Uhrenbestimmung Taschenuhr silber

Diskutiere Taschenuhr silber im Taschenuhren Forum im Bereich Uhrentypen; Hallo zusammen, inzwischen hab ich meine dritte Taschenuhr vom Uhrmacher zurück. Hier war das eingepresste Ritzel vom Sekundenrad abgefallen und...
JoeJoester

JoeJoester

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Hallo zusammen,

inzwischen hab ich meine dritte Taschenuhr vom Uhrmacher zurück. Hier war das eingepresste Ritzel vom Sekundenrad abgefallen und damit das Zeigerfutter kaputt. Der Uhrmacher musste erst aus einer anderen Uhr ein passendes Rad finden und hat dann noch selber das Zeigerfutter angefertigt und eingepasst. Jetzt läuft sie wieder wie eine eins! ;-)

Das Originalglas war abhanden gekommen, daher wurde jetzt ein neues eingepasst.

Leider hab ich noch nichts definitives über einen Hersteller oder ein Alter der Uhr herausfinden können und hoffe hier mehr Informationen zu bekommen.

Das Gehäuse ist aus Silber, bzw. versilbert. Der Aufzug erfolgt über eine Krone bis Anschlag, d.h. kein Freilauf nach erreichen des Vollaufzuges. Die Einstellung der Zeit erfolgt über die Zeiger selbst. Das Uhrglas lässt sich über eine Drücker seitlich der Krone öffnen. Das Ziffernblatt ist emailliert und flach. Es trägt eine Blumenverzierung und hat römische Ziffern, die Minuten sind mit arabischen Ziffern am Außenrand angebracht.

Im hinteren Deckel ist eingefasst eine markierte "0,800 - FBS" (= Forstner & Blessing Schömberg oder Förster & Blessing Schömberg ??), darüber ist noch ein Bild, was man schlecht erkennen kann, es könnte der Auerhahn sein, die Schweizer Silbermarke. Dazu kommt eine Seriennummer "1-3949" und eine Punze "Halbmond mit Krone", also der Reichssilberstempel. Es ist auch noch ein Schriftzug angebracht, den ich aber leider nicht entziffern kann. Auf dem Staubdeckel aussen steht " Remontoir - Cylindre 6 Rubis", und innen nochmal die gleiche Seriennummer und "Metal".

Auf dem Werk selbst ist eine Marke im Oval "HHS - N" aufgebracht. Sonst finde ich keine Markierungen.

Wer weitere Infos dazu hat, z.B woher das Werk kommt, wer der Hersteller ist, von wann die Uhr ungefähr sein könnte, immer her damit! ;-)

Gruß,
Joe

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P

pet.sch

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Hallo Joe,
das Werk ist höchstwahrscheinlich von FHF, was ich aber nur aufgrund seiner Details schätzen kann. Hauptmerkmal dafür sind die abgerundeten Ecken der Aufzugsplatine. Ähnliche Werke gab es damals aber von einigen Uhrenfabriken, die diese Werke in Mengen hergestellt haben.

Laut Mikrolisk steht HHS - N für Heinrich Strauss in Nürnberg, der aber mit Sicherheit nicht der Hersteller, sondern nur der Großhändler oder Händler der Uhr war. Damals war es einfach so, dass die Hersteller oft nicht vermerkt waren, sondern dafür die Verkäufer.

Entstehungszeit kann man nur aufgrund der optischen Details schätzen. Ich würde sagen um 1900. Die römischen Zahlen hätte ich etwas eher eingeordnet, vielleicht um 1890, aber die Gravierungen auf der Gehäuserückseite gehen schon in den Jugendstil, dessen Hauptzeit auf Alltagsgegenständen eher nach 1900 war.

Hat Dich der Uhrmacher nicht in die Funktion der Uhr eingewiesen ? Denn die Zeit wird auch bei Deiner Uhr nicht direkt über die Zeiger eingestellt, sondern mit Hilfe des kleinen Knöpfchens seitlich der Krone, mit dem Du den Glasdeckel aufmachen möchtest. (den vorderen Deckel kann man nur mit einem Messer oder einem ähnlichen Gegenstand oder dem Fingernagel aufmachen, ganz nach Fähigkeit )
Zur Zeigerstellung mit dem Fingernagel den Knopf hereindrücken und gleichzeitig an der Krone drehen, damit wird die Zeit verstellt.

Ein Aufzug bis zum Anschlag ist normal für solche Taschenuhren. Eines Federschutz durch eine Rutschkupplung nach Vollaufzug gibt es eigentlich nur bei 8-Tageuhren und bei manchen Roskopfuhren.

Gruß
Peter
 
JoeJoester

JoeJoester

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Hi Peter,

danke für die Infos, das is sehr aufschlussreich! Nach dem HHS-N hab ich auch gesucht, aber nicht das gefunden. Das macht auf jeden Fall Sinn, weil ich genau aus der Gegend komme.

Das mit dem Knopf drücken zum Verstellen war mir tatsächlich neu, da hat auch der UM nix gsagt. Ich dachte bisher, damit macht man den Deckel auf zum Zeigerdrehen, weil der eben aufspringt wenn man den Knopf drückt.... :roll:

Vielleicht weil man unbewusst Druck auf die Kante gibt?
 
ethan_esrah

ethan_esrah

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Hallo Joe,
vielleicht würde es helfen, wenn Du auch ein Foto der Werksvorderseite hättest. Bei einer meiner Taschenuhren, die ich gerade auseinandergenommen habe, befindet sich die Herstellermarke (in meinem Fall ein Blumentopf in einem Schild -> laut Mikrolisk: Lucien Rosselet, >= 1887) auf der Vorderseite der Werksplatine (der Zifferblatt-Seite).
Die Frage ist auch, was man bei Taschenuhren im unteren bis mittleren Preissegment unter "Hersteller" versteht. Das waren wahrscheinlich in den wenigsten Fällen Uhrenmanufakturen im heutigen Sinne sondern eher "Endmonteure" mit geringer Fertigungstiefe. Bin aber kein Experte, was Uhrengeschichte angeht.
Viele Grüße,
Sven
 
Taschenzwiebel

Taschenzwiebel

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Hallo Joe,
Uhren mit diesem Erscheinungsbild werden oft als "Steirisch" bezeichnet. Oft sind auch sehr schöne ländliche Szenerien wie Dörfer oder Tiere etc. auf der Rückseite graviert. Sie könnte aus Österreich stammen, ich weiß es aber nicht genau. Vielleicht kann jemand sagen, ob man vom Stil auch auf den Herstellungsraum schließen kann. Viele Grüße Andreas
 
P

pet.sch

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Vielleicht kann jemand sagen, ob man vom Stil auch auf den Herstellungsraum schließen kann.

Nein, das kann man in der Regel nicht. Die Uhren "industrie" war damals schon international und die Fabriken stellten sich auf die Absatzmärkte ein. Fast alle Uhren im alpenländischen oder steirischen Stil wurden wie diese, in der Schweiz hergestellt.

Das war sogar schon 100 Jahre früher schon so. Spindeluhren, die regionale Namen tragen wurden auch schon oft in großen Uhrzentren hergestellt und dann mit einem Uhrmachernamen und Ort versehen, so dass man heute nur noch an den Merkmalen sehen kann, dass die Uhr nicht von Max Mustermann aus Hintertupfingen stammt, sondern vielleicht von Japy oder dergleichen ist.

Das ging ja soweit, dass die meist westschweizer Uhrenfabriken ihre Spindeluhren mit großen französischen oder englischen Namen versahen und so damals schon fakes herstellten um sie besser verkaufen zu können. Man mag es nicht glauben, aber die Schweiz war vor 200 Jahren das, was heute China ist, billiger Arbeitslohn und schmücken mit fremden Federn. Zuerst Fälschungen von englischen, dann von französischen und noch später von amerikanischen Uhren und Namen.

Gruß
Peter
 
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pet.sch

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Ist zwar leicht off topic, aber ich muss meinen Vergleich der schweizer Uhren mit chinesischen unbedingt noch etwas ergänzen. Natürlich haben nicht alle schweizer Uhrmacher und Uhrenfabriken vor 200 - 120 Jahren fakes hergestellt . Aber die Arbeitskräfte waren billig und es wurden in der Schweiz Uhren/Uhrwerke für die ganze Welt hergestellt. Erst mit der Zeit bildeten sich die namhaften Uhrenfabriken heraus, die dann unter ihrem eigenen Namen Uhren verkauften und auch mit ihrem Namen Werbung machen konnten.
Heute gehört die Schweiz zu den Ländern mit den höchsten Löhnen weltweit. Wenn man nicht nur von heute auf Morgen denkt, ist die gesamte Welt immer im Wandel.

Gruß
Peter
 
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