U(h)rlaub in Italien – eine Glosse

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sifu

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Man kennt das ja: in Italien spricht man mit den Händen. Man unterstreicht, stimmt zu oder auch nicht oder möchte einfach bella figura beim Sprechen machen. Und das ständig. Man spricht ja auch beinahe ohne Unterlass. Kluge Forscher haben herausgefunden, dass diese eher nonverbale Art der der Kommunikation in südlichen Gefilden verbreiteter ist als im Norden. Und warum ist das so? Ganz einfach, weil man im warmen Klima mehr außer Haus geht. Wenn jeder das tut, sehen sich die Leute. Also ist Gestikulieren sinnvoll. Im Norden bleibt man lieber daheim und trotzt der Kälte am Ofen. Gestikulieren könnte man höchstens mit der eigenen Familie. Alles klar?

Man stelle sich nun eine solche gestenreiche Unterhaltung von drei Personen abends gegen neun auf der Piazza vor. Keiner der drei trägt ein Armband, einen Ring, geschweige denn eine Uhr. Wie sähe denn das aus? Das wäre nicht Italien. Wenn überhaupt, eine „Hommage“. Und so ist es ja in Wirklichkeit auch nicht, denn die Gestik in der Unterhaltung bietet den schönsten Auftritt für die Uhr, den man sich vorstellen kann. Fazit: in Italien trägt man und frau Uhren. Basta.
Und welche? Kurzum: alles Mögliche. Die Herren meistens etwas Opulentes mit vielen Zeigern, am Stahlband. Vielleicht auch mit einem Kautschukband, dann aber farbenfroh. Richtig farbenfroh! Hier auf der Piazza trägt man die Armbanduhr nicht zur Zeitanzeige, nicht wegen der Pünktlichkeit. Nein, hier sind das Schmuckgegenstände.

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Und insofern ist es wohl den meisten herzlich egal, wie ihre Uhren angetrieben werden. Dennoch blitzt da manchmal etwas am Arm, was den Beobachter nochmals hinsehen lässt. Zum Beispiel Uhren einer sehr, wirklich sehr bekannten Schweizer Marke. In einem Feldversuch wurden in 9 (neun!) Tagen mutmaßlich mehr als 25 (fünfundzwanzig!) dieser Preziosen gezählt, 20 (zwanzig!) davon wohl dem bekanntesten Unterwassermodell des Herstellers zugehörig. Ein anderer Schweizer Hersteller dagegen weit abgeschlagen: eine Vielzeigeruhr mit extraterrestrischer Beziehung und eine hübsche blaue, wohl zum Tauchen. Macht 2 (zwei!). À propos Tauchen: in besagtem Feldversuch konnten noch weitere Spezialanfertigungen für eine semi-aquatische Lebensweise beobachtet werden, häufig von einem bürgernahen Hersteller aus Japan. Jetzt fragt man sich sicherlich, wie es zu einer derartigen Häufung von Zeitmessern der gehobenen Kategorie kommen kann: Schauplatz war eine kleine Insel vor einer großen Insel. Auf der größeren Insel gibt es einen Küstenabschnitt, der sich mit smaragdfarbenem Meer assoziiert und auch ein Tanzlokal aufweist, das sich als Klub für Milliardäre versteht.

Während sich der erste Teil des Feldversuchs quasi mit den Zeitmessern an sich beschäftigte, sollte im zweiten Teil nun herausgefunden werden, wie man sich in Italien mit diesen versorgt.

Jetzt stelle man sich ein italienisches Städtchen mit vielleicht zehntausend Einwohnern vor. In der warmen Jahreszeit verdoppelt sich diese Zahl dank Sommerfrischlern mit Leichtigkeit. Wie viele stationäre Vertriebsstätten für Zeitmesser mag es hier wohl geben? Zehn? Nein, auch nicht neun oder sieben oder fünf. Drei waren es mal, einer hat sich jetzt komplett dem Schmuck zugewandt und die Uhren sausen lassen. Womöglich waren es einst sogar noch mehr.

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Zwei sind noch da. Beide werden von Herrschaften alter Schule und fortgeschrittenen Alters geführt. In beiden gibt es preiswerte, aber auffällige Uhren für den Alltagsgebrauch oder eben die Unterhaltung auf der Piazza.

Der erste kann daneben mit Zeitmessern aus der schönen Schweiz aufwarten. Zur praktischen Weiterführung des Feldversuchs wurde die Dame hinter dem Ladentisch gebeten, eins der kostbaren Güter aus der Auslage zu holen. Der Vitrine, wohlgemerkt. Nach kurzer Prüfung bestand Übereinstimmung, dass es sich um eine Quarzuhr handele, der es allerdings an Batteriespannung gebrach. Sie musste also wenigstens zwei Jahre in der Auslage gelegen haben. Trotz guter Übereinstimmung der landessprachlichen Kenntnisse kam es leider nicht zu einer Annäherung. Beim Preis der Uhr[SUP]1[/SUP].

Der zweite Anbieter edler Zeitmesser konnte gleich mehrfach punkten: er war „Elite-Dealer“ einer japanischen Manufaktur, deren Name aus fünf Buchstaben besteht. Mehr noch, ein Fach seines Schaufensters war liebevoll handgeschrieben mit „Sammleruhren“ gekennzeichnet. Wer da nicht hellhörig und weitsichtig wird… Neben einer Stimmgabeluhr, die jedoch wegen ihres Äußeren nicht für die Versuchsanordnung geeignet war, fielen zwei Vielzeigeruhren ins Auge. Nach näherer Betrachtung war die Sensation perfekt! Eine in nördlichen Breiten beinahe gänzlich unbekannte Uhrenart[SUP]2[/SUP] war entdeckt worden! Der erste Teil des Duos war eine Quarzuhr, der Zwilling mechanisch angetrieben. Hübsch anzusehen, klein und zierlich. Beide verfügten noch über den originalen Ausweis ihres Wertes. Dieser jedoch, festhalten bitte, war in einer längst vergessen geglaubten Werteinheit angegeben: Lire! Die mechanische Uhr war mit 1.750.000 Lire angegeben, welche der Herr alter Schule und fortgeschrittenen Alters flugs in 890 Euro umrechnete. Der Feldversuch wurde abgebrochen.

Wenn es nun eine Erkenntnis aus alldem geben sollte, würde sie so aussehen: Erstens macht Urlaub Spaß, zweitens ist Italien schön und drittens Uhren auch.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Autor während des Feldversuchs auch eine Uhr trug: eine Sommer-, Urlaubs-, Alltags- und sogar Anzugsuhr.

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Anmerkung: Die Idee zu diesem Elaborat kam dem Autor auf La Maddalena. Er muss gestehen, dass er noch nie eine Uhr der sehr, wirklich sehr bekannten Schweizer Marke in der Hand hatte. Quasi handelte es sich um einen Blindversuch.

[SUP]1 [/SUP] Hamilton Khaki Air Chrono H74512133
[SUP]2[/SUP] Philip Watch, Swiss Made, leider konnte nichts Näheres über die besagten Modelle herausgefunden werden
 
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