Technische Frage zu typischen Comtoise-Werken: Schlagfunktion gezielt (de)aktivieren

Diskutiere Technische Frage zu typischen Comtoise-Werken: Schlagfunktion gezielt (de)aktivieren im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Hallo v.a. an die Großuhr-Fraktion, Frage zu den typischen Comtoisen mit Stundenschlag, evtl. Repetition, evtl. noch als "Goodie"...
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Matthias MUC

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Hallo v.a. an die Großuhr-Fraktion,
Frage zu den typischen Comtoisen mit Stundenschlag, evtl. Repetition, evtl. noch als "Goodie" Halbstundenschlag und/oder "Wecker": Ziel ist, so ein Trumm "mehrfamilienhauskompatibel" zu machen.

Gibt es bewährte Methoden, den Schlag artgerecht auf Zimmerlautstärke zu reduzieren?

Gibt es Methoden ohne Gefährdung fürs Werk, die Schlagfunktion ganz stummzuschalten? Einfach Schlagwerk nicht aufziehen? Oder eine Methode, den Schlag nach Bedarf zu aktivieren oder zu deaktivieren (Auslösung irgedwie blockieren) unabhängig vom Aufzug (das wäre bevorzugt, weil man dann einfach mal die Schlagfunktion tagsüber gezielt "vorführen" und/oder nachts gezielt stillegen könnte
Wahrscheinlich hängt das stark von dem konkreten Werk ab - solang ich um diese Dinger jetzt rumschleiche, sehe ich da stets sehr verschiedene Konstruktionen beim Schlagwerk, die man vermutlich erst mal am lebenden Objekt anschauen und verstehen muß....

Alle Maßnahmen sollten natürlich reversibel sein....

lG Matthias

PS:: Hoffe, daß da was möglichst elegant geht. Nicht daß es so wie mit Hunden geht: Ein Boarder Collie ist einfach kein Wohnungs-Schoßhund und eine Comtoise mit dem Topf obendrauf keine Uhr für 'ne Stadtwohnung!?
 
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Brandy-Boh

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Hallo Mathias
einfache Lösung wäre, einen kleinen Filz auf die Glocke kleben oder den Hammer vorsichtig etwas zurück biegen. Um das Schlagwerk zu deaktivieren kann man den Auslösehebel aushängen. Hab dazu mal zwei Bilder angehängt. Manchmal genügt es auch schon, die Glocke etwas zu drehen damit der Ton leiser oder lauter wird. Hat man eine schöne Bronzeglocke, würde ich den Schlag nicht ganz deaktivieren. Manchmal höre ich Nachts die Uhr schlagen, warte dann auf die Wiederholung und freue mich, wenn ich noch 2 oder 3 Stunden schlafen kann. Mich stört das Schlagen nicht, man gewöhnt sich daran.
Viel Spaß beim Einstellen
Klaus
 

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Matthias MUC

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Danke! Ob das gute Stück die Nacht durchschlagen darf, egal wie gedämpft, bezweifle ich - relativ hellhöriges Mehrfamilienhaus. Wenn das betreffende Exemplar da ist, werde ich mal schauen, wie das da konkret funktioniert und dann wieder berichten.
(es wird - allein aus Platzgründen - eh die einzige weitere Wanduhr neben meiner schweigsamen Damm & Wolff H3 werden können, mein Eheweiberl weiß auch noch nix davon....)
 
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Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

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Nimm doch einfach die Glocke ab, dann macht die Uhr nur noch Klack - Klack - Klack. Und tagsüber hängst Du die Glocke wieder drauf.
 
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Matthias MUC

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Das ist die quick&dirty-Methode vermutlich. Ich schau mir das im Detail an, wenn das gute Stück da ist. Mit einem kleinen Handgriff in die Eingeweide "Abschalten" wie die echte Nachtabschaltung bei Kieninger, Maute & Co wäre natürlich irgendwie eleganter, nicht nur optisch. Comtoise vorerst ohne Schild (ich finde, diese Werke brauchen sich nicht zu verstecken, haben schon diese schöne, maschinenbaumäßige Turmuhr-Anmutung) aber dann deutlich sichtbar ohne den Topf drauf, wie schaut das denn aus :shock: :face:

lG :prost:
Matthias

PS.: Glocke drehbar drauflassen, mit verschiedenen Dämpfungsstufen durch dämpfende Einlagen: Werktags (Reichweite 1 km), Abendmodus bis 22 Uhr und Wochenende (etwas gedämpft), Nachtmodus (geknebelt bis auf ein sanftes klopf klopf klopf....)... mal schauen.
 
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Brandy-Boh

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ich weiß ja nicht ob du schon eine Uhr ausgesucht hast. Meine Comtoisen kommen fast alle von ebay.fr. Suche da mal mit "Comtoise". Aktuelles Angebot im Sofortkauf für 60 € + 20 € Transport, incl.Glocke und Weckerwerk. In meinen Augen ein günstiges Angebot. Da man nur nach Fotos kauft hat man natürlich immer ein gewisses Restrisiko. Comtoisen sind aber ziemlich robust. Mit etwas technischem Verständnis kann man die zerlegen, reinigen und wieder zusammen bauen.
Grüße Klaus
 
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milou

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Die eleganteste Methode die Schlagfunktion zu deaktivieren, ist die Feder von der "Hammerachse" zu lösen. Ich werde Bilder machen.
 
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Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

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Die eleganteste Methode die Schlagfunktion zu deaktivieren, ist die Feder von der "Hammerachse" zu lösen. Ich werde Bilder machen.
Ist sogar noch einfacher, als die Glocke abzunehmen.
 
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Matthias MUC

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So, die Uhr ist da. 😍

Ich werde bei Gelegenheit auch noch mehr Fotos machen, wenn sie hängt, fest versprochen! Konsole ist im Zulauf, dann muß die Damm & Wolff H3 an ihrer Wand ein wenig auf die Seite rücken, außer mir fällt noch ein besserer Platz ein.
Gibt es zu den üblichen Comtoisen-Schlagwerken irgendwo im Web Bilder, die mir helfen, die ganzen Bestandteile richtig zu benennen? Mir fehlen da die Fachbegrifflichkeiten, sowohl für die Teile als auch für den Ablauf. Wie nennt man diese Art von Schlagwerk?
DSC03519_50_80.jpg

Meine Hilfsbegrifflichkeiten in Anführungszeichen siehe Bild.
DSC03519_50_80-EInzelteile.jpg
Ich sehe - außer die Federn auszuhängen, beim Halbstundenschlag das einfachste und einzige, hier schon mal ausprobiert... - mindestens beim Stundenschlag sicher noch paar Optionen, ihn ganz simpel stummzuschalten ohne Gefahr fürs Werk.

Was sicher auf Dauer fürs Werk ungesund ist, wäre, das Schlagwerk einfach nicht aufzuziehen, weil dann irgendwann dieser "Taster" (im Bild tw. vom Pendel verdeckt), der bei Schlagauslösung auf diese "Stufenscheibe" am Stundenrad fällt, nicht mehr Schlag für Schlag hochgeradelt wird, sondern liegen bleibt, Stunde um Stunde Stufe für Stufe weiter runterplumpst und irgendwann vor 1 Uhr dann eben mit der ganz hohen 1-Uhr-Stufe von dieser Stufenscheibe kollidiert. Die ist da zwar angeschrägt, um den federnden Taster beiseitezuschieben, aber auf Dauer erscheint mir das ungut, weil der "Taster" dann die ganze Zeit seitlich an der Stufenscheibe langkratzt, anstatt in Ruhestellung drüberzuschweben. Das ist sicher nur als Schadensbegrenzung gedacht, falls das Schlagwerk abgelaufen ist .

1) @Brandy-Boh schlägt in seiner ersten Antwort vor, den "Auslösehebel hinten" auszuhängen. Genauso wie auf seinem Foto kann ich das nicht machen, kollidiert mit der Welle drunter, aber ich könnte ihn mit einem Schnürchen hochgelupft fixieren, dann wird der ganze Schlagzyklus nicht ausgelöst, auch wenn weiterhin der "Auslösehebel vorne" um "ganz" und für die Repetition drei Minuten nach "ganz" von der Steuerscheibe auf der Minutenwelle gesteuert das Hebelwerk in Bewegung setzt.

2) Was mir zum Deaktivieren des Schlags auch einfällt, wäre, den "Auslösehebel vorne" soweit nach unten zu ziehen, daß er nicht mehr im Eingriff mit der Steuerscheibe auf der Minutenwelle ist, dann wird das gesamte Hebelwerk überhaupt nicht mehr betätigt.

Beides ließe sich wahrscheinlich mit einem Extra-Schnürchen ohne Gefummel im Werk lösen. Der "Taster" bleibt jedenfalls brav über der Steuerscheibe und bleibt da auch, der ganze Schlagzyklus wird nicht ausgelöst. Mit dem üblichen Hebelchen (hier grad nicht sichtbar), das auch für das übliche Schnürchen gedacht ist, läßt sich trotzdem jederzeit händisch der Stundenschlag auslösen.


Ich habe zu der Uhr noch das Original-Emaille-Zifferblatt mitbekommen, keine Verzierungen , möchte aber eigentlich das Werk sichtbar lassen, eine Acrylgasscheibe vorne und maximal einen Ring mit den Ziffern. Entweder irgendwie wie das Emaille-Zifferblatt aber nur der Ziffernring, oder ich finde jemand, der mir da was hübsches aus dünnem Messingblech ätzt/lasert.... mal schauen.
Das Trumm ist laut Zifferblatt von einem Roquier oder Roquiez aus Rabastens, ich vermute, damit ist das im Departement Tarn gemeint?

DSC03520_50_80.jpglG Matthias
 
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Brandy-Boh

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Hallo Mathias,
wenn das Aushängen des Auslösehebels nicht funktioniert, dann ist das Aushängen der Feder von der Hammerachse wohl die beste Lösung. Das hat auch den Vorteil, dass die Gewichte einheitlich ablaufen, aber ohne Schlag. Wenn ein Gewicht ganz oben hängt und das andere unten, dann sieht das optisch nicht ganz so optimal aus. Ich könnte mal zwei Bilder mit den Fachbegriffen anhängen, kommen aus dem Buch von Gustav Schmidt. Ich weiß jetzt aber nicht ob das urheberrechtlich zulässig ist, nicht dass ich nachher eine Abmahnung bekomme. Vielleicht kann mir jemand Rückmeldung geben ob ich diese Bilder einstellen kann.
Grüße Klaus
 
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Clavicembalist

Clavicembalist

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Moin,
du könntest am Hammer einen elastisches Band anbringen, um den Schlag abzustellen. Abends ziehst du das Band zurück und fixiert es seitlich zum Beispiel am Türknopf, oder du hängst ein kleines Gewicht daran. Dadurch bliebe der Hammer in zurückgezogener Stellung, und das Schlagwerk kann weiterhin ablaufen.

Gruß
Christian
 
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Matthias MUC

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@Brandy-Boh, den hinten aushängen geht schon, nur nicht nach unten, sondern hoch anheben und irgendwie so in der Schwebe halten, oder eben den vorderen Auslösehebel nach unten ziehen
Ist es (außer was die Optik der hängenden Gewichte betrifft) technisch von Nachteil, wenn das Schlagwerk überhaupt nicht läuft, nicht mal ausgelöst wird (also auch SICHER keine Kollisionen wie bei abgelaufenen und nicht aufgezogenem Schlagwerk)?

@Clavicembalist, das wäre sehr quick und sehr dirty, Gummibänder etc. sind optisch ja auch nicht soo toll.

Ich tendiere momentan zu Schnürchen am vorderen Auslösehebel. Da hätte ich sogar zwei Fliegen mit einer Klappe und mit einem Schnürchen. Schnürchen am vorderen Hebel nach unten ziehen und gezogen lassen (einhaken irgendwo, kleines Gewichtchen) = still. Schnürchen wieder lösen = 1x Stundenschlag sofort und Schlagwerk danach wieder normal "scharf". Erinnert mich alles ein bißchen an die Mechanik, die sich in modernen Toilettenspülkästen mit Normal- und Spartaste verbirgt :face:

Literatur, Begriffe: Bevor es Ärger mit Uhrheberrechten gibt: Ich tendiere momentan eh zu einem der Standardwerke. Der Schmidt ist sogar antiquarisch zu bekommen, der Bergmann (zumindest der einbändige) ist auch bezahlbar. Welches der beiden ist denn was die Technik betrifft, ausführlicher?
 
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