Tickt und gongt ziemlich laut: Schwarzwalduhr mit Schlagwerk

Diskutiere Tickt und gongt ziemlich laut: Schwarzwalduhr mit Schlagwerk im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo Forumsmitglieder, Ich bin neu hier im Forum und bin fasziniert von alten Regulatoren und Jahresuhren. Es ist toll, wie unerschütterlich...
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OnceUponATime

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Hallo Forumsmitglieder,
Ich bin neu hier im Forum und bin fasziniert von alten Regulatoren und Jahresuhren. Es ist toll, wie unerschütterlich manch alte Uhr läuft und läuft.
Ich hatte den Wunsch geäußert, eine Uhr mit Schlagwerk zu haben und so bekam ich eine Schwarzwalduhr mit Porzellanschild geschenkt. Ich habe sie an die Wand gehängt und nach einigen kleinen Anlaufschwierigkeiten läuft und schlägt sie.
Momentan führe ich Protokoll, da, wie mir scheint, das Schlagwerk nicht ganz korrekt läuft.
Ich habe versucht, Infos im Internet zu finden, doch war damit nicht sehr erfolgreich. Vielleicht kann mir hier jemand helfen.
Da das Gehwerk recht laut ist, halte ich zur Nacht hin das Pendel an und schubse es nach 12 Stunden wieder an. Ist es unabänderlich, dass so eine Uhr so laut ist? Oder könnte ich das irgendwie ändern?
Könnte man bei einer solchen Uhr für die Nacht zumindest den Gong irgendwie abschalten?
Die Uhr schlägt um Viertel und und DreiViertel statt zur vollen und halben Stunden. Wie könnte ich das ändern?
Die Uhr hat auch noch eine Glocke für einen Wecker. Doch da scheinen nicht mehr alle Teile vorhanden zu sein.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ich hier im Forum Hilfe bekommen könnte.
Vielen Dank im Voraus, Beate
 

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Oelfinger

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Ist es unabänderlich, dass so eine Uhr so laut ist? Oder könnte ich das irgendwie ändern?
Dazu müßte man das Werk vom Holzgehäuse entkoppeln. Das Gehäuse wirkt als Resonanzkörper, da das Werk mehr oder weniger direkt ins Gehäusematerial eingebaut ist.

Könnte man bei einer solchen Uhr für die Nacht zumindest den Gong irgendwie abschalten?
Der sollte abschaltbar sein. Irgendwo ein beweglicher Hebel, der den Schlaghammer ausser Betrieb nimmt. Frag mich aber nicht wie oder wo, dazu kenne ich mich mit dieser Art Uhren nicht aus.
 
Der Stromer

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Also, auch wenn ich jetzt für Einige hier wieder Unsinn erzähle, muss ich doch meine Meinung und Wissen hinaus Posaunen :lol:
Diese Uhr hat eine Schwarzwaldwald-Hemmung. Das ist eine Hemmungsart, die wie die Waag-Hemmung ausgebildet war, aber nicht wie üblich oben auf dem Gehäuse der Uhr ihr Werk versehen hat, sondern schon moderner im Werk selbst untergebracht wurde. Das Waag-Hemmrad ist hier senkrecht angeordnet. Das konnte billig und schnell hergestellt werden und die ist nun mal sehr laut beim Tick - Tack, das lässt sich einfach nicht ändern, es sei denn, man verpackt die ganze Uhr in einen Eier (oder Ähnlichen) Karton. Auch ein "Entkoppeln hilft da nicht viel. Man kann diese "Liegende Waag" sehr schön im zweiten Bild sehen. Leider nicht sichtbar oben drauf, unter der Glocke, liegt die Mechanik zum Antrieb des Pendels.

Zur Uhr:
Das Werk wird in dieser Art sicher schon seit ca. 1700 oder so hergestellt. Und zwar ist der Schwarzwald und die dortige Bevölkerung in den Wintermonaten mit der Herstellung in Heimarbeit beschäftigt gewesen. Diese Werke wurden u.A. auch für die frühe Uhrenindustrie wie Junghans und so hergestellt, die das Rohmaterial (alles, was aus Metall war) geliefert haben. Die ganze Familie der Waldbauern hat dann an der Herstellung dieser Holzwerke mit gemacht. Ohne feste Arbeitszeit und unter erbärmlichen Bedingungen (Licht von der Kerze oder Holzkienspan, meist am Küchentisch, weil die Küche der einzige Raum im Haus war, der durch einen qualmenden Ofen einigermaßen warm war). Im Frühling dann, wenn die Wege wieder gangbar waren, sind die "Uhrenträger" als Hausierer mit mit den Rückentragen (Kiepen - daher auch der Name Kiepenkerl) ausgezogen und haben die Erzeugnisse im Namen der Uhrengrossisten verkauft. Bis nach Amerika sind die gekommen. Am Anfang waren die Uhren komplett aus Holz, auch die Räder, Triebe und Zapfen. Schlagwerk auf Glasglocken, die waren im Schwarzwald billiger wie die aus Metall. Dann wurden zumindest die Wellen aus Eisendraht gefertigt, später auch die Triebe aus Messing hergestellt. Zur Lagerung in den Holzstollen kamen Messingröhrchen zum Einsatz. Die ersten Metallzahnräder wurden von Kindern aus dem Vollen gefeilt, bis sich kleine Betriebe etablierten, die solche Teile aus Messing gossen. Eine lange Geschichte, von den Anfängen der Schwarzwalduhren bis zur heutigen Industrie. Deine Uhr könnte so aus 1840 - 1860 stammen, original sollte sie aber ein Holzschild (Ziffernblatt) haben, denn "Scherben" (das Schild ist sicher kein Porzellan, sondern Steingut die Spitze oben in der Mitte ist schon abgebrochen, also Vorsicht!) sind kein Material, dass aus dem Schwarzwald stammt. Glas schon eher.

Zum Schlagwerk:
Neee, das kannst Du nicht "Abschalten". Wenn das mal stehen bleibt und das Gangwerk weiter läuft, kommt das Schlagen komplett aus dem Tritt, weil es sich hier um ein sog. Schlussscheibenschlagwerk handelt und die haben keinen direkten Bezug zur Uhrzeit, wie ein Rechenschlagwerk es hat. Mit der Schnur, die angesprochen wurde, wird das Schlagwerk durch auslösen des Schlages wieder mit der Uhrzeit "Synchronisiert". Natürlich kann man mit dieser Schnur, wenn man die irgendwo fest bindet, das Schlagwerk auch lahm legen. Aber nur mit den schon beschriebenen Folgen. Der Schlag kommt aus dem Tritt. Aber man kann auf den Hammer, der auf die Tonfeder knallt, ein Stück weiches Leder aufbringen und den Hammerhals etwas Nachbiegen, dass er nicht so doll auf die Feder fällt. Dann wird das Schlagwerk ganz sicher leiser.

Merke:
Aus einer Uhr mit Schwarzwald-Holzrahmenwerk kann man keine hochwertige Wanduhr machen. Es geht einfach nicht.
Mein Tipp daher: Das Schlagwerk leiser machen und die Uhr dann in die Küche hängen, möglichst weit weg vom Schlafzimmer.

Ich würde an dieser erhaltenswerten, historischen Uhr jedoch nichts verändern. Jede Änderung vermindert den Wert dieser Uhr drastisch. Auf keinen Fall irgend eine Flüssigkeit in das Holzstollenwerk sprühen. Das kann die Uhr zerstören!!! Wenn erforderlich, bitte zur Reinigung nur einen Experten an die Uhr lassen. Damit meine ich NICHT einen der vielen "Uhrendoktoren"!

Ps.: Im Gegensatz zu Englischen Standuhren habe ich schon einige "Schwarzwälder" auf meinem Tisch gehabt:ok:
 
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OnceUponATime

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Das ist ja interessant, wie die Historie von Schwarzwalduhren ist, darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. ... dass Kinder die Zahnräder gefeilt haben ... Da hat meine Uhr wohl auch schon einiges erlebt.

Leider brauche ich Hilfe, denn wie man Schlag- und Gehwerk wieder synchronisieren kann, dass durchblicke ich nicht.
Mit der Schnur, die angesprochen wurde, wird das Schlagwerk durch auslösen des Schlages wieder mit der Uhrzeit "Synchronisiert".
Das verstehe ich nicht🤔🤔, eine Schnur sehe ich nicht im Uhrenkästchen.🤔🤔
Ich dachte, ich bräuchte nur den Minutenzeiger irgendwie auf dem Rohr locker machen und dann verstellen? Den Stundenzeiger konnte ich lösen und auf die richtige Position stellen, das hat geklappt. Aber beim Minutenzeiger klappt das nicht. Der ist ganz fest. Somit gongt die Uhr jetzt immer richtig, aber der Minutenzeiger ist dabei immer 15Minuten zu spät.
So sieht die Befestigung des Minutenzeigers von oben aus:
 

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Schraubendreher

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Guten Morgen,

wenn ich das richtig sehe, wird der Minutenzeiger von einem Vorsteckstift gehalten, der quer in der Minutenradwelle sitzt. Den musst Du seitlich in die richtige Richtung raus drücken. Danach kannst Du den Zeiger abziehen und in der richtigen Position wieder aufsetzen. Dann muss der Stift wieder rein, was aber fummelig ist, weil er ein konischer Stift ist und auf Presssitz sitzt. In der Uhrenwerkstatt nimmt man an dieser Stelle immer einen neuen Vorsteckstift. So etwas kann man als Sortiment bestellen, aber ein ganzes Sortiment wenn man nur einen einzelnen braucht?

Ich frage mich sowieso, wie das passieren konnte. Wer so einen Stift raus und wieder rein bekommt, wird ja wohl auch einen Zeiger richtig setzen können. Ganz komisch, das. :hmm:

Bis dann:
der Schraubendreher
 
Der Stromer

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Nochmal ich...
Als Erstes das Problem Minutenzeiger. Entweder hat ein Vorbesitzer das Zeigerwerk mal zerlegt und dann verkehrt wieder zusammen gesetzt, oder - schlimmer - Jemand hat bei der Zeitumstellung versucht, die Uhrzeiger Rückwärts zu stellen. Aber hier kann ein Uhrmacher helfen. Wenn Du keine Ahnung von Uhrenmechanik und insbesondere von alten Uhren hast, lass lieber die Finger davon.

Synchronisierung von Uhr und Schlagwerk ist eigentlich ganz einfach:
Normal: Stelle die Zeiger z.B. auf 12:00 Uhr. Zähle die Schläge, die das Werk an dieser Position macht. Zum Beispiel angenommen 7 für 07:00 Uhr.

Aber leider ist die besagte Schnur nicht vorhanden! Hier auf diesem Bild 3 sollte an der zweiten Welle von unten auf der linken Seite ein Hebel und eine Öse mit der besagten Schnur sein. Zieht man an der Schnur, wird der Schlag ausgelöst.

Ps.: gerade auf dem letzten Bild gesehen: Diese Uhr hat auch eine Weckeinrichtung. Die kleine Scheibe in der Mitte des Ziffernblattes ist die Einstellung dafür. Super Uhr und ich würde damit wirklich zu einem Uhrmacher gehen, der diese Uhren noch reparieren kann (vorher anrufen und Fragen!).

Und ein Verdacht: Jemand wollte mal genauer sehen, wie das funktioniert und hat daher das Blatt abgenommen und dann die Zeiger nicht wieder richtig aufgesetzt!
 
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OnceUponATime

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Vielen Dank für eure überaus hilfreichen Hinweise, durch die ich viel gelernt habe. Ich bin unerfahren, nur ein „Genießer“ von Uhren und werde mich nicht als Bastler versuchen. Trotzdem habe ich mir das Buch „Die Schwarzwalduhr“ von Herbert Jüttemann besorgt, um mein kleines Schätzchen besser kennenzulernen. Da sind sehr interessante Zeichnung von den verschiedenen Lauf- und Schlagwerken enthalten.
Hier im Forum habe ich eine Liste von Uhrmachern gefunden und fahre sobald wie möglich hin, um einen Kostenvoranschlag zu bekommen. Zumindest möchte ich Lauf- und Schlagwerk synchron haben, vielleicht kann ja der Wecker reaktiviert werden und der Gong muss unbedingt leiser gemacht werden.
Denn das Schätzchen ist wirklich sehr laut, daher halte ich nachts für 12 Stunden die komplette Uhr an. An das laute Ticken kann man sich gewöhnen, aber der Gong haut mich aus dem Bett😏.
Das Problem mit dem Minutenzeiger habe ich so gelöst, dass reale Uhrzeit und Schlagwerk übereinstimmen, der Minutenzeiger aber 15 Minuten nachhinkt. So schlägt die Uhr morgen zu Silvester korrekt um Mitternacht und zeigt mir das neue Jahr akustisch an.Was will ich mehr😊.
 
Der Stromer

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Erzähle dem Uhrmacher das Problem mit dem Minutenzeiger. Das macht der im "Handumdrehen"! Viel Erfolg und Spaß mit der Uhr. Das wird DER Hingucker in der Wohnung. Jede Wette!
 
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OnceUponATime

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Um es vorweg zu nehmen: ich habe einen Termin beim Uhrmacher für eine Durchsicht. Jedoch dauert das noch, der Uhrmacher hat eine Warteliste.
Bis dahin ... Könnte mir bitte nochmals jemand einen Tipp geben? Zum Thema „aufziehen“?
Da die Schwarzwalduhr zu laut gongt, halte ich die Uhr nachts an. Bevor ich das Pendel dann am nächsten Morgen anschubse, ziehe ich ich an den Ketten vorsichtig die Gewichte wieder hoch. Darf man das obwohl das Geh- und Schlagwerk ja in diesem Moment steht? Oder darf man die Uhr nur mit laufendem Pendel aufziehen?
Vielen Dank !
 
Der Stromer

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Du kannst sie Aufziehen wie Du möchtest. Nur während des Schlagens ist das nicht besonders vorteilhaft. Kaputt geht aber nichts. Nur daran denken: Zeiger niemals zusammen verstellen wollen und Rückwärts NIEMALS.

Viel Erfolg beim Uhrmacher.
 
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