Tutorial: Demontage und Montage eines Molnija 57128H

Diskutiere Tutorial: Demontage und Montage eines Molnija 57128H im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Liebe Freunde Tscheljabinsker Wertschöpfung! So genial ich El Locos Idee eines Wettkampfes um den Titel des Besitzes der ausdauernsten Molnija...
10-nach-10

10-nach-10

Themenstarter
Dabei seit
10.10.2013
Beiträge
2.959
Ort
56m üNN
Liebe Freunde Tscheljabinsker Wertschöpfung!

So genial ich El Locos Idee eines Wettkampfes um den Titel des Besitzes der ausdauernsten Molnija fand - bei näherem Hinschauen und schließlich durch eigene Erfahrungen mit dem erfolgversprechendsten Molnija-Werk (57128) war der Ausgang des Kräftemessens nicht von echter Chancengleichheit geprägt:

Während einer der Matadoren sein Pferdchen einer Operation am offenen Herzen unterzog, ein anderer an der Säumigkeit eines Uhrmachermeisters scheiterte, nahm mindestens eine Uhr im Bewußtsein des Beseitzers teil, daß seine "Emerald" noch nie eine Inspektion erlebt hatte. Daß das Uhrenquälerei und strafbar nach § 21 des Uhrenschutzgesetzes ist, sei nur am Rande vermerkt...

Abgesehen davon: Das Qualitätsbewußtsein osteuropäischer Exporteure läßt zu wünschen übrig, jedenfalls soweit ich das als fleißiger Importeur beurteilen kann. Zwar sind die meist als defekt beschriebenen Werke durchaus funktionsfähig - ein komisches Gefühl, nur Pseudotote zu bekommen, hierzulande ist es ja häufig umgekehrt - aber die Uhrwerke befinden sich um ihren 40., 45. (oder noch höheren) Geburtstag zumeist in einem beklagenswerten Zustand - ähnlich dem ihres neuen Eigentümers...

Grund genug, allen Interessierten für eine eventuelle Neuauflage eine "Molnija Challenge" die Gelegenheit zu geben, mehr aus den kleinen mechanischen Wunderwerken russischer Provenienz herauszuholen. Es ist nicht schwer und macht - jedenfalls ging es mir so - Heidenspaß. Nehmt es mir nicht übel, wenn ich nicht immer den richtigen Fachbegriff zur Hand hatte. Ich hoffe, anhand der Bilder (die gehostet sind, ich hoffe, auch das wird funktionieren) und der Beschreibung weiß jeder, was ich meine.

Auf geht´s!

Wir brauchen: Schraubendreher (100,160, 200, 250, 300) eine Kornzange, einen großzügig bemessenen Sortierkasten, eine Unterlage und für den Zusammenbau zuätzlich eine Lupe (5x), Öl und Ölgeber (da hat sicher jeder sein Geheimrezept) und - wer mag - Latexhandschuhe oder -fingerlinge.


Das abgelaufene Werk (Wichtig: entspannte Feder!!! Das Werk läuft unbehandelt um die 10 Tage, da droht sonst Explosionsgefahr!!!) ist dem Gehäuse entnommen. Auf der Werksseite widmen wir uns zunächst den erreichbaren empfindlichen Teilen.


1. Unruhe mit Kloben (1 Schraube 200) und Unterlegkloben (wird gern vergessen)



2. Ankerbrücke mit Anker (2 Schrauben 200) - Vorsicht! Das Ankerrad ist hier noch unerreichbar und bleibt, wo es ist.


3. Federhausbrücke (3 Schrauben 250)


4. Das Federhaus wird entnommen.


5. Räderwerksbrücke (3 Schrauben 250)


6. Sekundenrad, Zahnrad und Ankerrad


7. Gesperr mit Kloben (1 Schraube 200), Gesperr (1 Schraube 300), Feder (1 Schraube 160) und 2 Zahnrädern




Weiter geht´s: Das Werk wird umgedreht, die Zeiger und das Zifferblatt (2 Schrauben 100) werden entfernt (Vorsicht!!! Die Schrauben brechen schnell ab!)

8. Stundenrad


9. "Halteplatte" (3 Schrauben 300) mit einer langen Schraube


10. Darunter 3 Abstandhalteringe, davon 1 breiter


11. Die Brücke wird abgenommen, darunter befindet sich 1 bewegliches "Hütchen" als Abstandhalter.



12. Zeigerstellmechanismus


13. Die Brücke wird entfernt (2 Schrauben 250).


14. Kupplung des Aufzugsmechanismus



15. Zahnrad entnehmen


Wir sind fertig. Die noch vorhandenen beweglichen Teile können gemeinsam mit den Platinen gereinigt werden.


Zifferblattseite


Werksseite


Nun können alle Teile nach Lust und Laune gereinigt und poliert werden. Jeder hat da seine Methode, ich bevorzuge Waschbenzin und Ultraschall.

Die Montage:
Wenn alle Schritte bei der Demontage eingehalten worden sind, ergibt sich die Montage von selbst: Wie ein rückwärtslaufender Film. Alle Lager liegen frei und können mit den geheimsten Leichtlaufmischungen gedopt werden. An ein paar Stellen wird die Montage knifflig, auf die will ich kurz noch das Augenmerk lenken:

Beim Zusammensetzen der ersten 2 Platinen (Schritt 13) müssen die zwei vorhandenen Zahnräder zwischen den Platinen "verschränkt" werden. Dabei schon darauf achten, daß das Zahnrad (15.) richtig im Lager sitzt. Weiter muß die Kupplung in der richtigen Reihenfolge zusammengesetz und in die Platine gesteckt werden, dabei etwas festhalten (Feder!) und von dort aus vorsichtig die Platine/Brücke aufsetzen (das hält den Mechanismus zusammen).


Bei Aufsetzen der "großen Brücke" (Platine) muß die richtige Platzierung der 2 Schrauben beachtet werden: Rundung der Platine nach oben = Schraube links und mittig. Rechts bleibt frei, dort kommt das "Hütchen" hin. Den richtigen Sitz der Abstandsringe beachten!

Die "Halteplatte wird aufgesetzt (Schritt 9): Die lange Schraube sitzt rechts, darunter befindet sich das lockere "Hütchen".

Das Werk wird umgedreht:

U.a. die Lager von Anker, Ankerrad und Unruhe sind zum Ölen erreichbar.


Zuerst das Gesperr wieder aufbauen, es sitzt unter dem Räderwerk. Auf den richtigen Sitz achten, hier droht wegen der erheblichen Kraft der Ausfzugsfeder Gefahr (Schritt 7). Beim Einsetzen des Federhauses (Schritt 4) hingegen geht es nicht ohne etwas Kraftaufwand. Der runde Zapfen der Welle muß in das runde Lager der Platine, während die eckige Welle selbst von dem eckigen Loch des Stahlzahrades vom Aufzugsmechanismus umschlossen wird. Etwas Drücken und Drehen, dann sollte es gehen.


Die Brücke läßt sich dann leicht einfädeln, sie sitzt richtig, wenn die Welle des Federhauses eingerastet ist.

Wir setzen das Räderwerk zusammen. Zuerst das Ankerrad, denn es sitzt "unten".



Bei Aufsetzen der Räderwerksbrücke (Schritt 5) ist größte Vorsicht geboten, um die Zapfen der Räder nicht zu beschädigen. Beim Einsetzen hilft die Lupe. Wenn die Räder richtig platziert sind, klickt die Brücke allein in die Endlage auf den Pfeilern. Wenn alles sitzt, muß sich das Räderwerk mühelos bewegen lassen. Lieber 2x testen, als die Schrauben zu früh anzuziehen.


Nun wird die Hemmung eingebaut (Schritt 2). Ankerkloben und Anker befinden sich in dieser Position (auch hier höchste Vorsicht wegen der winzigen Zapfen!):


Wenn das getan ist, kann man das Werk schon ein wenig aufziehen. Dann wird die Unruhe eingesetzt (auch hier größte Vorsicht).

War nicht schwer, oder? Ich hoffe, Euch hat das Mitlesen Spaß gemacht. Mich würds freuen, wenn Ihrs nachmacht. Und glaubt mir: Das 57128 läuft so behandelt locker 21 Tage. Mindestens ;-).
 
Zuletzt bearbeitet:
S

Skollvaldr

Dabei seit
22.05.2014
Beiträge
54
Ort
Duisburg
Klasse Tutorial! Vielen Dank dafür.
Wenn ich mal eine Molnija besitze werde ich mitmachen.
BG
Martin
 
Badener

Badener

Dabei seit
27.07.2010
Beiträge
5.847
Ort
Eurasburg
Hallo,

vielen Dank für diese tolle Anleitung und die interessanten Einblicke in ein Werk, das man nicht jeden Tag sieht.

Gruß
Badener
 
Rostfrei

Rostfrei

Dabei seit
05.07.2010
Beiträge
1.762
Ort
Jena & Dresden
Schönes Tutorial. Bei sowas steckt immer viel Arbeit drin - vor allem in den bearbeiteten Bildern.
Ich kenne das Werk nicht näher, aber es scheint aufgrund der Größe gut für den Einstieg geeignet zu sein.
Da Du schon Öl und Ölgeber erwähnt hast, wäre noch eine Beschreibung welcher Art von Schmierstoffen wo verteilt werden müssen schön.
 
10-nach-10

10-nach-10

Themenstarter
Dabei seit
10.10.2013
Beiträge
2.959
Ort
56m üNN
Freut mich, daß es euch gefällt. Und es macht Spaß, mal etwas zurückzugeben. Ich bin in handwerklichen Dingen eher etwas ungeschickt. Genau deswegen hat sich das 57128 für mich als ideal erwiesen: Was die ETA auf 30 mm Durchmesser und 4 mm Höhe schafft, dazu benötigen die Tscheljabinsker 6 und 3 cm. Außerdem verträgt das Werk einen Buff und ist wirklich nur bei den Zapfen (Unruhe, Anker, Ankerrad und das nächste im Kraftschluß stehende Rad, dessen Name mir - ähm - entfallen ist) empfindlich. Bei meinen Ölungen könnten es die Letzten gewesen sein, jedenfalls kann ich mir vorstellen, daß der Profi nur den Kopf schüttelt. Die meisten Lager bestehen aus groben Zapfen und Metallbohrungen. Dort kam Koch #5 zum Einsatz. Bei den Steinlagern habe ich Koch #2 genommen. Geölt habe ich live beim Zusammenbau - so kam man ideal an die kritischen Stellen und konnte nichts vergessen.
 
FK65

FK65

Dabei seit
20.03.2010
Beiträge
376
Auch wenn ich`s nur überflogen habe: Wahnsinns-Arbeit und tolle Fotos. :super::klatsch:

Danke sagt

Frank
 
Ghorrim

Ghorrim

Dabei seit
25.03.2010
Beiträge
468
Ort
Niedersachsen
Wunderbares Tutorial - da hast Du Dir echt viel Mühe gegeben! :super: :klatsch:

So gerüstet wird es sicher ein vorderer Platz bei der nächsten Molnija-Challenge ;-)
 
10-nach-10

10-nach-10

Themenstarter
Dabei seit
10.10.2013
Beiträge
2.959
Ort
56m üNN
Ich hoffe ja, daß die nächste "Molnija-Challenge" bald startet. Um ambitionierten Tscheljabinskies, die den Verlauf des kommenden Wettberwerbs nicht von Zufällen abhängig machen wollen, reelle Chancen zu geben, hier ein weiterer Tip. Vorangestellt: Das 57128 ist zwar robust, den Gesetzen der Physik trotzen, das kann es aber auch nicht. Mir sind zwischenzeitlich ca. 20 Werke über den Tisch gegangen - gepflegt war kein einziges. Nun kann sich jeder ausmalen, was passiert, wenn Stahl jahrzehntelang auf Stahl reibt. Hier der Beleg. Das Foto zeigt die Mittelplatine mit dem unteren Lager der Federhauses. Wir erinnern uns an zwei Dinge: Erstens sitzt in dem Federhaus ein Energiespender mit "richtig Bums" und zweitens arbeitet dort der Aufzugsmechanismus. Genau dort wirken demnach enorme Kräfte. Das untere Lager des Federhauses ist ausgeschlagen. Über die Jahre ist es oval geworden:
2014-12-22_22.51.43.jpg

Nach dem Zusammenbau sieht alles völlig normal aus:
2014-12-22_23.00.19.jpg

Aber das täuscht. Die Federhauswelle steht nicht mehr senkrecht im unteren Lager. Und das ist verheerend. Das Abweichen von der Lotrechten führt dazu, daß das gesamte Federhaus schwankt und sich in der Folge großflächig an der oberen Platine reibt und sich nicht mehr - wie hier - gleichmäßig waagerecht unter ihr dreht:
2014-12-22_22.56.43.jpg

Ich hatte mich gewundert, warum das eine oder andere Werk, von dem ich meinte, es sorgfältig aufgearbeitet und montiert zu haben, einfach so weit vor der Zeit stehen blieb - das war die Erklärung. Wenn man also Werkpflege für die Challenge betreibt, sollte man auf das Aussehen der Lager achten und ggf. die Platinen tauschen. Aber auch sonst zeigen die mehrere Jahrzehnte alten Werke ihre Tücken: Die von der Zeitwaage dokumentierten Schwankungen der Amplitude lassen nur den Schluß zu, daß es infolge Verschleiß (Lager, Zahnräder etc.) zu Unregelmäßigkeiten in der Kraftfluß zwischen Feder und Unruhe kommt.
 
Zuletzt bearbeitet:
10-nach-10

10-nach-10

Themenstarter
Dabei seit
10.10.2013
Beiträge
2.959
Ort
56m üNN
Lust auf ein bißchen Mechanik? Weil das Werk so einfach ist, eignet es sich prima zum Rechnen:

Ich habe das mal fotografiert:

2015-02-01_11.16.11.jpg

Das Bild zeigt zweierlei. Zum Einen den Kraftfluß vom Federhaus zum Ankerrad (schwarze Striche) und zum Anderen die Übersetzungsverhältnisse. Um es anschaulicher zum machen, habe ich das Minutenrohr abgezogen (im Bild unten), um auch das Getriebe besser darstellen zu können, das für die richtige Anzeige der Stunden verantwortlich ist.

Nimmt man das Minutenrad und geht im Kraftfluß weiter nach rechts in Richtung Ankerrad, muß man "über das Sekundenrad gehen". Das sollte demnach in der Zeit, in der sich das Minutenrad 1x um 360 Grad dreht, 60 Umdrehungen machen. Schauen wir mal: 96 Zähne auf den Trieb mit 10 Zähnen ergibt bei diesem 9,6 Umdrehungen (96:10=9,6). Die Kraft wird über das Rad mit 100 Zähnen auf den Trieb mit 16 Zähnen weitergeleitet: 100:16=6,25. 6,25×9,6=60. Stimmt also.

Wollen wir fix noch ausrechnen, mit wievielen Halbschwingungen das Werk werkelt? Eine Stunde hat 60 Minuten - merken! Dreht sich das Sekundenrad 1x (=60 Sekunden) geben 80 Zähne die Kraft auf den 8-Zahn-Trieb des Ankerrades weiter. Also dreht sich das Ankerrad mit seinen 15 Zähnen 10x, wenn sich das Sekundenrad 1x gedreht hat. Demnach: 80:8=10. 10×15=150. 150×60 (Minuten)=9000. Ein Zahn am Ankerrad wird nach 2 Halbschwingungen der Unruhe, die den Anker je 1x hin und her wirft, freigegeben. Also: 9000×2=18.000 A/h. Stimmt auch.

Man kann es sich ja fast denken, aber zur Sicherheit schauen wir nochmal, ob sich auch der Stundenzeiger richtig bewegt. Es sollte sich dann 1x um 360 Grad gedreht haben, wenn sich der Minutenzeiger 12x gedreht, also 12x60 Minuten angezeigt hat. Fangen wir zur Abwechslung mal hinten an: Das Stundenrad hat 48 Zähne. Es trifftauf einen Trieb mit 12 Zähnen. Dreht sich das Stundenrad 1x (12 Stunden) ergibt sich: 48:12=4. Das Zwischenrad dreht sich also in 12 Stunden 4x. Das bezieht seine Kraft vom 14-zähnigen Trieb auf dem Minutenrohr, also 42:14=3. 3×4=12. Wer hätte das gedacht? In 12 Stunden (1 Umlauf des Stundenrades) dreht sich der Minutenzeiger 12x um sich selbst!

Diese Russen ... ;-)

Der aufmerksame Gucker sieht, daß das Federhaus geöffnet ist. Warum? Big secret! Molnija-Challenge!
 
Zuletzt bearbeitet:
Badener

Badener

Dabei seit
27.07.2010
Beiträge
5.847
Ort
Eurasburg
Eine schöne und anschauliche Demonstration der zugrundeliegenden Mathematik. Danke!

Gruß
Badener
 
P

Pommes

Gast
Ich habe jetzt einmal so ein Werk in die Hand genommen, und die Umdrehungen am Federhaus gezählt.
Der Federkern macht bei einem Vollaufzug 6,5 Umdrehungen. (relativ ungenau, da nur anhand einer Markierung auf dem Kern ermittelt)
Das ergibt mit 6,5 * 81 / 11 *72 / 12 = 272,18 Umdrehungen am Minutenrad, bzw. Stunden Laufzeit.
Geteilt durch 24 Stunden/Tag ergibt sich daraus eine Laufzeit von 11 Tagen, 23 Stunden und 10,9Minuten.
Dies stimmt ziemlich gut überein, mit dem von mir ermittelten Wert von 11 Tagen 21 Stunden und 48 Minuten.

Die fehlenden 30 Stunden zu 13d, 3h, 44min finde ich schon noch. (nur für Insider zu verstehen);-)
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
10-nach-10

10-nach-10

Themenstarter
Dabei seit
10.10.2013
Beiträge
2.959
Ort
56m üNN
13d 3h 44' war der Rekord der letzten Challenge. Das waren 315,73333 Stunden. Da haben sich die Federhäuser der Gewinneruhren etwas über 7 mal gedreht. Vom Minutenrad (1 Umdrehung=1 Stunde) nach links ergibt sich: 12/72=0,16666. 11/81=0,1358. 0,1358x0,16666=0,02263. 0,02263×315,73333 (Gesamtlaufzeit)=7,145034.
 
P

Pommes

Gast
Das stimmt. Ich habe da irgend etwas falsch gemacht.
Aber die halbe Umdrehung bekomme ich mit Originalteilen hin.
Das Zauberwort heißt Optimierung der Länge .
Aber das ist geheim.

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Jetzt muss ich nur noch einen Federhausumdrehungsprüfstand bauen.
 
10-nach-10

10-nach-10

Themenstarter
Dabei seit
10.10.2013
Beiträge
2.959
Ort
56m üNN
Pommes, was meinst Du: Ob sich außer den Konstrukteuren des 57128 jemals jemand solche Gedanken um dieses Werk gemacht hat, wie wir? Ich meine mit 5 Stellen hinterm Komma, Uhrwerkspuzzles, neuen Messingbuchsen, Federhausumdrehungsprüfstand und so? Ob wir uns Sorgen um uns machen sollten?

Wie willst Du mit Originalteilen die Federlänge optimieren? Ich meine, es gibt einen Trick. Der ergibt sich aber aus den Konstruktionen der Werksvarianten, also alles entsprechend der Challengeregel "nur Original".
 
Zuletzt bearbeitet:
P

Pommes

Gast
Wenn die Feder null mm lang ist, dann kann der Federkern null Umdrehungen machen.
Wenn die Feder das gesamte Federhaus ausfüllt, dann kann der Federkern null Umdrehungen machen.
Dazwischen gibt es ein Optimum, welches herauszufinden gilt.
Und kürzen darf man die Originalfeder doch wohl.

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Ist eine Optimierungsaufgabe. Morgen werfe ich nochmal den Excel an, mit der Variablen Länge.
 
10-nach-10

10-nach-10

Themenstarter
Dabei seit
10.10.2013
Beiträge
2.959
Ort
56m üNN
Laß uns teilhaben. Ich meine, unterhalb der Schwelle des Verrats von Geschäftsgeheimnissen ;-).
 
P

Pommes

Gast
Hallo, hier mal meine Ergebnisse. Das sind alles theoretische Werte (also mit Annahmen, die von der Realität abweichen), und ich hoffe, ohne Fehler.
Molnija Feder Dicke variabel.jpg
Das erste Diagramm zeigt die möglichen Umläufe in Abhängigkeit der Federdicke bei einer Federlänge von bei mir gemessenen 964mm.
Da die Federdicke in einem Uhrwerk auch die Antriebskraft vorgibt, ist sie durch das verwendete Uhrwerkgetriebe, welches ja eine bestimmte Kraft (Drehmoment) zum Betrieb braucht, vorgegeben.
Bei dem Molnija 57128H eben mit 0,30mm. Genau sind es 0,29mm)


Diagramm 2 zeigt die möglichen Umläufe in Abhängigkeit der Federlänge, bei vorgegebener Dicke von 0,3mm
Molnija Feder Länge variabel.jpg
Wiederum rein theoretisch.
Bei Null mm Länge, also der Kern ist direkt (auf kürzestem Weg, also radial) mit dem Federhaus verbunden, folgt: keine Umdrehung.
Bei ungefähr 1700mm würde die Feder das gesamte Federhaus ausfüllen, daraus folgt: keine Umdrehung.
Dazwischen gibt es eine optimale Länge um möglichst viel Umläufe zu erhalten, die rechnerisch aber mit Fehlern behaftet ist.
Hier liegt das (rechnerische) Optimum bei 860mm, was man in Diagramm Nummer 3 besser sehen kann.
Molnija Feder Länge Variaber detail.jpg
Diese Zahlen sind, wie gesagt, rein theoretisch, da hier der Federanfang und das Federende, und deren Krümmungen nicht berücksichtigt sind.
Eine Uhrenfabrikation würde die optimale Länge vermutlich durch den Versuch ermitteln. Das geht schneller, als ein genaues Rechenmodell zu erstellen.
Gruß, C.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
10-nach-10

10-nach-10

Themenstarter
Dabei seit
10.10.2013
Beiträge
2.959
Ort
56m üNN
Hätte ich mal vor 35 Jahren in Mathe besser aufgepaßt. Dann müßte ich mich heute nicht mit der Rolle des Experimentators begnügen. Abseits davon: Deine Berechnungen finden sich ja in der Praxis absout wieder: Übersetzungsverhältnisse in dem Werk und Gewinnerlaufzeit in der letztjährigen Challenge bzw. Verhältnis aus Federlänge und Klingenstärke ergibt (gut) 7 Federhausdrehungen - siehe mein Post zu #14 ('tschuldigung, Esel geht voran) bzw. Deine Tabellen. Was mich noch interessiert: Wie hast Du die Federlänge ermittelt? Ich kenne aus einem Lehrbuch nur den Trick, die mittlere Federwindung auszuzählen, diese als Kreis zu idealisieren, diesen Umfang zu berechnen (Pi x Durchmesser) und das Ergebnis mit der Anzahl aller Windungen zu multiplizieren, um so - näherungsweise - die Federlänge herauszubekommen. Wenn ich an den Federn ziehen würde, um sie an ein Maßband anzulegen, hätte ich Angst, daß sie brechen.
 
Thema:

Tutorial: Demontage und Montage eines Molnija 57128H

Tutorial: Demontage und Montage eines Molnija 57128H - Ähnliche Themen

  • Tutorial: Tonabnehmer für Zeitwaagen-Apps, z. B. Tickoprint

    Tutorial: Tonabnehmer für Zeitwaagen-Apps, z. B. Tickoprint: Tutorial: Low-Cost-Tonabnehmer für Zeitwaagen-Apps Was wir brauchen: 1) Cherub WCP-60G Guitar Pickup - Clip Magnet-Tonabnehmer eBay, ab...
  • Tutorial zum Reinigen + Aufwerten einer Uhr gesucht

    Tutorial zum Reinigen + Aufwerten einer Uhr gesucht: Schönen guten Abend, ich lese schon eine ganze Zeit hier mit, bislang primär bei Uhrenvorstellungen und im Marktplatz. Jetzt habe ich hier...
  • Tutorial um die Himmelsrichtungen mit der Uhr zu bestimmen!

    Tutorial um die Himmelsrichtungen mit der Uhr zu bestimmen!: Nachdem ein Kollege namens Hunterfate im Kroatischem Uhrforum dies veroeffenticht hat, habe ich mich entschlossen das zu uebersetzten und mit euch...
  • Tutorial: Ersetzen einer Incabloc-Feder

    Tutorial: Ersetzen einer Incabloc-Feder: Hallo zusammen, Ich war kürzlich auf einem Uhrenseminar, bei dem dieses Thema geübt wurde. Mir ist es schon passiert, daß beim Öffnen der...
  • Ähnliche Themen
  • Tutorial: Tonabnehmer für Zeitwaagen-Apps, z. B. Tickoprint

    Tutorial: Tonabnehmer für Zeitwaagen-Apps, z. B. Tickoprint: Tutorial: Low-Cost-Tonabnehmer für Zeitwaagen-Apps Was wir brauchen: 1) Cherub WCP-60G Guitar Pickup - Clip Magnet-Tonabnehmer eBay, ab...
  • Tutorial zum Reinigen + Aufwerten einer Uhr gesucht

    Tutorial zum Reinigen + Aufwerten einer Uhr gesucht: Schönen guten Abend, ich lese schon eine ganze Zeit hier mit, bislang primär bei Uhrenvorstellungen und im Marktplatz. Jetzt habe ich hier...
  • Tutorial um die Himmelsrichtungen mit der Uhr zu bestimmen!

    Tutorial um die Himmelsrichtungen mit der Uhr zu bestimmen!: Nachdem ein Kollege namens Hunterfate im Kroatischem Uhrforum dies veroeffenticht hat, habe ich mich entschlossen das zu uebersetzten und mit euch...
  • Tutorial: Ersetzen einer Incabloc-Feder

    Tutorial: Ersetzen einer Incabloc-Feder: Hallo zusammen, Ich war kürzlich auf einem Uhrenseminar, bei dem dieses Thema geübt wurde. Mir ist es schon passiert, daß beim Öffnen der...
  • Oben