Uhrenseminar bei „Uhrenschrauber“ Uli Kriescher am 18.04.2010

Diskutiere Uhrenseminar bei „Uhrenschrauber“ Uli Kriescher am 18.04.2010 im Uhrencafé Forum im Bereich Uhren-Forum; El Loco auf dem Uhrenseminar Teil 1 Schon einige Zeit bevor Herr Kriescher um kurz vor 10 Uhr den Einlass in seine Räumlichkeiten gewährte...
El Loco

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El Loco auf dem Uhrenseminar

Teil 1

Schon einige Zeit bevor Herr Kriescher um kurz vor 10 Uhr den Einlass in seine Räumlichkeiten gewährte, hatten sich am letzten Sonntag 4 Männer unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Abkunft und Provenienz vor seinem Geschäft in der Kaiserstraße 104 in Würselen versammelt und gaben sich als Uhrenfreunde zu erkennen, misstrauisch beäugt von einigen vorbeischlendernden Passanten, welche sich wohl keinen Reim darauf machen konnten, dass an einem Sonntag vier Männer vor einem geschlossenen Uhren- und Brillenladen herumlungerten.

Herr Kriescher führte uns durch den Verkaufsraum in die Werkstatt, deren gesamte Räumlichkeiten wesentlich ausgedehnter waren, als das Ladengeschäft von außen den Anschein erweckte. Bei einem Kaffe und einem kurzen Plausch kam man sich etwas näher. Eine kurze „offizielle“ Vorstellungsrunde wäre allerdings sehr schön gewesen, so dass man sich ein etwas genaueres Bild von seinen Mitstreitern hätte machen können.

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Schnell ging es zur Sache. Nach einführenden Worten zur Uhrmacherei im Allgemeinen und zu seiner Uhrmacherfamilie im Besonderen, erklärte Herr Kriescher, der Uhrmacher in der dritten Generation ist, die grundlegenden Zusammenhänge und Prinzipien der mechanischen Zeitmessung.

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Begriffe wie „Minutenrad“, „Zeigerwelle“, „Trieb“ und „Schwingsystem“ schwirrten durch den Raum, und an dieser Stelle sei gesagt, dass ich es gut gefunden hätte, wenn die Skizzen und Darstellungen inklusive der wichtigsten Begriffe als kleines Skript zur Verfügung gestanden hätten. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch nicht danach gefragt habe.

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Nun folgte die Aufforderung, das auf dem für jeden Teilnehmer gut vorbereiteten Arbeitsplatz stehende Modell eines Großuhrwerks beherzt auseinander zu nehmen und zu versuchen, es auch anschließend wieder korrekt und lauffähig zusammen zu setzen. Na ja, Sechskantschrauben kann man zur Not auch mal mit einer Flachzange lösen.

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Dies gelang allen Teilnehmern recht gut und schnell, so dass man, nach einer Reihe Tipps und Ratschläge, worauf man beim Kauf einer gebrauchten Uhr achten sollte, sehr bald zum eigentlichen Objekt der heutigen Uhrenschrauberei übergehen konnte.

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Wie ich es mir aufgrund der Webseiten-Informationen zum Uhrenseminar sehnlichst erhofft hatte, befand sich in den vor uns Teilnehmern liegenden Schachteln mit dem Aufdruck „Aristo“ eine Uhr eben dieser Firma, welche in einem Joint Venture Projekt mit dem russischen Molnija-Werk entstanden war. Genauer gesagt, es handelte sich um eine ARISTO (APИCTO) HP 6 mit einem mit Genfer Streifen verzierten Molnija 3603 Taschenuhrwerk.

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Das Ziffernblatt ist weiß mit gedruckten schwarzen arabischen Ziffern und kleiner Sekunde auf der 9. Die Ablesbarkeit ist hervorragend, lediglich ein dezenter APИCTO-Schriftzug findet sich noch im oberen Teil des Ziffernblattes. Die Zeiger sind gebläut und haben eine leicht antike Anmutung, die der Uhr gut zu Gesicht steht.
Mit 45 mm Durchmesser ist sie nicht gerade als klein zu bezeichnen und am Gelenk deutlich präsent. Ein 22 mm breites schwarzes Lederband mit weißer Kontrastnaht in einer Länge, welche auch mir passt, vervollständigt das Ganze. Leider ist der Glasanteil des Rückdeckels bei dieser Ausführung deutlich zu klein, so dass die ganze mechanische Pracht nur ansatzweise erkennbar wird.

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-> Teil 2 nach einem Kommentar
 
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vaddarhein

Gast
ich habe auch an diesem Seminar teilgenommen und kann auch uneingeschränkt positiv berichten....
 
Labrador

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Das ist ja mal eine interessante Veranstaltung, die du mit guten Bildern und ausführlicher Erklärung uns servierst. Wie lange hat das Seminar denn gedauert?

Hab vielen Dank für diesen tollen Einblick - das ist ja fast so als wäre man dabei gewesen.

Freue mich auf Teil zwei!

Viele Grüße

Labrador
 
El Loco

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Uhrenseminar Teil 2

Das sollte sich bald ändern, denn zunächst wurde erst einmal der Rückendeckel abgeschraubt. Herr Kriescher hatte jedoch in weiser Voraussicht und um Kratzer und Frustrationen bei den Teilnehmern zu vermeiden, zuvor die Deckel bereits etwas gelöst, so dass kein Hantieren mit dem Gehäuseöffner mehr erforderlich war.

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Er erklärte kurz noch einmal die wichtigsten Komponenten anhand des vor uns liegenden Uhrwerks.

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Nach dem Ziehen der Aufzugswelle und dem Ausschalen wurden zunächst die Zeiger abgehoben und danach das Ziffernblatt entfernt. Nachdem das Werk im Werkhalter positioniert war, machten wir uns an die Demontage des Uhrwerks, während sich der Zweifel, ob wir das Ganze jemals wieder funktionsfähig zusammen bekommen würden, mit jedem Teil, das entfernt und in die bereitgestellte Kleinteil-Schale abgelegt wurde, verstärkte.

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Lediglich der Aufzugsmechanismus wurde nicht demontiert, was Herr Kriescher damit begründete, dass dies für einen Laien doch etwas zu kompliziert sei. Persönlich war ich etwas enttäuscht, nun in Zukunft nicht sagen zu können, ich habe die Uhr „komplett“ zerlegt und wieder zusammengebaut.

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Da wir zügig mit der Demontage voran gekommen waren, stand einer ausgiebigen Mittagspause beim Italiener schräg gegenüber nichts im Wege und bei Pasta, Pizza, Insalata und kühlen Getränken ließ man es sich unter blauem Himmel gut gehen. Es wurde ein bisschen gefachsimpelt und schnell begann Herr Kriescher von Großuhren zu schwärmen. Hier zeigt sich seine wahre Leidenschaft, kein Wunder, er besitzt eine der weltweit größten Sammlung an Großuhren.

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Wieder in der Werkstatt, machten wir uns daran, unter der Anleitung unseres Meisters Zahnrädchen für Zahnrädchen und Schräubchen für Schräubchen zusammenzufügen und das Ganze wieder in der u(h)rsprünglichen Zustand zu versetzen. Wie gut , wenn man sich bei der Demontage so viele Details wie möglich gemerkt und seine Komponenten gut geordnet abgelegt hatte!

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Herr Kriescher war stets mit Rat und Tat sofort zur Stelle, wenn Unklarheiten ausgeräumt werden mussten oder wenn die Materie sich gegen uns verschworen hatte.

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Besonders das Einsetzen des Unruhschwingsystems war nicht so ganz einfach, aber welche Belohnung, als es, endlich am richtigen Platz sitzend, sofort seine Arbeit aufnahm und schön gleichmäßig hin und her schwang!

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-> Teil 3 nach mindestens 1 Kommentar.
 
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1movieman

1movieman

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Sehr schön, bitte weiter... ;-)

Das ist der Kommentar...
 
El Loco

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Uhrenseminar Teil 3

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Danach folgte das Ölen, wobei ich immer noch nicht fassen kann, dass diese jeweils winzige Menge an Öl ausreichend sein soll.

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Das Aufsetzen und Verschrauben des Ziffernblattes war eine leichte Übung im Gegensatz zum Setzen der Zeiger, die sich zunächst hartnäckig weigerten, an dem ihnen zugedachten Platz zu bleiben, nur um kurz darauf keine gerade 6-12-Linie zu bilden. Ich glaube, jeder von uns hat seine Zeiger mindestens ein zweites Mal neu setzen müssen.

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Das Uhrgehäuse reinigten wir nun mit einem antistatischen Tuch, bevor wir das Werk wieder einschalen konnten. Der Glasboden wurde noch nicht wieder aufgesetzt, da die Uhr im weiteren Verlauf entmagnetisiert und auf der Zeitwaage justiert werden sollte.

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Herr Kriescher erklärte an der schon antik wirkenden Zeitwaage das Funktionsprinzip und wir stürzten uns in die Fummelarbeit am Rücker. Nachdem jeder von uns sein Molnija zur Zufriedenheit reguliert hatte, war es folglich nur logisch, auch den aktuellen Ticker am Arm zu testen. Nicht in jedem Fall war das Ergebnis das erhoffte, ich hingegen war mit den hervorragenden Gangwerten meines Chronos äußerst zufrieden.

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Nachdem mit Rodico die letzten Spuren am Werk beseitigt waren, ließ ich es mir nicht nehmen, den Glasboden eigenhändig und ohne Kratzer zu verschrauben und noch einmal überzupolieren.

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Ja, da standen wir Teilnehmer nun, stolz auf das Erreichte. Die Zeit war wie im Fluge vergangen und nach der Verabschiedung machten wir uns auf unseren mehr oder weniger langen Heimweg.

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Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, einen Hauch der Uhrmacherei erfahren zu haben. Eine weitere Vertiefung in Form eines Aufbauseminars zum Beispiel auch mit einem Automatik-Werk oder auch ein Reparatur-/Revisionsseminar für eigene ältere Uhren wäre wünschenswert.

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Ich nehme aus dem Seminar eine schöne Erfahrung und eine wunderschöne Uhr mit nach Hause und kann das mit 300,- Euro (incl. Uhr) recht preisgünstige Seminar insbesondere denjenigen, die noch nie an einer Uhr geschraubt haben, nur empfehlen.

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Wer den Bericht des WDR über Herrn Krieschers Uhrenseminar sehen möchte, folge diesem Link: Wie tickt meine Uhr? - WDR MEDIATHEK - WDR.de


Die Genehmigungen aller deutlich erkennbaren Personen zur Veröffentlichung liegen vor!
 
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uhrenfrosch

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...tolle Vorstellung , könnte ich mir auchmal vorstellen...:super:
 
Labrador

Labrador

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Ein erfolgreicher Tag für dich - Glückwunsch! Das ist ein guter Einstieg in die Uhrmacherei.

Ich hoffe er ermuntert dich, dein erlerntes Wissen weiter zu vertiefen und irgendwann kannst du deine zahlreichen Uhren (die du uns hier schon vorgestellt hast) selber reparieren.

Viel Erfolg auf deinem Weg zum Uhrmacher wünscht dir,

der Labrador
 
El Loco

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Ein erfolgreicher Tag für dich - Glückwunsch! Das ist ein guter Einstieg in die Uhrmacherei.

Ich hoffe er ermuntert dich, dein erlerntes Wissen weiter zu vertiefen und irgendwann kannst du deine zahlreichen Uhren (die du uns hier schon vorgestellt hast) selber reparieren.

Viel Erfolg auf deinem Weg zum Uhrmacher wünscht dir,

der Labrador
Ich danke dir!
Ich hoffe auch, dass ich das eine oder andere Stück warten oder wieder in Gang setzen kann.
Das Seminar dauert regulär von 10 - 16 Uhr.
 
DonMias

DonMias

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Hallo El Loco,

vielen Dank für diesen wunderschönen und informativen Bericht. Da bin ich echt neidisch. Und Dank soll ich auch von meiner Frau ausrichten, dass mir hier ein weiterer Floh ins Ohr gesetzt wurde. ;-)

Grüße
Don
 
bonjuhr

bonjuhr

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super Bericht,
ich bin auf der Suche nach genau so einem Seminar, da ich meinen Status vom Uhrenvolltotallaien auf Uhrenlaie verbessern möchte ;-)
 
hass67

hass67

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Danke für das Mitnehmen zum Seminar. Dein Bericht ist so gut gelungen, dass man wirklich den Eindruck hatte, man wäre mit dabei gewesen. Das war sicher ein toller Tag.

Was denkst Du, wirst Du in dieser Richtung weiter machen ? Weiteres Seminar oder einfach Handbuch und los ?

Gruß
ULI
 
C

Clockmania

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Danke fürs Mitnehmen :super: und den tollen Bericht :klatsch::klatsch:

Gruß

Klaus
 
Rocketman

Rocketman

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Ein schöner Bericht über einen augenscheinlich sehr interessanten Tag.
Danke!
 
Mapkyc

Mapkyc

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Auch ich habe deinen Bericht mit Interesse gelesen !:super:

Ich wünsche dir gute Gangwerte mit der selber zusammengesetzten "АРИСТО".
 
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Uhrenseminar bei „Uhrenschrauber“ Uli Kriescher am 18.04.2010

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