Uhrenbestimmung Uhrenhersteller Eugen Gauß, Pforzheim

Diskutiere Uhrenhersteller Eugen Gauß, Pforzheim im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo zusammen, ich habe eine Taschenuhr erhalten, welche als Wortmarke "E.G." im Oval aufweist. Dies deutet auf den Hersteller Eugen Gauß in...
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Ben16

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Hallo zusammen,

ich habe eine Taschenuhr erhalten, welche als Wortmarke "E.G." im Oval aufweist. Dies deutet auf den Hersteller Eugen Gauß in Pforzheim hin.

Leider kann ich zu ihm gar nichts finden. Hat jemand weitere Informationen dazu?

Was mich auch noch wundert ist, dass bei den Punzen einmal ein Auerhahn und auch ein Deutscher Reichssilberstempel auftauchen. Das heißt doch eigentlich, dass es sich um eine in der Schweiz gebaute Uhr handelt, die nach Deutschland exportiert wurde. Aber ist dann Eugen Gauß nicht der originäre Hersteller?

Vielen Dank im Voraus für eure Expertise und weitere Informationen zu der Uhr!

LG Benjamin

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Matthias MUC

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Könnte auch umgekehrt sein: in Deutschland gebaut für den Verkauf in Deutschland und Möglichkeit des Exports in die Schweiz?
 
monozelle

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Hi Ben. Was @Matthias MUC sagt. Diese Stempel besagen im Prinzip nur die amtliche Bestätigung zweier Länder, dass es sich bei dem Material des Gehäuses um 0.800er Silber handelt. Wenn Eugen Gauß in Pforzheim das Gehäuse (und eventuell auch die Uhr) gefertigt hat, wird die Uhr wohl den Weg von Deutschland in die Schweiz genommen haben, um dort einen Besitzer zu finden.

Auch diese Uhr ist - wie so viele - keine auffallende oder besondere Uhr. Eine Zylinderhemmung mit immerhin 10 Steinen, also nicht die allerbilligste Ausführung. Es ist eine von unendlich vielen, die damals, irgendwann gegen Ende des 19. Jahrhunderts, verkauft, getragen, verschenkt, getragen und wieder weiterverkauft oder -verschenkt wurden. Immerhin ist das Werk signiert - allein das ist schon eine Menge.

Ich glaube, die meisten relevanten Infos, die man zu dieser Uhr zutage fördern kann, hast du schon. 😉 Wenn sich ansonsten keine Namenswidmungen, Daten oder Signaturen finden, wird es schwer sein, irgendetwas über den Lebensweg der Uhr herauszufinden.
 
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Ben16

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Hallo zusammen,

vielen Dank für die Informationen! Das mit der Silberpunze klingt einleuchtend, dass diese dann auch für einen umgekehrten Export von D nach CH in Frage kommen würde.

Ich habe gerade noch in einem Adressbuch von Pforzheim aus dem Jahr 1939 gesehen, dass es dort einen Eugen Gauß gibt, der Goldwarenfabrik(ant) war. Diese wird dann wohl das Gehäuse (und das Uhrwerk, da dort auch seine Wortmarke zu finden ist?) hergestellt haben.

Auf dem inneren Staubdeckel ist aber zum einen noch eine Gravur, die auf L.C. Cuivre als Gehäusehersteller hinweist (oder bedeutet das etwas anderes?). Die andere Gravur bezeichnet ein (ehemaliges) Uhrengeschäft (Heinrich Schäfer in Gelnhausen), wo diese wohl gekauft worden ist.

Als Laie muss ich fragen: Woran erkenne ich denn das die Zylinderhemmung 10 Steine hat?

Danke und LG
Benjamin
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monozelle

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"Cuivre" bedeutet Kupfer. 🙂

Zur "Besteinung". Eine Zylinderhemmung hat folgende "typische" Maximal-Bestückung mit Rubinen: 4 an der Unruh (2 Lagersteine und 2 Decksteine), 2 Lagersteine am Gangrad, 2 Lagersteine am Sekundenrad, 2 Lagersteine am Kleinbodenrad... 4+2+2+2=10.

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Für die Rubinbestückung sind die schnell drehenden Lager als erste dran, weil die am wenigsten Reibung vertragen können. Die Unruh ist am schnellsten und nahezu immer mit 4 Steinen bestückt - gibt auch hier Ausnahmen, aber das führt erstmal zu weit - danach kommen die anderen Räder, die sich der Übersetzung nach immer langsamer bewegen. Als Beispiel: Zylinderhemmungen mit 6 Steinen sind auch oft anzutreffen, das wären dann 4 Steine an der Unruh und 2 am Gangrad. Die übrigen Räder drehen sich dann meistens in Messinglagern.

Du hast schon recht - man kann es natürlich nicht einfach so "sehen", denn die unteren Lager sind nicht sichtbar, wenn man den Deckel aufmacht. Man kann aber nach einem Blick auf die oberen Lager darauf schließen, denn im Allgemeinen hat jedes ein unteres, identisches Gegenstück. (Von den Amerikanern, die manchmal mogeln und nur die oberen Lager bestücken, fange ich hier mal nicht an...).
Einen Stein erkennt man daran, dass das Lager um den Zapfen herum dunkel (rötlich/rosafarben) schimmert. Der Stein ist transparent, deswegen sieht man durch ihn hindurch das Dunkel des Werkinneren. Wenn das Lager schön sauber ist, sieht man auch die Zähne des darunterliegenden Triebes durchscheinen. Für Steinlager werden fast immer Rubine verwendet, weil die auf diesem Planeten das zweithärteste nach dem Diamanten sind. Rubine sind im Farbspektrum Rot bis Glasklar zu haben. Die Roten trifft man am häufigsten an.

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Ben16

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Hallo Ingo,

ganz herzlichen Dank für diese ausführliche Erklärung! :)

LG Benjamin
 
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Ben16

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Hallo zusammen,

doch noch mal ich der hier um eure Expertise anfragt. Auf der Mikrolisk Internetseite (ganz unten auf der Seite) habe ich gesehen, dass man dort grob eine Altersschätzung aufgrund von allgemeinen Merkmalen durchführen kann.

Dies würde ich für obige Uhr gerne machen, bin mir aber bei bestimmten Merkmalen nicht sicher:

1. Aufzugssform: per Krone mit Drücker
2. Unruhe: ?
3. Stoßsicherung: Keine
4. Hemmung: Zylinderhemmung
5. Spirale: ?
6. Zeitanzeiger: Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger
7. Bügelform: Oval
8. Zifferblatt: ?

Stimmen meine Annahmen und was muss ich bei Unruhe, Spirale und Zifferblatt auswählen?

Wenn ihr für die Beantwortung noch weitere Fotos benötigt bitte Bescheid geben!

Vielen Dank im Voraus!

LG Ben

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monozelle

monozelle

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Unruh: Reif ohne Schrauben
Spirale: weiße Spirale flach liegend (ob sie weiß oder gebläut ist, kann man nicht erkennen, ist aber eine Flachspirale)
Zifferblatt: Flach, Emaille

Ich habe das Altersbestimmungs-Skript bei @Mikrolisk schon öfter probiert, es funktioniert leider nicht immer. 😬

Ich würde die Uhr um 1900 einordnen, plus/minus 10 Jahre.

Bei einfachen Schweizer Taschenuhren, die aus kleineren Manufakturen stammen, musst man sehr oft damit leben, dass nur eine grobe Einschätzung des Alters möglich ist und die Herkunft komplett im Dunklen bleibt. Da hast du mit der Signatur auf dem Werk und dem Gehäuse noch Glück!
Das ungefähre Datum des Verkaufs der Uhr könntest du höchstens über die Widmung auf dem Staubdeckel einzugrenzen versuchen...
 
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Ben16

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Hallo Ingo,

vielen Dank für die Rückmeldung!

Ja, in dem Fall ist es auch so bei dem Skript, es kommt "Ihre Eingaben sind leider nicht stimmig!".

Aber danke für die 1900 +/- 10 Jahre, das ist ja schon mal eine Information! :)

Über das Uhrengeschäft hatte ich es auch schon einmal probiert, es existiert leider seit 1966 nicht mehr und ich konnte vom Stadtarchiv keine Info bekommen, wann es eröffnet wurde.

LG Ben
 
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