Uhrengeschichte: Harter Kampf ums Zifferblatt - Der Weg von der mechanischen zur elektronischen Uhr

Diskutiere Uhrengeschichte: Harter Kampf ums Zifferblatt - Der Weg von der mechanischen zur elektronischen Uhr im Uhrencafé Forum im Bereich Uhren-Forum; Ein interessanter Artikel von Bruno Bohlhalter aus dem Grenchener Tagblatt über die Strategie der Schweizer Uhrenindustrie während der Quarzkrise...
ETA2824

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Danke für den Verweis auf den Artikel im Grenchener Tagblatt! :klatsch:

Ich möchte gerne nochmals auf Bohlhalters Buch "Unruh" hinweisen, das wohl das beste Standardwerk zur Schweizer Uhrengeschichte ist. Das Problem war aber 1970/80 nicht der Technologiewechsel, sondern überkommene vom Staat unterstützte Strukturen, die bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückreichen. Genau das beschreibt er mitreissend!

Bohlhalters "Unruh" im NZZ-Verlag :super:
 
bachmanns

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Genau:super: Die Quarzkrise begann im Grunde erst in der 2. Hälfte der 70er Jahre und folgte auf die Strukturkrise, die letztlich begann, weil der Staat seine Interventionen einstellte und die Liberalisierung diese überkommenen Strukturen auflöst. Beide Krisen gingen nahtlos ineinander über; heutzutage wird die ganze Entwicklung als Quarzkrise angesehen, was Bohlhalter in seinem Buch widerlegt und aufarbeitet.
 
ETA2824

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Genau:super: Die Quarzkrise begann im Grunde erst in der 2. Hälfte der 70er Jahre und folgte auf die Strukturkrise, die letztlich begann, weil der Staat seine Interventionen einstellte und die Liberalisierung diese überkommenen Strukturen auflöst. Beide Krisen gingen nahtlos ineinander über; heutzutage wird die ganze Entwicklung als Quarzkrise angesehen, was Bohlhalter in seinem Buch widerlegt und aufarbeitet.
BTW: Die Schweizer Industrie war der japanischen bei der Quartz-Technologie in den 70er-Jahren weit überlegen. ES waren aber die protektionistischen Japaner, die als erste bezahlbare Quartzuhren in grossen Mengen produzieren und vermarkten konnten. Auch das beschreibt Bohlhalter eindrücklich.
 
Uhrbene

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Wenn das nicht mal eine leicht eingefärbte Sichtweise ist...ich kenne das Buch aber nicht. Der Vorteil der Japaner war auf jeden Fall die komplette Fertigung aus einer Hand, während die Schweizer viel arbeitsteiliger unterwegs waren. Zu erklären mit der jeweiligen Uhrengeschichte in beiden Ländern aus ihren ersten Anfängen. Vielleicht ist das aber auch mit der Strukturkrise mit gemeint.

Geht das Buch auch stärker auf den Kampf analoge vs. digitale Anzeige ein? Da kenn ich mich nicht aus, wüsste aber gerne mehr. Der Artikel ist da ja logischerweise nicht sehr ausführlich. Aus meiner eigenen Jugend erinnere ich mich, wie die digitalen Uhren hochkamen und als "die Zukunft" verkauft wurden. Ein Kampf auf diesem Gebiet gegen Giganten wie TI wäre wohl nicht zu gewinnen gewesen. Von daher war der Rückzug auf die analoge Anzeige zum Teil vielleicht die Einsicht, das die sich am Ende doch wieder durchsetzen würde, zum vermutlich größeren Teil aber der wirtschaftlichen Notwendigkeit geschuldet.

Die ersten analogen Quartzer-Stoppuhren wurden dann wieder von Seiko erfunden (7A28), soweit ich weiß.
 
bachmanns

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Der Artikel ist quasi ein Auszug des entsprechenden Kapitels aus dem Buch. Dort wird das Thema über mehrere Seiten ausführlicher behandelt. Die Schweizer hatten im Grunde die komplette Technologie für Digitaluhren im Land, haben aber aus verschiedenen Gründen auf die Analoganzeige gesetzt. Der extreme Preisverfall bei den Werken war ein Grund (im Grunde konnte jedermann solche Uhren herstellen; es ließ sich in der Schweiz damit keine Wertschöpfung erzielen), aber auch die Rationalisierung in der Industrie mit einer starken Standardisierung der Kaliber, so daß auf Fertigungsstraßen für mechanische Werke nun auch analoge Quarzwerke gefertigt werden konnten; die Uhrmacher konnten relativ leicht umgeschult werden. Hinzu kam als wichtiger Punkt das Thema Tradition: die Analoganzeige paßte viel besser zum Thema der Qualitäts- und Schmuckuhr als die Digitalanzeige.

Ich kann für das Buch eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen:super:
 
Uhrbene

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Danke! Ich habe mir mal eine Leseprobe senden lassen.
 
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... (im Grunde konnte jedermann solche Uhren herstellen; es ließ sich in der Schweiz damit keine Wertschöpfung erzielen), aber auch die Rationalisierung in der Industrie mit einer starken Standardisierung der Kaliber, so daß auf Fertigungsstraßen für mechanische Werke nun auch analoge Quarzwerke gefertigt werden konnten; die Uhrmacher konnten relativ leicht umgeschult werden. Hinzu kam als wichtiger Punkt das Thema Tradition: die Analoganzeige paßte viel besser zum Thema der Qualitäts- und Schmuckuhr als die Digitalanzeige.

Ich kann für das Buch eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen:super:
So ist es! Das Buch ist spannender als jeder Krimi!:-D
Aber wir wissen ja alle: Mythen sterben nicht ... :hmm:
 
Thema:

Uhrengeschichte: Harter Kampf ums Zifferblatt - Der Weg von der mechanischen zur elektronischen Uhr

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