Uhrenbestimmung elektrische Großstoppuhr verm. 30er Jahre

Diskutiere Uhrenbestimmung elektrische Großstoppuhr verm. 30er Jahre im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Hier eine Frage zur Uhrenbestimmung für Spezialisten. Kürzlich sah ich diese „Uhr“ und habe sie für mein „Nebensammelgebiet“ alte Großstoppuhren...

collector

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Hier eine Frage zur Uhrenbestimmung für Spezialisten.
Kürzlich sah ich diese „Uhr“ und habe sie für mein „Nebensammelgebiet“ alte Großstoppuhren erworben,
über die genaue Funktion war nichts weiter bekannt und die Funktionsfähigkeit war auch nicht gegeben.

uf01.jpg


Daten: Durchmesser ca. 35cm, Gewicht knapp 6KG, Metallgehäuse mit Holzfuß. Das Alter schätze ich aufgrund der Bauweise
und Elektrik auf die 30er/40er Jahre. Als Hersteller (?) ist auf dem Zifferblatt nur eine „1“ oder „L“, mir unbekannt, zu finden.
Auch innen und am Werk (s.u.) sind keinerlei Hinweise auf einen Hersteller.

Ausgehend von anderen Großstoppern vermutete ich außen/großer Zeiger die Sekunden, worauf man auch anhand der „60 Sek“
bei 7 Uhr leicht darauf kommen konnte und innen die Minuten. Falsch, der innere Kreis zeigt 1/5 Sekunden (kleine Indexe) bzw.
1/10 Sekunden, große Indexe.

uf02.jpg

Rückseite mit Hebeln und Wellen

Die gesamte Uhr kann (vermutlich) auf ein Stangen-oder Führungssystem aufgesteckt werden und hat dafür oben und
unten (xa, xb) auf der Rückseite Löcher womit die Uhr darauf vor und zurück geschoben werden kann oder mit diesen Stangen
an etwas fixiert werden. Vorn(!) sind am Griff oben und unten am Fuß Gummipuffer (Stoßschutz?).

Die durch Ausprobieren herausgefundene Funktionsweise ist wie folgt:
Nach elektrischer Prüfung, Säuberung, Ölung und Neuverkabelung wurde die Uhr mit Strom versorgt. Sobald 220V Netzspannung
anliegen dreht der Motor und die Motordrehung wird über eine konische Welle (C) 1:1 nach außen übertragen. Die Wellen D und E
und die Zeiger drehen sich in "gesperrtem" Zustand noch nicht.

Mit dem Hebel B kann die Sperre freigegeben werden sodass die Zeiger zu laufen beginnen. Die Wellen D und E dreht sich,
E mit der Geschwindigkeit des 1/5 Zeigers also mit einer Umdrehung pro Sekunde, D schneller. Wird B zurückgedrückt stoppen Zeiger
und Wellen. Mit A wird die Uhr „genullt“/in die Startstellung gebracht.

Anstelle des Hebels B kann Start/Stopp auch elektrisch ausgelöst werden. Hierzu werden 6V Gleichspannung an die Anschlüsse
der linken Seite angelegt. Diese kann nun mit einem Taster (aus-) geschaltet werden (wohl der eigentliche Funktionszweck).
Zuerst wird dazu die manuelle Sperre (B) gelöst, die Sperre ist durch die 6V weiterhin aktiv, wird nun der Taster gedrückt, und die
Spannung fällt weg, gibt ein Relais im Werk die elektrische Sperre frei und Uhr (und Wellen) laufen solange bis der Taster wieder
losgelassen wird.

Der Verwendungsbereich der „Uhr“ scheint also dort zu liegen wo mittels elektrischer, manueller (?) Steuerung über die Wellen etwas
für eine bestimmbare, kurze Zeit anzutreiben oder genau einzustellen ist. Aufgrund der sehr robusten Bauweise sicher in der Industrie.
Als „normale“ Stoppuhr ist die Uhr mit einer maximal Messzeit von 100 Sekunden ungeeignet, auch geben die Wellen dann keinen Sinn.

uf03.jpg

Innenaufbau und Werkansichten

Und nun zur Frage: Wer kennt oder hat ebenfalls so eine Uhr,
weiß mehr oder kennt das genaue bzw. das eigentliche Einsatzgebiet?
Von einem Sammlerkollegen wurde mir folgende Überlegung geschrieben: Aufgrund der Funktion bestehe die Möglichkeit dass die Uhr
zur Einstellungen von Zeit-/Verzögerungszündern (WW2) Verwendung fand, wobei die jeweiligen Wellen durch aufschieben mit dem Zünder
verbunden wurden und zum einen die Feder(n) spannten und es durch Start/Stopp mittels Taster möglich war durch die andere(n) Welle(n)
den Zünders auf die 1/5 Sekunde genau einzustellen.
 
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Matthias MUC

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Zur Uhr rein technisch kann ich nichts sagen, aber das L mit dem Kreis dürfte eine ältere Version des Logos von Leybold sein. Wer auch immer das Werk hergestellt hat, Leybold selber hätte die Ressourcen gehabt, oder ob es ein Zukaufteil ist.

1614891457047.png

Erste Version schon ab den 1930ern, die zweite ab 1950er
Das ist eine Firma mit wechselnden Geschäftsbereichen und Töchtern, die "High Tech" macht (Vakuumtechnik, Leybold-Heraeus) , u.a. eine Sparte für Lehrmittel und Gerätschaften für naturwissenschaftl. Unterricht hatte (jetzt LD Didactic)

URM: Lehrmittelfirmen
Leybold GmbH
LD Didactic
https://www.ld-didactic.de/

Diese Uhr dürfte dementsprechend am ehesten für irgendwelche Ausbildung, Lehre, Physikunterricht in Schulen gedacht gewesen sein, wo vorn ein Experiment läuft, eine Zeit zu stoppen ist und auch aus der letzten Reihe des Hörsaals, des Klassenzimmers noch was gesehen werden sollte. Dazu würde auch passen, daß die Uhr elektrisch gestartet/gestoppt werden kann. Irgendwelche Schaltkontakte von rollenden Wägelchen für die gute alte Newtonsche Physik, heute hätte man Lichtschranken, bzw. die Kids sollen derzeit zuhause sitzen und virtuelle Experimente im Homeschooling machen.... Ich glaube nicht, daß das irgendeine militärische Verwendung hatte. Mit den ganzen Wellen und sonstigen mechanischen Gimmicks konnten sicher irgendwelche "kompliziertere" Versuchsaufbauten gesteuert und betätigt werden. Robuste, kugelsichere Bauweise weniger für Industrie, als dafür, daß das Zeug auch in Schüler*innenhand bei Experimenten nicht gleich die Grätsche macht.
Wer erinnert sich noch an den eigenen Physikunterricht? Das war meistens Vollausstattung entweder Leybold oder PHYWE.

lG Matthias

PS.: 220V, so der gute alte keramische Bügeleisen- und Toasterstecker aus Omas Zeiten? Hast Du das passende Kabel dazu - hüte es wie Augapfel. Wenn der Stecker kaputtgeht, werden die Dinger inzwischen selten und/oder teuer....
 
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collector

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Super, danke Dir für die Info, somit wäre der Hersteller/Vertreiber gefunden und das Baujahr käme dann ja auch hin :-D
Bleibt dann nur noch die Frage was mit diesem Gerät "angestellt" wurde, denn alles was ich über Großstopper weiß und
bisher im www gefunden habe, hat nur die Funktion zu stoppen. Speziell zu dieser Variante mit Antrieb von irgendetwas
findet man (egal ob mit manueller oder wie auch immer gearteter elektrischer Auslösung) leider rein gar nichts.

Hier das Logo noch einmal in groß, eben festgtesllt dass man es auf dem Bild schlecht sieht, passt also zu ab 1930:

logo2.jpg
Miese Auflüsung aber die mehreren Kreise sind erahnbar

Ja die Stecker habe ich glücklicherweise noch, hier dümpeln noch 2-3 in meiner Strom-Kuriositäten-Kiste 'rum...
Es gibt von Junghans alte Großstopper Exoten mit Stromanschluss die auch so einen Stecker brauchen.
 

Matthias MUC

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Da gab es sicher irgendwelches "Baukastenzubehör", um Schulexperimente mit dieser Uhr zu bauen. Ich würde stark vermuten, daß, wenn irgendwer überhaupt, dann die Bibliothek oder die Archive des Deutschen Museums in München alte Kataloge von Leybold haben müssten (Präsenzbibliothek, Corona... momentan schwierig). Vielleicht wäre aber der einfachste Weg, ganz frech bei den jetzigen LD Didactic per Mail oder (weil sowas gerne in Unzuständigkeiten verschüttgeht) per Telefon nachzufragen. Irgendeinen Firmenarchivar, irgendwen, der sich mit Firmengeschichte beschäftigt oder einen alten Haudegen, der seit 50 Jahren bei dem Laden ist und als fahrender Handlungsreisender die Schulen abgeklappert hat, wird Du sicher ausfindig machen können.
lG Matthias
 

collector

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Auch eine Idee, ich hatte, da jetzt der "Urheber" des Geräts bekannt ist, auch schon überlegt Leybold einmal anzuschreiben....
 
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Matthias MUC

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Mein Tipp wäre ja, anzurufen. Briefe und Mails an keinen ganz konkreten Ansprechpartner bleiben liegen, bei einem Telefonat hast Du sofort die Reaktion, wirst zwar kreuz und quer verbunden, aber bekommst wahrscheinlich zuletzt den ganz richtigen Kontakt für die ganz alten Sachen... (Firmenarchivar, oder einen alten Haudegen aus dem Vertrieb, der die alten Sachen noch kennt)
 
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collector

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Hat auch per Mail 1A funktioniert, nach 2 Tagen kam eine Rückantwort vom Service ;)
Ergebnis: In den Nachkriegskatalogen taucht die Uhr nicht mehr auf also wird das vermuete Baujahr wohl stimmen.
Von den Vorkriegssachen ist leider überhaupt nicht mehr vorhanden und Leute die soetwas wissen könnten
gibt es dort leider schon lange nicht mehr. Leybold fand das Gerät aber höchst interessant und wohl selten.
Nuja, einen Versuch war es wert.
 

Matthias MUC

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Ist doch gut! Die haben's auf jeden Fall bestätigt, daß das Trumm aus ihrem Stall stammt, und von da aus kannst Du weiterforschen.
Im Deutschen Museum in München gibt es im Archiv auch eine ausufernde Sammlung von Firmenschriften. Das Archiv ist zwar prinzipiell Präsenzbestand mit Nutzung vor Ort (im Rahmen von Corona derzeit natürlich), aber wenn es noch was gibt in DE, dann dort, und eine Anfrage nach zunächst erst mal Leybold-Katalogen der betreffenden Jahre kann nicht schaden.

Deutsches Museum: Benutzung
Deutsches Museum: Firmenschriften
Deutsches Museum: L

lG Matthias
 
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