Taschenuhr: wie gläsernes Uhrglas einsetzen?

Diskutiere Taschenuhr: wie gläsernes Uhrglas einsetzen? im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Moin, ich setze gerade eine alte Taschenuhr in Gang, und beim Reinigen (Ultraschall, hätte ich hiermit vielleicht nicht machen sollen) ist das...
Rollo

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Moin,

ich setze gerade eine alte Taschenuhr in Gang, und beim Reinigen (Ultraschall, hätte ich hiermit vielleicht nicht machen sollen) ist das Uhrglas aus der Lünette gefallen. Es gibt einen Gehäusering, hinten den aufgedrückten Deckel und vorn eben eine aufgedrückte Lünette mit dem Glas drin.

Die Lünette ist hinterschnitten, das echt gläserne Glas (was für ein Deutsch!) konisch wie eins aus Kunststoff:

uhrglas.jpg

Wie man sieht, bin ich nicht der erste, der sich daran versucht - es gibt bereits einen Ausplatzer.

Wie bekommt man so ein Glas ohne Zerstörung eingedrückt? Immerhin hat es rund 50 mm Durchmesser, es wird also nicht viel Druck aushalten. Ob etwas zaghafte Erwärmung des Metalls reicht, die notwendigen Zehntel zu bringen?
 
El Loco

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Ich bin gespannt!
Habe nämlich auch so eine Kandidatin.
 
choctaw

choctaw

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Hi Ralph,

hast du mal gemessen, sind Glas und Ring rund? Oder ist eins von Beiden leicht oval?
Frage mich, wie kann das Glas im Ultraschall raus fallen, da wird es doch nicht warm, oder?
Erwärmen wäre auch eine Möglichkeit...........Versuch macht kluch :D

choctaw
 
Oelfinger

Oelfinger

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Vielleicht war das Glas eingeklebt und der Kleber hat sich im Bad aufgelöst?

Wenn erwärmen, dann gleichmässig auf einer Herdplatte, mittig gelegt und auf kleinster Stufe.

Grüsse,

Günter
 
choctaw

choctaw

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Hallo,

dann müßte das Glas ja jetzt ohne Kleber leicht in den Ring passen, und eben nicht fest werden!
Ich habe das so verstanden, das es nicht ohne Krafteinwirkung in den Ring geht!
Was sagt der TE dazu?

choctaw
 
Badener

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Hallo,

bei mir hat es bisher immer so funktioniert:
Metallring im Ofen bei ca. 80 °C erwärmen. Das nicht erhitzte Glas dann einfach in den Ring fallen und das Ganze abkühlen lassen.

Allerdings nur unter folgenden Voraussetzungen:
  • Das Werk ist ausgebaut ;-)
  • Beide Teile sind wirklich rund
  • Das Glas passt wirklich (da kommt es auf 1/10 mm an)

Gruß
Badener
 
H

holger 57

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Hallo,
Mineralgläser wurden eigentlich nur in weiche Glasränder aus Gold oder Silber eingesetzt. Sie erhielten ihren festen Sitz beim Aufpressen des Glasrandes auf das Gehäuse.
Seit den 20er Jahren wurden für billige Uhren die unzerbrechlichen Plexigläser eingesetzt. Solche Gläser werden bis heute hergestellt.
Gruß Holger
 
Mic69

Mic69

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Hallo Ralph,
das Glas wird unter ganz leichter Drehung einfach freihand wieder in den Ring gedrückt. Du kannst es auch umgekehrt versuchen, also den Ring Stück für Stück auf das Glas "fädeln". Dazu kannst Du das Glas rücklings z.B. auf einen Lederlappen legen oder einfach in der Hand halten. Die Fingerabdrücke kann man ja wegwischen ;-).
Sollte das Glas lose sein, wird es heute mit UV-härtendem Klebstoff eingeklebt. Früher benutzte man ein flüssiges transparentes und stinkendes Zeug namens Glaskitt, welches es heute auch noch gibt.
Der Ausplatzer muss übrigens nicht von einem Einsetz-Versuch herrühren. Wenn ich heute alte Taschenuhrgläser bestelle, sehen die manchmal schon so aus, wenn sie der Packung entnommen werden.
 
Rollo

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Moin! Danke für die vielen Hinweise! Ein paar Bemerkungen dazu:

Die Uhr ist eine alte Thiel, das Werk hat eine riesige unhandliche 3/4-Platine mit einem winzigen Ankerklöbchen (Stiftanker), das eigentlich nur ein rechteckiges Blechle von 2 x 8 mm ist. Wo finde ich mal Bilder für Werke dieser Art, um das Kaliber zu bestimmen und damit die Bauzeit? Im Moment kann ich kein Bild machen, das Werk ist zerlegt. Das zum Thema "bis wann wurden Glas-Gläser verbaut?".

Nein, das Glas fällt nicht einfach in die Lünette und war also vermutlich auch nicht eingeklebt. Wenn ich es sanft in die Lünette drücke, geht es ein Stück rein, dann gibt es ein häßĺiches Knirschen (oh Gott, das Glas!) und es sitzt immer noch schief. Ein Spalt für Kleber oder Kitt ist dann nicht zu sehen, allerdings wird auch keinesfalls die gesamte schräg geschliffene Fase des Glases in der (vermutlichen) Hinterschneidung der Lünette verschwinden - bestenfalls die Hälfte. Ich traue mich aber nicht, weiter zu drücken. Zum Einkleben mit "flüssigem transparenten und stinkenden Zeug" müßte doch ein deutlicher Spalt zu sehen sein?

@Holger, dafür müßte das Glas ja von hinten reingehen, nicht wahr? Das tut es definitiv nicht.

Ich werde mal die Erwärmung probieren. Die Herdplatte auf die 1, Ring drauf und das Glas dann "reinfallen" lassen. Wenn es kaputt geht, seid natürlich Ihr schuld :D.
 
Mic69

Mic69

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In diesem Fall ist das "Auffädeln" des Glasrandes der richtige Weg. Du kannst den Glasrand beim Aufsetzen geringfügig schrittweise federnd aufbiegen, etwa so, also ob Du die Wölbung des Glases nachahmen wolltest. Damit öffnet sich der Glaspfalz an der Stelle etwas und das Glas rutscht rein. Ich hoffe, das war verständlich. Mir kamen beim Zeichnen Gedanken, wie Mütze aufsetzen oder Tupperdeckel drüberstülpen. Siehe Zeichnung:
 
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Rollo

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Micha, "Tupperdose" ist gut :-). Diese Ahnung hatte ich auch schon, aber an auch nur ganz geringes federndes Biegen ist nicht zu denken. Dann habe ich mal ganz dicht von schief nach schräg innen den Rand beäugt, wenn das Glas "drin" war, und siehe da - es lag ringsum auf, obwohl es von der Seite schief erschien.

Ich schreibe in der Vergangenheitsgform. Denn ich dachte mir: wenn das Glas nach dem Ultraschall einfach rausfällt, kann das keine mechanischen Ursachen haben - dann war es wohl doch geklebt. Also habe ich das auf diese Weise auch repariert.

Bei nochmaligem Probieren merkte ich deutlich, daß das Glas mit einem Klick in den Ring rutscht und dann nicht weiter. Also machte ich mit einem spitzen Streichholz eine Spur Uhu Zweikomponenten-Kleber "Schnell-Fest" ringsrum in die Rille, schlüpfte in die Zwirnhandschuhe (wegen der fettigen Tapsen und gegen breitgeschmierten Kleber) und drückte das Glas auf fester Unterlage in die Lünette.

Ich glaube, es hält bombenfest. Eine Kleberwurst sehe ich nicht, Tapsen auch nicht, und das Glas liegt innen auf dem Rand auf. Perfekt! Kann natürlich sein, daß das Verfahren einen Uhrmacher graust...

Nun muß die Uhr nur noch gehen nach der Montage :-).
 
detlef

detlef

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Hallo Ralph!
Ja die Glasringe von den Thiels sind schon ziemlich widerspenstig,wenn ich mal kleben muß verwende ich Holzkaltleim den bekommt man immer wieder rückstandslos ab.Wenn Dir jetzt mal das Glas kaputt geht dann viel spaß beim entfernen des Klebers.
Da mein Gebiet die Thiel-Uhren sind mal ein Link zu einer aufstellung der Werke.Wenn Du mehr erfahren willst kannst Du dort auf unterschiedliche Ausführungen klicken im Prinzip alles was blau geschrieben ist kann man anklicken und erhält weitere infos.

Thiel Uhrwerke

Mfg.Detlef!
 
Rollo

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Wenn Dir jetzt mal das Glas kaputt geht dann viel spaß beim entfernen des Klebers.
Da haste wohl recht :-(. Auf den Holzleim hätte ich auch kommen können, den nehme ich sonst auch oft zweckentfremdet. Ich werde die Uhr nicht tragen, nur zur Schau stellen - also wird das Glas zu meinen Lebzeiten hoffentlich nie kaputt gehen ;-). Aber den Tip werde ich mir merken, danke!

Vielen Dank für den Link! Es dürfte also ein "Thiel Regular" sein. Sag mal, in der Liste steht "1935 - 1990" - soll das stimmen? 19neunzig? Als Bildmarke auf dem Blatt habe ich das Thiel-Logo. Nach hier dürfte die Uhr also zwischen 1935 und 1945 (1952?) gebaut worden sein. Aber das ist jetzt ein anderes Thema.
 
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holger 57

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Hallo Ralph,
mit Hilfe der Watch-Wiki Seite Werkfamilie Regular kannst Du den Herstellungszeitraum evtl. weiter eingrenzen.
Gruß Holger
 
Rollo

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mit Hilfe der Watch-Wiki Seite Werkfamilie Regular kannst Du den Herstellungszeitraum evtl. weiter eingrenzen.
Gruß Holger
Ah, prima, danke! Es handelt sich anscheinend um eine Ausführung C1. Mal sehen, ob ich da den Zeitraum noch genauer raus bekomme.

Ach ja, die Uhr tickt und tickt und tickt seit gestern abend. Sie freut sich über die Reparatur (die Unruh war aus den Lagern gesprungen und hat es überlebt - das geht???), die komplette Reinigung und das eingeklebte :-) Glas. Sie dankt Euch!
 
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detlef

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Hallo Ralph!
Das ist ja das schöne an diesen Uhren die haben eine Körnerwelle die ist eigentlich unkaputtbar.Das einzige was da passieren kann ist das sie einlaufen dann können sie aber auch wieder nachgeschliffen werden ob sich das allerdings lohnt?
Mfg.Detlef!
 
Rollo

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Nachschleifen lohnt sich hier sicher nicht. Die Uhr hält prima die Zeit und ich will sie ja eh nicht mit mir rumtragen :-).

Aber daß so eine Unruh durch einen Stoß ganz aus beiden Lagern springen kann, ist mir doch ein Rätsel. Irgendwas muß da ja federnd nachgeben, und das geht doch kaum bei dem gut 1 mm starken Blech des Werkes. Ist schon wundersam, wie robust diese fast primitiv anmutenden Werke sind!
 
Algol

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Dazu auch mal eine Frage.

Muss man ein Ersatzglas etwas größer, zb 1 zehntel, als man an der Lünette ausgemessen hat verwenden?
Wenn es eingepresst,oder wie beschrieben durch erwärmung der Lünette eingesetzt wird,muss es ja etwas größer sein.
Ich gehe von Mineralglas aus..
 
Badener

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Hallo,

wenn du ein Glas benutzt, dessen Durchmesser exakt mit dem gemessenen Durchmesser der Öffnung übereinstimmt, kann das Glas ja nicht durch Spannung gehalten werden. Es muss also etwas größer sein (1/10 sollte reichen). Dummerweise stimmen aber gerade bei älteren Ersatzgläsern die angegebenen Durchmesser auch nicht immer ganz exakt. Da dürfte auch 1/10 Toleranz drin sein.
In der Praxis mache ich es immer so, dass ich einfach ein paar Größen durchprobiere. Welches Glas passt, merkt man dann schon. Das Verfahren hat nur den Nachteil, dass man ein paar Gläser vorrätig haben muss ;-).

Gruß
Badener
 
Thema:

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