Überforderung durch Modellvielfalt im Jahre 2017?!

Diskutiere Überforderung durch Modellvielfalt im Jahre 2017?! im Herrenuhren Forum im Bereich Herrenuhren; OK, genug ist genug! In Fäden wie diesen...
#1
pre-mastered

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OK, genug ist genug! In Fäden wie diesen...

https://uhrforum.de/omega-speedmast...-axial-master-chronometer-chronograph-t325842
https://uhrforum.de/omega-bitte-t325713

... strotzen gefühlte 95% aller Kommentare vor Negativität, meine eigenen eingeschlossen! :shock:

Ein "Gefällt mir nicht" genügt nicht mehr heutzutage, der kundige Uhrenträger will mit vermeintlich objektiven Äusserungen über Wertzerfall durch Explosion der Modellvielfalt brillieren. Will er damit etwa seiner Überforderung durch das ständige Verdrängen neu auftauchender Kaufreize Luft verschaffen?

Versetzt euch zurück in das Jahr 2006 (ungefähr). Jene unter euch, welche über 40 sind und damals schon Uhren mochten und kauften, erinnern sich gut an diese unschuldigen Jahre, als Walt Odets drüben im Timezone-Forum der Amis die Vorzüge des ETA 2824 mit jenen des ETA 2892 verglich, als das Rolex 3135 das höchste aller Manufakturergüsse war und als man auf Foren wie diesem noch in jedem zweiten Faden das ETA 2824 mit dem Rolex 3135 verglich und dabei herauskam, dass im Alltag kaum Unterschiede zu verzeichnen wären (stimmt ja auch heute noch). Wir waren glücklich, wir waren unschuldig, wir waren frei und wussten: Mein Nachbar trägt auch nur ein langweiliges Gehäuse am Handgelenk, da drin tickt dasselbe Werk wie in meinem.

Doch seid mal ehrlich: Wir hofften damals alle heimlich (wetten!), dass Omega oder Breitling oder andere Marken uns endlich aus dieser technologischen und gestalterischen Einöde befreien! Tudor gab es noch gar nicht, jedenfalls nicht so wie heute! Nomos war nirgends! All die leckeren Mikrobrands! Wo waren sie? Es gab die jungfräulichen Stowa und Sinn und überall tickten die ETAs. Wir hofften auf Erlösung durch etwas Neues, Unbekanntes, Besseres... Wir träumten nachts von der Erleuchtung durch den Heiligen Uhrengral und hatten Albträume und Hitzeschübe aus Angst, dass die Swatch Group unsere geliebten 2824er nicht mehr an Dritte verkaufen würde! Diese Drohung pulsiert heute noch in meinen Knochen. Und jetzt kommt's: Hätten wir damals gewusst, was 11 Jahre später auf dem Markt ist (also heute), hätten wir gejubelt vor Freude, Liebreiz und Verzückung, mal abgesehen von den Preiserhöhungen. Aber seid mal ehrlich: Kennt ihr jemanden (euch eingeschlossen), der sich vom Uhrenhobby abgewendet hat, weil er die für ihn perfekte Uhr, die er unbedingt wollte und seinem Budget entsprach, in der Gegenwart nicht finden und erwerben konnte? Damals, im öden Jahr 2006 wäre das möglich gewesen, heute gibt es keine Entschuldigung mehr! Anders gesagt: Es geht uns - trotz der höheren Durchschnittspreise - viel besser als damals, denn im unteren oder mittleren Preissegment wurde nämlich auch alles besser: Die Werke wurden optimiert, neue günstige Manufakturticker fanden den Weg zu den Kunden... Kurz und knapp: Die Uhrenwelt ist heute doch viel spannender und vielfältiger als im Jahr 2006. Wir profitieren von der Modellvielfalt, von der Vielfalt an verschiedenen Images und damit verbundenen Gefühlswelten, von der Kalibervielfalt, von den amagnetischen Coax und von zig Dutzend weiteren Neuerungen quer durch alle Marken hindurch, derweil am Horizont der Futura innovative neue Leckerbissenmotoren wie jener von Zenith auftauchen, die uns das Uhrenparadies auf Erden versprechen. Was wollen wir mehr? Wir sind gesegnet!

:klatsch:

Und was machen wir? Was machen wir??? Wir jammern über den Wertzerfall bei Omega, über die Designs bei Marcello, über die Verfehlung der Perfektion bei einer neuen Nomos, über andere Forumskollegen, über Neulinge, die den ersten Fettnapf erwischen. Dabei wäre es so einfach: Setzen wir uns doch einfach die Brille aus dem Jahr 2006 auf die Nase und wir erstarren in Ehrfurcht.

Sind wir überfordert? Übersättigt? Verwöhnt?

;-)

Schönes Wochenende allerseits!

:prost:
 
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#2
Pro One

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Sind wir überfordert? Übersättigt? Verwöhnt?

;-)

:prost:
Ja!

Danke für diesen Beitrag.

Was sollen die Uhrenhersteller denn machen? Das Rad kann nicht jeden Tag neu erfunden werden. Auch sie sind getrieben, wachsen zu müssen auf Teufel komm raus. Das geht u.a nur mit Innovationen. Die fallen aber nicht jeden Tag einfach so aus der Maschine. Also müssen Varianten her, die auf bestehenden Modellen aufbauen, bestimmte Zielgruppen ansprechen und sicher auch auf bestimmte Märkte abzielen (Stichwort Asien).

Außerdem. Was würden wir denn sagen, wenn jedes Jahr zur Baselworld nur die Uhren des letzten oder vorletzten Jahres auslägen und die Verkäufer sagen würden: Die Uhr ist doch noch aktuell und modern? Warum sollen wir was Neues entwickeln? Die Marke wäre schneller weg vom Fenster als wir schauen können.

Jetzt kommen Varianten in ausreichender Zahl, so dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte und es wird überwiegend gemeckert und kritisiert. Ich verstehe es auch nicht. Es wird niemand gezwungen, die Uhren zu kaufen und jedes verfügbare Modell schon gar nicht. Oft habe ich aber den Eindruck, dass es fast an eine persönliche Beleidigung grenzt, weil ein neues Modell am persönlichen Geschmack vorbei geht. Dabei würde man die Uhr wahrscheinlich mangels Masse ohnehin nicht kaufen können/wollen.
 
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#3
Dr. Wu

Dr. Wu

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Da hast du dir viel Mühe gemacht,aber ich sage:90% der Neuerscheinungen lassen mich kalt. Meine eigenen Ziele habe ich fast erreicht,da können die Hersteller noch so viele Limiteds um sich schmeißen.
 
#4
reloj

reloj

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Sehr gut geschrieben, Daumen hoch :super:

Nicht zu vergessen, durch die Neu(er)findung der Marken feiern die U(h)rahnen derselben, welche jahrelang in der Schublade, auf dem Dachboden oder bei Oma unterm Rock schlummerten ebenfalls ihren zweiten Frühling.
Sicher ist jeder von uns irgendwann gesättigt oder sogar übersättigt.
Aber etwas Demut, Respekt vor dem Mut der Microbrands und Nachsicht mit Neulingen tut uns allen, na zumindest nicht schaden :prost:

P.S. Viele beneiden uns sicher für unsere Probleme ...
 
#5
Spitfire73

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Sind wir überfordert? Übersättigt? Verwöhnt?
Ja, ja und ja. Dazu kommt bei vielen die finanzielle Überforderung des Hobbybudgets durch die Preisentwicklung der letzten Jahre. Der Frust darüber entlädt sich in vielerlei Form: Verklärung der alten Zeiten, Verklärung von Vintage oder eben in übertrieben harscher Kritik an den Neuheiten. Im Vergleich zu früher ist die Szene unstrittig gereizter und viele reden absichtlich schlecht, was aus ihrer finanziellen Reichweite geraten ist.

Und etwas anderes fällt mir auch auf: früher hatte man drei Uhren zur Wahl und entschied sich für eine. Heute hat man 30 Uhren zur Wahl und hat sich handlungsunfähig informiert. Dann werden albernste und winzigste Dinge zum Drama und NoGo aufgeblasen, an kleinsten Details wird herumgemäckelt was den Nächsten dann wieder zum Widerspruch reizt und ab geht's mit zünftigen Stammtischschlachten...

Gruß
Helmut
 
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#6
Oelfinger

Oelfinger

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Man ist nur dann überfordert, wenn man meint, zu jedem Thread und jeder Neupräsentation und jeder Uhrenvorstellung seinen Kommentar abgeben zu müßen.

Beruht aber anscheinend auf Gegenseitigkeit, weil man für ein "Schöne Uhr, gefällt mir, viel Freude damit" schon mal als wortkarger Neider tituliert werden kann.

Meiner Meinung nach ein selbstgemachtes Problem.
 
#7
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Dass man zu einer Neuvorstellung einen Kommentar abgibt, ist doch schließlich Sinn des Forums und nicht per se schlecht.

Ich verstehe aber deine Aussage. Es geht eben oft nicht um einen Meinungsaustausch auf sachlicher Ebene, sondern eher darum, Hauptsache was geschrieben. Ich vermisse hier teilweise einen sachlichen fachlichen Austausch mit fundierten Argumenten. Logisch, ich schreibe auch mal Mist und das gestehe ich jedem auch zu. Auch gegen einen witzigen, flappsigen oder ironischen Kommentar wird auch keiner was sagen. Insgesamt könnte aber manchmal mehr Niveau und Fachkompetenz den Beitragen nicht schaden, anstatt erstmal gebetsmühlenartig zu meckern, wenn die Ziffern wieder abgeschnitten sind oder das Datum auf der 4 sitzt.
 
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#8
T. Freelancer

T. Freelancer

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Ich stimme mit Deiner Beschreibung der Situation überhaupt nicht überein. Frag mal nach dem Frust der Konzis und vieles hat mit dem Zauberwort "Manufaktur" zu tun.
 
#10
reloj

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Das Problem unserer virtuellen Parallelwelt.
Kritik zu äußern, auch in beleidigender Form, ist ohne direkten Gegenüber fast ohne Hemmschwelle möglich, da eine Gegenreaktion z.Bsp. Betroffenheit, Verletzung etc. für den Schreiber selbst emotional keine Konsequenzen hat.
Im persönlichem Gespräch ist dies anders.
Daran sollte man bei Beiträgen in Foren immer denken.
Nur das schreiben und in der Form, wie man es auch seinem Gegenüber in einer sachlichen, ziviliserten Diskussion mitteilen würde.
 
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#12
pre-mastered

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Ja, das ist definitiv eine der Schattenseiten der Vielfalt bei den Kalibern. Aber ich meinte eher die Kundenseite.

Mein Beitrag soll übrigens zum Nachdenken anregen und 100%ig ernst gemeint ist er auch nicht, ich hoffe, ein bisschen Ironie glitzert zwischen den Zeilen hervor...
 
#14
Pro One

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Ja, das ist definitiv eine der Schattenseiten der Vielfalt bei den Kalibern. Aber ich meinte eher die Kundenseite.

Mein Beitrag soll übrigens zum Nachdenken anregen und 100%ig ernst gemeint ist er auch nicht, ich hoffe, ein bisschen Ironie glitzert zwischen den Zeilen hervor...
Ist doch auch ein gern genommenes Motz-Thema: Die inkompetente Verkäuferin und deren lustige Aussagen ... ist das ein Automatik-Werk? Nein, es ist ein Schweizer Werk :D
 
#15
Sedona B

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Mein Beitrag soll übrigens zum Nachdenken anregen und 100%ig ernst gemeint ist er auch nicht, ich hoffe, ein bisschen Ironie glitzert zwischen den Zeilen hervor...
Also mich hast du damit eingefangen.

Ich bewundere tiefes Wissen was Uhren im Allgemeinen anbelangt. Darüber zu lesen macht Spaß und es interessiert mich.

Aber verstehen kann ich oftmals nicht die vielen Nörgelein, was Markenherkunft, Modellvielfallt und Ähnliches anbelangt. Das artet gelegentlich zu sehr in Erbsenzählerei aus und lässt in den Beiträgen oftmals Toleranz und Aktzeptanz gegenüber der Uhr/ Marke, aber auch den Membern vermissen.

Etwas mehr Lockerheit gegenüber anderen Ansichten wäre wünschenswert. Noch entscheide immerhin ich was ich kaufe. Von daher muss ich nicht auf jedes Pferd springen, was gesattelt vor der Tür steht. Also ich kann die Vielfallt geniessen ohne gleich in Kaufrausch zu verfallen.
 
#16
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Airboss

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Wow, ich bin "Pro Two"....honoris causa, versteht sich, weil: 100% Zustimmung an den Start-Post !

Obwohl Ironie hineinblitzt , ich sehe hier eigentlich nur die Wahrheit, über unser Hobby , über das Verhalten untereinander und die Verweigerung von "Spaß an der Sache" unterhalb einer gewissen Preisklasse und Marke.

Deshalb : Danke !

Mehr Beiträge wie dieser, weniger Beiträge in Richtung "bash" und ich lese hier noch lieber mit .

Lieben Gruß
Harty
 
#18
MRBIG

MRBIG

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Es gibt eine offensichtliche Vielfalt hinsichtlich der Armbanduhren und darüber hinaus.

Auch die Marke Tressa hätte hier z. B. einen Nischenplatz verdient.

Quasi ein Uhrenfass ohne Boden...
 
#19
Mueller27

Mueller27

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Hallo Pre-mastred,

Danke für deinen schönen Beitrag der gekommt zwischen leichter Ironie und bitterer Realität changiert.

Ich bin auch seit 2006 dabei - kaufte vor genau 11 Jahren meine erste teure Uhr (Omega SMP) - und stieg zeitgleich in die Foren-Welt ein und es blieb eben nicht bei der einen Uhr.

Was man einfach sagen muss: wir wurden in den letzten Jahren, insbesondere 2006 bis 2014 Zeuge eines unglaublichen Aufstiegs, eines Mega-Booms wie ihn kaum ein Luxus-Gut gesehen hat. Schlicht formuliert: Die mechanische Uhr hat sich zu Tode gesiegt !

Mit allen Vor- und Nachteilen.

Carsten
 
#20
pre-mastered

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Das ist doch Unsinn. Vielleicht öfter mal in den Vintage-Fäden mitlesen;-)
Ja, ich sehe es auch nicht ganz so hoffnungslos, man findet die Spassrosinen schon hier und dort, wenn man genau hinschaut. Im Vintagebereich noch mehr, stimmt schon. Doch in Anbetracht des immensen Reservoirs an (Mit-)Freude, Spass und bereichernder Unterhaltung durch unser gemeinsames Hobby schöpfen wir nur einen Bruchteil des Möglichen ab, was ich - und scheinbar auch andere - schade finde. Wohlverstanden, ich zähle mich ebenfalls zu den gelegentlichen "Negativisten" und ich spreche hier nicht von banalem Schulterklopfen. Wobei letzteres immer noch besser ist als Missgunst, Bashing und krasser Zynismus.
 
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