sogar gebrauchen. Allerdings fehlen leider die Spannzangen und ich fürchte, daß es vielleicht schwierig wird, etwas passendes zu finden.

Das Gewinde der Aufnahme hat einen Innendurchmesser von etwa 6,4 mm und ein Feingewinde (vermutlich ca. 0,7-0,8 Steigung). Kann mir jemand sagen, ob es da irgendeinen Standard gab und was für Spannzangen da passen könnten?
 
Sectorfan

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Eine interessante Geschichte, aber irgendwie erinnert sie mich eher an eine Drechselbank als an einen Uhrmacherdrehstuhl :hmm: das mag aber vielleicht daran liegen, dass dort nur eine Handauflage zu sehen ist und nicht der normalerweise übliche Support.
Spannzangen kann man sogar hier bekommen spannzange Angebote - attraktive Preise für Business Industrie, Heimwerker Artikel bei eBay.de allerdings, müsste man da erstmal herausfinden ob und ggf. welcher DIN Norm die Aufnahme entspricht. ;-)
 
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zeityeti

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Eine interessante Geschichte, aber irgendwie erinnert sie mich eher an eine Drechselbank als an einen Uhrmacherdrehstuhl :hmm: das mag aber vielleicht daran liegen, dass dort nur eine Handauflage zu sehen ist und nicht der normalerweise übliche Support.
Die Beobachtung ist schon richtig, dieser sehr einfache Drehstuhl hat nur eine verstellbare Werkzeugauflage wie eine Drechselbank. Gearbeitet wurde daran mit einem Stichel und nicht mit einem normalen Drehstahl. Die besseren und viel teureren Maschinen haben einen Kreuzsupport wie eine große Drehbank und sind natürlich viel präziser und einfacher in der Benutzung. Vermutlich konnte, wollte oder durfte man sich das in der damaligen Notsituation nicht leisten.

Die Sache mit der Gewindenorm ist ja gerade die Frage. Hatten vergleichbare Maschinen aus der damaligen Zeit alle das gleiche Gewinde oder gab es ein paar Standardgrößen, z. B. von Boley?
 
Oelfinger

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Hier kannst Du schon mal ein bisschen nach dem Gewinde schauen

Gewinde-Normen

Grüsse,

Günter
 
Sectorfan

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Der Innendurchmesser von 6,4 mm könnte auf ein M8 Feingewinde hindeuten und ehrlich gesagt, hab ich mir damals da keinen Kopf gemacht, wie viele unterschiedliche Arten Spannzangen es gab, jede Drehbank hatte ihren eigenen Spannzangensatz und da gab es einige Unterschiede, ob nun beim Kegelwinkel oder ob es dort ein Trapez-, Metrisches- oder Witworthgewinde war. :hmm:
 
Oelfinger

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M8 hat einen Kernlochdurchmesser von 6,8mm und eine Steigung von 1,25mm. Feingewinde, z. B. M8x0,75 hat einen Kernlochdurchmesser von 7,2mm.

Grüsse,

Günter
 
Sectorfan

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Stimmt natürlich, ich war aber schon beim tippen und hab den Link erst später gesehen, ich hatte wieder den dicken Daumen und das "Durchmesser x 0,8" genommen, was natürlich bei Feingewinde Humbug ist. :oops:
 
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zeityeti

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Die Gewindetabellen kannte ich schon, dennoch herzlichen Dank. Kerndurchmesser 6,4 mm ist näher an M7 Feingewinde (6,2mm). Allerdings waren den Herstellern damals die heutigen Normgewinde wohl noch ziemlich wurscht. Ich habe jetzt auch mal versucht, den Kegelwinkel zu bestimmen, was ohne Winkellehre etwas blöd ist. Ich komme auf einen Wert zwischen 35 und 40 Grad.

Falls von Euch jemand einen ähnlich alten 8mm-Drehstuhl hat, vielleicht von bekannten Herstellern wie Boley oder Lurch, könntet Ihr ja vielleicht mal kurz Gewindedurchmesser und Kegelwinkel messen. Vielleicht war das Vorbild ja eine gängige Markenmaschine?
 
Philclock

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zeityeti

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Angeblich existiert noch ein zweites Stück bei meiner Tante, nur weiß die leider nichts davon. Ich konnte jedenfalls nur diese eine finden.

Mit DDR könntest Du recht haben, die Firma befand sich in Gera/Thüringen. Somit wäre es wahrscheinlich, daß man als Vorbild eine Drehbank aus Glashütte oder Ruhla genommen hat. Weißt Du, ob dieses 6,85x1/40G Gewinde dort üblich war? Hast Du eine Ahnung von welcher Firma das Vorbild gewesen sein könnte?

Wahrscheinlich wäre es am einfachsten, eine neue Aufnahme mit gängigem Gewinde zu fertigen, falls ich nichts passendes finde. Aber mich interessiert natürlich auch die Geschichte und bin deshalb für jeden Hinweis dankbar.
 
Philclock

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Das Vorbild sieht sehr nach Lorch aus.

Uhrmacherdrehbänke in der DDR kamen aus Limbach Oberfrohna z.B. Präzima ,die Klett Uhrmacherdrehbänke
kamen aus Benshausen/Thüringen und von Hönel und Kreisig gab es auch Uhrmacherdrehbänke aus Glashütte.

Deine Uhrmacherdrehbank hatte ein altes Vorbild aber die Spannzangen sind bestimmt schon von den damaligen
DDR Uhrmacherdrehbänken gewesen,daher passt das Gewinde bestimmt zur Zeit ihrer Entstehung.

Ich kann Dir gerne mal ein Paar Spannzangen zum Gewindeausprobieren schicken bzw ausborgen,
das würde Dich das Porto kosten.

Mit einer Uhrmacherdrehbank zu arbeiten macht viel Spaß,
ich habe schon seit meiner Lehre damals eine immer gahabt.

Hier noch ein kleines Video,damals hatte sie noch den alten Motor.

 
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