Uhrenhersteller Brocard?

Diskutiere Uhrenhersteller Brocard? im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Guten Abend zusammen, Ich habe neulich eine alte Wanduhr, in einem ziemlich mitgenommenen Zustand geschenkt bekommen. Leider finde ich im Netz...
E

Eva1104

Themenstarter
Dabei seit
20.10.2019
Beiträge
3
Guten Abend zusammen,

Ich habe neulich eine alte Wanduhr, in einem ziemlich mitgenommenen Zustand geschenkt bekommen.
Leider finde ich im Netz nichts brauchbares über diese Uhr, bzw. den Hersteller.
Auf dem Ziffernblatt ist ein Schriftzug, welchen wir versucht haben zu entziffern. Es könnte: „Duterne Brocard á Reims“ heißen
Vielleicht könnt ihr mir ja hierzu weiterhelfen.

Ich würde mich sehr freuen, etwas über die Geschichte dieser Uhr zu erfahren oder gar einen Tipp zu bekommen, ob es für diese Uhr noch irgendwo Ersatzteile gibt.

Vielen Dank schon im Voraus!
 

Anhänge

Der Stromer

Der Stromer

Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
2.003
Ort
92272 Hiltersdorf
Guten Tag, Eva1104.

Gibt es zu Dir auch noch eine richtige Anrede? Dann tut man & frau sich hier etwas leichter, Dir zu antworten.
Ich will es trotzdem mal versuchen.
Bei dieser Uhr handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine sog. Comtoise-Uhr, die im 17. und 18. Jahrhundert ihre Entstehung eben in Frankreich begehen durften. Hier mal ein Auszug aus Wikipedia: Comtoise-Uhren. Deine Uhr scheint noch im Originalem Zustand mit Spindelhemmung und Fadenaufhängung für das (fehlende??) Pendel zu sein.

Ersatzteile für diese Uhrenart sind naturgemäß heute nicht mehr zu finden, aber ein guter Uhrenrestaurator sollte in der Lage sein, diese in eigener Werkstatt her zu stellen und die Uhr zum Anzeigen der Zeit zu bewegen.

Bitte las Dich bei Deiner Uhr nicht von Beiträgen aus dem Netz beeinflussen. Deine Uhr ist nach meiner Auffassung ein wirklich historisches Modell und nicht eine neuere Kreationen (20. 21. Jahrhundert). Von daher sollte sich dieser Uhr wirklich nur ein Fachmann annehmen, der sich speziell mit Comtoise-Uhren aus kennt.

"Duterne Brocard á Reims " ist der Hersteller Duterne Brocard in der Nähe von Reims. Den Namen Duterne findet man heute noch, er scheint aber mit Uhren nichts mehr im Sinn zu haben.

Also nochmal meine Ansage. Suche Dir für diese Uhr einen Uhrenrestaurator. Ob Du diese Uhr dann in Deiner Wohnung aufhängen möchtest, bleibt Dir überlassen. Denn, wie Wiki schon sagt: Sehr lauter Stundenschlag und in der Regel nur ein 30-Stunden-Werk. Das macht diese Uhr nicht gerade Benutzerfreundlich. Und auch die erforderlichen Gewichte für diese Uhr (jeweils ca. 5 kg Gusseisen :roll: ) machen die Handhabung auch nicht gerade einfacher. Es ist aber ein Historisches Stück Zeitgeschichte.

Nachtrag: Bitte nicht versuchen, dass Ziffernblatt zu Reinigen oder so. Damit wird es nur zerstört und der goldene Schriftzug des Hersteller wird abgerieben. So was ist ewig Schade, da nicht rückgängig zu machen!
 
Uhrenfreak

Uhrenfreak

Dabei seit
07.10.2009
Beiträge
3.270
Ort
bei Heilbronn
Rolf-Dieter, kann es sein, dass der Duteren Brocard aus Reins nur ein Uhrmacher in Reins war, der die Uhr verkauft hat?

Gruß Willy
 
Der Stromer

Der Stromer

Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
2.003
Ort
92272 Hiltersdorf
Natürlich. :ok: Ich habe sonst keine weiteren Informationen über diesen Namen gefunden. Auch sind Französische Uhr nicht so direkt mein Jagdgebiet;)
 
E

Eva1104

Themenstarter
Dabei seit
20.10.2019
Beiträge
3
Guten Abend,

Rolf-Dieter vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort, hat mir sehr geholfen.
Ich bin gespannt, ob vielleicht doch noch jemand etwas über den Hersteller / Uhrmacher weis.
Ich denke, ich werde jemanden suchen, der meiner Uhr wieder ein wenig zu altem Glanz verhilft. Ich würde mich sehr freuen, wenn sie eines Tages wieder ihren wahrscheinlich sehr lauten Gong von sich gibt :-)

Viele Grüße
Eva :-)
 
Der Stromer

Der Stromer

Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
2.003
Ort
92272 Hiltersdorf
Guten Abend, Eva.

Ich hoffe, das es Dir gelingt, einen Uhrmacher zu finden, der Dir dabei hilft. Wir hier im Forum (hier gibt es auch ein paar Freaks, die sich gerne mit Comtoise beschäftigen) werden uns freuen, wie es mit diesem guten Stück weiter geht. Berichte bitte hier weiter. Danke im Voraus!
 
P

pet.sch

Dabei seit
05.05.2008
Beiträge
111
Hallo Eva,
um Rolf-Dieters Beschreibung noch etwas zu ergänzen : Deine Uhr stammt etwa aus der Zeit um 1840, also aus dem 19. Jahrhundert. Sie hat (te) eine geprägte Zifferblattumrandung aus Messing, dem leider jetzt der obere verzierte Teil fehlt. Er scheint abgebrochen zu sein.

Es gab diese Uhren in sehr großen Mengen in Frankreich und das hauptsächlich bei der Landbevölkerung. Über 200 Jahre wurden sie mit nur kleinen Unterschieden gebaut. Hergestellt in großen Mengen, etwa wie in Deutschland die Holzwanduhren und verkauft von regionalen Uhrmachern , oft mit deren Namen auf dem Ziffernblatt. So ist es auch hier, der Name scheint ja sogar aufgemalt zu sein und sich nicht mit in der Emaille zu befinden.

Eine Reparatur dieser Uhr mit Ersetzen der fehlenden Teile wäre schön, aber wenn man das nicht selbst machen kann und alles möglichst original aussehen lassen möchte, dann übersteigen die Kosten der Reparatur sehr schnell den Wert so einer Uhr, denn leider ist der in den letzten Jahren total verfallen. Man bekommt heute schon komplette, laufende Uhren aus dieser Zeit für unter 300 Euro. Mit etwas Glück sogar weit darunter.
Neben eventuellen Schäden oder nötigen Werksreparaturen fehlen bei Deiner Uhr als sichtbare Teile die seitlichen Türen, die Gussgewichte, das Pendel, der Schlagwerkshammer, die Zeiger und der schon erwähnte obere Teil der Messingfront. (oft eine stilisierte Sonne oder ein Fächer mit seitlichen Füllhörnern, Drachen, etc.). Allein diese Teile im Einzelkauf (die man aber aus "Uhrenschlachtungen" kaufen kann) übersteigen schon den Gesamtwert und dann kommt noch die Überholung dazu.

Wenn Du sie trotzdem reparieren lassen möchtest, hast Du allerdings eine schöne dankbare Uhr. Die Werke sind fast unverwüstlich und es sind Schmuckstücke an der Wand. Und eben wie Rolf-Dieter schon geschrieben hat, mit einem sehr lauten Schlag, der auch noch ca. 2 Minuten später noch einmal wiederholt wird.
Dagegen sind die Holzkästen, in denen sich diese Uhren und vor allem die späteren Modelle ursprünglich oft als Standuhren befanden, meist nicht so ansehnlich. Deshalb wurden und werden die Werke fast immer mit Halterungen oder Konsolen alleine an die Wand gehängt.

Hier habe ich mal bei ebay eine ganz ähnliche Uhr aus dieser Zeit gesucht, damit Du sehen kannst, wie sie ungefähr komplett aussah (fast komplett, denn ich sehe gerade, dass bei dieser Uhr auch die seitlichen Türen und auch die Rückwand fehlt) :

Alte Comtoise mit Spindelhemmung und Sonnenmotiv um 1850 | eBay

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

Uhrenhersteller, Nienaber
Dabei seit
28.10.2010
Beiträge
3.764
Ort
O W L
Ich schließe mich den Vorposten an, außer: ich glaube nicht, dass die Maske fehlt. Da war wohl gar keine dran, da diese Uhr in einem Holzgehäuse verbaut war. Die Gangdauer dürfte 8 Tage sein, je nach möglicher Fallhöhe der gewichte. Die Pendel solcher Uhren waren meist einfache "Knickpendel", also ein Metallstab, der einmal in der Mitte geknickt werden konnte wie ein Zollstock. Die Prachtpendel waren eigentlich für Uhren, bei denen man das Pendel auch sah.
 
P

pet.sch

Dabei seit
05.05.2008
Beiträge
111
Hallo Rainer,
bei Faltpendel und 8-Tagewerk bin ich ganz Deiner Meinung. Mal abgesehen davon, dass Du das am Räderwerk erkennst, gehört das einfach zu einer Uhr aus dieser Zeit so. Tagewerke gibt es so gut wie gar nicht bei diesen Comtoise-Uhren, Monatsläufer schon, aber die haben die Aufzüge tiefer.
Die Prachtpendel gab es aber sowieso erst bei den Uhren mit Ankerhemmung, da sie für eine Spindelhemmung zu groß und schwer sind.

Aber diese Uhr hatte unter Garantie eine geprägte Front, identisch oder ähnlich zu dem von mir verlinkten ebayangebot , also garantiert geprägt und dann oben entsprechend verziert.
Es gibt zwar Comtoisen , bei denen das Emaille-Zifferblatt ohne diese Messingfront im Vordergrund steht, die sogenannten Station-Comtoise, aber da ist das Zifferblatt noch größer und mit einem großen runden Messingrand umgeben. Außerdem sieht man an den Ecken dann oft aufs geschwärzte Eisen.

Vielleicht hast Du mich falsch verstanden und denkst, ich meine diese prunkvollen Messingfronten, die eigentlich zu einem Prachtpendel und zu Uhren mit Ankerhemmung gehören. Aber die meine ich nicht, ich meine so eine Front wie in dem verlinkten ebayangebot, wie es typisch für die Zeit um 1810-40 war. Sehr typisch dafür sind auch die 4 gleichen Symbole in den Ecken, (sehr oft Blumenblüten wie hier). Dieses Messingblech ragt rechts, links und unten nicht über das Gehäuse hinweg , sondern nur oben. Oben versteckt sich dahinter dann die Glocke. Da das aus dünnem geprägten Blech besteht und nicht wie bei den frühen Uhren aus Bronzeguss (z.B. Hähnchenuhr) , bricht das leicht. So war das mit großer Sicherheit auch hier , denn man sieht oben ja noch die etwas unsauberen Bruchkanten. Diese geprägten Fronten sind wohl in großen Mengen geprägt worden, denn man findet oft identische.

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
E

Eva1104

Themenstarter
Dabei seit
20.10.2019
Beiträge
3
Vielen Dank für die super Diskussion! Ist wirklich sehr interessant. Es ist mir durchaus klar, dass es wirtschaftlich keinen Sinn macht die Uhr richten zu lassen, aber ich werde sie wahrscheinlich trotzdem wieder in Schuss bringen lassen ;-)
Ich hätte da noch ein paar Fragen, da ich bis jetzt leider wirklich sehr ahnungslos bin, was den Uhrenbau betrifft.
Was beeinflusst das Gewicht der Gewichte?
Und kann mir vielleicht jemand sagen, wieviel Kilo ich an meine Uhr hier hängen muss (ohne das Uhrwerk genau zu kennen)?

Viele Grüße Eva
 
Der Stromer

Der Stromer

Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
2.003
Ort
92272 Hiltersdorf
Ohne dem Herren Peter E. jetzt vorgreifen zu wollen: Diese Uhren brauchen Gewichte zwischen 3,5 und 5 kg - jedes! Dein Uhr z.B. hat noch die originale Spindelhemmung und die braucht viel Kraft, die durch das Gewicht an der Schnur entsteht. Das Schlagwerk wird ein Gewicht in der selben Klasse benötigen, damit das Schlagwerk nicht vor der Zeit stehen bleibt.
Also, beim Aufhängen der Uhr bitte beachten, dass da so um die 10 kg an der Wand hängen werden. Daher besser eine Konsole benutzen, auf der die Uhr zum stehen kommt. Solche Dinger bekommst Du z.B. in der Bucht, z.b. so etwas hier. 2 Stück würdest Du davon brauchen.

Ps.: Die Uhr gibt einen Glockenton von sich. Keinen Gong wie bei schnöden modernen Wohnzimmer-Uhren :lol:
 
Zuletzt bearbeitet:
Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

Uhrenhersteller, Nienaber
Dabei seit
28.10.2010
Beiträge
3.764
Ort
O W L
Der Glockenton ähnelt eher dem der Bahnschranken früher.
 
M

milou

Dabei seit
15.10.2019
Beiträge
19
Guten Morgen allerseits

Hier ist ein Comtoise-Werk das ich "restauriert" habe. Es hängt so in der Praxis meiner Zahnärztin und sie freut sich jeden Tag darüber.
Natürlich sah das ganze nicht so aus als ich die Uhr erworben habe (für 35 Euros! mit Holzkasten).

Wer nicht zwei linke Hände hat, kann sehr wohl so ein Werk in Stand bringen.

2729747

2729748
 

Anhänge

C

Comtoise

Dabei seit
22.02.2020
Beiträge
2
Hallo Eva,
auf dem Zifferblatt steht ja normalerweise oben der örtlichen Uhrenhändler (nicht der eigentliche Hersteller, sondern der Wiederverkäufer) und unten die Stadt, wo sein Geschäft liegt. Das könnte auf den Namen Duterne durchaus zutreffen, denn es gab einen Uhrmacher diese Namens in Reims. In Deinem Fall stehen da aber oben zwei (!) Familiennamen, und daher vermute ich da etwas anderes. Denn zwei Familiennamen wurden oft auf das Zifferblatt geschrieben, wenn die Uhr einem Paar zur Hochzeit geschenkt wurde, dann stehen dort die Familiennamen von Mann und Frau drauf. Es könnte z.B. sehr gut sein, dass es sich um Alexandre Duterne und Virginie Brocard handelt, die am 19. Januar 1818 in Reims geheiratet haben (das sind keine Fantasieangaben, sondern ich habe diese Angaben auf gw.geneanet.org gefunden). Solche Comtoise-Uhren nennt man daher zusätzlich oft auch "Hochzeitsuhren". Ich finde diese Uhr daher besonders interessant und sie ist es bestimmt wert, wieder aufgebaut zu werden. Die fehlenden Einzelteile (Schlaghammer, Seitentüren, Pendel, Gewichte) sind immer wieder mal in ebay-kleinanzeigen zu finden. Das ist zwar nicht ganz billig, aber wenn man an so etwas Spaß hat, kann man ja mal ein wenig Geld in die Hand nehmen.
LG - Thomas
 
Spindel

Spindel

Dabei seit
14.12.2008
Beiträge
3.002
Ort
Leipzig
Na wenn das mal keine tolle Erklärung ist,dann weis ich auch nicht.Und das als ersten Beitrag.:super:
Gruß Roland
 
Thema:

Uhrenhersteller Brocard?

Uhrenhersteller Brocard? - Ähnliche Themen

  • Reklamationen innerhalb der Garantiezeit: Uhrenhersteller und der Service - Top oder Flop?

    Reklamationen innerhalb der Garantiezeit: Uhrenhersteller und der Service - Top oder Flop?: Hallo allerseits, man erlebt ja so Einiges. Obwohl ich nicht zu denjenigen Zeitgenossen gehöre, die gleich mit einem Mikroskop aus der Norkurve...
  • Uhrenhersteller im Sport - Nur Sponsoren, oder mit dabei?

    Uhrenhersteller im Sport - Nur Sponsoren, oder mit dabei?: Liebe Freunde, ich komme direkt zur Sache: In allen Sportarten, die übertragen werden, sehen wir Uhrenhersteller, die auf die eine oder andere...
  • Materialien zur Uhrenherstellung

    Materialien zur Uhrenherstellung: Hallo alle zusammen, jetzt muss ich mal fragen und hoffe dass mir jemand eine Erklärung auf meine Fragen geben kann. Folgendes: ich nehme jetzt...
  • Welcher Lederbandhersteller beliefert welchen Uhrenhersteller?

    Welcher Lederbandhersteller beliefert welchen Uhrenhersteller?: Liebe Uhrenfreunde, Ihr kennt es ja. Wenn Ihr eine Uhr mit Lederband kauft, ist auf der Innenseite des Bandes immer der Name des Uhrenherstellers...
  • Warum nehmen Uhrenhersteller alte Erfolgsmodelle nicht wieder ins Programm?

    Warum nehmen Uhrenhersteller alte Erfolgsmodelle nicht wieder ins Programm?: Warum gibt es eigentlich fast nie Neuauflagen äusserst gesuchter alter Klassiker? Wollen die Hersteller den aktuellen Marktwert ihrer alten...
  • Ähnliche Themen

    Oben